Friday, May 24, 2013

GRAVEWURM - Infernal Minions - Cd / Hells Headbangers



GRAVEWURM die Band mit dem skurrilen Sprachenmischmasch im Namen ist eine der dienstältesten Black Metal Rummelbuden aus den Staaten. Momentan besteht sie auch nur aus 2 hörnerputzenden Adepten, mit einem nicht zu verachtenden Verschleiß vor allem an Bassisten. Über all die Jahre (bereits 1990 als Oblivion aus Schlamm und Pestilenz geformt) einzig verbliebenes Originalmitglied und somit unter Bestandsschutz stehend, ist der charismatischer Rädelsführer Kevin Fye,  mit wahrem Namen viel unbekannter als  Funeral Grave. Das hält ihn aber nicht auf, Gott permanent zu verdammen, den Engeln die weißen Flügel mit seinen verbalen Attacken anzukokeln und gegen das makellose Himmelstor zu keifen, als hätte er Rasierklingen mit seinem Happy Meal in den Schlund der Verdammnis gewürgt. Und anno 2013 befindet er sich nun auf halbem Wege zur unheiligen Glückseligkeit, steht mit Album Numero 9 nun Ingesamtrelease – Tusch und Bamm – 33 vor dem Höllenschlot. Alle Achtung dafür! Die Musik ist so primitiv und urwüchsig, wie sie wahrscheinlich bereits zu Beginn war, ist einer Ikone der Unmusik wie Venom näher als allen anderen heute noch blasphemierenden Schwarzröcken aus Norwegen und somit authentischer in der Szene verwurzelt, denn jeder weißgetünchte Blutdruckproblematiker. GRAVEWURM sind gewiss so was wie eine Ikone der Hobbysatanisten dort hinterm großen Wasser, weil F.G. immer aufrecht an sein Projekt festgehalten hat, andere Mitmusizierende überlebt und am Stil, an der tatsächlichen Vorstellung von Beelzebub und angegliedertes Musikschaffen geglaubt hat. Wenn ich die Eskapaden in Schwarz so höre, dann ist er für mich so was wie der Punk unter den bösen Finstermännern. Denn rein rhythmisch kommt er über weite Strecken mit 3 Akkorden aus, die Mucke ist unter der Rille billig und versprüht einen rohen und dreckigen Charme. Es ist also gar nicht alles Abraum, was unter dem Motto „Feuer an den Tempel“ über so unschuldige Seelen wie die meine hereinbricht. Die Riffs sind oft sogar richtig Old School teutonisch thrashig, haben diese rauchige Sodom Patina. Das generelle Gangtempo ist hektikresistent und stampft wie ein Waldschrat ohne Angst vor dicken Bäumen sonor durch den schattigen Hain. Hinzu kommt ein sporadisch einsetzendes Keyboard, dass noch zusätzliche schwarze Pinselstriche in die ohnehin schon morbid getönte Staffelei bringt. Ja und da kann es auch geschehen, dass 3 verpönte Akkorde zum Hüpfen bewegen (Master Of The Dark), was, so könnte ich mir vorstellen, ganz und gar nicht in der Absicht der Minimalkreativen liegt. Unversehens treffen wir uns auf dem  Gore und Eingeweide Tummelplatz wieder, wenn…ja wenn die Gitarre nicht so kratzig schrill und der Gesang eben nicht das Gekeife eines Kerberos ins Lächerliche ziehen würde. Aber der Rhythmus, den die Drums vorgeben, ist genau der gleiche und versprüht heimelige Erinnerungen an emotionale Abende bei Polka und Frischgezapften. Und trotzdem, oder gerade weil GRAVEWURM so kompromisslos alte Fäden ziehen, so stur eine Scheibe nach der anderen ohne erkennbare Änderungen auf der Produktionsschablone durch die Esse blasen, ist das ungeschliffene Endprodukt auch dieses Jahr genau so reizvoll und unterhaltsam wie der frühste  Rohlinge ihrer eigenen Historie. Zu empfehlen allen Adepten der ersten Stunde, die alle Originale von Hellhammer, Venom, Beherit und Roland Kaiser im Spind verwahren. „Infernal Minions“ ist ohne Scheiß ein richtig fieser kleiner Gift und Galle Spucker mit Drive und Antimaterie im Geiste. Es geschehen tatsächlich noch Zeiten und Wunder. Denn, würde mir Black Metal wirklich gefallen, dann wäre das meine Band. 
7/10

