Friday, January 31, 2014

OMNIVORE - Omnivore - Cd / Unspeakable Axe Records



Omnivore, der Allesfresser! So wie das Schwein, das Huhn und der sich Jenen gegenüber als dominierend fühlende Mensch. Alle schaufeln rein, was Mutter Natur zur Welt bringt. Ressourcenpflege und Nachhaltigkeit spielen dabei kleine Rolle, Schwein und Huhn sind anatomisch anders fokussiert und können nichts dafür. Und dem Menschen ist es reichlich egal, solange der Bauch voll ist, die Brieftasche prall und der Blick in die Zukunft der nächsten Generation in die Tasche geschoben wird. Omnivore, der Allesfresser, frisst auch Verantwortung, Umsicht und Empathie und scheißt sie unverdaut wieder aus. Hinterlässt massig dampfende Berge, von denen sich die Mehrzahl der Erdlinge ernähren muss, von der alle zehren müssen, die das große Spiel um Macht und Vorherrschaft nur finanzieren, nicht aber mitspielen dürfen. Omnivore wie omnipotent, kann immer und will alles. Ist immer bereit zu nehmen und überlässt anderen das Geben. Darwin und seine Evolution hätten daran die wahre Freude.


Ob sich das italienische Quartett gleichen Namens jemals gedanklich in eine solche Richtung bewegt hat, ist mir nicht bekannt. Wahrscheinlich tragen sie ihren Namen nur zum Hausieren herum, weil er irgendwie passend zur Musik erscheint. Ach ja, die Musik. Die hat diese gewisse US Thrash Note, weniger Bay Area Spritzigkeit als die rohere Ernsthaftigkeit von Sadus und Possessed vielleicht. Dazu kantigen Death Metal ohne moderne Auswüchse. Zu mehr erklären sich OMNIVORE auf ihrem gleichnamigen Album nicht bereit. Aber auch  nicht zu weniger. Ob es ausreicht um was Großes zu reißen wage ich zu bezweifeln. Das liegt weniger am Handwerk, sondern an der Gewöhnlichkeit, an der übermäßigen Vertrautheit der Musik. Überraschungsarm präsentieren sich die Stücke, die irgendwie auch willkürlich durcheinander gewürfelt scheinen. Das macht die Band nicht zu schlechteren Musikern, als all die anderen, die die Szene beherrschen, das bedeutet lediglich, dass zwischen dem was sie antreibt und dem was sie selbst daraus machen, doch eine nicht zu vernachlässigende Kluft liegt. Eine, die für die Nichtüberwindung des Mittelmaßes verantwortlich zeichnet. Sollte es der Band gelingen, aus den reichlich guten Ansätzen und den Eiern die sie offensichtlich in der Hose haben, eine Brücke zu schlagen, wird der Spaß und Erfolgsquotient sich erheblich nach oben korrigieren. Bis dahin müssen schnell runter gespulte Songs mit heiseren Chorälen und einer agilen Leadgitarre reichen, um über eine gewisse Dürrezeit hinweg zu helfen. Bis dahin werden eben Fertiggerichte aufgetafelt und Klischees abgespult. Anknüpfend an Romeros Untotenklassiker bekommen wir wieder das „Kein Platz in der Hölle“ Zitat und reichlich flotte Rhythmen aus der Nackenbrecherretorte vor den schmutzigen Latz geballert. Abschließend wird noch Sepulturas´ “Arise“ zerstückelt. Ist mit viel Schwung umgesetzt, leider auch etwas hakelig und mit Vocals, die teilweise etwas peinlich berühren. So nun aber genug über die noch junge Truppe hergezogen. Sollen sie ihren Göttern frönen und deren musikalische Rituale zelebrieren, wie sie es selbst für gut heißen. Und so lange sie können. Hab gelesen, dass die Band gerade ein Pause eingelegt hat, was wenn´s stimmt sehr ungünstig kommt, mit einem neuen Album im Rücken. Aber muss ja auch nicht stimmen, denn nun ist es Zeit für Klingelsturm und Akquise um gestärkt und motiviert in die nächste Runde zu gehen. Denn wie erwähnt, talentfrei klingt schlimmer, sie schöpfen lediglich ihr Potential noch nicht aus. Für einen Allesfresser muss der Magen noch lernen zu selektieren. Muss lernen was vom Aufgenommenen in den Kopf muss, was in die Muskeln, was in die Knochen um die Struktur zu stärken. Und der Rest muss ohne Reue zur Hintertür wieder raus. Sehen wir mal, was da vielleicht noch kommt und begnügen und so lange mit etwas ungelenken Schritten und vielen guten Absichten.


