Thursday, December 9, 2010

GRAVE RITUAL - Euphoric Hymns From The Altar Of Death - Cd / Dark Descent/Razorback


Wenn ich es nicht besser wüsste, hätte ich geglaubt, dass dieses Album von irgendwann aus den ausgehenden 80ern stammt, als eine neue Schublade namens Death Metal in die metallische Kommode eingearbeitet wurde. Tatsächlich ist das aber das brandneue Debütalbum dreier Amis, die es scheinbar bereuen im 21. Jahrhundert zu leben. Deshalb setzen sie voll auf den Zeitreistrip und stellen die Uhren auf Anfang. GRAVE RITUAL ist vollkommen technikfrei, absolut primitiv, düster, nihilistisch und lässt das Geschrote von kompromisslosem Basssound dominieren. GRAVE RITUAL sind alles andere als zeitgemäß, das stört die aber nicht im geringsten, die erschaffen ihren eigenes Monster, das sich zäh aber unaufhaltsam aus den Tiefen des Purgatoriums erhebt, die Toten noch toter aussehen lässt und den Lebenden eine Gänsehaut über den Rücken jagt. Ein innovatives Musikerlebnis ist dabei nicht zu erwarten, das was ihr hier hört ist ein verdammt roher und blutiger Kadaver, an dessen verrottendem Fleisch sich ein Act wie Autopsy genauso wie frühe skandinavische Kannibalen genährt haben. Dabei verzichten GRAVE RITUAL auf allen überflüssigen Ballast, keine Melodie, kein anspruchsvolles Songwriting, keine glatte Produktion. Nur so lässt sich auch das angestaubte Feeling erreichen, nur so kann der authentische Eindruck vermittelt werden, dass die Band in einer aufgebrochenen Gruft zu Hause ist. Viel mehr Old School geht wahrscheinlich nicht mehr. Da die Musik aber nur ein bestimmtes Klientel anspricht, kann sie auch schnell langweilig werden, sollte man nicht ein Faible für diesen Kram haben. Denn die Stücke liegen rein kompositorisch sehr eng zusammen, so dass ihr auf Abwechslung komplett verzichten müsst. Es wird jedesmal die gleiche bleischwere Axt geschwungen, die den tiefer gelegten Soundteppich nur bestätigt. Zudem ähneln sich Songaufbau und Tempo fast durchweg. Auf diese Art wird es nicht einfacher, sich dem potentiellen Käufer zu öffnen. Was einst schlichtweg der Hammer war, stellt heute kaum noch eine Herausforderung dar. Diese Kritikpunkte mal beiseitegelassen, sehe ich durchaus ein gutes Album, das sehr in Nostalgie schwelgt aber durchaus glaubwürdig ist. Die Plasteversion kommt über RAZORBACK, das Vinyl, auf das solche Art Musik auch gehört, erscheint bei DARK DESCENT.
7/10

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