Thursday, June 30, 2011

NECROVOROUS - Funeral For The Sane - Cd / Pulverised Records


So, da haben die Griechen nun das Chaos vor der großen Staatspleite, die müssen, um Bares aufzutreiben, die Akropolis an die Scheichs nach Dubai verhökern, die Olivenhaine dem Italiener abtreten und das Patent auf Feta wieder freigeben. Das ganze Pantheon wackelt aufgrund der maroden Wirtschaftslage und der hausgemachten Sozialdekadenz. Und plötzlich fließen Tränen und Blut reichlicher als Ouzo und Metaxa, weg ist sie, die folkloristische, mediterrane Beschaulichkeit. Und als ob das alles nicht schon beängstigend genug wäre, können die sich noch eine Band wie NECROVOROUS leisten, die von der Masse natürlich unbemerkt, dem nationalen Trümmerhaufen, mit musikalischer Unart, den Rest gibt. Ich weiß nicht ob Kosta und seine Brüder zu all den Schreckensmeldungen und der greifbaren Angst vor dem Morgen, noch eine Death Metal Band ertragen wollen, die den bis zum zerreißen gespannten nationalen Nerven den Rest geben werden. Aber wir als Mitteleuropäer dürfen uns mit wohligem Grausen und ernst gemeintem Schmunzeln in unseren Corbusier zurückziehen, den Kronkorken von der Pülke sprengen und Old School Death Metal genießen. Wir haben für so was noch Zeit und Ausdauer! Zumal wir hier nicht lange brauchen, um dem dröhnenden Todeszug in leichtem Trab zu folgen. Das ist alles sehr eingängig, hat viele , ich nenn´s mal „spooky“ Momente, wie in „Mind Laceration“, wenn ein Teil des Songs in behäbig schauerlichen Tempo den Schutzwall des eigenen Verstandes durchbricht und sich gern mal an alte AUTOPSY, MASSACRE, ASPHYX, DISMEMBER anlehnt. Die Band baut generell auf Variablen in der Pace, allerdings ohne den Aspekt der Nachvollziehbarkeit aus den Augen zu lassen. So was zu hören ist ein Fest jenseits überflüssigen Retrowahns. So was nennt sich nicht kopieren sondern honorieren, denn um solche Stücke auf den Weg zu bringen, gilt es den eigenen Verstand einzuschalten. Die Band hat scheinbar im Gegensatz zu ihren Landsmännern... und männinin? den Zahn der Zeit unter das Kopfkissen gelegt und sich der alten Stärken besonnen. So bekommt man den Arsch auch wieder aus der Mulde, wenn man sich daran erinnert, was man wirklich kann und aufhört sich auf den Erfolgen von einst auszuruhen. NECROVOROUS haben das auf ihre Art hinbekommen und brennen ein Feuerwerk aus schwarzen Riffs und durchdachten Songs ab Und zwar solcherart, dass sie sich mit der nötigen Aufmerksamkeit ihrer Konsumenten um die Frage der Nachhaltigkeit keine Sorgen machen müssen. Für Fans noch längst nicht vergangener Tage ist „Funeral For The Sane“ durchaus eine Empfehlung wert!
8/10

ABRASIVE - The Birth … Born In Sodom - Cd / MDD Records


Hmmm … was ist denn hier passiert, haben ABRASIVE nach einigen coolen Veröffentlichungen die Lust verloren? „The Birth…“ jedenfalls stagniert mit gleicher Beharrlichkeit wie die innerdeutsche Wirtschaft vor nicht allzu langer Zeit. Ich will nicht an der Brutalität des musikalischen Brandanschlags zweifeln, aber das reicht doch nicht zwangsläufig um den Pokal von der Schrankwand zu holen und ihm den angesetzten Staub von der Chrompolitur zu lecken. Primitiv (im metallischen Sinne) ist gut, langweilig ist Grütze, irgendwo zwischen diesen Polen stolpern ABRASIVE umher wie ein waidwunder Keiler, der orientierungslos in blindwütige Raserei verfällt. Das Vieh versucht seine Hauer in das Fleisch der umstehenden Jäger zu schlagen, kann aber sein Ziel nicht finden, da ihm ein roter Blutschleier den Blick vernebelt. So ähnlich muss es der Band gegangen sein, denn so viel Zorn die Musik auch ausspuckt, ein zielgerichteter Vernichtungsschlag gelingt nicht, die Songs verpuffen eher, als dass sie irgendwas zu treffen vermögen. Ich stelle mir die bange Frage, wer da den Jungs die Klarsicht verhängt hat? Um keine Missverständnisse aufkeimen zu lassen, schlecht sind sie nicht, technisch zwar nicht unbedingt ansprechend aber dafür rüde und kompromisslos, unterm Strich muss aber auch zugegeben werden, dass das von vorn bis hinten nach Sonntagsbesuch klingt. Wenn alle alten Bekannten vor der Tür stehen und dir das Wochenendbier wegsaufen wollen. Irgendwann hast du auf die Muschpoke keinen Bock mehr, weil du weißt wie die Veranstaltung wieder ablaufen wird und du lässt die Luke einfach mal zu. Ich will der Band nun keineswegs zu nahe treten, aber nach der letzten Scheibe hatte ich eine Erwartungshaltung wie der Konditor von der Hochzeitstorte, bekommen habe ich nur Rührkuchen. Schmecken tut der auch, aber das ist halt keine Torte! Noch mehr enttäuscht der Sound, hört sich an als würde ein Badeverunfallter am Schleppseil hinterm Motorboot hergezogen werden und bekäme den Nischel nicht mehr über Wasser. Alles was der noch wahrnimmt, bevor er in den ewigen Jagdgründen als Gärtner einen unbefristeten Vertrag erhält, sind dumpfe Schläge auf das Trommelfell. Selbst wenn man im heimischen Stuttgart mit dem Album zufrieden sein sollte, dürfte es doch die Aufmerksamkeit der meisten Death Metal Fans verfehlen, da es mit zu vielen Unzulänglichkeiten hantieren muss. Hätte ich nicht gedacht und trotzdem ist da offensichtlich was schiefgelaufen. Lediglich ein brutales Album nachzuschieben ohne auf den eigenen Ideenpool zu vertrauen (den es mit Sicherheit gibt), nur die US Szene und auch sich selbst zu kopieren, reicht ganz einfach nicht.
4/10

