Saturday, July 30, 2011

BLASTANUS - Collapse - Cd


Wenn eine Band mit so einem Wortspiel im Namen aufkreuzt, ist die Schublade schon vorkonstruiert. Dass dem aber nicht unbedingt so sein muss, haben die Finnen schon auf ihrem ersten Album bewiesen. Und daran wollen sie nun anknüpfen. Anstatt plakativer „Gedärm und nackte Dame untenrum- Grind“, erwartet uns feinster technischer Death / Grind im Fahrwasser von Bands wie CEPHALIC CARNAGE oder auch todesmetallisch wie CRYPTOPSY, eben nur mit progressiverer Note. Eines, das die Band sich in den Namen gehackt hat, setzen sie aber größtenteils um, beachtlich viele Stücke blasten in unbeschreiblicher Hektik. Von der Frickelei wollen die Jungs zudem nicht weg, warum auch, solange es die Struktur der Songs und mein Nervenkostüm nicht zu sehr belastet. Der Fokus liegt bei brutaler und gut ausgewogener Musik, nicht auf technischer Selbstüberschätzung. Wenn die wollten, könnten die uns mit Disharmonien zuschütten, tun sie aber nicht. Was mir gefällt ist, dass BLASTANUS verschieden Pfade benutzt um ans Ziel zu kommen und durchaus auch ungewöhnliche Stilmittel einsetzt. Pate dafür steht mit Sicherheit der titelgebende Track, der sicher aufgrund seiner „Andersartigkeit“ als letzter auf die Scheibe gepfropft wurde. Denn wenn das Gros des Albums mit zerrüttendem Dauerfeuer, oder auch Metalcore – lastigen Anteilen für schweißtreibende Bewegungsfreude sorgt, schließt „Collapse“ ganz unerwartet ab. Es beginnt mit einem leisen Bass, und setzt sich auf instrumentaler Ebene melodisch fort um dann plötzlich von einem beinahe romantischen Saxophonsolo zerstückelt zu werden. Ich komme mir plötzlich vor wie in „Lethal Weapon“, bevor Mel Gibson wieder irgendeinen Quatsch vom Stapel lässt. Danach setzt ein völliger Bruch ein, es wird enorm progressiv mit kaum greifbaren Tempowechseln, von absoluter Dissonanz bis hin zu langsamen verspielten Seiten einer Band, die so nicht vorauszuahnen waren. Dabei wirkt das Blasinstrument angenehm schräg und ersetzt teilweise die Flitzefingergitarre. Somit verstoßen BLASTANUS gegen jegliche Norm konventioneller Kriegsführung und es funktioniert. Sogar länger als 6 Minuten, da wird es für allzu nüchterne Geister wahrscheinlich schwierig durchweg dranzubleiben. Wäre das komplette Album so geartet, wäre das aber mit Gewissheit schief gelaufen, so viel Toleranz darf man dem gemeinen Metalhead nicht zumuten. Aber hintendran als Gimmick, oder wohl eher um zu zeigen, wie anspruchsvoll, naschhaltig und völlig bescheuert Musik sein kann, passt das wie der nackte Arsch auf den vorgeheizten Eimer. Fest steht, dass BLASTANUS nicht von einem ersten guten Album zehren müssen, sondern auf gleichem Niveau nachlegen können. Dynamik, Songwriting mit komplexem und teilweise abstraktem Verständnis sowie dem nötigen technischen Knowhow waren dafür maßgebend. So steht die individuelle Aufnahmefähigkeit des einen oder anderen unvorsichtigen Konsumenten wohl wirklich vor einem Zusammenbruch. Den aber solltet ihr riskieren und euch das hier unbedingt mal antun! http://www.myspace.com/blastanus1
8/10

Wednesday, July 27, 2011

SEDATIVE - Lobocaine Mcd


Ein solcher Bandname, “ SEDATIVE”, verleitet dazu sich bei Kerzenschein im Ohrensessel und mit Rotwein vor dem Kamin heimlich einen runter zu holen. Was dann aber die Boxen verlässt, ist glatte Vorspieglung falscher Tatsachen, und führt zu plötzlichem Krampfanfall in äußerst ungünstigem Moment. SEDATIVE ist Grindcore wie er ausufernder kaum sein könnte, schwer rifforientiert, technisch sattelfest und zeitgemäß. Mit dem Gebell der Szeneväter hat das insofern noch zu tun, als dass die Wurzeln hörbar sind (kann man Wurzeln hören?). SEDATIVE verstärken ihren peripher punkigen Radau mit brutalem US Death Metal sowie einzelnen Deathcore Spritzern und was dann hinten von der Bahre rutscht, kann sich durchaus sehen lassen. Kalt, rasend, wütend und hoch ansteckend wie so ein beschissener Virus frisst die Ep sich ihre Bahn zum neuralen Zentrum menschlichen Vegetierens, lässt die Synapsen im Dauerfeuer verbrennen. Klimaerwärmung unter der Schädelplatte, die Eiweißpole schmelzen und der interne Druck zwischen den Ohren steigt wie bei einem geschlossenen Dampfkessel. Das sind nur eine Handvoll Songs, aber die lassen spielend die Birne platzen, wenn man sich in näherem Umfeld bewegt. So weit so gut. Auf der anderen Seite ist jedoch auch klar, dass die Band bei aller Funktionalität und dem Spaß, den man ihren Stücken anhört, wahrscheinlich nur ein weiterer guter Death / Grind Act ist, der ein neues Release in den überfüllten Postkasten metallischer Aufnahmefähigkeit schiebt. War alles schon da und kommt auch immer wieder. Nur dass ihr es mal gehört habt, denn die Ausrichtung der Band gefällt mir, trotz gängiger Trademarks, ausgesprochen gut. „Viceroton“ steht für durchdachtes und kompromissloses Geballer mit gut getimten Tempowechseln und markanten, simplen Riffs, die ziemlich schnell anhaften. Wahrscheinlich ist das nicht wirklich innovativ, aber wen interessiert das, wenn es doch funktioniert. Zeit zum nachdenken bleibt ohnehin wenig, denn die Musik vergiftet rigoros den Verstand, verkleistert Nervenbahnen und legt auf den Schnellstraßen humanoider Reizleitung Feuer, leitet Anflüge von Kritik in Warteschleifen und verstandsferne Sackgassen. Lasst euch mit Growls und Gekeife Orientierungshilfe geben, ihr werdet Freude an grindigen Exzessen erleben, die ihr so nicht erwartet hättet. Das Rad bleibt rund, die Erde eiert immer noch ein bisschen und darum kann man an den gewöhnlichen Ergüssen künstlerischen Irrsinns auch ungewöhnlich viel Spaß haben! SEDATIVE ist kein Tranquilizer, eher der Schleifstein am Lobotomiebohrer. Vielleicht sollten die Froschhascher (sind Franzosen, ja) ihren Bandnamen wirklich mal überdenken! http://www.myspace.com/sedativechamonix
8/10

