Wednesday, August 31, 2011

SPASM - Taboo Tales - Cd / Rotten Roll Rex


SPASM – der quälende Krampf im Handgelenk vor dem ersehnten Höhepunkt. Meine verehrten Herren, das hat jetzt ein Ende! Meine Lieblingsfreibadmodefetischisten sind zurück. Zurück mit legendärem B & B Grind, Bass und Badesuite. Schön, wenn jemand sein Talent richtig einzusetzen weiß, in diesem Falle Ochsenfrosch Radim, der seine sexuelle Schwungmasse in den Borat zwängt wie der bayrische Schlachter die Weißwurscht in den Darm. Beides wird immer enger und Radims Verhüllung zudem gefährlich knapp. Aber Schönheit brennt sich individuell in die Linse des Betrachters und Frauen stehen auf so was. Davon will das neue SPASM Album 18 Hymnen singen … oder so. „Taboo Tales“ wandelt auf den Spuren von Mel Gibson, denn es weiß was Frauen wollen, Dildos, Zutritt durch das Hinterstübchen, Masturbation, angeblich sich sogar vollkotzen lassen. Ich werde Frauen wohl eher nicht begreifen. Nun gut, für jene die noch dazu lernen müssen, sind SPASM so freundlich ein vertontes Lexikon zur Erkundung femininer Bedürfnisse zur Verfügung zu stellen, und einen kleinen Obolus zur Kostendeckung zu verlangen. Füllt eure Wissenslücken und erhöht eure Chancen auf ein spannendes Techtelmechtel in den Kissen. Eine Erfolgsgarantie dürft ihr natürlich nicht voraussetzen, SPASM geben zwar eine immense Steilvorlage, aber letztendlich ist ein jeder seinen Glückes Masturbator. Schön auch der Albumtitel, ich gehe mal davon aus, dass er sich mit der weltberühmten Erotikserie aus den 70ern beschäftigt (kenne ich nur vom Hörensagen) und innerfamiliäre Bedürfnisse aufgreift. SPASM haben also umfassend recherchiert, ein komplexes Sittenbild am Kragen gepackt und daraus einen wundervollen Orientierungsleitfaden geschaffen. Das Standardwerk für den Mann kommt in Hochglanzoptik, edler Verpackung und einem im Miniposterformat fotografierten Anleitungsbogen. Die Zufriedenheit und das Glück in den Augen der dort abgebildeten Frau sprechen Bände. Es brauchte sicher Mut und umschifft wahrscheinlich nicht jede mediale Anfeindung um so was Bedeutsames auf den Weg zu bringen. Aber Gott sei Dank ist es da und leitet den modernen Mann detailverliebt an, seinen Testosteronhaushalt in die für ihn geeigneten Bahnen zu lenken, und der schwachen Seite hinter Herd und Waschmaschine auch mal was Gutes zu tun. Musikalische Begleitung gibt es natürlich auch, schön in tiefgepflanzter Basslage (Kinderspiel ohne Gitarre). Das löst erotische Schwingungen aus und verleitet die Mädels unterbewusst, sich in einer Horizontalposition entspannen zu wollen. Was soll ich noch sagen, Beate Uhse hätte mit so vielen hilfreichen Tipps ihren Umsatz nachvollziehbar gesteigert. Die Fachwelt wird um diesen Born des Wissens nicht mehr vorbei kommen. Wartet nur auf das Feedback der Damen, die es damit zu erobern gilt, ihr werdet euch wundern.
9/10

