GRAVEWURM die Band mit dem skurrilen
Sprachenmischmasch im Namen ist eine der dienstältesten Black Metal Rummelbuden
aus den Staaten. Momentan besteht sie auch nur aus 2 hörnerputzenden Adepten,
mit einem nicht zu verachtenden Verschleiß vor allem an Bassisten. Über all die
Jahre (bereits 1990 als Oblivion aus Schlamm und Pestilenz geformt) einzig
verbliebenes Originalmitglied und somit unter Bestandsschutz stehend, ist der
charismatischer Rädelsführer Kevin Fye,
mit wahrem Namen viel unbekannter als
Funeral Grave. Das hält ihn aber nicht auf, Gott permanent zu verdammen,
den Engeln die weißen Flügel mit seinen verbalen Attacken anzukokeln und gegen
das makellose Himmelstor zu keifen, als hätte er Rasierklingen mit seinem Happy
Meal in den Schlund der Verdammnis gewürgt. Und anno 2013 befindet er sich nun
auf halbem Wege zur unheiligen Glückseligkeit, steht mit Album Numero 9 nun
Ingesamtrelease – Tusch und Bamm – 33 vor dem Höllenschlot. Alle Achtung dafür!
Die Musik ist so primitiv und urwüchsig, wie sie wahrscheinlich bereits zu
Beginn war, ist einer Ikone der Unmusik wie Venom näher als allen anderen heute
noch blasphemierenden Schwarzröcken aus Norwegen und somit authentischer in der
Szene verwurzelt, denn jeder weißgetünchte Blutdruckproblematiker. GRAVEWURM
sind gewiss so was wie eine Ikone der Hobbysatanisten dort hinterm großen
Wasser, weil F.G. immer aufrecht an sein Projekt festgehalten hat, andere
Mitmusizierende überlebt und am Stil, an der tatsächlichen Vorstellung von Beelzebub
und angegliedertes Musikschaffen geglaubt hat. Wenn ich die Eskapaden in
Schwarz so höre, dann ist er für mich so was wie der Punk unter den bösen
Finstermännern. Denn rein rhythmisch kommt er über weite Strecken mit 3 Akkorden
aus, die Mucke ist unter der Rille billig und versprüht einen rohen und
dreckigen Charme. Es ist also gar nicht alles Abraum, was unter dem Motto „Feuer
an den Tempel“ über so unschuldige Seelen wie die meine hereinbricht. Die Riffs
sind oft sogar richtig Old School teutonisch thrashig, haben diese rauchige
Sodom Patina. Das generelle Gangtempo ist hektikresistent und stampft wie ein Waldschrat
ohne Angst vor dicken Bäumen sonor durch den schattigen Hain. Hinzu kommt ein sporadisch
einsetzendes Keyboard, dass noch zusätzliche schwarze Pinselstriche in die
ohnehin schon morbid getönte Staffelei bringt. Ja und da kann es auch
geschehen, dass 3 verpönte Akkorde zum Hüpfen bewegen (Master Of The Dark),
was, so könnte ich mir vorstellen, ganz und gar nicht in der Absicht der
Minimalkreativen liegt. Unversehens treffen wir uns auf dem Gore und Eingeweide Tummelplatz wieder, wenn…ja
wenn die Gitarre nicht so kratzig schrill und der Gesang eben nicht das Gekeife
eines Kerberos ins Lächerliche ziehen würde. Aber der Rhythmus, den die Drums
vorgeben, ist genau der gleiche und versprüht heimelige Erinnerungen an
emotionale Abende bei Polka und Frischgezapften. Und trotzdem, oder gerade weil
GRAVEWURM so kompromisslos alte Fäden ziehen, so stur eine Scheibe nach der
anderen ohne erkennbare Änderungen auf der Produktionsschablone durch die Esse
blasen, ist das ungeschliffene Endprodukt auch dieses Jahr genau so reizvoll
und unterhaltsam wie der frühste Rohlinge ihrer eigenen Historie. Zu empfehlen
allen Adepten der ersten Stunde, die alle Originale von Hellhammer, Venom, Beherit
und Roland Kaiser im Spind verwahren. „Infernal Minions“ ist ohne Scheiß ein
richtig fieser kleiner Gift und Galle Spucker mit Drive und Antimaterie im
Geiste. Es geschehen tatsächlich noch Zeiten und Wunder. Denn, würde mir Black
Metal wirklich gefallen, dann wäre das meine Band.
7/10