Friday, June 24, 2011

MOONFOG - Ordinary Misantrophic & Repulsive Anthems - Cd / RTM Productions


Das Album dämmert schon seit 2 Jahren unter einer verkrusteten Staubschicht oder so in etwa, eigentlich wird es Zeit für ein Neues, aber lasst uns ruhig noch mal einen Blick drauf werfen. Wenn ich meinen kritischen Putzlappen schwinge und den Dreck mehr breitschmiere als beseitige, kommt darunter folgendes Ergebnis zutage. MOONFOG, die Band mit dem irreführenden Namen, die bei Leuten die sie nicht kennen eine klischeegelenkte und demzufolge falsche Erwartungshaltung auslöst, ist von weitem betrachtet ganz gut, aber bei weitem nicht gut genug. Das slowakische Abrissunternehmen kämpft mit einem beinahe übertriebenem Hang zu brutalen Obertönen, um die sich subjektiv betrachtet häufig das komplette Songgespinst wickelt. Das muss man schon mögen, im brutalen Death Metal ist das jedoch ein legitimes Trademark. Trotz des dicht gepackten und blutigen Gewaltaktes aus rücksichtslosem Instrumentarium und vokaler Würgerei und trotz der Tatsache, dass die Band im Grunde nichts falsch macht und ihren Spaß an dem hat, was die Musik so hergibt, macht das Ganze einen etwas billigen, ja schäbigen Eindruck. Musikalisch betrachtet befindet sich die Band mit einem soliden Gebrauchtwagen auf einer Hochgeschwindigkeitsstrecke und der Motor beginnt langsam zu mucken. Und auch das Cover hat, neben der selbstverständlichen plakativen Thematik, etwas amateurhaftes. Eine Band wie MOONFOG hat etwas austauschbares, ein Fakt, der das Engagement und Knowhow der Band keines Falls in den Schatten stellt, aber auch klar macht, warum sie immer im noch im Nebel der Bedeutungslosigkeit dümpeln und lediglich ab und an mit dem Hauptmast durch die Wolkendecke stoßen. Rein technisch ist die Truppe gut beschlagen, die Instrumente machen einen homogenen Eindruck, die Pace ist häufig das Ergebnis eines eingedellten Bodenblechs in kollektiver Zusammenarbeit mit der Handbremse. Daran gibt es gar nichts zu rütteln und schlussendlich ist das auch der Garant, dass trotz aller Belanglosigkeiten ein gutes Album entstanden ist, eines mit dem ihr durchaus euren Spaß haben könnt, das eine Zeit lang die menschliche Anatomie aufmischen kann. Aber eben auch eines, dass sich wieder zum schlafen niederlegen wird. Fazit: gut und kompromisslos auf Dauer jedoch nicht konkurrenzfähig.
6/10

Wednesday, June 22, 2011

DEFILEMENT - Revel In Madness - Cd / RTM Productions


5 Serbische Freischärler verlassen die Deckung ihres Bunkers und setzen zu einer rigiden Attacke auf die starken Wände westlicher Moral an. Ohne Gedanken an eine Notbremse brettern sie durch mentalen Dreck, Blut und Asche, in voller Absicht allen die sie offenen Auges überrollen, zu zeigen was sie unter einer echten Wagenladung brutalen Death Metals´ verstehen. Der Drummer treibt seine elektronische Bassherde in vollem Trab über Schützengräben und durch Minenfelder, durch jede Barriere reflexartiger, mentaler Abwehrhaltung. Die Musik steht in all ihrer Härte so schnell auf der Matte der heimischen Kommandozentrale, dass es ratsamer wäre ein weißes Bettlaken aus dem obersten Stock zu schwenken, als mit den Folgen breitgestreuten Kartetschenfeuers leben zu müssen. Dabei steht aber auch fest, dass Adjektive wie filigran, innovativ oder anspruchsvoll im zerebralen Schlachtenplan von DEFILEMENT nicht, oder nur marginal vorhanden sind. Die wollen einfach nur die grauen Zellen ihrer Opfer ausrotten, den Bass zu einer doppelläufigen Schrotflinte umbauen und gezielt unschön sein. Der Vergleich mit der Brechstange mag im Raum stehen, die Begeisterung für das losgetretene Chaos ist der Band aber durchaus abzunehmen und so liefere ich mich nach einigem Zögern doch bereitwillig dem Blastfeuer aus, hole mir mit leicht verkniffener Mine vereinzelte groovige Schellen ab und erkenne, dass auch ich meine Freude daran haben kann, ohne nach tieferen Inhalten zu suchen. DEFILEMENT ist nicht spektakulär, wählen auf ihrem Weg zur Zielflagge gern den direkten Weg und zermanschen alle ihre Strecke kreuzenden Hindernisse wie der Schulbus die Krötenwanderung. Es scheint der Band auch wichtig zu sein, die Saiten auf ihren Instrumenten recht locker zu spannen, dieser Umstand verleiht dem Sound zusätzlich etwas ursprüngliches, authentisches jenseits hochtechnisierter Überproduktion. Vielleicht lag das Studio zur Zeit der Aufnahmen aber auch noch unter einem meterdicken Schuttberg vergangenen Feindbeschusses. Ich werde mich nun nicht aufgrund kompositorischer Glanzleistungen überschlagen wie der Hamster im Laufrad, einfach deshalb weil es die gar nicht gibt, anerkenne aber gern das Engagement der Musiker und ihr zielstrebiges Voranschreiten, kann das Album also metaphorisch durchaus all jenen in die toten kalten Finger legen die sich gern auch von Unbekannten aus den hintersten Winkeln des Vorstellbaren den Arsch versohlen lassen. Ich sehe da jedoch auch keine große Zukunft zwischen Schredder, Fleischbeil und der Pulverisierung von Ohrenschmalz voraus, denn diese Sparte wird von vielen bedient und nicht wenige stellen sich geschickter an. DEFILEMENT ist da mehr so was wie ein Stein in der Gerölllawine, der mit den anderen den Berg herab donnert, aber so lange er am Rollen ist hat er immer noch die Chance Fahrt aufzunehmen. Ihr dürft gern den Kopf unter den Dampfhammer legen, wenn ihr eure Erwartungshaltung an der Leine lasst.
6/10