Tuesday, July 26, 2011

S.C.A.T. - Apopatophobia - Cd / Coyote Records


S.C.A.T. sind militante Verfechter des GUTschen ROMPEPROPismus, sind also genau so anspruchsvoll wie Rukolasalat nahrhaft. Und genau deshalb funktioniert die kleine russische Brigade auch, verbreitet Spaß, nennen sich selbst russische Killertomaten und tragen (vielleicht in Ermanglung des nötigen Kleingeldes für aufwendige Kostümierung) rote Strumpfhosen auf dem Kopf. Das würde ich an deren Stelle aber auch machen, wenn ich mich mit ausgeartetem Lärm so vehement gegen die Kulturrevolution stemme, in Anbetracht der gelebten Demokratie von Mütterchen Russland. Die pfählen jeglichen Anspruch zugunsten billiger Unterhaltung auf zugespitzte, mit frischen Batterien bestückte Kampfvibratoren, hämmern 3 Akkorde im Polkarhythmus durchs dunkle Hinterstübchen und predigen der Gemeinde verbalen Fasching. Eigentlich alles Grütze, wenn es denn nicht so locker lustig hüpfen würde. S.C.A.T. sind ein dicker Happen für vom Goregrind geschädigte Fetischisten jeder Art, Langzeitkinderzimmermieter, nekrophile Blumenbinder, Morbus Chron Fanatiker, Bahnhofsklosexsüchtige, Puppenmörder, Überalleslacher, Intelligenzallergiker, oder kurz für alle, die debile Grenzerfahrungen im Nachmittagsfernsehen für Beweise der darwinschen Evolutionstheorie halten. Bei diesem westrussischen Geschmackserguss ist lediglich feiern angesagt, also lasst euch euer Resthirn zu Blumenkohl verkochen, füllt mit handwarmen Wodka auf und schwingt die lahmen Hufe im Takt der Kettensäge! Der Zirkus ist in der Stadt und will euch in der Manege enthaupten, der Chef De Cirque moderiert mit Pitshifter, es gibt eine spektakuläre Schweinedressur von Weltklasse, Messerwerfer üben zielsicheres Genitalpiercing, die Raubtiernummer wird zum blutigen Intermezzo und die Clowns verstecken abgesägte Schrotflinten unter ihren weiten Kostümen. Nur für den Fall, dass der Applaus ausbleibt, wenn die Hochseilakrobaten sich der Schwerkraft ergeben. Und dazu rumpelt die Kapelle auf der Empore mit breitem Grinsen neuronenvernichtende, knochenbrechende, geschmacklose, sexistische und gewaltverherrlichende Hintergrundmusik, die Publikum und Artisten zu triebgesteuerter Raserei verleitet. Was soll´s , lasst den Mist einfach rollen, der billige Rhythmus ist so wie so ungemein ansteckend, da helfen weder Pillen noch Wachs in den Ohren. Wenn ihr mit den zu Anfang erwähnten Bands beim Frühstück sitzt, Songs über Eierdiebe, Omas Umschnalldildo und Schwanz – Zellulitis (muss ein russisches Phänomen sein) euren kulturellen Anspruch befriedigen, dann gehört auch dieses Album in die Kollektion eurer ganz persönlichen Verfehlungen. Mit der Punktewertung schieß ich jetzt einfach mal ins Blaue, weil es mir so gefällt!
7/10

Monday, July 25, 2011

INFERNAL HATE - Abicen Abora - Cd / Hecatombe Records


“Volcanic Death Metal“ ist das bandinterne Trademark und ich muss sagen, mancher Vulkan musste schon schlimmeres über sich ergehen lassen! Die Kanaren brennen, Feuerstürme verwüsten das Urlaubsparadies, das spanische Mutterland verliert seine Enklave an die Hölle. So zumindest hätte die Band ihre Musik bestimmt gern gewertet, irgendwas Brachiales sollte sie schon auslösen auf dem heimischen Eiland. Die Fahne der Realität weht aber doch in eine andere Richtung, wahrscheinlich hängt sie sogar häufiger schlapp vom Mast. INFERNAL HATE drehen sich mit jeder neuen Veröffentlichung um ihr passables Debüt von 2003 wie der Mond um die Erde, stecken im eigenen Kreativkarussell fest. Death Metal ja, nur der richtige Knall ist noch nicht erklungen. Und so ist auch „Abcien Abora“ wieder ein vertretbares aber beileibe kein großartiges Album geworden. Die vielen Blastparts kommen dabei noch um einiges besser weg, gedrosselte Stilvariationen hindern eher den Fußpilz am wachsen. Das ist wie Kaffee und Kuchen bei der Sonntagsoma anstatt Steak medium in der Fußballkneipe. Selbst der Versuch groovige Elemente mittendrin zu verpacken, geht nach hinten los. Das liegt zumeist daran, dass sich das musikalische Thema eines Songs in ständigen Wiederholungen müde rennt und einige Stücke auf ein Mindestmaß an Einsatz reduziert. So löblich die orientalische Note in „Volcanic Storm“ zum Beispiel sein mag, weil vielleicht die Leadgitarre und ihr Bierbauchtanz schnell im Ohr bleiben, passiert über die gesamte Spielzeit der Nummer doch reichlich wenig und das anfängliche Aufflackern gesteigerter Erwartungen verglimmt schnell wieder. Am Hörer verraucht! Dann erwische ich mich schon dabei, dass das Album nur noch an meinem Aufmerksamkeitshorizont schimmert, und das ist wohl kein gutes Zeichen. Schön, dass mich dann Vollgasattacken wieder wachrütteln und ich zumindest vom Sound überzeugt sein darf. Blast steht der Band, alles andere wirkt hingegen mühselig und kleinlich bis verkrampft. Vereinzelt jedoch bricht auch unerwartetes durch, so zum Beispiel ein mit Fantasie an Sepultura erinnerndes kurzes Schlagzeugsolo aus ihrer Indianisierungsphase. Oder auch das abschließende Cover von Bloods´ “Demons Call“ hat mich einigermaßen überrascht, da die musikalische Ausrichtung der Band denkbar wenig mit dem „Gott ist tot!“ aus Speyer zu tun hat. INFERNAL HATE orientieren sich wie immer an alten Helden von Cannibal Corpse bis weiß der Kuckuck, auf keinen Fall aber an germanischem Simplicissimus. Abschließend muss ich wohl sagen, ein Album wie dieses braucht keiner, weder im Regal noch auf dem digitalen Datenspeicher. Seinen Besitz müsst ihr aber auch nicht fürchten, das tut keinem was.
5/10