6/10

Wednesday, January 29, 2014

CHURCH OF DISGUST - Unworldly Summoning - Cd / Memento Mori



In der real existierenden Hektik gibt es sie immer noch, die Vögel, die sich morgens keinen Kaffee zwischen Tür und Angel rein hetzen, sondern mittags den aufgewärmten von Gestern mit 2 zusätzlichen Valium schlürfen. Typen, denen die Anforderungen der Moderne piepegal sind, die auf einem Planeten leben, der in einer niemals kongruenten Umlaufbahn zu unserem verseuchten Resterampenparadies seine Bahnen zieht. Leute die heute noch im Vorgestern leben und auch noch stolz sind. Unverschämtheit so was. Dass sind die, die sich durch die Schatten der Gesellschaft bewegen, die nie auffallen weil sie so angesehen und produktiv sind, deren Fehlen aber sofort bemerkt wird, weil im Büro die Aschenbecher überquellen und weil plötzlich keine Straßennutten mehr in Müllcontainern gefunden werden. Sie sind die Cleaner, die aus dem Verborgenen arbeiten. Die keine modernen Putzmittel brauchen um zu beweisen, wie effektiv sie sind. 

Oder das von sich annehmen. Zu dieser Kategorie drolliger, gestörter Mitmenschen hinter den Reihen des Establishments gehören auch diese 2 seltsam drein blickenden Herren von CHURCH OF DISGUST. Und genau wie vermutet, kommt deren Musik aus einer Epoche, als noch niemand darauf hinweisen musste, wie die Rasierklinge korrekt über das Handgelenk geführt wird. Zur Not wurde damals eben noch mit angepackt. Auch in punkto musikalischer Umrahmung zum lange geplanten Suizid. So nämlich klingt das, was CHURCH OF DISGUST da in ihrem dunklen und feuchten Keller zusammen gebraut haben. Death / Doom nach finnischem Vorbild aus den 90ern. So in etwa. Es gibt auch heimische Kapellen, die sich da einreihen können. Ach ja, die beiden sind Texaner. Und so düster und roh wie die ihre Instrumente bearbeiten, wohl nicht sonderlich stolz darauf. Von Patriotismus kündet das Album jedenfalls nicht. Viel mehr vom Vergehen und Hoffnungslosigkeit. Dazu sägen zähe Riffs äußerst unschön immens schwere Stücke auseinander. So enthusiastisch, dass es manchmal wenig durchdacht erscheint, billig klingt und einen Sound protegiert, der nach Kartoffelkorbunfall auf der Kellertreppe klingt. Filigran und bis zu Ende gedacht ist definitiv was andres, und auch nicht das Geschäft des nihilistischen Doppels. Viel lieber ziehen die die melancholische Trumpfkarte und verarbeiten in ihren Stücken authentisches Friedhofsgebrabbel. So nach dem Motto, lass mal gucken wer hier noch verrottet. Innovativ sind die mit ihren Schinken wohl eher nicht, sehr geschickt in der Präsentation auch nicht. Zudem sind die Vocals so monoton und gefühllos, dass sich das Rasiermesser besser schon mal selbst schärft. Bar jeglicher Emotionen (außer dauernder sauertöpfischer Traurigkeit) schleppt sich das Album behäbig voran. Immer mal fetzen längst zu Mus zerkochte Riffs über den Set und machen der Truppe mal Feuer unterm Kessel. Das sind zumeist aber nur kurze, sauerstoffarme Flämmchen, die sich von der Schwergewichtigkeit des Restes schnell löschen lassen. Wem also so was zu passe kommt, das Leben keinen Sinn mehr macht, weil das Glas immer nur halb leer erscheint, die Brühe ohnehin ständig schal wird, wer mehr Zeit übrig hat, als die Lebensuhr Platz, der kann sich die Rille gern an den Haken hängen. Und sich selbst gleich daneben. Wer auf schlechte Produktionen, krachende Bässe und ungelenk wie auch hinlänglich bekanntes Malträtieren von Saiteninstrumenten steht, dem stehen nicht mehr viel Tore offen. Nehmen sie das, aus dem der Nebel kriecht und diese geschmacksresistenten Töne hervorquellen. Mies produzierter Proberaumkrach mit dem Charme eines überarbeiteten Henkers. Der pfeift nach einem langen Tag genau so erschöpft und lustlos aus dem letzten Loch, den durchfahren auch keine Geistesblitze mehr, der arbeitet den Restauftrag auch nur noch nach Schema F ab. Old School Attitüde hin oder her, niemand ist aufgefordert, jeden Ton der aus dieser Richtung erschallt, gleich auf eine Stufe mit den wahrlich Großen ihrer Zeit zu stellen. CHURCH OF DISGUST wären auch damals relativ chancenlos geblieben. Aber solange sie daran Spaß haben, sich an aufgewärmten Sachen zu versuchen und nicht behaupten sie wären die neuen Talentgötter unter dem schwarzen Firmament, können sie von mir aus weiter langweilen,  bis der Jüngste Tag anbricht. Ich halte das Streben des Duos für recht mühselig, wenn nicht überflüssig. Und dass nicht einfach, weil die Musik so schlecht wäre, sondern weil die Visionen fehlen. Also ab zurück ans Reißbrett, und doch mal einen starken Schwarzen zwischendurch oben rein kippen!