Saturday, June 18, 2011

COCKLICK AIRPORT - Bushwhacker's Body Rearrangement - Ep


In Bezug auf den Aspekt der Kreativität hinlänglich Namens-, und / oder Titelgebung sind bei so manchem schon alle Dämme der Nachvollziehbarkeit gebrochen. Das liegt wohl daran, dass ich näher an Alois Alzheimer dran bin als die jungen Wilden, die Rotznasen, Tütenschnüffler, Nachmittagsfernsehprotagonisten und Weltumstoßer. Wie sonst kommt man darauf den titelgebenden Hinterwäldlerkadaver im heimischen Ruhrpott zu suchen, das ist doch eher Thema auf Ziegenpeters Almwiese, es sei denn der unüberlegte Konsum von Wohlstandsmüll führt in den Metropolen unseres Landes zu geistiger Degeneration. Das glaubt doch wohl keiner … . Wie bösartig! Genau so bösartig klingt die Musik der Band mit dem nicht minder stirnfaltenerzeugenden Namen COCKLICK AIRPORT. Frisch über selbigem kreisend und immer noch in der Warteschleife vertreiben sie sich die Zeit mit einem bleibeschuhtem, zähem Slammonster im Handgepäck. Breaks, Beatdowns, Obertöne, Gerülpse aus der finstersten Region menschlicher Anatomie, wenig Harmonien und viel Brutalität. Moderner Kiddi - Kopfabscheiß eben, das was sie heute Death Metal nennen und den Mob im Kreis treibt. Anerkennend muss ich sagen, die Jungs und ihre Musik haben Eier, zum einen weil die Ep tatsächlich schwere Kartuschen verschießt, die bei Einschlag schon ordentliche Löcher reißen können, zum anderen aber auch, weil sie sich um Innovationen keinen Kopf machen. Die kopieren gnadenlos den amerikanischen Markt und machen daraus eine Hausparty. Hut ab! Schöner wär es gewesen (ganz subjektiv) auch mal ein Riff zu spielen, bei dem der Hosenboden nicht in der Kniekehle hängt und die Coolness nicht ganz so konstruiert wirkt, vielleicht die Arrangements etwas feiner abzustimmen und die Mucke an sich mehr zu öffnen. Denn sonst besteht trotz aller rigorosen Härte die Gefahr, dass der Brei fade schmeckt. Haut doch einfach mal einen raus! Der DEVOUREMENT Kram ist schnell ausgereizt und selbst die drücken mehr auf die Tube. Aber ich genehmige mir trotzdem ein Lächeln unterm Pony, denn die Jungs haben offensichtlich Spaß mit ihrem Lärm und scheinen da ganz beherzt die Messer zu schleifen und noch einige Zeit aushalten zu wollen. Also lassen wir sie noch etwas in ihrem Flieger sinnieren, festen Glaubens, dass der Auftrieb über Deutschlands Industrieherz die Propellermaschine recht lange am Himmel hält, die medial injizierte Hirnweiche nicht nach da oben übergreift und die Band sich selbst noch viele gute und vor allem bessere Songs beschert. All jenen die auf schwerfälliges Gestampfe stehen und nicht nach dem Messias im Erdloch suchen, um ihm die Sandale der Erkenntnis zu klauen, seien COCKLICK AIRPORT empfohlen. Die haben Bock an den Wänden ihres lokalen Universums zu rütteln, also sollen sie! http://www.myspace.com/1226Band
6/10