Thursday, July 21, 2011

ANNEX THEORY - Beneath The Skin - Mcd / Pivotal Rockordings


ANNEX THEORY sind ein reichlich komplexes Stück Musik, bei dem der Einstieg für den unbedachten Käufer möglicherweise nicht einfach sein dürfte. Wir haben es hier mit großer, aber auch komplizierter Musik zu schaffen. Musik; die die verworrene Struktur einer mathematischen Gleichung hat. Kennt jemand Einsteins´ Feldgleichung? „So wie die Masse das Gravitationsfeld in der newtonschen Gravitationstheorie verursacht, ist der natürlichste Ansatz für deren Verallgemeinerung, dass das Gravitationsfeld mathematisch von der Gestalt des Energie-Impuls-Tensors abhängig ist. Nun ist kein beliebiger symmetrischer Tensor, da er erfüllen muss, d.h. die Divergenz des Energie-Impuls-Tensors muss verschwinden, damit das Gesetz der Energie- und Impulserhaltung aufrechterhalten wird.“(Wikidingsda) Na kapiert? Eben! Ich hasse diesen abstrakten Wirrwarr, da ist nichts zum anfassen dran, nichts wo man reinpieksen kann, der Mist blutet nicht. In dieser Art verhält sich die Ep der Kanadier, da gibt es so viele Komponenten und Variablen, dass der rote Faden der uns zum Ergebnis führen soll, ständig seine Farbe wechselt. ANNEX THERORY stehen auf Melodien, genauso wie auf Gefrickel und vereinzelte Disharmonien. Sie decken stimmlich das ganze Spektrum ab, Growls, Screams, und mädchenfreundliche cleane Geschichten, wechseln zudem Tempo und Grundstimmung wie Beckham seine Unterhosen. Die Band beherrscht Aggression wie Melancholie, Deathcore Stakkato genauso wie Grooves, um die Ecke wie straight in die Fresse. Keyboard muss auch sein, ist mal überflüssig, manchmal kriegt man es auch gar nicht mit. Dann wieder zieht es mit Korsett und Peitsche vor die Hinterzimmerkamera und macht einen auf Domina. Und tatsächlich sind das dann die stärksten Parts der Rummelbude, das Teil tanzt Twist mit dem Chaos wie (weit aus dem Fenster, ganz weit!) frühe Vangelis und ein bisschen Yellow. Ist aber ausgesprochen cool und richtig was zum hinhören. Wer auf so viel progressives Stapelverfahren allergisch ist, Musiker in bunten Hemden mit komischen Frisuren und Milchbärten nicht mag, der lässt das hier lieber links liegen. Ich brauch das auch nicht zu jeder Mahlzeit, will aber freimütig zugeben, dass hier großartige Musiker mit gut geschmierter Hirn – Finger Reizleitung auf Hochtouren laufen. Schön auch, dass sie einen Fehler nicht begehen, sie lassen die Eingängigkeit für den Durchschnittsluden nicht außer Acht, oder zumindest finden sie zwischen ihren Ausbrüchen immer wieder den Weg nach Hause. „Beneath The Skin“ kann beeindruckend sein, ist aber auch nicht ohne weiteres bis zum letzten Zipfel verdaubar, stellt sich vielleicht eher als Musik für Musiker dar, so zum gegenseitigen ätsch machen. Fest steht, die Jungs haben es richtig drauf, stehen auf Progressivität ohne auf wirklichen Metal achten zu wollen und präsentieren ein nicht ganz unstrittiges, eher kantiges als rundes Werk. Eines das versucht dem Chaos Struktur überzustülpen.
8/10

Wednesday, July 20, 2011

REIGN OF VENGEANCE - Disemboweling Swine - Cd / Brain Damage Music


Das Infoblatt klang nach typischer amerikanischer Überheblichkeit, präsentierte ein überstudiertes und Grenzkriegerfahrenes Musikerensemble aus „Söldnern verschiedener namhafter, anspruchsvoller Stemmeisencombos. Darauf gebe ich einen alten Arsch, denn so was endet nicht selten als Rechtfertigung für den letzten Seufzer und ist kurzlebiger als eine Sandburg bei Belagerung durch Adipositas in roten Badeanzügen. Musik überzeugt mehr als Lametta am Revers! Na ja, und das tun REIGN OF VENGEANCE auch in Echtzeit, hexen technischen Death Metal aus dem Zauberkessel interner Talente, lassen funkensprühende Gitarrenläufe von der Kette, arbeiten mit nicht ungewöhnlichen Tempowechseln und progressiven Breaks, lassen aber auch genau so jazzige Bässe erklingen und die Leadgitarre irgendwie unschöne Melodien fabrizieren. Das musikalische Angebot in der All Star Auslage variiert angenehm und beweist wohl das breite Musikverständnis der Protagonisten. Und trotzdem macht das Album einen kalten, künstlichen, nicht vollends überzeugenden Eindruck. Mit all den Talenten und Erfahrungen aus den verschiedensten Winkeln hardmetallischer Kommunen sollte man aber auch nicht wirklich was durchweg Flüssiges voraussetzen, da drängt sich der Gedanke einer zu sehr gewollten Konstruktion auf. Ich lass jetzt mal den Miezepeter aus der Jutetüte, hier bespaßen uns Talente die bei CEPHALIC CARNAGE, JOB FOR A COWBOY, REBIRTH und DECREPIT BIRTH (unter anderem) mitspielten oder auch noch tun, wer weiß das schon so genau. Welch Geistes Kind das Album dann geworden ist, steht wohl außer Frage. Es funktioniert aber trotz Bedenken mehr als passabel, und nicht nur auf diesem Sektor sondern tendiert mit Macht in Richtung brutale Kleinholzmanufaktur. Mit Groove hat „Disemboweling Swine“ wenig am „Wildcats“ Cap, außer dem Rausschmeißer „It Shouldn´t Have Been Found…“, dafür mit auf Komplexität getrimmtem Songwriting, mit einer Mischung aus fingerknöchelverschleißendem US Death Metal und moderneren Einflüssen. Schlussendlich hebt der nicht zu leugnende Dauerbeschuss eines Jahre währenden Spielriemens das Baby des Vierers aus Arizona ein gutes Stück aus der Masse ähnlich gearteter Ergüsse heraus, und festigt diesbezüglich die Hackordnung. Positiv anzumerken ist, dass das hier kein Egotrip zu sein scheint und die Musiker sich zu Gunsten des Gesamtbildes in ihrem Spiel zurücknehmen. Ohne Versteckspiel natürlich, sonst hätte es wohl nicht funktioniert. Also REIGN OF VENGEANCE verlassen sich auf das was sie können, brechen nicht wirklich aus ihrer Spur aus, trauen sich jedoch auch bei Gegenverkehr zu überholen. Erwartet eine Mischung aus besagten Bands und anderen Größen wie SUFFOCATION und ähnliches, und ihr bekommt damit zwar nicht den ultimativen Burner aber zumindest preisgehobene Regalware in Augenhöhe, für den anspruchsvollen Konsumenten!
7/10

