Friday, May 13, 2011

PAUCITIES / ATOMCK - Split 7 / 7 Degrees Records


Diese Split Erscheinung erinnert mich an einen epileptischen Anfall. Dabei sind PAUCITIES so was wie die häufig voran gehende Aura, in der der Betroffene ziemlich besoffen und desorientiert durch das Gehölz stakt und sich bereits auf den Weg in andere Sphären macht. Bedingt durch das was sich da anbahnt wird die Außenwelt als ziemlich wage, stumpf und auch behäbig empfunden. Die Realität verschwimmt völlig. So in etwa grinden PAUCITIES ihren Anteil auf schwarzem Vinyl, etwas derangiert und holprig mit leichtem Hang zur Verstandseinäscherung. Klingt wie der Versuch einer Talfahrt auf Skiern ohne Schnee, der Dreck und Schotter raspeln Kunststoff, Schuhsohlen und schließlich Haut von den Füßen, bis das Unternehmen in blutigen Schmerzen endet. PAUCITIES ist simpel und basslastig, etwas billig, auch unterhaltsam aber ehrlich gesagt nicht so wirklich dolle. Aber so eine Aura ist ja auch nur ein Vorbote, sozusagen das warm – up für den Auftritt des großen Neuronenkonzils. ATOMCK stellen den Grand Mal, den eigentlichen Anfall dar, der zu extremen Spasmen, abgebissenen Zungen, der Freisetzung ungeahnter Körperkräfte und dem massigen Schreddern von Gehirnzellen führt. Verantwortlich für dieses willkommene Desaster ist schick schräges Chaos mit coolen Riffs, mancherorts schwer nachvollziehbarem Songwriting, progressiven Tendenzen, hohem Tempo und Gesang der wenigstens zum Teil an Gewaltverherrlichung gegenüber Laubfröschen klingt. Diese Band hat definitiv das gewisse Etwas und tritt mit einem Fuß aus dem Schatten der gewöhnlichen Masse der Grind / Crust / Asselpunk - Kapaiken heraus. Da hilft nur, alles aus dem Weg räumen, woran der gerade Beanfallte sich verletzen könnte und abwarten wie lange das große Zittern dauert. Bei dem was da abgeht, gern auch länger. Die Kapazität einer 7er ist aber bekanntlich begrenzt und das Thema erübrigt sich von selbst, der Notgrinder muss nicht verständigt werden. Dafür bleibt diese durchgeknallte Audioperformance für längere Zeit im Ohr. ATOMCK sind ihrem Splitpartner qualitativ um Längen voraus. Möglicherweise liegt das aber auch nur daran, dass beide Bands ein solch unterschiedliches Musikverständnis haben und jeder für sich betrachtet genau da ist, wo er sein sollte. Wenn PAUCIUTIES der rote Faden sind, an dem wir uns gern entlang hangeln, der vertrauten Boden darstellt, dann sind PAUCITIES die Schere. Manchmal brauchen wir beides. Oder: PAUCITIES sind das Saufgelage am speckigen Stammtisch und ATOMCK die Kopfschmerzen, wie es euch am Besten gefällt!
7/10

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