4/10

Tuesday, January 28, 2014

MORFIN - Inoculation - Cd / FDA



Orson Unglaube hat eine Zeitmaschine gebaut. Echt, ohne Scheiß, das könnt ihr glauben. Irgendwann hat der all die Teile, Polstersessel, Flux-Kompensator, Schweizer Uhrenreplik und so zu einem Apparat verschraubt, mit dem er immer in die Vergangenheit rast und Leute mit zurück bringt, die ihm dann mächtig Kohle in die brandenburgische Provinz spülen. Irgendwo hat er bestimmt einen Talentdetektor angeschraubt, vorn dran, da wo es sensibel ist. Und dann lotet er die Chancen aus, ob die Band oder die Band was taugt, dann saugt er sie auf und bringt sie zu uns. Er hat einen Deal mit Kronos, für die Möglichkeit die Zeit zu beherrschen, kriegt der Gott frische Eier vom Land oder so was. Und das macht sich bezahlt, weil eine Scheibe nach der anderen aus dem Labelbunker purzelt, ohne dass je grobe Aussetzer darunter wären und ohne dass je was modern geklungen hätte, ohne dass je etwas in die Kritik des Mittelmaßes gefallen wäre. Macht ständig diesen seltsam exklusiven Eindruck, ist beinahe unheimlich. Ich glaube ja, irgendwann geht der Reisesessel mal kaputt und alles ist für den Arsch gewesen, aber der geht nicht kaputt. Und all die Bands und ihre Alben können unmöglich aus der Gegenwart stammen, also muss es die Maschine geben. Warum die das nicht können? Na ihr kauft und hört die doch auch?  
  