Tuesday, July 19, 2011

OXIDISED RAZOR / GUTSAW / ROTT - Optical Hook Dissection - Cd / Deus Mortuus Productions


Oxidised Razor (MEX), Gutsaw (USA) & Rott (USA), 3 Bands mit dem gleichen Anspruch, so klischeehaft wie möglich Köpfe rollen lassen. Mag unterhaltsam sein, wenn man besoffen ist oder einen miesen Tag hatte, klappt aber auch nur bedingt. Ich will es mal auf lyrisch hochwertigem Niveau zusammenfassen (eines das die Typen hier wohl nie erreichen werden!).

In der Nutztierschlachterei - gibt’s so manche Leckerei – Zwischen Mord und Raserei – besorgt so manche Zappelei – eine riesengroße Kleckerei – In der Nutztierschlachterei.

Wo ist das Rezept geblieben - von dem Bluthack das wir lieben – wer hat das Rezept – verschleppt?

Na, dann müssen wir es packen – einfach frei nach Schnauze hacken – schmeiß den Fleischwolf an – ran!

In der Nutztierschlachterei - gibt’s so manche Leckerei – Zwischen Mord und Raserei – besorgt so manche Zappelei – eine riesengroße Kleckerei – In der Nutztierschlachterei.

Brauchen wir nicht scharfe Klingen – der Lehrling soll gleich Dreie bringen – und dann noch ein Beil – geil!

Blut, Gedärm und Mett verrühren – zwischendurch noch mal probieren – und dann in den Darm – noch warm!

In der Nutztierschlachterei - gibt’s so manche Leckerei – Zwischen Mord und Raserei – besorgt so manche Zappelei – eine riesengroße Kleckerei – In der Nutztierschlachterei.

Bitte mal zur Seite treten – denn wir brauchen Platz zum kneten – sind die Finger rein – du Schwein!

Wenn die Würste die wir begehren – sich erst mal in des Kessels Hitze wehren – warten wir gespannt – verbrannt.

In der Nutztierschlachterei - gibt’s so manche Leckerei – Zwischen Mord und Raserei – besorgt so manche Zappelei – eine riesengroße Kleckerei – In der Nutztierschlachterei.


Frei nach Kinderpapst Zuckowski trifft das in nächtelanger Schweißarbeit umgetextete urdeutsche Liedgut den Kern dieser 3 – Way Split am treffendsten. Hack kaputt was dich kaputt hackt! Marmor Stahl und Eisen bricht, aber unser Blutdurst nicht! Blutrot sind die Innereien, blutrot bin auch ich, blutrot soll mein Mädel sein, gerade so wie ich. Ein Bett im Schlachthaus, das ist immer frei, es ist des Messers Hochsaison, und was ist schon dabei? (na ja, nich so) Noch mehr, habt ihrs noch nicht gefressen? Es geht nicht um Musik, sondern darum wie viel Abartigkeiten in 20 Meter Schweinedarm passen, und wie die Abfüllung sowie der anschließende Verzehr akustisch dargestellt werden können! Brutales mittelstufiges und feuchtfröhliches Gebolze für alle Gesellen, die ihre Schlachterschürze nur abwischen, wenn sich die Hygiene ankündigt.
6/10

UNDEAD CREEP - The Ever Burning Torch - Cd/ Dark Descent Records


Im Zuge der um sich greifenden weltweiten Schuldenkrise ist nun auch der Italiener zum Handeln gezwungen. Das Sparpaket ist geschnürt und beinhaltet unkonventionelle Lösungsansätze. So verscherbelt Silvio gegen gutes Geld (für eine steuerfreundliche Bunga – Bunga Finanzierung) Sizilien an Karl Gustav von Schweden. Der gewitzte Italiener wird damit 2 Probleme tilgen, er muss den verarmten Süden und seinen blöden Vulkan nicht mehr durchfüttern und er wird den Kern von La Familia los. Der Schwede hingegen glaubt an einen Mittelmeerzugang und mediterranen Tourismus, kann Westeuropa mit Sirupbrot und Gammelfisch in die kulturelle Zange nehmen. Positiver Nebeneffekt ist, dass der gemeine Sizilianer sich von der schwedischen Lebensart anstecken, und sich von dessen subkulturellen Auswüchsen infizieren lässt. Wie sonst wäre es zu erklären, dass eine Band wie UNDEAD CREEP ihre musikalische Rechtfertigung bei frühzeitlichen, skandinavischen Elchtod sucht? … Spekulativer Blödsinn, weiß ich doch, aber ihr solltet die Band erst mal hören. Tatsache ist, dass ich mich wie Marty McFly fühle, der gerade aus Doc Browns´ DeLorean fällt, sich 20 Jahre oder etwas mehr zurückversetzt fühlt und benommen durch Stockholm torkelt. UNDEAD CREEP verhehlen ihr Vorlieben erst gar nicht und steigen mit einem Stück ein (Immolated For Reincarnation), das deutlich und rotzfrech Bezug zu „Left Hand Path“, einem der wahren Klassiker nimmt. Die sizilianischen Neuschweden wissen das Alte zu schätzen und schwören selbst auf den Urschleim der Szene, NIRVANA 2002, CARNAGE und NIHILIST. Vielleicht sind sie auch nur ein Pantoffeltierchen, das im Strom der Retrowelle mitgetrieben wird, aber dann wenigstens eines, das sich zu Größerem berufen fühlt und nicht als Einzeller in der Suppe untergehen will. Sie versuchen sehr erfolgreich Musik und Sound so dicht wie möglich an die Originale zu legen und erzeugen damit authentische bis nostalgische Gänsehaut. Nachdem ich mir das Album so ein halbes Dutzend Mal intravenös geschossen habe, komme ich zu der Überzeugung, dass es eines der überzeugendsten des Jahres sein könnte und da sind mir Innovation und seine besoffenen Kumpels reichlich Rille! Worauf es mir ankommt ist, dass die Olivenzüchter vom Felsen in der Lage sind große Haufen zu scheißen! Und der purzelt der Band unüberhörbar und mit scheinbarer Leichtigkeit sonstwo raus. Ihre Art den Soundtrack einer ganzen Szene zu interpretieren klingt schon beinahe nach einem Statement, genauso wie der Albumtitel „The Ever Burning Torch“. Halbe Sachen können andere machen, die hier ticken präzise. Noch was, dass sie sich vom Schweden abgeguckt haben. Zum Teufel, holt euch eure Portion von diesem Kuchen, Globalisierung funktioniert im Metal besser als anderswo, der Scheiß ist ein rotzfrecher Raubzug und ein echtes Highlight!
9/10