Monday, August 29, 2011

ALTAR OF PAIN - The Ritual Has Begun - Cd


Ich weiß nicht … ALTAR OF PAIN legen da viel Blasphemie auf ihren Debütschrein, unter anderem auch ihr Demo, was mir nicht so recht einleuchtet, und trotz feuriger Unterstützung brennt die Flamme der diabolischen Vernichtung nicht heiß genug um uns armen Sündern das Jüngste Gericht schmackhaft zu machen. Das Quartett bestürmt uns mit anständiger Durchschnittskost, zeigt wie sehr sie doch Death Metal Fans sind und dem Hörer das häufig mit der Brechstange beweisen wollen. „The Ritual Has Begun“ versteckt ihre guten Gitarristen und den ganz fitten Drummer überhaupt nicht, die eher virtuosen Parts sind auch überzeugend, die Riffs hingegen wie alter Kaugummi unter abgelatschten Wanderstiefeln, ausgeknatscht und lästig. Schließlich hat es einen Grund, dass die jemand in den Staub gespuckt hat. ALTAR OF PAIN können also durchaus ansprechendes bieten, paaren das aber mit trister Langeweile. Warum nur, so ein Hollywood – Starlet vögelt doch auch nicht den einbeinigen Gärtner. Wahrscheinlich sollte ich das nicht überbewerten, vielleicht ist das gegenüber der Band auch nicht fair (Sorge ich mich um Fairness?). Fest steht, dass die sich mit ihrem letztjährigen Demo ganz gut aufgestellt haben, die aktuellen Songs da aber scheinbar nicht mehr rankommen. Die vorangegangene Brutalität und Zügellosigkeit ist zahmeren Gitarren und sensiblerem Tempo gewichen, da hat sich der Wind der Innovation etwas gelegt. Dann ist es wohl doch ganz brauchbar, dass das Demo zwischen die neuen Nummern gestreut wurde, gegen das Vergessen. Vielschichtiger sind sie mit ihren ersten Schritten gewesen und die Stücke sind heute auch die Besten auf der Scheibe. Um unter dem Banner des teuflischen Todesbleis zu marschieren, taugt das Gesamtwerk aber dennoch, denn es ist auch mit seinen Aussetzern in der Lage so einiges an menschlichem Vegetieren zu zermalmen. Wo die Hitze und das Gewicht fehlen um dauerhaft Druck im Boiler zu erzeugen, da helfen die sich selbst mit straighten Marschtempo und unerschütterlichem Glauben an die Schärfe des eigenen Schwertes. Und wo Death Metal nicht mehr ausreicht, erfährt derjenige, der nicht beizeiten einen Schritt zur Seite macht, dass sich mit verhaltenem Hang zu schwarzer Musik leicht viel Schaden anrichten lässt. ALTAR OF PAIN ist stark bei seinen schnellen Nummern, Blast steht ihnen gut, abgenudelte Gitarrenriffs sind jedoch überflüssiger als ein verstopfter Badezimmerreaktor. Fazit: Hierfür müsst ihr euch nicht warm anziehen, ein echter Teufelsbraten ist um einiges rigoroser in seinen Gebaren. Wer jedoch einen sicheren Todesritt auf des Schnitters Schimmel machen will und nicht vorhat abzustürzen, der kann sich gern das Zaumzeug von ALTAR OF PAIN geben lassen. http://www.myspace.com/altarofpainbrutaldeath
6/10

EXCOMMUNICATED - The Skeleton Key - Cd / Underworld Records


Bei EXCOMMUNICATED tropfen Melancholie und melodiöser Eifer zwischen den Sargbrettern hervor wie der Honig aus der Wabe. Das verkleistert dann einen zügigen Gang zur Bestattung. Ich spreche ja gar nicht gegen die Virtuosität des Leadgitarristen oder das präzise Getrümmer des Sessiondrummers. Es haben sich wirklich talentiert Musiker zusammen gefunden, die Wagenladungen an Erfahrung in das neue Projekt gekarrt haben. Aber warum beißt es dann nicht? „When Death Claims It Most Right“ wäre ein Anfang gewesen, das Gros der Nummern geht aber in Selbstgefälligkeit unter. Ich denke, die interpretieren da zu viel rein, anstatt sich auf die Musik zu fokussieren. Gleich zu Beginn entsteht der Eindruck, der Frontmann wäre so was wie ein Storyteller der seine Metalkumpels mitgebracht hat, die dann mal irgendwas machen sollten, was mit seinen Geschichten verträglich ist. Der Kerl schafft es kaum mal die Luft anzuhalten und rotzt in allen Tonlagen. Mal wie der Derwisch aus der Wüste, dann wie der goldene Ritter, der gerade den Drachen erschlagen hat oder trauernd, als hätte der Gehörnte ihm gesteckt, dass er keine Heulsusen gebrauchen kann. Kann man den Hut vor ziehen, aber irgendwann ist das auch zu viel. Fest steht, dass die Lyrics der zentrale Punkt der Band sind und die Musik dazu dienen soll, der Sache den passenden roten Anstrich überzuhelfen. Ich könnte hier den Versuch einer Vielschichtigkeit loben, wüsste aber nicht ob das nutzbringend wäre, wenn das musikalische Ergebnis häufig nur langweilig ist. Black / Death geht auch anders, aber irgendwie ist das Album so eine typische Amisichtweise, die interpretieren alte europäische Gepflogenheiten häufig ganz anders. Ist ja auch überhaupt nicht verkehrt, muss den Hörer nur eben auch erreichen. EXCOMMUNICATED sind noch nicht angekommen, haben sich noch nicht entschieden ob sie quasi Bus oder Bahn nehmen sollen. Die spreizen die Beine ganz schön weit. Ohne sich in der hohen Kunst des Spagats geübt zu haben. Da wird mal leicht rücksichtslos gehämmert und immer wenn es beginnt Spaß zu machen, nehmen die das Tempo raus und quärren irgendeinen melancholischen Quatsch. Ich habe noch nicht heraus gefunden, was das Album darstellen soll, wie hoch der künstlerische Anspruch wirklich ist und was den Brüdern auf musikalischer Ebene wirklich wichtig ist. Der Versuch eine NILEschen Blastepic schlägt zum Beispiel ordentlich fehl. „The Skeleton Key“ ist bestimmt kein schlechtes Album, aber ich persönlich brauche Metal schon um einiges aggressiver und direkter. Das hier wirkt eher wie ein halb zu Ende gedachtes Experiment und ob das reicht um der Szene die Karten zu legen, darf bezweifelt werden, dafür ist es zu bieder. EXCOMMUNICATED haben mit ihren Debüt viel gewollt, aber bisher nur die halbe Strecke zurück gelegt, was bringt es schon, wenn Musiker richtig was auf der Pfanne haben und trotzdem nur Songs schreiben die die Suppe im Topf dick werden lässt.
5/10