Nehmen wir zum Beispiel nur mal MORFIN. Und guckt mal hin, wie die aussehen, so authentisch nach Frühneunziger Teen – Metal – Revolution. Das macht heute keiner mehr, den Pony und den Nackenspoiler gewagt zu kombinieren. Die gucken genau so schüchtern und bedröppelt von ihren Bildern wie einst Schuldiner und Kumpels. Dann das Plattencover, das könnte aus den besten Cannibal Corpse Zeiten stammen, als da noch der charismatische Augenverdreher brüllte und etwas von härter werden, und schneller spielen ins Mikro blauäugelte.. Zombie in Jeans am Gedärme nagend, was fällt euch denn dazu ein. Und dann noch schick bunt, na ich weiß nicht. Den Rest Gewissheit gibt die Musik her, klingt original nach alten Sachen von Massacre, Cancer, Obituary  und natürlich und vor allem Death. Nicht so, als würden die das als Reminiszenz an die alten Tage interpretieren, sondern als würden sie sich in 1990 einen Proberaum teilen. Als würden die drum würfeln, wer Bier holen muss, und herausfinden  wer mit wessen Macken Probleme bekommen wird. Dass die „Leprosy“ spielen müssen, ergibt sich beinahe zwangsläufig. Bisschen Thrash ist auch bei und irgendwie erinnert mich das Basssolo „Primordial“ an Metallica. Dann ist die Musik manchmal so unaufgeregt, mit all den Midtempo Sachen irgendwie entspannend. Soll bestimmt nicht so wirken, hat aber so dieses Flair. Kann man sich im Sessel zurück fallen lassen und denken, hab mir was richtiges gegönnt. Hat so die Atmosphäre meiner alten Dachkammer, daheim bei meinen Eltern, die Wände voll mit Postern, auf dem Boden selbstgebastelte Buttons aus labbrigen Margarinedeckeln. Dem überteuerten Kassettenrecorder die frisch eingetauschten Tapes implantiert und dann versucht aus der scheiß engen, von Mutti passgenau abgenähten Jeans heraus zu kommen. Stretch? Noch nie gehöret.
Dann wieder schmeißen die mit metaphorischen Pflastersteinen die Schaufenster des Establishment ein , rasen so richtig los. Lassen staubig erscheinende Solis den Part des Bindfadens übernehmen, der beide Elemente  locker zusammen hält. Im Grunde ist die Musik von MORFIN wenig ausgeschmückt, kümmert sich nur um das was Death Metal in seiner eigentlichen Form wirklich benötigt, und verzichtet auf selbstverliebten Schnickschnack, auf Gitarrenwichserei, die den Song nicht voran bringt, oder auf endlose Wiederholungsschleifen, oder auf experimentelles Dahinquietschen, oder auf die Überschreitung unsichtbarer Genregrenzen, oder drauf, dass unerwartet Weltfrieden einsetzt. MORFIN ist Musik auf den Punkt, nicht mehr. Genau solche Musik hätte mein Heim erschüttert, genau da gehen MORFIN hin und genau von da kommen sie. Ich sehe die und höre die, und glaube den Mist, den ich hier schreibe selber. So etwas kann nicht ein Produkt eines völlig bekloppten Jahrtausends sein, da wo alles nur immer undurchsichtiger und wertverlustiger wird. Wer und warum sollte sich denn heute noch an die Ideale von einst entsinnen sollen? Wo es doch alles auf einen Klick gibt und so. Da will doch junges Volk nichts mehr mit den verklärten Geschichten der Väter zu tun haben. Nein, so was macht keiner. Deshalb weiß ich, dass da irgendwo im Oderbruch so eine Schüssel steht, die einen direkten Draht zur Quelle hat. Und es werden weiter Alben ausgespuckt und weiter Bands ins Sonnenlicht gezerrt, die vorher keiner auf dem Zettel hatte, und die werden ihre verdienten 15 Minuten Ruhm bekommen und vielleicht auch, wenn alles gut läuft, sich für längere Zeit Aufmerksamkeit erarbeiten. MORFIN sind cool, weil sie so echt sind, weil sie nicht so wirken, als wäre ihnen der Retrogedanke so wichtig, selbst wenn es sich genau so anhört. 

8/10

Monday, January 27, 2014

AMON - Liar In Wait - Vinyl – Edition / FDA



Ein beschissener Gitarrensound auf einem substanzlosen Album, von der Mutti finanziert um die eigenen Drogenschulden zu begleichen. AMON ist keine Band, sondern nur 2 rassistische Brüder, Arschlöcher zudem.  -  So in etwa äußert sich Herr Benton über seine einstigen Weggefährten, die vor 10 Jahren bei Deicide geschassten Hoffman Brüder. Alter Beutelschneider, der Stachel sitzt aber noch gewaltig tief. Dass nach so langer Zeit die Pistole immer noch so locker im Holster vibriert, zeugt auch nicht unbedingt von Reife. Irgendwer hat damals vergessen, dem Pizzajungen ein Trinkgeld zu geben, und dafür führen die heute noch Krieg am Gartenzaun.  Angekratzte Egos sind leider kreuzgefährlich und in der richtigen Konstellation eben nicht mehr mit Logik zu lenken. Bekanntermaßen ist Herr Benton auch kein Einfacher. Aber einer mit ausgezeichnetem Verständnis für sinisteren Death Metal, einer der Songs schreiben kann, die irgendwann auch mal Klassiker werden. Liegt er mit seiner rüden Beurteilung von „Liar In Wait“ also doch nicht so daneben?