Thursday, May 23, 2013

MORGENGRAU - Extrinsic Pathway - Cd / Blind God Records



Gewöhnlich immer in die passende Konfektionsgröße aus dem Krabbelregal künstlerischer Marktverträglichkeit hinein, das kann scheinbar nicht jeder. Es gibt da immer wieder Leute, die lieber ihre ganze Jugend, öfter nun  sogar die ihrer Eltern in die Wundertüte packen, mit Enthusiasmus und Authentizität fest verschnüren und auf die Reise um den Metal – Globus schicken. So passiert es, dass eine Band wie MORGENGRAU in der Lage ist, Spuren im Sand der Zeit zu hinterlassen. MORGENGRAU sind 4 Texaner, was den Namen schon etwas ungewöhnlich erscheinen lässt, aber teutonische Geschäftstätigkeit hat auch die texanische Provinz schon mit der 1. großen Auswanderungswelle erreicht, und das der Name aus unserem Verständnis dezent albern klingen mag, sollte als Marginalie im Kapitel Lach und Krachgeschichten abgehakt werden. Mit 4 Texanern meine ich die etwas ungewöhnliche aber äußerst schätzenswerte Konstellation von 2 Damen und 2 Herren. Diesbezüglich sollte sich unser Pfläumchenblazer mal ein praktisches Beispiel für die Frauenquote in die Bundesnacht holen. Egal, die Musik der 4 ist knochenbrechender, stahlverbiegender und bleigießender Totmetall mit Thrash und Speed Markern und reicht von Morbid Angel über Asphyx bis zu Sepultura. Das bezieht sich selbstredend auf Material aus den frühen 90ern. Sogar Celtic Frost spielt eine nicht unwesentliche Rolle. Und das mit Sepultura will erst gar nicht geleugnet sein, präsentieren sie doch ihre Version von „Inner Self“, vom 89er Beneath The Remains Album. Den Song spielen sie in nahezu gleichem Tempo, vielleicht etwas tiefer gestimmt und ist übrigens der einzige, bei dem da mal ein Kerl die Stimmbänder in Schwung bringt. Ansonsten gehört der Vocalpart Erika Tandy, die ihre Stimme in Vergangenheit einigen Undergroundkapellen geopfert, bei HOD auch mal geklampft hat. Das was sie da macht klingt schon nach Frau, ist aber immer noch angenehm tief, extrem rau und kantig. Ach so, die 2. Kampfamazone der Band sitzt übrigens hinter der Bollerbude, was mit dem Gerücht aufräumen sollte, dass Frauen eine Rhythmusschwäche hätten und an den Drums nicht mehr als Bum – Bum - Ping könnten. Die hier ist ganz gut dabei. Das will zu den Songs passen, wie der Arsch auf den Nachttopf. Die wiederum gestalten sich immer wieder neu, nehmen sie doch ständig auf andere Helden der Vorzeit Bezug, sägen schwer, oder rattern wie ein Schulbusfahrer im Delirium die Einbahnstraße runter, manchmal wird schwerlastig mit Bolzen geschmissen, manchmal düster mit Gänsehautharmonien gespielt. Die Riffs sind immer speziell und doch zeitgemäß, erzeugen beständig einen vertrauten Eindruck. Und unterm Strich machen sie bei der relativen Vielfalt ihrer Nummern nie was hochgradig kompliziertes, gar Anspruchsvolles. Die knallen die Latte auf genau die richtige Höhe, halten die Waage irgendwo zwischen trockener Funktionalität und technischem Mindestmaß, sind damit unstrittig eingängig. Der Wiedererkennungswert so manchen 6 Saiten Rittes ist vorprogrammiert, egal ob es dabei unterschwellig melodiös oder blutig mordend zugeht. Meistens liegen sie sowieso irgendwo dazwischen, verbinden Angenehmes mit Brutalem, als hätten sie sonst nichts vor. Thrash Metal Riffs, Death Metal dergleichen, die Grenzen verwischen und der rohe Kern des Metal liegt offen, befreit von seiner Kruste zu argen Kastendenkens. MORGENGRAU sind ein sehr ambitionierter Genreneuling mit viel Speck und Fleisch auf den Rippen, sie schöpfen aus einem Repertoire, das vergleichbaren Bands nicht im selben Maße offen zu stehen scheint, und rühren damit an eine Epoche, als das Eine blutjung aus dem Anderen erwachsen wollte. Ist so was wie eine restaurierte Momentaufnahme verschütteter Erinnerungen und zur Gänze gelungen. Reanimationsversuche am eingerosteten Corpus Metallus mit Dreikantfeile, Trennschleifer und Brechstang, aber auch dem nötigen Ölkännchen und viel Liebe zum Detail, so würde ich das Album gern verstanden wissen. 
9/10