Friday, July 15, 2011

DENIAL FIEND - Horror Holocaust - Cd / Ibex Moon Records


Unter welcher Prämisse ist diese Cd denn wohl zu betrachten? „Denn sie wissen nicht was sie tun?“,“Je oller je doller“, „Aufstand der alten Säcke?“, „ Wehe wenn sie losgelassen?“? Ohne viel Rechnerei dürfte klar sein, dass alle Musiker dieses All Star Projektes das 50. Wiegenfest im Fokus haben. Was also wollen sie noch beweisen, was sie in ihren vorherigen Bands nicht schon getan haben, wozu all dieser Stress? Waren/ sind denn Erfolge mit D.R.I., THE ACCÜSED, OBITUARY, MASSACRE, SIX FEED UNDER und DEATH nicht legendär genug, wie und warum sollte jemand so etwas toppen sollen? Wenn das Auswirkungen einer Midlifecrisis sind, dann sollten sich ganz andere Leute berechtigte Sorgen machen. Was kann man mit Mitte 40 schon, was einem 20jährigen nicht viel unbeschwerter von der Leber gleitet. Es sollte sich eher die Frage stellen, was man nicht mehr kann! 100 Meter in Bestzeit, das war einmal, 90 Minuten Fußball auf dem Hartplatz ohne Sauerstoffgerät sind illusorisch. 2 Schachtel Kippen verdampfen und saufen bis das Bett sich von selbst dreht und dann morgens um 5 Uhr wie ein junger Gott aufstehen, ich lach mich kaputt. Es geht einfach nicht mehr, die Haare auf dem Rücken, die höher werdende Stirn, den länger werdenden Sack und die Hämorrhoiden zu ignorieren! Was bleibt, ist das was den ergrauenden Revoluzzer als jungen Burschen angetrieben hat und zu dem gemacht hat, was er heute ist, auch wenn die Autobahnen der Zeit mitunter ein höheres Reisetempo anschlagen, als man persönlich bereit ist mitzugehen. Bei DENIAL FIEND ist das ganz einfach der Metal Virus, den sie als Pioniere in der Welt verbreitet haben und von diesem Status abzutreten, sie sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln wehren. Vor diesem Hintergrund entflammen sie einen carcasstischen Flächenbrand wie er von Bands wie EXHUMED, IMPETIGO oder Maniac Neil ´s kongenialen BLOODFREAK ´verehrt wird. Breite eingängige Riffs, simple Strukturen und gefällige Melodien, die 4 Geriatriebewerber sind sich für nichts zu schade, mischen ihre gemeinsamen Erfahrungen zusammen und kippen einen Topf voller heißen Öles über die Festungsmauer. Sehr zur Freude der tobenden Krieger selbstverständlich. Lediglich der Gesang ist dann doch etwas gewöhnungsbedürftig, klingt nach dunkelsten IMPETIGO Zeiten und wirkt das akustische Bild einer überfahrenen Krötenwanderung. Es bedarf etwas (mehr) Zeit um sich daran zu gewöhnen, aber dann steht dem Rübe aus der Fassung schrauben nichts mehr im Weg. DENIAL FIEND vertreiben den Horror ihrer Jugend wie Dealer auf Bewährung ohne Angst irgendwas zu verpassen, da sie schon alles erlebt haben. Auf diese Weise lässt sich die geschliffene Axt unbeschwert schwingen, solange Blutvergießen noch Spaß macht und die Schreie der Opfer der größte Lohn sind. DENIAL FIEND spielen außer Konkurrenz, da es niemanden gibt, dem sie noch was beweisen müssten, und diese verdiente Blauäugigkeit sollte euch ein paar Euronen aus eurer Börse wert sein.
8/10