Nach dem Rausschmiss reformierten die Hoffmans` ihre eigene Version von Deicide unter dem ursprünglichen Bandnamen AMON. Der wurde 89 eigentlich gestrichen, nachdem das 2. Demo draußen war, und das damalige Label Roadrunner namentliche Überschneidungen mit einem King Diamond Song befürchtete.  Viel lieber noch als unter Amon, hätten sie als Deicide weiter gemacht, weil sie sich als ursprüngliche Bandgründer sehen, die Glen Benton nur angeheuert und die frühen Songs selbst verfasst hätten. Aber die Rechte sind natürlich fort. 2012 resultierte dann daraus dieses Album in Eigenregie. Wollte wohl keiner ran an die Geschichte. Dabei wurde auch gänzlich verpasst, einen ordentlichen Vertrieb für Europa zu organisieren. Ehrlich gesagt wirkt die Organisation rund um diese Rille etwas dilettantisch. Na und dann setzte sich der unermüdliche und angstfreie Rico (FDA) hin und schickt eine Nachfrage diesbezüglich über den Teich, macht ein Angebot, sagt, dass das Originalcover Scheiße aussieht (was irgendwie auch stimmt) und setzt ein neues drauf. Fertig ist die Vinylversion für den Kontinent.
Und was haben wir da nun? Erst mal keinen so beschissener Gitarrensound wie der langsam in die Jahre kommende Meister des Stirnbrandings gern hätte. Was sich uns darbietet, und das ist wenig überraschend, ist natürlich eine Version von Deicide. Genau dahin musste die Musik gehen. Nicht weil die Brüder vom einstigen Aushängeschild, dem Erfinder des zornigen Blicks nie loslassen konnten, sondern weil sie selbst viel zu tief drin stecken, weil sie nie was anderes gemacht haben. Dass „Liar…“ nun kein extravagantes, gänzlich für pures Platin gefrästes Ausnahmealbum geworden ist, sollte dabei gar nicht weiter stören, ist in Folge überhaupt nicht schlimm. Auch Deicide veröffentlichen nicht einen Brüller nach dem anderen. Für scheuklappenfreie Fans von Deicide und Vital Remains öffnet sich mit AMON eine neue Alternative, oder auch nur eine Ergänzung zur Sammlung, je nachdem.  „“Liar…“ verknüpft Raserei und  Technik mit überzeugender Arbeit auf den hohen Saiten und sinisteren Disharmonien. Ebenjene Disharmonien zerreißen so manche Passage, die eben dabei war, sich ins Flussbett des ganz Gewöhnlichen einzuschleifen. Nee, das Songschreiben haben die Hoffmans´ nicht verlernt.  Was wiederum nicht als wichtig erscheint, ist es echte Hooks einzubauen, so catchy wie sie es gern gehabt hätten, ist die Scheibe nun doch nicht. Das könnte daran liegen, dass die beiden als Gitarrensäger groß geworden sind, und selbst mehr als nur gewöhnliche Riffs schreiben wollen, selbst wenn so ein einfaches Riff durchaus viele Vorteile birgt. Die kommen womöglich gar nicht auf die Idee, markante Elemente einzubauen, weil sie sich viel lieber selbst auf den hohen Saiten tanzen sehen. Das in Kombination mit etwas mehr Massentauglichkeit hätte dem Album einen persönlichen Sympathiepunkt eingebracht. Letztendlich kann ich aber doch nicht bestätigen, was Herr Benton glaubt, über das Album zu wissen, denn es ist ein durchaus potentes Stückchen Death Metal. 

Die Vinylversion aus dem Hause FDA kommt in einer schwarz / golden marmorierten Auflage in geringer Stückzahl und in der profanen schwarzen Fassung. Die übrigens auch nicht in komfortabelster Menge. Bei Interesse heißt es also ranhalten um eine Erstauflage zu ergattern.

7/10

Sunday, January 26, 2014

LAY DOWN ROTTEN - Deathspell Catharsis - Apostasy Records



Metal ist nicht rational, Metal ist Abwesenheit von Vernunft. Wer rationale Menschen sucht, geht zum Apotheker, oder zum pensionierten Physiker in der Stammkneipe. Metal bleibt der Quell der Jugend, selbst wenn zunehmend hinfälliger werdende Erscheinungsbilder darüber hinwegtäuschen können. Wer sein Leben lang unter äußerlich und  innerlich Langhaarigen zubringt, der weiß das auch. Klar, manche Einstellung ändert sich, manche Position fällt in ein anderes Licht, aber im Grunde bleibt alles beim Alten.  Die Musik ist geschmacklich und ideologisch randwärts geneigt, wird vom verständigen Konsumenten als absolut elitär empfunden und zieht sich als roter Faden durch den oft tristen Alltag. Die Sache mit Metal und Lebenseinstellung bietet sich als Phrase eigentlich nicht mehr an, weil sie realitätsnaher ist als Privatfernsehen, Vorgesetzte und Steuererklärung. Extreme werden bis zur Neige ausgelebt, ob nun mit 20, 40, oder als Zeitzeuge mit Bestandsschutz. Das Feuer geht nicht aus, wenn man es stetig schürt. 