Sunday, August 28, 2011

CRYPTBORN - In the Grasp of the Starving Dead - Ep / Dark Descent Records


CRYPTBORN drehen die Uhren ganz weit zurück pressen sich die Bässe tiefer in den Unterleib als ein alter Sack baumeln kann. Das Ergebnis ist dann so was wie eine Mid – Tempo Reanimation einer skandinavischen Musikleiche. Klingt alt, klingt primitiv, klingt authentisch, klingt nach schwedischem Moder und Leichenaroma. Blöd nur, dass sich heute so viele aufmachen um an dem alten Kadaver zu schnuppern. Wenn ihr aber nach einer weiteren Wiederholung aus der Reihe Monster, Mumien, Mutationen lechzt, dann hat das finnische Gespann mit seinem Früh - Neunziger Geschredder und seinem Hang zu effektivem Minimalismus nichts falsch gemacht. Lasst euch von dem Fünfer in den Sitz der H.G. Wells Zeitmaschine pressen und Originalschauplätze besuchen. Ihr werdet die Wurzeln von DISMEMBERs „Like An Everflowing Stream“finden, den GRAVEschen Leichenacker bewandern und in NIHILISTische Schwelgereien verfallen, einen Blick auf allzu locker gespannte Katzendärme werfen, den Sound von alten Tapes wiederentdecken, stilechte Schwarz - Weiß Fotosessions auf Friedhöfen miterleben und bei Coverentwürfen dabei sein, die schon beinahe museumsreif sind. CRYPTBORN fangen musikalisch wie optisch den Geist einer Aufbruchsstimmung ein, über deren Tragweite sich seinerzeit niemand im Klaren sein konnte. Dass es CRYPTBORN durchaus ernst meinen beweist schon die Tatsache, dass sie ihre Ep, bevor sie silbern und rund wurde, als klapperndes Tape veröffentlicht haben. So was gibt es doch nur noch außerhalb westlicher Dekadenz aus Mangel an bezahlbaren Alternativen. „In The Grasp…“ mutet so richtig nostalgisch an und gibt der Floskel vom „Rückwärtsgewandten“ etwas Positives. Da die Band sich mit allen Mitteln wehrt musikalisch der Sonne zugewandt sein zu wollen, lieber den Staub alter Gräber umverteilt, sollten wir die Ewiggestrigen ruhig protegieren. Und zwar, weil denen voll und ganz abzunehmen ist, was sie da treiben. Wenn jemand verflossenen Tagen nachhängt und ein Mittel gefunden hat, den Riss im Vorhang der Zeit etwas zu erweitern, dann muss er das auch mit aller Konsequenz tun. Und eben daran ist bei CRYPTBORN nicht zu zweifeln. Die Ep enthält nun nicht unbedingt überschwere Eisbrecher, behauptet sich aber mit strikter Vorwärtsbewegung und erfreulicher Eingängigkeit. Deren Schiff ist von simpler Bauweise, aufgrund seiner Einfachheit allzeit in der Lage so manche hohe Welle zu nehmen und gefährliche Klippen zu umschiffen. Lasst euch darauf ein, für alte Zöpfe und jene die Zeit für bedeutungslos halten, haben CRYPTBORN genau die richtige Musik im Seesack. Schön auch, dass es fast eine halbe Stunde zum Preis einer Ep gibt, der Veteranengeist hat überlebt!
7/10