Friday, June 17, 2011

BURIED IN BLACK - Black Death - Cd / AFM Records


Hamburg, Metropole am nordischen Meer und Heimat von BURIED IN BLACK, schicke, sehenswerte und lebendige Stadt. Aber wusstet ihr schon, dass die Innenstadt mal in 3 Tagen komplett abgefackelt ist, der Hamburger Michel sogar 2-mal? Dass ein Papst dort begraben liegt und er die Stadt Scheiße fand: "Solange meine Gebeine hier ruhen, wird Hamburg zerstört und verwüstet, und wilde Tiere hausen in den Trümmern."? Wusstet ihr, dass erst Napoleon mit den Ketten rasseln musst um den Hamburgern einen richtigen Leichenacker zu bescheren, bis dahin haben die ihre Toten in die Kirchenkeller gekippt bis der Gestank das Gesellschaftsleben lahmlegte. Dass das Zölibat bei den Hanseklerikern so viel Wert war wie Hundescheiße unter Holzpantoffeln? Dass es hier vor 500 Jahren an die 500 Brauereien gab und die scheinbar schon immer gern gesoffen haben? Und in dieses langsam verkrustende Gespinst aus Angst, Schrecken und Dekadenz platzt nun ein neuer Unheilsbringer, der sein schwarzes Mal an die Stadttore hämmert, der auf einem fahlen Rappen sitzt, einer der die Futterraufe nur im Vorbeifliegen sieht, und Tod und Verderben mit schiefem Lächeln über den Moloch bringt. … na ja, ist nur wegen der Dramatik. BURIED IN BLACK zaubern ein sehr unbeschwertes Debüt Album aus dem Hut. Eines das nicht unbedingt nach neuen Standards sucht, sich eher für die Essenz des Death Metal interessiert und mit der Rezeptur auch nicht experimentieren will. Stellt euch auf ein riffbetontes Werk ein, das flott voranschreitet, seine Stärken aus Midtempo zieht und schön schweren, beinahe primitiven Sound sein eigen nennt. Was dann unterm Vorhang hervorkullert klingt vergleichsweise nach schnelleren und frischeren JUNGLE ROT oder FACEBREAKER mit dezent melodischem Akzent. Ist alles nicht wirklich spektakulär, aber wahrscheinlich genau das, was ein Death Metal Fan als bangerfreundlich und fannah durchgehen lässt. BURIED IN BLACK reiten auf dem direkten Weg in die Verdammnis, benötigen keine technischen oder gar progressiven Umwege. Die legen ihr lokales Umfeld ein weiteres mal in Schutt und Asche, verbreiten die Plagen über die Hanse wie Gott über die Ägypter. Mit dem Unterschied, dass sie damit keine Geschichte schreiben werden, sondern wir das Spektakel mit einem Bier in der Hand vom Tresen genießen können und danach ohne Gewissensbisse ins Bett gehen. Ich weiß nicht, wie nachhaltig „Black Death“ wirklich ist, aber für den Moment ist es schon ein leckerer Happen. Ich halte das Album für etwas blauäugig und definitiv nicht für eine Offenbarung, aber für absolut glaubwürdig und authentisch, gut gemacht!
7/10

Thursday, June 16, 2011

VORTEX OF CLUTTER - Source Of Sickness - Cd / Extreminal Productions


Die Brüder aus der vakanten EU Erweiterung starten einen verzweifelten Versuch sich im Genre des melodischen Death Metals zu etablieren. Wären die Stücke nicht ein so wüstes Hühnerhofdurcheinander auf dem der Bauer nur schwerlich den Überblick behalten kann, und würde das Schlagzeug nicht nach sporadisch ploppendem Popcorn klingen, das irgendwie die falsche Betriebstemperatur auf der Uhr hat, könnte das auch gehen. Leider ist die Gitarre jedoch das Äquivalent zu einer leeren, rostigen Erbspüreedose und Bass gibt es scheinbar gar nicht, dafür eine zu dominante Gesangsspur. In jedem Song wimmelt vor es massiven und zahlreichen Richtungs-, und Rhythmuswechseln, Tempowechsel und Wechsel der Unterwäsche (gefährlich das zu hören, wenn du Pipi musst, erschrickst dich einmal zu oft und die Nummer wird peinlich). Das mag in der Regel hohen Anspruch vorgaukeln, hier aber führt es zu einem Chaos, mit dem nur wenige Bands umgehen können. Das echte Rüstzeug haben VORTEX OF CLUTTER sicher irgendwo hinter ihren vielen guten Absichten versteckt, müssen es nur wiederfinden, leider wird das Albumdebüt, so wie es hier präsentiert wird, an der Wand landen wie rohe Eier beim Familienkrach. Dabei ist die Musik sicher gar nicht schlecht, enthält viele interessante Momente, ist nur völlig ungeordnet. Müsst ihr mal meine Sockenschublade sehen auch da sehe ich nur mit Mühe durch. Ein etwas dickeres Fell, mehr Selbstvertrauen und ab und an mal einen brutaleren Kanten an den Haken, dann hätte das funktionieren können, denn was nützt alles Talent und Bock auf Mucke, wenn der Spielfluss dem eigenen Ego untergeordnet ist. V.O.C. dealen mit viel Melancholie, akustischen Parts, Deathcore und Thrash Metal, legen aber keinen Wert darauf, die Songs auch voran zu bringen, die kleben im immer gleichen Gespinst aus gutem Willen und fehlendem Umsetzungsvermögen fest. So einfach schüttelt sich keiner den Evil Chuck aus dem genieteten Jackenaufschlag oder anders ausgedrückt, 1000 hochveredelte Einzelbauteile machen noch lange keinen fahrtüchtigen Sportflitzer! Wahrscheinlich muss ich das aber anders sehen und ihnen den Charme eines naiven Träumers zusprechen. Was aus idealistischen Wolkenguckern im Lande des Kapitalisten wird, wissen wir jedoch alle. Die Band hat zu wenig Biss (noch?), als dass sie eine realistische Chance hätten, ihre Fänge dauerhaft in irgendwas zu schlagen, und sei es nur ein Huhn. Vielleicht findet es ja noch sein Korn? „Source Of Sickness“ bleibt letztendlich ein passables, aber an Selbstüberschätzung krankendes Album. Bezugnehmend auf den Albumtitel sollte die Band die Quelle bei sich selbst suchen.
5/10