Thursday, July 14, 2011

DEATH TOLL 80 K - Harsh Realities - Cd / FDA Rekotz


Kennt ihr das Gefühl, das Wile E. Coyote jedes Mal beschleicht, wenn er eine Dummheit gemacht hat, und wieder mal über den Felsvorsprung hinaus geschossen ist? Dieser Moment in dem die Zeit eingefroren scheint, und er mit dem rechten Fuß im luftleeren Raum tastet. Der Moment in dem sich die Erkenntnis ausbreitet, gerade etwas unwiderruflich Idiotisches getan zu haben und zu wissen, dass die Gesetzte der Schwerkraft unmittelbar einsetzen werden. Das ist doch pure Angst und Panik, oder? Dieser Moment gehört ganz euch, genießt ihn, denn alles danach gehört DEATH TOLL 80 K! Erst jetzt verschafft sich das wahre Entsetzen Raum, wenn ihr nämlich mit beklemmender Gewissheit und kehligem Kreischen der Fallgeschwindigkeit ausgeliefert seid und es dem unausweichlichen Ende zugeht. Pures Adrenalin und blindwütiger Temporausch der alle vorstellbaren Radarfallen zum platzen bringt. Nicht dass ihr euch darum noch Sorgen machen müsstet, hinterher gibt es so wie so niemanden mehr, der eure Rechnungen bezahlt. DEATH TOLL 80 K fühlt sich vergleichsweise so an (vermutlich), als würde ein allzu gutgläubiger Pazifist seinen Kopf in einen verzinkten Wassereimer stecken und zwei bezahlte Anabolikaprobanden dreschen mit Baseballschlägern in wechselndem Rhythmus und mit all ihrer zur Verfügung stehenden Muskelmasse auf die Glocke ein. Das muss Schmerzen auslösen die sich ihren Weg bis in die, je nach Lebenserfahrung von der Schwerkraft beeinflussten Kronjuwelen ziehen. Wenn ihr krank genug seid, das ertragen zu wollen und das Leben euch bereits alle positiven Seiten weggesoffen hat, die Tage sich scheinbar nur im Kreise kapitalistischer Tretmühlen bewegen, und ihr so viel Aggressionen aufgestaut habt, dass ihr damit mehrere Frauenhäuser füllen könntet (was ihr nicht tut, wehe!), dann zieht euch „Harsh Realities“ rein, lasst euren Alltag noch mal Revue passieren und erkennt, dass andere noch viel kaputter sind als ihr. Nach 23 kurzen Nummern wird euer Weltbild zwar nicht unbedingt begradigt, aber ihr habt die ultimative Erfahrung hinter euch, dass Grindcore mehr als 3 Akkorde bedeutet, und das allein ist für manch einen ein größerer mentaler Quantensprung als zu wissen, dass das Bier vom Aldi Scheiße ist. DEATH TOLL 80 K ist wie eine Planierraupe mit Raketenantrieb und der Geräuschkulisse eines Flugzeugcrashs. Gaspedal durchs Bodenblech und Riffgewitter mit Unwetterwarnung. Ich sag´s euch, wenn eine Band aus Finnland Grindcore verzapft, dem Land mit der undenkbar höchsten Alkoholikerrate Europas, dann haben die sicher eine entsetzliche Kindheit in Tristes und Gewalt hinter sich und daran lassen sie euch teilhaben. Kniet nieder und senkt das Haupt vor der Axt des gnadenlosen Kopfabgebretters, ganz im Sinne von ROTTEN SOUND, INSECT WARFARE und vielleicht auch so ein bisschen NASUM.
8/10

Tuesday, July 12, 2011

THE CLEANSING - Feeding The Inevitable - Cd / Deepsend Records


Als Shakespeare damals seinen Hamlet diesen profanen Satz „Sein oder Nichtsein“ sagen ließ, hatte er wohl keine Vorstellung, welche Auswirkungen das auf das Selbstwertgefühl des Dänenstaates haben würde. Seitdem bring das Stück Treibsand zwischen Ost-, und Nordsee regelmäßig große Erfindungen und helle Köpfe ins Erbe der Menschheit ein. Da hätten wir zum Beispiel Brigitte Nielsen, eine bemerkenswerte Kunstperson, die in ihrer Glanzzeit erfolgreich erfolgreiche Muskelberge auf´s Kreuz legte und heute noch eine komplette Kunststoffindustrie mit ihrer Ersatzteilbestellung am Tropf hält. Oder Niels Bohr, einer der Väter der Atomphysik, der dem Ami die Atombombe schenkte und damit bewiese, dass die Kernspaltung einen Planeten spalten kann. Dann lieber Lego, ist das nicht ein urdänisches Produkt, da rieselt so viel Plastgestein vom Fließband, dass sich damit die ganze zahlungswillige Kinderwelt zupflastern lässt. Ein echter Quantensprung und Hauptauftraggeber für Kinderärzte, da die beliebten Kleinteile leider nicht sperrig genug sind, um im den Schlünden der Rotzblasen zu verschwinden. Ob sich THE CLEANSING darüber Gedanken gemacht haben, als sie mit ihrem aktuellen Album zum Hausputz angesetzt haben, darf bezweifelt werden. Eigentlich spricht alles dagegen. Zum einen geht ihnen der Old School Gedanke, den viele dänische Death Metal Bands zu Recht bewahren, völlig ab und das Siegel des extra für den lokalen Lärmmarkte erfundenen „danish dynamite“ trifft auch kaum zu. THE CLEANSING orientieren sich mit Blast und progressivem Technikverständnis an transatlantischen Bands, von SUFFOCATION bis KRISIUN. Wahrheitsgemäß muss ich aber zugeben, dass mir ihr Debüt „Poisened Legacy“ vor gerade mal 2 Jahren mehr gegeben hat, als der Nachfolger. Offensichtlich kränkeln auch THE CLEANSING nicht wenig am Fluch der ersten Scheibe, so wie es vielen geht, und sind trotz aller Fingerfertigkeit nicht in der Lage, das Ding zu toppen. Was bleibt ist eine anspruchsvolle Rinde mit einigermaßen kompositorischer Dichte und angemessenem Amisound, ein Wechselspiel aus haltloser Prügelei und Midtempo. Ich hatte den großen Knall erwartet, bekommen habe ich ein etwas verstörendes Scheppern. Nationalbewusstsein hin oder her, der Ausbruch hat THE CLEANSING eine Zeit lang ganz gut getan, der Alltag einer semibekannten Death Metal Band hat sie aber wieder eingeholt. Vielleicht hilft das aber auch, die etwas verloren gegangene Kreativität aus dem Genpool bleierner Todessuppe erneut herauszufischen. Ich bleibe voller Hoffnung. Mit dem vorhandenen Know-how der Band bedarf es nur eines kühlen Kopfes und der gewissen Portion Weitblick. „Feeding The Inevitable“ bleibt trotzdem empfehlenswert, wenn auch nicht so uneingeschränkt wie ich es gern getan hätte.
6/10