GOREGAST - Desechos Humanos - Cd / FDA Rekotz



So oft wie ich „Desechos Humanos“ bisher gehört habe (kreiselt seit Monaten durch diverse Geräte mit Ziel Innerer Cortex, danke an Rico für die Vorabversion), so viele Worte habe ich mir für ein Review auch zusammengelegt. Allerdings auch wieder verworfen, denn tatsächlich lässt so ein Album die Ureinwohner nach rücksichtsloser Konquistadorenmasche sabbernd und sprachlos in ihren Rundhütten zurück. Fest steht nur eines, wer sich freiwillig für feisten Todesbleigrind unters Messer legt, wer seinen Wintergarten mit leichtfüßigen und trotzdem brutalen Töne berieselt um Tomaten zu B – Film – reifen Mördern zu machen, wer den Sound einer skandinavische Killingzone genau so erregend findet wie das Schrapnellgeprassel einer britischen Kriegsmaschine und zudem nicht auf Grind verzichten kann, dem gehört der Trost von „Desechos Humanos“ jetzt schon. Ohne Anbiederei muss wohl festgehalten werden, dass ihr euch mit dem Erwerb eines von UNO Sanktionen bedrohten Mordinstrumentes einem gnadenlosen Sperrfeuer aussetzt, lasst euch von mir warnen, die Band tut das nicht. Das wirklich Gefährliche daran ist, dass die Songs sich häufig so beschwingt und spaßig vor seinen Opfern aufbauen, jegliche Bedenken beiseite kehren, die vermeintliche Einladung für die Party des Jahres auf den Lippen haben. Und dann, wenn Vorsicht und Aufmerksamkeit den Vorfreuden einer locker lustigen halben Stunde weichen wollen, stoßen sie erbarmungslos zu. Hinterhältige kleine Scheißer. Aber mal ehrlich, GOREGAST sind Unterhaltung auf hohem Niveau und gehören in eine bleihaltige Bundesliga. Schon allein deshalb, weil fast jeder Schuss das Tor, jeder Pass seinen Partner und die rote Karte keine Verwendung findet. Und so zieht die Karawane weiter, hinterlässt verbrannte Erde auf ausgeweidetem Terrain, sorgt mit rigorosen und einprägsamen Methoden für Nachhaltigkeit, ja wirft sogar schon seine Schatten voraus. Ganze Landstriche werden in Bälde entvölkert sein (metaphorisch … was sonst), und die Posaunen von Jericho werden sich wie das Blockflötenspiel von Vorschülern anhören, wenn GOREGAST ihr 3. Album endlich von der Kette lassen. Ich muss dem Teil hier einfach den Arsch küssen, da es mich angenehm schmerzhaft in die Ecke gepresst hat und ich vor seinem Unterhaltungswert und seiner Funktionalität in den Staub falle. Das schon zu Beginn, als der Sound imaginäre Leichenfinger ertönt, die sich durch vernebelte Friedhofserde wühlen. Creepy Stimmung, als Opener nicht besser zu platzieren. Dem folgen weitere scharf geschossene Projektile, die zwar nicht diesen subtilen Eindruck der ersten Minute hinterlassen, dafür aber mit perfide geschränkten Sägezähnen an Nackenwirbeln knabbern. Subjektive Leidensfähigkeit hat noch nie so viel Vergnügen bereitet! Wenn es denn 2011 noch ein wirkliches Highlight im teutonischen Krawallforst geben soll, dann muss es erst mal an „Desechos Humanos“ vorbei.
9/10