Wednesday, June 15, 2011

BYFROST - Of Death - Cd / AFM Records


Der Bandname bezieht sich auf die Regenbogenbrücke aus der germanischen Mythologie, den wackligen Übergang vom leidvollen Erdendasein ins Reich der Götter. Mitten auf der schaukelnden Konstruktion haben nun 3 Norweger ihren Proberaum hingepflanzt, (die Leute verrecken wie die Fliegen, was die Grundstückspreise in den Keller treibt), und erschweren den leidgeplagten Verstorbenen nun den wohlverdienten Übergang in den vermeintlichen Dauerschlaf, das finale Besäufnis oder die ewige Schlacht, je nach persönlicher Neigung. Die stehen da und thrashen schwarz, haben niemanden gefragt und müssen auf mythischem Territorium, außerhalb irdener Rechtsprechung auch keine Steuern zahlen oder urbane Gesetzmäßigkeiten fürchten. Unverschämtes Verhalten, da bist du gerade tot und denkst jetzt könnt ihr mich alle mal, ab sofort mache ich keinen Finger mehr krumm und dann so was? Stehst du wieder vor einem Problem und kommst nicht weiter. Also stellst du deinen illuminierenden Kadaver einer letzten Herausforderung, bevor du die honigsüße Belohnung für dein langes, hartes Leben kassieren darfst. Leise vorbeischleichen geht nicht, dafür ist das Chaos zu groß, die Gitarre zu laut und deren Riffs wie Himmelsblitze schrill und blendend. BYFROST ist ein typischer Vertreter skandinavischer Black / Thrash Bands mit den gewohnten Trademarks, zudem mit verpasster Innovationsinfusion, die der Bestatter ruhig noch hätte verabreichen können, bevor die Ofentür zuschnappt, aber auch mit der richtigen Portion Metal im genieteten Hodensack um immer noch gute Songs zu schreiben. BYFROST ist mal schnell, mal melancholisch und immer kalt, lässt mal Old School Thrash durchklingen, häufiger noch IMMORTAL und zum Schluss auch einen melancholischen BATHORY Kniefall. Wenigstens musikalisch, denn lyrisch wollen sie die Götter scheinbar am liebsten aus Asgard heraus kicken indem sie sich an die Spitze ihrer individuellen Höllenarmee stellen und ordentlich Ramba Zamba machen. Die Eier haben sie sicher, an Überzeugungskraft mangelt es jedoch, der Schlachtruf wurde schon von ganz anderen Typen und viel früher durchs Kriegshorn gejodelt, sodass nicht mehr so viele Gefolgsleute zur Verfügung stehen dürften um sich Kriegsbemalung auf das bleiche Antlitz schmieren zu lassen. Also mit etwas Geduld harrt der frisch Verstorbene noch ein bisschen auf der Brücke aus und der Weg wird von ganz allein frei, oder ihr stellt die Benutzung der Repeat Taste unter Todesstrafe (inklusive Alkohol und F.. kverbot), dann wird das schon. Mir liegt natürlich nichts ferner als BYFROST zu verunglimpfen,dafür ist das Ergebnis viel zu souverän, es ist nur so, dass es möglicherweise nicht reichen wird ein durchaus gutes und handwerklich stabiles Album in die höllische Lostrommel zu werfen, weil sich darin schon zu viele Gewinnerwartungen drängen. „Of Death“ hat Charme und Unterhaltungswert aber auch den Makel der Durchschnittlichkeit. Es sei allen zu empfehlen, die noch nicht an Kriegsmüdigkeit leiden, berufene Schwarzseher sind und immer noch mal dieselbe Portion Teufelsmetal vertragen können ohne mit eingeschlafenen Füßen im Discountersarg zu verrotten.
6 /10

Tuesday, June 14, 2011

PERSUADED / INSANE THERAPY / BLEEDING SURFACE - Dehumanization Split - Cd / Extreminal Productions


Metal ist heute nicht mehr lediglich tiefschwarz teuflisch und nietengespickt, oder blutrot im Wutrausch nihilistischer Enttäuschung überschäumend. Metal darf gern auch dottergelb, pflaumenfarben oder himmelblau sein. Daran werde ich mich wohl nie gewöhnen. Trotzdem befriedige ich meine Neugier auf den modernen Zeitgeist gern mit kommenden Offenbarungen. Ob das hier eine ist, weiß ich nicht mit Bestimmtheit zu sagen, was diese 3 - Way Split aber bietet, ist angenehm heftige Kost auf technisch anständigem Level. Deathcore meets ABORTED und noch einiges an brutalerem Zeug. Die Bands liegen musikalisch recht dicht beisammen, variieren aber natürlich auch aufgrund ihrer individuellen Vorlieben. PERSUADED dürften wohl der frontalste Act der Scheibe sein, der mit starker Hardcorekante und melodiöser Balance Punkte sammelt. Dabei geht die Band kaum Experimente ein, verlässt sich lediglich auf ihr Können und kombiniert Rasanz mit Beatdowns und tiefen Growls. INSANE THERAPY bauen vor allem auf variablen Gesang aus mehreren Kehlen, schrauben das Tempo gern richtig hoch und verarbeiten Teile der Thrash Metal Szene kombiniert mit wesentlich mehr Melodie als ihre Vorgänger. Das wirkt dann nicht ganz so rigoros mit der Axt in den Nacken gemeißelt, verspricht eine etwas modernere Ausrichtung des bandinternen Geschmacks. An der Basis des Ganzen ändert das aber nichts, Hardcore, Death Metal, variable Kompositionen, all das bestimmt den Handlungsfaden der Band. Ist halt nur etwas breiter gefächert und wesentlich hektischer, das Trademark Deathcore trifft bei INSANE THERAPY eher zu. Dann noch BLEEDING SURFACE, die auch nicht wesentlich anders rüberkommen als ihre Vorgänger, zwischen Slam und Blast hin und herspringen, das aber ganz und gar nicht nach Brutal Death Metal klingen lassen. Die Tempowechsel sind sehr rapide und wummern mit bassbetonten Beatdowns gegen das Trommelfell. Auch der technische Aspekt mit verhalten progressiver Ausrichtung und getragenen Melodien ist nicht zu verachten, außerdem steht die Band auf coole Obertöne, die den Riffs zusätzlich Schmackes geben. In den Songs steckt eine Menge Potential, nach meinem Geschmack beinahe zu viel, sodass sie Gefahr laufen überladen zu werden, und auf dem Ozean der Überschaubarkeit abzudriften. BLEEDING SURFACE ist die wohl anspruchsvollste der 3 Bands, da stecken die meisten Ideen in einem recht geschickten Songwriting. Das Keyboard, das immer mal Frischluft schnuppern will, hätten sie sich aber ruhig sparen können, braucht kein Aas! Gut, ist also eine schicke moderne Scheibe, die 3 neuen Bands die Möglichkeit gibt potentiellen Konsumenten zuzuwinken. Sei es ihnen gegönnt, denn Schrott klingt anders, und Metal ist wie Wasser, der sucht und findet seinen Weg immer!
8/10

