Wednesday, March 16, 2011

THE DEAD - Ritual Executions - Cd / Diabolical Conquest


THE DEAD aus Australien sind so was wie ein entfernter Verwandter von NEUROSIS. Aber wirklich nur entfernt, in etwa so als würden sie sich einen aufgetragenen Mantel überstreifen und in der Tasche ein eingewickeltes Bonbon aus Death / Doom und Sludge finden, seine bittere Süße als angenehm empfinden. Dass dieser Mantel aber noch viele andere Taschen und Geheimbeutelchen in seinem Innenleben verbirgt, ist dem Träger noch nicht bewusst, die Zeit ist jedoch, so will ich beruhigend sagen, auf der Seite des neuen Eigentümers. Aufgrund dessen, dass die Uhr gerade erst zu ticken beginnt, stolpert er noch etwas behäbig und naiv in den Ring um sich vielleicht eine Tracht Prügel abzuholen, garantiert aber auch, um ein paar ordentliche Schläge auszuteilen. Dass THE DEAD wirklich was drauf haben, entpuppt sich also nicht sofort, die zu suchenden Feinheiten verstecken sich hinter Düsternis und Schwere der Musik, da sollte man wohl tatsächlich genauer hinhören. Der Gitarrensound ist geprägt von absoluter Bleimentalität, wenn auch etwas schrammlig, passend dazu dürfen die Growls mit verschleimten und entzündeten Stimmbändern in den Abgründen menschlichen Unwohlseins entstanden sein. Dass die Musik hinter dieser tödlichen Doomfassade auch über Groove verfügt, wird da nicht auf den ersten Durchlauf klar, auch nicht, dass so manches Arrangement mehr beinhaltet, als nur böse und bedrohlich zu klingen. Ich kenne das Debüt der Band nicht, aber das was auf „Ritual Executions“ zu hören ist, ist keinesfalls alltäglicher Matsch vom Band, dazu macht die Band viel zu eigenwillige Musik. Das mit dem Tempo ist nicht deren Boxstall, auch wenn sie es können, die profitieren von gewichtiger Behäbigkeit. Da siehst du die Faust auf dich zufliegen, kannst noch drüber nachdenken, wo und wie schmerzhaft sie einschlagen wird, welcher Knochen zu Staubmehl zerfallen wird, und es gelingt dir doch nicht, dich den Konsequenzen zu entziehen. Bei den wenigen Temposteigerungen kommt eher so ein nihilistisch schwarzer Impuls durch, der die Band von einer etwas anderen Weiter zeigt. Diese steht ihr aber nicht unbedingt gut und so ist es löblich, dass sie die wenigen Black Metal Exkurse auf ein vertretbares Minimum reduzieren. THE DEAD repräsentieren eine depressive und ernst zu nehmende Metal Variante weit abseits der neuen Spaß – Attitüde, die zumindest im Death/Grind Sektor bedauerlicherweise ihr Unwesen treibt. „Ritual Executions“ ist ein Re – Release aus dem Jahr 09 und soll den Musikern mit Labelunterstützung etwas Auftrieb verleihen. Mal sehen ob es klappt, die Musik ist lohnenswert, trotz oder gerade wegen der unabdinglichen Eigenwilligkeit ihrer selbst, der Produktion und des daraus resultierenden Sounds! 7/10

No comments:

Post a Comment