Wednesday, August 24, 2011

MORDBRAND - Necropsychotic - Mcd / Deathgasm Records


MORDBRAND bedeutet sinngemäß jemandem die Hütte in voller Absicht abzufackeln und jegliches Opfer in Kauf zu nehmen. In der guten alten Zeit hat man den Täter gerädert, heute darf er mit lautem Getöse Cd´s aufnehmen und Profit aus seinem verwerflichen Unwesen schlagen. Der schwedische Mordbrand zündelt auf seiner Ep „Necropsychotic“ ohne um den Verlust der nächsten Mahlzeit zu bangen. Sänger Per Boder und seine Spießgesellen nutzen ähnliche Brandbeschleuniger wie er es zu überschaubar erfolgreichen Zeiten seiner Vorgängerband GOD MACABRE getan hat. Giftig wie dicker beißender Rauch, der sich gemächlich am Boden ausbreitet und seinen Weg ins Freie findet nimmt sich auch der musikalische Weg der Feuersbrunst Zeit um seine volle Wirkung zu erzielen. Dabei erreicht er aber eine Intensität, der schwer aus dem Weg zu gehen ist, deren Gestank sich zumindest für die nächsten 5 Waschgänge in den Fasern altmetallischer Kutten einnistend. MORDBRAND arbeiten nach einem simplen aber wirksamen Konzept, die nutzen alle Stilelemente alter schwedischer Schule, bevorzugen den primitiven Pfad und legen weniger Wert auf Melodie als zu erwarten gewesen wäre, lassen sie in ihren Solis und Riffs aber auch nicht ganz außen vor. So als würde man breitbeinig auf einer Wippe stehen und keiner Seite den Vorteil überlassen wollen. Der Basssound stimmt natürlich, ohne den würde das Feuerwerk nicht funktionieren, dem Tribut gezollt steht das Tempo der Songs auch nicht im Bereich der Lichtgeschwindigkeit um ein Wurmloch zu penetrieren. Trotzdem sind sie immer noch fix genug um der Feuerwehr ein paar Wagenlängen voraus zu sein, erst mit dem letzten Stück „Deliverance“ ändert sich das. Jenes kriecht wie Friedhofsnebel mit gruseliger Behäbigkeit zwischen imaginären Grabsteinen herum, wiederspiegelt den Anblick ausgebrannter Leichen und das Grinsen des Brandstifters. Guter Schachzug eigentlich, ragt das Stück doch deutlich aus dem Rest der Nummern heraus, ähnlich des letzten angekohlten Baumes in einem ansonsten der Flammenwut erlegenen Waldes. Mit so was darf man sich schon Doom nennen, wenn auch nur als Rausschmeißer. Was mir ebenfalls gefällt ist, wie zum Beispiel Songs wie „ Eaters Of The Void“ und „Graveyard Revisted“ auf uns losgelassen werden, die haben einen verdammt direkten Drive, vertreten eine immens rüde Version einer Quorthon Philosophie und gebärden sich damit extrem simpel. Nur deshalb funktionieren die auch. MORDBRAND sind so was wie altvertraute Wiederholungstäter, gut zugeschaut und gelernt, die lassen auch nicht den geringsten Zweifel daran, woher sie kommen und sind hörbar stolz darauf. Wenn ihr es verkraften könnt GRAVE, BATHORY und so ein bisschen DRILLER KILLER in einem Stück zu schlucken, dann habt ihr mit MORDBRAND das richtige Mittel gefunden um euer Brennen in der Magengrube erfolgreich anzugehen. Feuer bekämpft man mit Feuer!
8/10

Tuesday, August 23, 2011

ANAL DEFLORATION - Demo


ANAL DEFLORATION, ach du unheilige Hämorrhoide, da stellen sich tatsächlich ein paar mexikanische Pseudokünstler auf, um eine Ode auf die rektalen Freuden (oder Leiden ... je nach persönlicher Fasson) des Lebens zu komponieren. Das ist dann die berüchtigte Rosettenpoesie, in der das Eintreten der Hintertür mit all seinen Facetten beleuchtet wird. Mir persönlich geht das am Arsch vorbei, aber wer glaubt noch eine mittelmäßige Gore Grind Band zu brauchen, die nichts weiter als Schrammelpunk mit zu viel Bass und Harmonizer macht, der kann ja seinen Allerwertesten dafür hinhalten. Ihr bekommt dann zwanghaft lockere Rumpelei ohne Anspruch darauf, dass die Hinterladerkanone ihr Projektil auch los wird, kann passieren, dass sich die Kartusche im Rohr verklemmt und vorzeitig explodiert. Aber was ist bei so einem debilen Bandnamen auch zu erwarten. Ich wollte die Band googeln um irgendwas in Erfahrung zu bringen, was glaubt ihr wohl, was ich für Seiten angezeigt bekommen habe. Über die Inspirationsquelle der Bekloppten muss ich keine Recherchen mehr anstellen, allerhöchstens an deren geistiger Gesundheit zweifeln. An dieser Stelle könnten wir nach dem Unterhaltungswert suchen oder uns nach dem Warum im Allgemeinen fragen. Aber hat schon mal jemand eine Fliege gefragt warum sie über Hundescheiße klettert? Und wollen wir uns unterhalten lassen, indem wir unseren Arsch aus dem Fenster hängen, ordentlich pressen und Passanten um eine positive Bewertung bitten? ANAL DEFLORATION mag witzig sein, wenn man seinen Humor mit dem letzten Dünnpfiff in den Abort gespritzt hat, es mag für jene musikalisch relevant sein, die unter Hartleibigkeit leiden und des öfteren die Praxis des digitalen Ausräumens wertschätzen. Wahrscheinlich steht das „Warum“ auch in Beziehung zur eigenen sexuellen Unzulänglichkeit und einer gewissen Bindungsunfähigkeit dem weiblichen Geschlecht gegenüber. In ihrer Fantasie würden die gern feminine Mokkastübchen bezuckern und glauben dafür reichen 3 Akkorde und ein tiefer Rülpser, aber so erobert man kein Stufenheck! In der langen Riege der Enddarmpoeten stehen ANAL DEFLORATION noch recht weit hinten an, lediglich ihre bisherige Konsequenz in Bezug auf ihre geräuschvollen Umtriebe ist anerkennenswert. Die Band selbst verspürt hintenrum sicher eine gewisse Aufbruchsstimmung und deswegen reiße ich den Damm ungern ein, aber wenigstens sollte der Konsument gewarnt sein, bevor er das Demo aus eigenem Antrieb für arschlos hält. Ihr könnt es auf meiner Download – Seit legal ziehen, müsst ihr aber nicht. http://www.myspace.com/ANALDEFLORATION
3/10

Monday, August 22, 2011

PENTACROSTIC - The Pain Years - Cd / Murder Records u.a.


