Wednesday, April 27, 2011

REVOLTING - In Grisly Rapture - Cd / FDA REKOTZ


Sich zum Kult verklärte Horrorschinken als Vorbild überzustülpen um ein paar fiese Songs zu schreiben oder gar ein ganzes Album daraus zu flickschustern ist in der Szene schon immer „gang und gäbe“. Viele klingen dabei wie billige und talentfreie Quartalssäufer mit Kopfschmerzen, andere kriegen das richtig gut hin und wissen zu unterhalten. Und dann gibt es da noch REVOLTING, die mit ihrer aktuellen Rinde einen quasi Kniefall vor Lucio Fulci machen ohne sich irgendwelcher Klischees zu bedienen, die sie sonst alle nutzen. Aber Rogga Jonasson wäre nicht er selbst würde er einfach Filmmelodien adaptieren oder zu oft zitierte Intros an seine Songs pappen. REVOLTING geht da völlig eigene Wege und baut ein Album auf (eher ein weiteres), das vor Morbidität, Tod und Terror nur so strotzt, eines dessen Gitarrensound mehr als 1,80 Meter unter Leichenackerniveau liegt und einen so was von authentischen Schwedensound hinlegt, dass mir vor Vergnügen so einiges vom Kadaver absteht. Und unter fast vollständiger Auslassung gängiger Aufhänger ( Fabio Frizzis´ Musik wäre mehr als prädestiniert) schälen sich Songs aus den Särgen, die einen eigenen Soundtrack entstehen lassen, von brutal bis melodiös und immer mit der Präzision einer Spitzhacke. Zack und rein, Treffer mit irreparablen Schäden und aus die Friedhofsmaus! Und ganz im Gegensatz zu den auf Gore getrimmten wirren Filmplots bleibt REVOLTINGs´ audiovisuelles Massaker jederzeit nachvollziehbar und auch beneidenswert erfrischend. Irgendwie ist das schon seltsam, sich das abgetragene Leichenhemd, das schon so viele Schwedentöter auf dem verrottenden Leib hatten, beinahe blütenweiß und mit frischem Schwung überzuwerfen und ganz unverfroren noch mal einen drauf zu packen. Mit dieser Fähigkeit und einem Koffer voller neuer Ideensamen, gezogen an der Basis, liefern REVOLTING ihre eigene Interpretation eines ziemlich kranken Fulci Universums ab. Und wer die Filme des italienischen Unmeisters und Choleriker kennt (zumindest die Gorestreifen), der kann die einzelnen Songs beinahe zuordnen, da erheben sich dann wirklich schlecht geschminkte Untote von unter der Grasnarbe, unfreiwillige Opfer kotzen Gedärm und hängen ihre Augen an den Nagel, alles in Zeitlupe und Großaufnahme. Das Marschtempo der Musik passt zu den exzessiven Tötungsszenen der Streifen, lässt Köpfe rollen und durchschnittene Schlünde aufklappen wie nach Luft schnappende Fischmäuler. Der Gitarre gelingt es echt gruslige Melodien wie ein Leichentuch über die ganze Chose zu legen und dabei beinahe herzzerreißend zu heulen, oder mit sattem Riffing von hinten wie mit dem Spaten eins über die Omme zu ziehen. Der Bass tackert mit entsprechendem Mitgefühl. „In Grisly Rapture“ klopfen REVOLTING Dr. Freudstein noch mal auf die untote Schulter, verlassen das Haus an der Friedhofsmauer, stupsen den Zombie am knarrenden Glockenseil noch mal an, geben das Buch „Eibion“ in der Bibliothek von Dunwich ab, besteigen ihr Segelschiff und gehen mit lebenden Toten auf Haijagd. So ungefähr… fest steht, mit diesem Album haben sie sich ihr eigenes höchst brutales Italo Exploration Imperium übergezogen wie eine zweite Haut und davor ziehe ich meinen imaginären Hut. Vor allem deswegen, weil die Musik besser ist als die Filme je waren. Gore Forever! … nur zum Mittag auch gern mal vegetarisch.
9/10

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