Sunday, June 12, 2011

DRAIN OF IMPURITY - Head Disfigurement Autopsy - Mcd / Extreminal Productions


DRAIN OF IMPURITY ist das Werk von Batu Cetin, der normalerweise bei CENOTAPH für verbale Verunglimpfungen sorgt. Was ihn geritten hat, dieses Soloprojekt zu betreiben, ist mir schleierhaft. Die vorliegende Mcd ist aus dem Vorjahr (ein komplettes Album folgte) und wird jetzt als Re – Release noch mal nachgeschoben (warum nur?). Um dem Teil musikalisch irgendeine Bedeutung zu geben, hätte der Herr entweder Schlagzeug lernen sollen oder sich einen Drummer suchen müssen. So knattert eine viel zu sterile und unaufgeregte Maschine mit langweiliger Programmierung und so was von unechtem Sound daher, dass es mir die Fußnägel nach innen rollt. DRAIN OF IMPURITY ist eine auf Brutalität getrimmte Mütze voll Schlaf, die entweder kein Potential hat oder sich nicht traut es zu zeigen. Da wechseln sich lediglich nicht enden wollende Intros mit goriger Schrammelmucke ab und zwingt dem Hörer 5 Stücke mit unaussprechlichen Namen auf. Wenigstens da beweist Batu Fantasie. Selbst wenn die lediglich kranker Mist ist. Im Vordergrund steht eine perverse Neigung zu menschlichen Innereien, deren mögliche Erkrankungen zu veranschaulichen und mit der musikalischen Knochensäge ein bisschen am Korpus herumzuschnipseln. Hätte er bei der einen oder anderen Leiche etwas gewartet, hätte er sich das Songwriting schenken können. Genügte es doch einfach ein Mikro an dem verwesenden, aufgeblähten Körper zu platzieren (kann man mit Panzertape schöne auf der aufgeschwemmten Plautze fixieren) und aufzunehmen, was er in seinem letzten Prozess zu sagen hat. Das akustische Ergebnis würde über weite Strecken dem entsprechen, was Herr Cetin in mühseliger Kleinarbeit in seinem Hinterzimmer komponiert hat. Hätte er sich viel Arbeit sparen können. Dem Temporausch ist er dann auch nicht erlegen, hört sich das hier doch eher an wie ein blockierter Verschiebebahnhof der Deutschen Bundesbahn. Gut, das wird schon beabsichtigt sein, aber dass der Sound so elektronisch und irgendwie gar nicht nach Metal klingt, das stört mich dann schon. Spielt aber wohl kaum eine Rolle, denn die Musik hätte das auch nicht mehr retten können. Ich finde die Mcd tatsächlich schlecht, obwohl ich brutales Gemetzel generell mag, aber doch bitte nicht so billig und vollkommen ereignislos! Mein Lieber, ich würde eindringlich raten, kümmere dich um CENOTAPH, das steht dir wesentlich besser, dann musst du dich nicht mit Mucke rumquälen, die sich anhört als würde jemand eine nasse Katze mit einem Teppichklopfer verprügeln.
3/10