Seltener war ein Albumtitel bezeichnender! Nach 22 Lenzen Bandgeschichte erwartet man grundsätzlich zweierlei. Entweder eine Band ist so erfolgreich, dass sie mit ihrer Musik auf Elefantenbeinen steht, und sie nichts mehr umhauen kann, qualitative beinahe so unantastbar geworden ist, dass sich keiner mehr ran traut, oder sie sind so beschissen, dass sie Kultstatus haben und keiner mehr Lust hat, sich ran zutrauen. PENTACROSTIC weisen einen dritten Weg auf, die sind so banal, dass es von Rechtswegen dauerhaft aus Maul geben müsste. Mit dieser überflüssigen Kompilation präsentieren sie eine subjektive Zeitreise ihrer kaum vorhandenen Karriere und lassen meine Nackenhaare dauerhaft im Clinch miteinander zurück. Beginnend mit damals noch zeitgemäßem Death Metal, verwandelt sich die Band in ein grässliches Black Metal Gespinst, später wird auch ein profaner Viking – Verschnitt draus und letztendlich geht’s zurück zum mittlerweile verschütteten Death Metal Pfad, auf dem es sich nur schwerlich wieder Fuß fassen lässt. Bevorzugt sind da wohl (teilweise) skandinavische Einflüsse und Autopsy, mit beiden können sie allerdings nicht Schritt halten. Wenn ich´s mir recht überlege, habe ich mich selten so gelangweilt, da wird die Unterhose allein von sitzen braun und bei denen passiert nichts. Ich bin mir sicher, die hören sich selbst beim schlafen zu und nutzen die schnarchende Stille als Inspiration für gar nichts. Nicht umsonst wird das Unding von gleichzeitig 7 kleinen Labeln vertrieben, da offensichtlich keiner die alleinige Verantwortung übernehmen wollte, so viel gute Zeit ans Kreuz zu schlagen. Alles was aus dem trockenen Abort der Band rückwärts geboren wird war mit Bestimmtheit schon besser da oder wurde bei anderen gleich als unbrauchbar zwischen zwei Kisten Bier wieder verworfen. Am schrecklichsten aber sind die Ausflüge ins schwarze Satanskostüm, so viel intestinaler Pandaismus ist schon beinahe peinlich. Einer Band, die ihren Stil beliebig in den Wind dreht, mangelt es an Rückgrat und Talent. Verdammt, die sollten nach all den Jahren eine Institution sein, gehören aber tatsächlich in ein Institut. Dort müsste erforscht werden, warum eine Gruppe von Menschen so hartnäckig an etwas hängt, das sie entweder gar nicht wollen oder überhaupt nicht können. Ist die menschliche Natur so widerwillig oder sind sie wieder willig ihre Schwänze voreinander zu schwingen, ohne auch diesmal ein orgiastisches Hochgefühl zu erleben. Hinzu kommt, neben dem Fakt, dass die Musik reichlich versalzene und angebrannte Grütze ist, dass der Sound über weite Strecken schwankt und teilweise gar nicht zu ertragen sein dürfte. Ernsthaft Kinder, wenn ihr in Erwägung zieht solchen Schrott zu kaufen, dann könnt ihr eure Stütze auch gleich an Mutter Merkel zurückzahlen. Ich vergebe 3 Punkte in Anerkennung eines dauerbreiten Geisteszustandes der Typen die das hier verzapft haben.
3/10