Monday, July 11, 2011

DEATH STRIKE - Fuckin´Death - Cd Re – Release / Dark Descent Records


Beim ziegenbeinigen Erlöser, was hier gerade rumpelt ist ein wahres Fossil des Death Metal, etwas das bei der Geburt der Szene dem dreckigen und blutigen, damals so unangepassten Bastard auf die Welt geholfen hat. Speckmann plärrt hier eine Scheibe lang rohe Musik zusammen, die schon vor MASTERs´ legendärem Debüt hätte erscheinen sollen, aber in den Wirren der Zeit, in der blinden und noch wenig zielorientierten Aufbruchsstimmung beinahe ins Vergessen gestampft wurde. So ist den Songs der Status des unantastbaren Klassikers verwehrt geblieben und haben irgendwann Aufnahme in das MASTER Konzept gefunden. Jetzt ist es wieder da, das Geschrei nach „Fuckin´ Death“. Was seinerzeit, als der Cro Magnon Mensch mit der Keule seinem Weib alle sportlichen Ambitionen außerhalb der Höhle ausgetrieben hat, richtungsweisend werden sollte, wirkt heute fehl am Platzt. Die Mühlen der Zeit haben DEATH STRIKE zu Marginalien jenseits einer unüberschaubaren Bandflut zerschnipselt. Lediglich die wehmütige Erinnerung an eine untergegangene Epoche vermag es noch, dem einen oder anderen eine Träne aus dem Knopfloch zu locken. Einstmals ein Novum und der Gral für eine handvoll Pioniere, hat sich heuer die meterdicke Staubschicht der Belanglosigkeit einen Ruheplatz auf dem Album gesucht. Ich will ja nicht an einem möglichen Kultobjekt rütteln, oder ihm die Verehrung aberkennen, aber ob es nun ein Re - Release gegeben hätte oder der Dalai Lama mit dem Rad zu Arbeit fährt, spielt doch überhaupt keine Rolle. Tatsache ist, dass die Musik selten primitiv ist, damals schon war und zukünftig auch niemand daran zweifeln wird. DEATH STRIKE unterscheidet sich kaum von alten MASTER Geschichten, was wohl auch mit dafür gesorgt hat, dass die Band keine Chance auf ein eigenständiges Leben hatte, das MASTER Album war eben zuerst da und damit war wohl das Urteil gefällt. Wie gesagt, musikalisch, aber auch textlich gibt es da wenig Differenzen, Speckmann war schon immer ein kritischer Beobachter, also ist es auch völlig belanglos, das DEATH STRIKE damals verpufft sind. Und ob das einzige Album der Band nach nun 20 Jahren noch mal erscheint, dürfte nur wenige interessieren, es kam ja schon, wenn man es genau betrachtet, 1991 viel zu spät. Fertig waren die Aufnahmen schon um einiges eher, aber die Story ist mir jetzt zu kompliziert. Vielleicht wäre Paule damals energischer dran geblieben, hätte er gewusst, dass Death Metal mal ein richtiges Geschäft (vor dem Internetklau) und beinahe salonfähig wird. Aber bitte, ich werde niemanden abhalten sich das olle Gedepper in die Anlage zu wuchten, mit Erwerb des plastelinen Staubfängers bekommt ihr das 85er Demo noch hinten dran. Proberaumrauschen auf 4 Spuren, das ist der wahre Klassiker!

Sunday, July 10, 2011

COFFINS - Ancient Torture - Do Cd / Deepsend Records


Der kleine, gemeine Japaner schraubt und hobelt sich seinen Sarg schneller als erwartet. Und zudem in viel größerem Stil als man ihm zugetraut hat. Einen Sarg für ihre Atomruine! Und da wir wissen, wie effizient die Leute auf dem Gegenkontinent sind, vertraue ich ihnen auch voll und ganz. Polyester für des Sensenmanns kleine Schwester! Ausprobiert haben sie es ja schon … an sich selbst, mit ihren Kapselhotels, die Spinner. Eintüten in die Tupperware – Box und dafür noch Geld bezahlen. Aber was wollen sie auch machen, wenn Platzmangel an der Tagesordnung ist, hilft auch klein und dünn bleiben wenig. Not macht erfinderisch! Passend zum PVC Leichenhaus für Japans strahlenden Küstenabschnitt mit Sonnenbrandgarantie auch bei bedecktem Himmel, veröffentlichen COFFINS (irgendwann musste der Bogen kommen), die landeseigenen Sympathisanten tödlicher Strömungen, eine Kompilation mit zahllosem Material verschiedenster Split und Vinyl Gewalttaten. Bekanntlich zelebrierten sie das in ihrem ureigenen Tempo, lassen sich von der lokalen Hektik nicht mal peripher tangieren und doomen sich durch eine Welt aus Schmerz und Verzweiflung. Soviel sollte aber jeder über COFFINS wissen, denn wem die einmal mit ihrer zähen Lava das Ohr zugepfropft haben, der vergisst das auch nicht mehr. Lediglich bei den Coversongs bewegen sie sich partiell schneller, wahrscheinlich wegen des Wiedererkennungswertes, so haben sie einige Antiquitäten auf der Bahre, die richtig Laune machen und die bandinternen Wurzeln durchschimmern lassen, CARNAGE, ASPHYX (klar), VENOM, CATHEDRAL (praktische Wahl, muss nicht am Tempo geschraubt werden)… . COFFINS haben den Staubwedel nicht erfunden, die sind der Staub, Wenn das Bremspedal könnte, würde es das Gaspedal abschaffen, wenn die Schnecke könnte, würde sie sich Fangzähne implantieren lassen und im Bleimantel durch Fukushima glibbern, zu einem Raubschleimer mutieren und auf Schwalbenjagd gehen. COFFINS hassen Autobahnen und fahren nur auf, wenn mindestens 20 km Stau gemeldet sind. COFFINS waren der Eisberg, der der Titanic folgenschwer den Anker ersetzt hat. COFFINS ist der anheimelnde Todesgesang in eiskaltem Wasser, der balletartige Leichentanz zum Meeresgrund, langsam um die eigene Achse drehend, mit ausgebreiteten Armen und starren Augen. COFFINS sind ausgesprochene Feinde der Warpgeschwindigkeit, die gehen lieber zu Fuß zum Mond. COFFINS polieren nicht Rost und Blut von ihren musikalisch inquisitorischen Marterwerkzeugen! COFFINS sind die eigentlichen Patentinhaber für Kaugummis und Gummibänder! Zeit spielt eine untergeordnete Rolle und ehrlich gesagt würde ich gern wissen, womit die sich zudröhnen. Deren Krempel ist brutal und fies, zäh wie Ahornsirup mit einem Sound wie langsam schwingende Katzendärme, strapazierend für angekratzte Nerven und entspannend für all jene die nichts mehr zu verlieren haben und sich hinter Depressionen verstecken. Ihr habt das Bedürfnis nach einer geistigen Vierteilung durch angekettete Riesenschildkröten, na dann lasst euch nicht abhalten!