Wednesday, May 22, 2013

BURIAL VAULT - Incendium - Cd / Apostasy Records




BURIAL VAULT    haben sich auf ihrem neuen Melodienorgasmus etwas ganz Spezielles vor die intellektuelle Flinte geholt; „Fahrenheit 451“, einer der wohl berühmtesten Romane, in dem es um Diktatur, Staatsparanoia, Volksverblödung, Verbot von Büchern und genereller Eigennutzung der grauen Zellen geht. Neben „1984“ eine der beängstigendsten Utopien, die keine ist und niemals war. Und an ein wenig unterhaltsames Thema wagen sich nun 5 Norddeutsche, singen von Unterdrückung und Neugier, Verzweiflung und irgendwo auch vom Schimmer am Horizont. Somit ist nahe gelegt, dass es der Band lyrisch zumindest um Anspruch geht, und plakative Geschichten von Tod, Teufel, nacktem Fleisch und ekligem Gekrötze nichts im Radius der Akteure zu suchen haben. Aber wie nun setzen sie das Vorhaben musikalisch um? Tja und auf dieser Ebene hat der Kahn immer mal wieder Schieflage, auch wenn er wacker den Kurs hält. Mit einem Stilmix aus Death und Black Metal, der immer, manchmal zu verkrampft, auf melodiöse Vielfalt ausgerichtet ist, versucht die Band dem konzeptionellen Anliegen ihrer Texte Ausdruck zu verleihen. Und kreativ ist es zumeist tatsächlich, Leadgitarren flitzen und beweisen sich mit schöngeistigem Bangerfutter, die Vocals jonglieren wie ein Paarlauf zwischen Growls und Screams, und ein Göteborg – Solo nach dem anderen gibt sich die abgeriffelte Klinke in die Hand. Den Parts, bei denen Melodic Death Metal wie eine weiße Fahne vom Balkon hängt, fehlt im Nachklapp leider Biss, die wahrlich zu weich angesetzten Spielerein verfusseln sich schnell mal in Selbstgefallen. Dann gibt es Momente, die sind nahezu gewöhnungsbedürftig, wenn beinahe poppiger, cleaner Gesang die Nägel durch die Socken schießen lässt. Melodien gut und schön, ein guter Musiker muss sich auch selbst bestätigen, wenn sich der Spaß aber zwischendrin immer mal wieder auf die eigenen Füßen tritt, dann ist es irgendwann nicht mehr ganz so unterhaltsam. Bei Gasalarm steht dann eher Black Metal auf der Agenda, und dann geht das Tempo forsch in Angriffslaune über, dann wird straff und aggressiv gespielt. Leider aber doch zu selten, so fehlt dem Album der Nachbrenner, der einen dazu bringt, die Scheibe noch mal hören zu wollen und jeden Song zu rocken. Etwas kompakter wäre interessanter. 

Aber seien wir mal nicht so, denn klar ist trotzdem, dass der Band eine Rille gelungen ist, die in künstlerischer Hinsicht kein Blatt vor den Mund nehmen muss. Wenn die Musiker entschieden haben, ihre Stücke gern etwas getragener und ausführlicher zu gestalten, dann ist das auch legitim. Spannend ist doch zu sehen, wie sie ihre vielen Einzelideen zusammensetzen, wie sie ihre Instrumente gegen jegliche Kritik erhaben, beherrschen. Zusätzlich stolpern wir immer mal über akustische Lichtblicke, die zur Bestätigung des musikalischen Anliegens auch berechtigt dorthin gehören. Und da die Jungs es offensichtlich nicht darauf anlegen, die brutalsten, rohsten und rücksichtslosesten Schergen unter Gottes blauem Himmel zu sein, passt das schon. Wer es eben gern harmonisch und eine klitzekleine Spur düster, vertretbar aggressiv und endlos verspielt mag, der heiratet entweder seine Jugendliebe, wird mit ihr gemeinsam fett und faul, oder kauft sich „Incendium“, und bringt das Planspiel Dauerbeziehung in etwas unter einer Stunde durch. 

