Wednesday, March 23, 2011

BLASPHERIAN - Infernal Warriors Of Death - Cd / Deathgasm Records


BLASPHERIAN sind die Art von Pfadfinder, die ausdauernd und zeitvergessen mit einer stumpfen Campingaxt auf eine 500 jährige Eiche einprügeln, bis sie vor Verzweiflung und etwas Mitleid einen horizontalen Status einnimmt. Um den Kern des Baumes zu erreichen, benötigen die keine großartige Technik, da reichen Leder, Spikes, tiefer Grabessound und reichlich blasphemische Schmähungen. Old School eben! Ich nehme der Band ihr Anliegen und die Ernsthaftigkeit ihrer Forstarbeiterdramatik gern ab, es besteht aber auch die Gefahr, dass manch einem aufgrund der latenten Stumpfsinnigkeit des Gesamtbildes die Füße einschlafen. Das bleibt Ansichtssache und muss jeder selber entscheiden. BLASPHERIAN haben die Fährte alter INCANTATION aufgenommen, tja und wer der schon mal gefolgt ist, kann sein Glück wieder versuchen. Das Arsenal an akustischen Schneidewerkzeugen ist stattlich, der imaginäre Scherenschleifer war aber lange nicht mehr dran, die Klingen sind ungeschliffen und dienen eher zum groben hacken als zum filigranen Scheibchen schneiden, oder anders ausgedrückt, ihr trefft nicht nicht den perfiden Sternekoch aus dem Kempinski, sondern den sympathischen Metzger von der Ecke, der sich noch mal die Hände an der Latexschürze abwischt, bevor er euch lächelnd die Hand schüttelt. So entwickelt sich BLASPHERIAN zu einer vertraut erscheinenden Blutkartusche, die durch ein Wurmloch in die brandenden Wogen eines neuzeitlich aufgemischten Ozeans metallischer Spielereien katapultiert wird, und erst mal alle Fische in ihrem näheren Umfeld blindwütig und vielleicht auch etwas panisch zerfetzt. Frischer Wind steht nicht auf der Wetterkarte, modriger Friedhofshauch, der in grünen Schwaden bodennah über den Totenacker mäandert, beschreibt die Situation wohl passender. Mit dieser Mentalität, die in Granit gemeißelt scheint, gelingt ein kraftvolles, unaufhaltsam wirkendes Stück Death Metal ohne großen Anspruch, aber wegen seiner Gewichtigkeit mit authentischer Schleifspur aus Blut und Stahl. BLASPHERIAN ist nicht die Band, an die man sich gewöhnen muss oder gar entdecken will, die sind wie alte Bekannte, bei denen das Hirn nicht unbedingt in höhere Sphären ausschlagen muss, um zu verstehen was da vorgeht. BLASPHERIAN ist simpel und effizient gestrickt, bieten sicher kein schönes Äußeres oder einen marktträchtigen bunten Spoiler, punkten lieber bei denen, deren Bandscheiben langsam verdampfen und für die Arthrose kein Wort aus einem Fremdsprachenlexikon ist. Gewiss ist aber, dass die Ohren, die es denn wollen, düsteres und kompromissloses Death Metal Futter kriegen. „Infernal Warriors Of Death“ passt prima durch die Pforte ins Retrowelle - Hinterzimmer, ohne sich die Jackenaufschläge allzu sehr schmutzig zu machen!
7/10

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