Thursday, July 7, 2011

GORGUTS - From Wisdom To Hate (Re – Release) - Cd / Deepsend Records


„From Wisdom To Hate“ ist das letzte Album von GORGUTS, hat mittlerweile schon wieder geschlagene 10 Jahre auf dem Buckel und bettelt als Re – Release um neue Aufmerksamkeit. Hätte die Band es damit ernst gemeint (mit der Aufmerksamkeit), dann hätten sie ihre Kadaver diesen Sommer wie angekündigt über den Teich bewegt und ihr altes Zeug supportet. Da das aber schief gelaufen ist, wird sich auch das Aufleben der staubigen Scheiben in unseren Breiten in Grenzen halten. Und gerade dieses Album ist, trotz seiner immensen Komplexität, bei weitem kein Klassiker wie „Considered Dead“, sondern eher eine konsequente Fortsetzung des eingeschlagenen Weges in immer wieder wechselnder Besetzung. Der primitive Death Metal Konsument wird zur Band eh nur schwerlich Zugang finden, da er Mörderiffs, Grooves und gnadenloses Geballer braucht. Damit haben GORGUTS noch nie dienen können, geschweige denn wollen. GORGUTS frickeln sich mit progressiven Schlangenlinien durch ein mehr als kompliziertes Bandleben, und das zu den selbst gewählten und bekannten Kosten der Eingängigkeit. Anspruch war ihnen scheinbar immer wichtiger, auch auf ihrem letzten Album. Dieses schleicht sich eher leise und auf verworrenen Faden durch den Dschungel wie ein unbekanntes Raubtier, jede Deckung ausnutzend um sich seiner Beute unbemerkt zu nähern. „From Wisdom…“ kommt also auf leisen Sohlen und punktet weder mit Härte noch mit Brutalität. Und trotzdem, oder gerade deshalb, gibt es immer noch viele, die an das Fabelwesen dort draußen im grünen Blätterdickicht glauben, und dem Gerücht in den Schatten nachstellen, sich vielleicht noch vorsichtiger bewegen um irgend wann mal einen Blick auf seine beeindruckende Struktur zu erheischen. Soll heißen, diese Scheibe ist was für metallische Individualisten, die lieber staunen und Musik intellektuell interpretieren wollen, als im Kreis zu rennen oder den Schädel auf den Hinterkopf des Idioten in der vorderen Reihe zu knallen. GORGUTS sind der verhaltene Zick Zack Schritt über viel zu dünnes Eis, mit der unumstößlichen Gewissheit, das andere Ufer zu erreichen. Wenn es eine metallische Waldorfschule gäbe, dann säßen die Kanadier dort irgendwo im Vorstrand und diskutierten über neue musikalische Maßstäbe, die der gemeine Langhaarige nicht versteht, geschweige denn umsetzen könnte, der braucht seine Hände und den Kopf für Bier, Kippe und pseudowissendes rhythmisches Nicken. Macht was draus, kauft die Scheibe oder tragt das Geld in die Bierstampfe, den Unterschied merkt ihr erst, wenn der Wirt die Rechnung bringt!

Sunday, July 3, 2011

ICON IN ME - Head Break Solution - Cd / Goomba Music


ICON IN ME kommt mir eher vor wie ein retortenfähiges Puzzle, denn eine homogene Band. Zumindest in Anbetracht dessen, welcherorts die Musiker im Einzelnen schon überall gespielt haben. Aber schauen wir lieber auf das Ergebnis, als uns in Pseudonostalgie zu verlieren … wozu auch gar kein Grund besteht. Um es kurz zu machen, könnte ich einen Namedropingkontest vom Zaun brechen; SLIPKNOT, SOULFLY, FIVE FINGER DEATH PUNCH, DISTURBED, DEVIL DRIVER, FEAR FACTORY, PRO PAIN … Fest steht, dass die Band auf ihrem nunmehr 2. Album gar nichts anbrennen lässt, überhaupt nicht auf die Idee kommt, das Risiko zu suchen und ihre Inspirationsquellen nicht im Ansatz zu verstecken sucht. Das Unvermögen selbst nach Grundwaser zu bohren, anstatt fremde Brunnen zu plündern machen sie aber ganz anständig mit einem dicken Spielriemen wett. Hart und produktiv wie der Schwengel eines potenten Zuchtebers! Die können ihre Instrumente schon niveauvoll malträtieren und haben einiges an szenetauglichem Songwriting in der Hinterhand. Da werden dann Stilelemente aus Metalcore, Hardcore, Thrash Metal und Melodic Death Metal zusammengekloppt und dem Konglomerat noch eine pseudokritische Botschaft angepappt, und fertig ist ein Album, das gefallen wird aber auch so gar nichts innovatives auf der Ladeklappe transportiert. Ihr solltet euch auf satte Riffs und Hardcoreshouts einstellen, aber auch auf zu erwartende cleane Vocals und halbballadeske Melancholie aus Komsomolsestan. Zweiteres kann alt eingesessene Frontschweine schon ganz schön strapazieren, aber auch der Mädchenbrigade die eine oder andere Träne aus dem Knopfloch drücken. „Un Slaved“ zum Beispiel ist ein so überflüssiger Stimmungskiller, dass jeder Emoanwärter sich beflissen fühlt Papis Rasiermesser zu schleifen. Andere Stücke wie „Nuclear Drama“ hingegen punkten mit nicht ungewöhnlicher aber angemessener melodischer Hardcoreattitüde nebst zähnefletschender Aggression, und transportieren die Lyriks so viel glaubwürdiger als wenn es nur melodramatisches Geheule gäbe. Allerdings bleibt auch dieser Song bei seinem Chorus nicht ganz davon verschont. ICON IN ME opfern die durchaus vorhandene Härte und Zielstrebigkeit des Albums zugunsten eines etwas zwanghaft wirkenden, auf Stimmigkeit getrimmten Gesamtbildes. „Head Break Solution“ wird nicht wenige zu begeistern wissen, wer die Sache aber etwas kritischer betrachtet, wird auch so einige lose Fäden finden. Rein qualitativ gibt es jedoch kaum was auszusetzen, die wollten ihr Album genau so wie es ist und basta. Dass der Wiedererkennungswert eine sehr vage Variable hinter dem Geschmackshorizont ist, haben sie sich und ihrem eigenen Musikgeschmack zuzuschreiben. Weil mir aber öfters auch zum heulen zu Mute ist, vollstrecke ich eine moderate Punktewertung!
7/10