Aufgenommen wurde im Soundlodge (oder muss das korrekterweise – in der – heißen?), was jedem klarmachen sollte, dass der Sound messerscharf und bis in den letzten Winkel stimmig ist. Der erwähnte dezente Druckverlust ist ursächlich bestimmt nicht hier zu vermuten. Unterm Strich ist es ein passables Zweitwerk geworden. 
6/10

Tuesday, May 21, 2013

LANTERN - Below - Cd / Dark Descent Records



Dass der Finne eines der besten Bildungssysteme Europas hat, und dieser Fakt ihm rein gar nichts nutzt, beweist sich in der Tatsache, dass er gleichzeitig prozentual eine der höchsten Alkoholikerraten an der Leine spazieren führt. Mag es an Strukturschwäche, wirtschaftlicher Bedeutungslosigkeit oder dem stiefkindlichen Verhältnis zu den ihn traditionell einkesselnden Russen und Schweden liegen, oder hat es was mit perspektivischer Chancenlosigkeit in einem Land das nur aus Wald und Seen besteht, zu tun? Es gibt wahrscheinlich schon genug Holzfäller, Förster und Rentierschlittenlenker dort oben. Was aber daraus geboren wurde ist die düstere Seele in der Metalszene, da gibt es so viele traurige Suizidalverdächtige, die ihre Depressionen in niederschmetternde Kompositionen sägen, der Faktor Angst dominiert gar deutlich. Old School und Doom, dafür sind sie dort bekannt, großartige, gleichwohl verstörende Acts lassen seit Angedenken des Death Metal ihre verzweifelten Kanons aus den Forsten und Hainen ertönen. Seit einiger Zeit gehört das Duo LANTERN zu jenen Erschreckern. Deren Laterne flackert in künstlerischer Hinsicht halbwegs anständig, manchmal unerschrocken Licht spendend und in vergleichbarem Anteil unter den Stürmen der Zeit zitternd. Im Gegensatz zu ihren Kollegen versuchen sie sich ein ganzes Stück epischer, technischer und schieben die meisten Stücke auch mit mehr Energie, mehr Geschwindigkeit an. Das kann sowohl interessant und mitreißend klingen, als auch nerven. Interessant, weil sie aus ihren Instrumenten intellektuell betrachtet einiges heraus hohlen, die Leadgitarre weinen lassen was das Zeug hält und bei den Riffs gern Black Metal dominiert schreddert, und auch wegen des latent orientalischen Kicks. Der Drummer rattert meist schwarz und unauffällig aber stabil an seinem Kit, und auch die sehr gut verständlichen Vocals kratzen heiser am Gipfel des Wohlgefallens. Und nervig weil alles nach dem gleichen Strickmuster geschieht, wirkliche Spannung und Aufregung scheinbar  vermieden werden soll. Durch toxische Substanzen oder persönliche schwarze Löcher Geschädigte benötigen aber auch eine Konstante, einen festen Rhythmus und können kaum mit Abweichungen von der Tagesordnung umgehen. Aus diesem etwas augenzwinkernden Blickwinkel des nicht ganz zurechnungsfähigen Betrachters sollte sich so etwas wie Verständnis breit machen. Man kann es auf Dauer aber auch unvoreingenommen langweilig finden. Zusätzlich, und da kommt die Band nicht umhin, ist der Sound zu schrill und drückt keine Mücke an die Wand. Die meiste und beste Arbeit leistet tatsächlich das Klangspektrum, dass sich von den 6 Saiten ergießt, klassische Momente sein Eigen nennt, wenige aber gute Riffs vorstellt, auf die Tränendrüse drückt, technisch sehr umgänglich mit dem Ohr anbändelt und nie aufhört noch mal einen neuen Aspekt zwischen Death und Black zu suchen. Die Bestie zerrt beständig an der Kette, aber lösen will sie sich nicht so recht, qualitativ ist das wonach sie schnappt bestimmt kein Kindergarten, das blutig Reißen und Zerfleischen will ihr aber nicht so recht gelingen. Bedauerlich, dass ihr Geifern nur bedingt funktioniert, sie bei allen bösen Absichten strauchelt, und dass bei den Herren trübsinnig vor kompromisslos und aggressiv geht, die wahrscheinlich besseren Momente in einem verschwommenen Sound absaufen. Eine anständige Produktion mit echten Bässen und klareren Strukturen hätte wohl noch ein paar Körnchen auf der Waage des positiven Geschmacksempfindens drauf gepackt, das Album im positiven Sinne gelevelt. So müssen wir uns halt Mühe geben, um all das mitzubekommen, von dem wir hoffen, dass es da irgendwo drinnen steckt. Ganz weit unten, so wie es der Albumtitel suggeriert und gleichzeitig auf die psychische Verfassung von 2 Ganztagsgestörten anspielt. 
6/10