Friday, April 22, 2011

MIASMAL - Miasmal - Cd / Dark Descent Records


Ich stehe auf diesen unverfänglichen Retrokrempel, keine Ahnung warum, vielleicht weil der anhaltende Antitrend so guten Kram hervorbringt oder ich nicht mehr zwischen Erdbeerquark und Scheiße unterscheiden kann. Jedenfalls ist mir lange nichts wirklich Schlechtes unter das Messer gekommen. Niemand will sich blutige Schnitte holen und sich mit eingezogenem Schwanz und glitschigem Gedärm ins Nirwana verpissen. Auch MIASMAL nicht, die ganz nach lokaler Tradition ein Album von urtypisch schwedischer Machart vorlegen, dass jeder Moment so vertraut schein, wie Omas gut gefüllte Speisekammer. Da kann quasi nicht viel gegen die Wand laufen, die Songs sind wenig aufwendig, recht primitiv, dafür umso direkter und sogar peripher punkbelassen. Besonders gut gefallen mir die klagenden Metal Solos und der morbide Grundtenor der Songs. Der wirkt am effektivsten auf die grauen Zellmasse, wenn es eher ruhiger wird, die Bassgitarre sich beinahe liebkosend an Tod und Terror anschmiegt. Aber auch der radauartige Blastbeat – Anteil ist ein rechtes Schnuckelchen und tritt mächtig ins Skrotum. Ich denke MIASMAL funktionieren deswegen, weil sie sich an den alten Säcken orientieren, nicht allzu respektvoll sind und trotzdem so was wie ein imaginäres Wurmloch in die frühen 90er offen halten. Durch jenes saugen sie ihre Inspirationen, klauen hier ein bisschen, morphen dort etwas mehr und tragen das bleigefüllte Herz am rechten Fleck. MIASMAL schafft dabei mehr als nur konservenartige Zweitverwertung, da entstehen tatsächlich echte Nummern mit Potential. Nicht die ganz Großen wahrscheinlich, aber die Echten, wenn ihr versteht wohin ich will. So kommt dann auch ein Sound zustande, der nichts mit überproduzierter Frischware aus der Fließbandproduktion gemein hat sondern einen angenehmen Hauch von Friedhofserde durch das Computerzeitalter wehen lässt. Genau so soll sich schwedischer Death Metal anfühlen, das haben die 4 Jungs verstanden und das macht sie mir sympathisch. Jeder Song zieht seine schartige Schneide durch das Gras wie der Schnitter seine Sense durch die Fluten der baldig Entleibten. Dabei fallen Halme wie Kadaver in gleichem Maße unausweichlich und blutend im Sinkflug zur Hölle. (Wobei das Gras den Umweg durch diverse Wiederkäuermägen macht.). Das selbstbetitelte Album ist eine stimmige Angelegenheit, eine die aber auch gar nicht erst versucht mit fadenscheinigen Innovationen hausieren gehen zu wollen. Die wissen einfach, dass man aus weniger schlussendlich mehr machen kann. Überdüngte Beete lassen das Saatgut auch nur verrotten und verbrennen. Ist ein cooler Einstand geworden, von jener Sorte von dem ihr euch gern mehr als einmal auf die Füße pinkeln lassen dürft.
8/10

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