Friday, June 10, 2011

ENTRENCHED - Preemptive Strike - Cd


ENTRENCHED attackieren uns mit einem massiven Präventivschlag und orientieren sich dabei nicht nur namentlich an BOLT THROWER. Die rüsten musikalisch ebenso auf und lassen die räudigen Hunde des Krieges von der Leine. Möglicherweise haben sie den letzten Gong noch nicht vernommen, da sie thematisch das Blut und Stahl Handwerk arg heroisieren (so scheint mir), aber dafür sind es ja auch Amis und ich kein Weltverbesserer. Das orchestrale Metalfeuerwerk deckt uns jedenfalls passenderweise mit explosionsartigen Soundgranaten ein, versprüht scharfe Schrapnelle, quasi als Trommelfellpiercing und lässt die Nackenmuskulatur unter Napalmfeuer brennen. ENTRENCHED steht für maßgeschneiderten, nicht ganz sauberen Death Metal alter Schule, vereint wie erwähnt britische Kriegsmaschinerie mit der bluttriefenden Hackordnung einer Band wie EXHUMED. Das dürfte die Scheibe doch wirklich interesssant machen. Dass vor so intensiver Heldenverehrung die eigene Innovation etwas auf der Strecke bleibt, wäre zu erwarten, spielte subjektiv betrachtet in dem Fall jedoch nicht so die Rolle, denn das was der Panzer aus seinem Rohr feuert, entschuldigt alles, allein das Ergebnis zählt. Nun stehen wir hier aber nicht mal im Ansatz einer faden Feindkopie am zerschossenen Frontgraben gegenüber, sondern erfreuen uns an einem dichten, ideenreichen, brutalen Bombengewitter. Eines das so treffsicher seine Riffs platziert, dass der Band direkt durch die Boxen anzumerken ist, wie unverkrampft Songwriting sein kann. Wenn man denn bei den richtigen Lehrern in die Schule gegangen ist. Forsches Tempo, scharf geschliffene Leadgitarre und ab und an mal das Pedal losgelassen um einen düsteren Touch einzubauen, das sind die Eckpunkte des Albums. Dabei ist das ganz simpel gestrickt, hält sich nicht an Spielereien auf, setzt ganz auf geradlinige Härte, ohne wirklich primitiv zu sein. Wahrscheinlich ist genau das der Schlüssel um das Kommandantenfahrzeug zu starten und eine Welle unbeschreiblicher musikalischer Gewalt loszutreten. „Preemptive Strike“ bleibt zu jedem Zeitpunkt nachvollziehbar, als erfahrener Moshpitkrieger lässt es sich da ohne weiteres aus dem Stand mitkämpfen. Das fühlt sich an wie ein Déjà-vu, als hätte man schon mal in der selben Schlacht gekämpft und kann die Wiederholung von schweißgetriebenen, adrenalinschwangeren Blutvergießen kaum erwarten. Wenn man DEATH METAL in seinem Kern betrachtet, dann hat der immer genau so geklungen. Jedenfalls nach meiner naiven Fasson. „Hört euch „Tooth And Nail“ an, allein das Riffing walzt hemmungslos alles platt was im Weg herumlungert! „Preemptive Strike“ ist ein Album, das aus der Hüfte schießt und eine etwas fragliche Moral mit sich trägt. Aber wir sind ja Metal und nicht Fleurop! Kostproben gib es dieserorts: http://www.myspace.com/entrenchedusa
8/10

Thursday, June 9, 2011

GANGRENA - Rolling The Bones Of Fate - Ep


GANGRENA ist ein waschechter MORTICIAN Klone aus Mexiko, und die ziehen ihre Nummer durch ohne einen roten Kopf zu kriegen. Da weicht aber auch gar nichts vom Original ab, gut vielleicht der Gesang, oder wie man diese Art Kehlkopfsprengung sonst nennen mag. Aber das ist nicht wesentlich, Fakt ist, dass man glauben könnte Rahmer / Beaujard wären einige tausend Meilen gen Süden gezogen um jetzt hinter nem Kaktus zu leben. Der Drumcomputer dröhnt wie in alten Zeiten, der Sound hat so viel Bass wie eine getunte Gartenlaube und wir werden mit Ufftabrrrrrääää ins Land der untoten Menschenfresser gekickt. Dorthin wo wir unsere eigenen dampfenden Gedärme auf Händen tragen und in fremdem Blut ersaufen. Begleitet werden die Stücke durch stilechte Intros, bei denen der Erkennungsfaktor für einen durchschnittlichen Mitteleuropäer aber gering bleibt, weil der Mist ignoranterweise auf Spanisch ist. Gemetzelt und gelitten wird aber offensichtlich reichlich. GANGRENA fabrizieren auf der Ep eine wahre Zombie Orgie und nicht nur hier sondern auf all ihren Veröffentlichungen, die größtenteils für umme zu haben sind. Das Gerammel ist gewiss nicht sehr kreativ, brutal jedoch allemal und wird auf dieser Basis die Geschmäcker der unersättlichen Gorefetischisten zufrieden stellen. Zusätzlich und vielleicht zur Streckung des mörderischen Audio – Derivates, um spätere ungewollte Schäden zu verschleiern, dürft ihr noch einen Livetrack hören. Der klingt dann seltsamerweise nach ROMPEPROP, verinnerlicht diesen lächerlich lustigen Polkarhythmus. Augen zu und durch! Ja, vielmehr muss da nicht gesagt werden, das unerschrockene Duo hat weder Berührungsängste noch zeigt es sich kompromissbereit, kneift die Backen zusammen und schwingt blindwütig stumpfe, schartige Klingen, um sich einen Weg durch die Masse zu bahnen. Letztendlich muss aber doch was schief gelaufen sein, denn die Band hat sich kürzlich aufgelöst, selbst gefressen oder als überholt erkannt, wer weiß. Ist auch egal, wer sie vom Funfaktor betrachtet, der konnte und kann mit der Musik viel Spaß haben und sich das Hirn zu Hackfleisch metzgern lassen, wer nach musikalischer Tiefe sucht, der sucht woanders. Darum geht es den beiden hier nicht. Ich find’s schade, dass sie sich die Kugel verpasst haben, von mir aus hätten sie mit ihren dickwandigen Tiefladern ruhig noch weiter lärmen können. http://www.myspace.com/gangrenainfected
6/10

