Wednesday, April 20, 2011

ILSA - Tutti Il Colori Del Buio - Cd / Dark Descent Records



ILSA, was für ein Name, dem verpasst man doch höchstens seinem Hund und auch nur dann, wenn man weiß, dass er am Nachmittag unters Auto rennt. Oder aber halbgare Filmemacher, deren Blut pathologisch bedingt nach Süden strömt nutzen den, um ihre Fantasien in Bezug auf Sadismus feil zu bieten. So entstanden dann in den 70ern einige grottige Streifen mit gleichnamiger Heldin, die ihre Foltertriebe mit politisch wechselndem Kurs und knapp sitzender Ledersuite nachkam. An diesen Fetisch hängen sich nun ausgerechnet einige Amerikaner und verunglimpfen sich selbst, indem sie ihrer Band den Namen einer pervertierten Wichsvorlage anhängen. Geliebt werden wollen sie damit gewiss nicht, ist auch kaum möglich. Wer sich für die 9 Songs dieses Albums begeistern kann, der macht auch lieber Urlaub in Reykjavik als in Paris, zieht eine zünftiges kaltes Orkantief über dem Atlantik einer warmen Golfstrombrise vor, steht mit Vorliebe an sturmgepeitschten Steilküsten und pinkelt bei Eisregen ins Meer anstatt im warmen Pool zu sitzen. Von der einschlägigen Presse offenbar hoch gelobt, werden ILSA bei der breiten Masse auf Unverständnis stoßen, da sie so was von unpopuläre Musik verbreiten, dass die sich kaum in größeren Stile an den Konsumenten tackern lässt. Wer das hier gut heißt, schläft lieber im Kühlraum des städtischen Leichenbeschauers als in im Präsidentenpalast. Für den Scheiß muss man schon verdammt abgebrüht sein. Da ist ein verdammt großes Faible für etwas altbackenen Death Metal versetzt mit Doom, Crust, Sludge und mehr depressivem Nihilismus nötig, als der eigene Geschmacksverstärker üblicherweise anzubieten hat. Die Musik ist kalt, gefühlsarm, kantig, rau und alles andere als eine Ode an die Freude. Wenn ihr das genießen könnt, dann müsst ihr morgens mehrfach mit dem linken Bein aufgestanden sein, besser ihr unterzieht euch freiwillig einer Amputation um auf Nummer sicher zu gehen. Zur Nacht wäre es dann vorteilhaft, besoffen in die Federn zu krauchen um die bösen Träume, die die Musik erzeugt draußen zu lassen. Wer all diese Grundsätze und Voraussetzungen beherzigt, sicherer wäre es, sein Herz gleich mit einem Eissplitter zu durchstoßen und die eigene Schwester zu verleugnen, dem stehen die Tore zu einer zugefrorenen Hölle offen, mit dem macht ILSA was sie will und ihr werdet es letztendlich doch noch lieben. Betrachtet euch als gewarnt, ILSA ist sehr speziell und hat einige Tricks drauf ,die schnell mehr als nur schmerzhaft sind. Ihr werdet euch hin und her gerissen fühlen … vom Druck tiefgelegter und fallen gelassener Soundbomben und drogenschwangerer Monotonie! Worauf wartet ihr noch, das Leben hat doch sonst nichts zu bieten! ... Bei der folgenden Punktewertung ertappe ich mich dabei, dass ich scheinbar selbst nicht ohne Probleme über steinige Erde wandle.
7/10

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