Saturday, August 20, 2011

MORGUE SUPPLIER - Constant Negative - Mcd / Murder Records


MORGUE SUPPLIERs´ Ep kreiselt schon seit geraumer Zeit im Äther, aber was bei mir im Postkasten landet, um zum loben oder verreißen, muss auch dran glauben. Das Gespann aus Chicago macht es sich selbst nicht eben einfach, wenn es mit einer Mischung aus BRUTAL TRUTH, CEPHALIC CARNAGE und meinetwegen GORGUTS an den Start geht. Da ist schon aufpassen mit gewisser Anstrengung angesagt und klingt im Ergebnis etwa wie folgt. Die kakophonische Geräuschkulisse beschreibt das akustische Aufeinandertreffen zweier Ritterheere, die sich mit viel Krach und Einfallsreichtum die Eimer verbeulen, es scheppert allerorts. Ein scheinbar wildes Durcheinander hetzt die Krieger auf ihren schäumenden Rössern über dem Blutacker, alles wirkt dem Chaos anvertraut und im Zick Zack der Kontrolle entzogen. Dazu ertönen verbale Schlachtrufe, als trügen die Protagonisten Unterwäsche, stilecht aus engmaschig gewebter Ankerkette und das einst moderne Unterleibsgewölle verfängt sich darin mitsamt Gehänge und überzeugt seine Träger von kommender Zeugungsunfähigkeit. Da prallt was aufeinander, was nicht eben leicht zu schlucken ist und den eigenen Anspruch in gewissem Sinne fordert. Aber hat uns bei der Geburt etwa jemand versprochen, dass das Leben ein Spaziergang würde? Wenn wir MORGUE SUPPLIER begleiten wollen, begeben wir uns, und dessen solltet ihr euch bewusst sein, auf eine steinige Tour de Force über Berg und Tal und über so manche Klippe. Zwei Punkte fand ich dabei, zumindest am Rande ungewöhnlich. Zum einen ihre Herkunft aus Chicago, wo sie mit der dort vertrauten Szene, die eher auf bewährte, coole und primitive alte Schule setzt und so einiges Großes geworfen hat, so gar nichts gemeinsam haben. Und zum anderen, dass sie METALLICA´s „Fight Fire With Fire“ covern, da sie auf den ersten Blick nichts mit der Band zu verbinden scheint. Aber nach dem recht authentischen Akustikintro und der folgenden schrammligen Riffgitarre wird der Song auf das übelsten in den Boden gegrindet, und die sparen dabei noch ca. 1 Minute Spielzeit, verglichen mit dem Original. Der Ep – Titel kann bei solchem Mut zur musikalischen Unzucht nicht auf die Mucke selbst anspielen, bezieht sich wohl eher auf die neuzeitliche Lebensspirale des menschlichen Abbildes auf dem Weg in die Hölle. Scheinen mir keine positiven „Schacka – Brüder“, keine Bob die Baumeister und zwangsbeglückte Partymenschen zu sein. War auch nicht zu erwarten, wenn denn jemand schon so ein verqueres, nicht unbedingt auf Eingängigkeit gebügeltes Death / Grind Geballer abprotzt, dann sind Titten und Gedärm meist außen vor … was für Spaßverderber! Anzumerken bleibt, dass „Constant Negative“ nicht bis zu Gänze im Gewirr der Unüberschaubarkeit verstrickt ist, es gibt immer noch genug forschen Grind, bei dem ihr gern eure Köpfe gegen die Wand knallen dürft! Die Presse scheint das Werk zu lieben, oder zumindest seinen technischen Veitstanz zu loben oder anzuerkennen und ich schließe mich da gern an. Wies mit Otto – Normalbegatter aussieht weiß ich nicht, aber der Bandname stände bestimmt in dickeren Lettern … irgendwo, hätte sich aus der Ep mehr ergeben. Schade tatsächlich, gebt den Typen eine Chance, denn auf Eintagsfliegen im Fahrwasser großer Acts machen, das ist keine Herausforderung.
8/10

Thursday, August 11, 2011

GROG - Scooping The Cranial Insides - Cd / Murder Records


GROG existieren seit über 20 Jahren, aber über eben jenes Existieren sind sie nie hinaus gekommen. Das letzte komplette Album liegt schon geschlagene 10 Jahre zurück, es ist jedoch einem Mysterium gleich, dass jedes Mal wenn ich die Band beinahe aus meinem Radar verloren hätte, die wieder mitten durch die grüne Anzeige kreuzen. Ich bin zugegebenermaßen etwas behaftet, weil GROG eine der ersten Bands waren, mit denen ich ein Interview geführt habe. Damals habe ich noch an sie geglaubt, dann schien mir deren Enthusiasmus in den Weiten des Raumes verpufft. Nun ja, und jetzt klopfen sie wieder an, oder soll ich sagen auf den Busch. So zumindest steigt das Intro in das Album ein, mit wütendem Getrommel und Maori – Balzrufen aus der grünen Pazifikhölle. Den Sinn dahinter habe ich noch nicht ausmachen können, wahrscheinlich ist es nur eine freundliche Einladung sich von den folgenden Songs den Schädel einschlagen zu lassen. Dazu sind sie durchaus geeignet, beschäftigen GROG sich doch mit überaus flotten, mehrstimmigen und gewachsenem Death Metal. Gore und Spaß dürfen nicht fehlen und bei aller musikalischer Standhaftigkeit steht wohl doch der Unterhaltungsfaktor im Vordergrund. Etwas, das GROG glücklicherweise nicht zu einer Party Band mutieren lässt, die Musik mach lediglich einen kurzweiligen und beinahe entspannten Eindruck, als hätten die Brüder sich die Sonne auf die Plauze brennen lassen, als sie das hier aufgenommen haben. Dass es wahrscheinlich anstrengende Arbeit war, ist dem Album nicht anzuhören. GROG tummeln sich vorzugsweise auf dem brutalen Death / Grind Sektor, ein Song wie „Anal – Core“ holt beinahe EXHUMED verwöhnten Gore hervor, hier kommen die verschieden gelagerten Vokals besonders fies. Vor allem die Mutter die am Quietschen und fluchen ist (nicht wirklich talentiert aber unerwartet schräg). Unterstützt von einer wahren Kriegsmaschinerie an Schlagzeugarbeit und rücksichtslosen Saiteninstrumenten haben wir damit wohl einen der besten Songs der Cd gehört. Dem Teil steckt nun nicht der Anspruch im Rektum wie der besagte Stiefel bei diverser individueller Verfehlung Dritten gegenüber, aber der rotzt uns blutige Unbekümmertheit vor die Füße. Das ist häufig viel mehr wert. Ein vergleichbarer Fall ist das augenzwinkernde „10 Cummandments“, das von einer instrumental sehr ansprechenden Nummer in Richtung alkoholverträgliches Tanzvergnügen abwandert (Hidden Track). Aber wie erwähnt, davon sollte sich niemand täuschen lassen, GROG präsentieren straffen und brutalen Death Metal jenseits von belanglosem Geplänkel. Nach all der Zeit ist ihnen endlich was nachhaltigeres gelungen, etwas das sich nicht zu ernst nimmt, aber auch genug Spielraum in der Hose lässt um mächtig dicke Eier vorzuzeigen. „Scooping…“ ist mit Gewissheit keine perfekte Schlachtplatte, aber mit Sicherheit ist alles drauf was schmeckt, leicht abgehangen, mürbe und saftig!
7/10