Im (vermuteten) Bewusstsein dessen haben LAY DOWN ROTTEN nach ihrem nicht eben hoch gelobten letzten Album und dem Abgang bei Metal Blade das Heft nicht aus der Hand gegeben. Mit der Erfahrung der vielen Jahre im Rücken, sollte ihnen doch etwas greifbareres gelingen als „Mask Of Malice“ das nun (subjektiv) betrachtet nicht gerade hochprozentiger Death MetalCocktail war. Oder ist das Selbstbewusstsein geschwunden? Na das wohl mitnichten. Auffällig auf dem neuen Output ist die stark melodiöse Seite, die meist bevor es zu bunt wird, von kernigen Riffs abgelöst wird. Bereits bei dem unendlich lang erscheinenden „Cassandras Haunting“, dem Eröffnungstrack wird das zur Herausforderung. Und trotzdem ist die Band sich treu geblieben, waren diese Elemente doch immer das tragende Konstrukt der Musik. Moderner sind sie womöglich geworden. Wie zum Beispiel bei „Schädelberg“. Und das liegt nicht an den deutschen Texten, sondern viel mehr an diversen Arrangements, die anfänglich Härte durch Einfühlungsvermögen ersetzen und viel mehr versierte Verspieltheit durchblicken lassen, als es vielleicht beabsichtigt war. Hinzu kommen dezente Grooves, alles gar nicht ausschließlich Dinge, die sich der Death Metal vorbehält. LAY DOWN ROTTEN packen ihre Stücke heute scheinbar gern voll, ohne sich selbst zu verlieren, stehen auf Komplexität. Beabsichtigt oder nicht sei mal dahin gestellt.  Kommen aber auch immer wieder gern auf den bleiernen Kern der Geschichte zurück. So gehört bei „Among The Ruins…“ ein Stück das seine Affinität zu Bolt Thrower beim Eröffnungsriff nicht zu verbergen mag.  Und dann haben wir da noch den Teil der Scheibe, bei dem es sich auch im Suff laut mitgröhlern lässt, „The Fever“. Alles andere mäandert irgendwo dazwischen, oder als unauffälliges Akustikgeplänkel daneben. Am Ende lässt sich zumindest zweierlei attestieren, Abwechslung und der Versuch intelligenten Songwritings. Letzteres hängt sich manchmal auf, da diverse Nummern zu überladen erscheinen. Das Gespür für den richtigen Moment, an der passenden Stelle Akzente zu setzen und mit markanten Hooks zu arbeiten, das hat die Band aber wieder um einiges besser im Griff als noch vor 2 Jahren. Und so muss sich niemand Sorgen machen, dass das hessische Kraftpaket den Weg verloren hätte. Egal ob das was sie vor ca. 15 Wintern als ultimativen Death Metal für sich entdeckt haben, heute schon irgendwie anders klingt. Reifer eben, oder doch angepasster, von der Zeit und dem eigenen Geschmack abgeschliffen? Wer will sich darüber schon ein Urteil anmaßen. Deathspell Catharsis nun legt Zeugnis eines wahrscheinlich nicht immer leichten Werdegangs ab. Ist dabei vielleicht etwas zu zahm und angepasst geworden, macht aber Spaß, wenn man sich drauf einstellt. Ist nicht unbedingt der versprochene Bulldozer geworden, vielmehr ein vielschichtiges Stück Musik, das sehr tief ins Nähkästchen einer sich erholenden Band blicken lässt. Kann mir gut vorstellen, wie die mit rauchenden Köpfen, viel zu vielen Ideen und schäumendem Enthusiasmus  im Kämmerlein hockten, um etwas Neues zu stricken. Vielleicht um die relativ schlechte Kritik des Vorgängers zu umgehen, wohl eher aber um den stets strammen Mittelfinger trotzig  hoch zu halten. Des Ergebnis gibt dem auch irgendwie recht. Noch sind sie nicht wirklich wieder zurück, müssen bei dem was sie selbst in der Lage sind, auf die Beine zu stellen, aber auch niemandem mehr was beweisen. Gute Arbeit!

7/10