Tuesday, June 7, 2011

CAUSE OF DIVORCE - Grindstein


Hab ich was gelacht, als ich den Titel gelesen habe, das ist doch mal innovativ. Dabei sollte ich der Band eigentlich böse sein, fühlt sich mein Kopf doch an, als hätte jemand rüde mit stumpfer Gewalt darauf eingedroschen. CAUSE OF DIVORCE sind eine vielleicht unspektakuläre, ganz sicher unschöne dafür aber effiziente Bombenlast, die ihre ganze Wut über dem Nervengebilde des Hörers ablädt, alles zu Schutt und Kleinholz sprengt und verängstigte, tränenfeuchte Gesichter im subjektiven Luftschutzkeller zurück lässt. Die Band packt den Grindcore in seinem eigentlichen Sinn an der Wurzel, kommt in der Regel mit wenigen punkigen Akkorden aus und zeigt sich völlig unbeeinflusst von der Flut neuzeitlicher Strömungen. Bezeichnend dafür steht das Intro zu „Elite Scene Guru“, das den ganzen Blödsinn auf den Punkt bringt, der Szene den Spiegel vorhalten sollte und aufgeweckten Musikern klar macht, worum es eigentlich geht, MUSIK! Kein Schnick Schnack, keine Selbstbeweihräucherung. Aber, im Falle von CAUSE OF DIVORCE“ auch keine Zeit für den Feinschliff, denn die Songs pöbeln dem Opfer musikalischer Willkür ziemlich unflätig und roh entgegen, scheppern mit immensem Tempo und der Gewalt einer eingefahrenen Rüttelplatte über den Schotter der humanoiden Seele. Die Stücke bekommen erst wirkungsvolle Tiefe durch die vorgeschobenen Voice – Intros, die quasi auf ihren intellektuellen Inhalt verweisen. Bei dem Gebrüll gehen die Texte sonst stilecht und erwartungsgemäß unter. Macht ja auch nix, ist zwar immer schön, wenn sich eine Band ne Birne macht, was sie lyrisch anbieten muss, wenn sie ihre Stimmbänder nicht schnödem und sinnentleertem Geröchel preisgeben will, aber in erster Linie sollte die Abrissbirne die tragenden Elemente der Zieleinheit zum Einsturz bringen. COD gelingt beides auf anständigem und rücksichtslosem Niveau unter Zuhilfenahme der Ellenbogen. Dabei fügen sich Elemente aus Grind, Punk und etwas zerknittertem Death Metal zusammen, hinterlassen einen guten Eindruck ohne uns auf musikalische Nachhaltigkeit einzuschwören. Dafür ist die Mucke dann wieder zu stumpf, ähnlich dem persönlichen Elfenbein nach durchzechter Nacht. „Grindstein“ ist ein typisches Produkt des lärmgeplagten Musikterrorismus, eines das Spaß macht, scheinbar prinzipientreu den Grind von den Ruinen der festgefahrenen Szene schmirgelt, vielleicht aber auch nicht von jedem so angenommen wird. Um wirklich einen raus zu hauen, müssten sie nicht nur einreißen sondern auch einen Masterpaln für den Aufbau vorlegen. Prinzipiell geht es aber sicher nur darum, nicht all zu anspruchslosen und inhaltlich stimmigen Grindcore zu zocken und mit sich selbst im reinen zu sein. Genügt auch, trommelt angenehm schmerzhaft auf die Ohren! http://www.causeofdivorce.com/
6/10

Monday, June 6, 2011

K.A.S.K. - Brutal Abstraction - Ep


K.A.S.K. sind ein polnisches Deathcore / Death Metal Fabrikat, das ihr erstes Werk vorstellt. Was sofort auffällt, der Sänger ist nicht auf Sauerstoff bei seinem Growls angewiesen, der knarzt ohne Pause durch den Set. Ein Set übrigens, der recht zielsicher ins juvenile Bangermark trifft, einen guten Drive mit schnittigen Riffs und interessanter melodiöser, teils brutaler Ausrichtung besitzt. Hinzu kommen passende übereinandergelegte Chorusgesänge, schön tief und rau. Begleitend dazu sind auch Keys zu vernehmen („Brutal Abstraction“). Technisch haben die Brüder aus dem Osten durchaus einiges am Hacken, erinnern mich manchmal an ARCH ENEMY, ohne deren virtuose Verspieltheit selbstverständlich, jedoch mit vergleichbarem Rhythmus und Spielfluss, gepaart mit stakkatoartigen groovigen Hardcoreriffs. HEAVEN SHALL BURN, ALL SHALL PERISH sind das gar nicht so weit weg. Hört sich alles ziemlich modern an, vergisst aber nicht, warum Death Metal im Programmheft steht. Angefangen haben die wohl mit reinem Metalcore, haben aber scheinbar schnell begriffen, wie Musik richtig funktioniert. Der Spagat, bei dem sie ihre recht prallen Eier jetzt im Wind baumeln lassen, steht ihnen jedenfalls gut, wenn sie auch ihre Schmerzen ungezwungen herausbrüllen. Mehr müsst ihr nicht wissen, die Mucke ist wahrscheinlich eher was für Kiddis als für alte Knaben, hat einige wacklige Momente, wie die teilweise zu offensiv gemischte Tonspur, die manchmal die eigenen Instrumente verschluckt, vereinzeltes Riffrecycling oder die drohende Überfrachtung einzelner Stücke mit dem eigenen Ehrgeiz. Das Niveau hält sich aber immer einige Nasen über der Wasserkante und verspricht einiges für die kommende Zeit. Wenn die Polen denn durchhalten, da scheinbar ein endlosere Besetzungskrieg deren Schaffen zu bestimmen scheint. Der hat aber scheinbar auch sein Gutes, hält die Rotation doch offensichtlich die Flamme der Inspiration am lodern, denn mit dem Metalcore, der anfänglich auf dem Papier stand, wären nicht mehr als eingeschlafene Füße und blaue Augen drin gewesen. So aber besitzt die Ep eine angenehme Tiefenschärfe. Könnt ihr euch für lau und legal laden, schön, dass der Pole auch mal was zu verschenken hat: http://www.myspace.com/kaskband 7/10