Wednesday, August 10, 2011

AZARATH - Blasphemers´Maledictions - Cd / Witching Hour Prod.


Die Polen sind wieder los und es empfiehlt sich die Fenster zu schließen, Papiertüten über die Köpfe zu stülpen und den Mund zu öffnen. AZARATH rufen zum 5. Sturmlauf gegen das abendländische Bollwerk christlicher Traditionen. Der Gehörnte reitet voran und wenn wir Pech haben, überrollt uns ein Blitzkrieg. Ohne Quatsch, an gleichnamiger Tour haben sie neben VADER einst teilgenommen. So stellt sich doch die alles überlagernde Frage nach der eigenen Identität und der Bereitschaft sich selbst zu pervertieren. Warum gibt es polnische Satanisten, wo die doch ihrem Pabst den Boden geküsst haben, über den er mit seinem Diesel geknattert ist. Und warum Blitzkrieg?, gibt es da historischer Unstimmigkeiten? Niemand spielt so mit meinem fest geprägten Rollenverständnis menschlicher Geschichtsschreibung. Nun gut, wenigstens musikalisch ist auf AZARATH Verlass, da weiß ich was ich kriege, wenn ich die Tüte aufreiße. Drin gefangen ist teuflisch schneller, mit schwarzen Komparsen und ebenfalls MORBID ANGEL liebäugelnder Death Metal, der eine dicke grüne Spur von Hass und Aggression hinterlässt, wo sein Samen niedergeht. Das technische Niveau ist im positiven Sinne nicht diskussionswürdig, alles andere wäre nach 4 voran gegangenen Alben auch pure Zeitverschwendung gewesen. Der sich hinter dem Pseudonym Necrosodom versteckende Sänger und Gitarrist entringt seinen Stimmbänder recht fiese Töne. Das hinterlässt den Eindruck, er stände in direkter sexueller Abhängigkeit zu des Teufels Großmutter. Die wird ihm schöne Süppchen gekocht haben, die wir nun, gespickt mit seinen Ergüssen auszulöffeln haben. Aber ich will löblich sagen, die Alte hat eine gute Küche. Das Instrumentarium baut neben kriegerischer Hetzerei auch scheinbar leichtfüßig auf düstere Atmosphäre, untermauert so einen gerechtfertigten Anspruch auch nachts im Wald spazieren gehen zu dürfen. AZARATH erfüllt alle Klischees die von einer ziegenfußverehrenden Todesbleikapelle erwartet werden und machen es dem Fan angenehm einfach sich damit auseinander zu setzen. Der Teufel hat im Mondenschein seltsame Namen für die Musiker (teilweise) erdacht, sein Zepter kreist spürbar über der kompletten Produktion , die Gitarren erzeugen Töne die nur dieser Art von Heldenverehrung zuzuschreiben sind und in Punkto Geschwindigkeit ist niemand zu Kompromissen bereit. Satansblast! Einzig beim Cover kommt Bewegung ins Spiel, hatten wir es bisher nur mit schwarz / weißem Dämmonendarstellungen zu tun, steht das neue Artwork schon auf höherem künstlerischem Treppchen, aber vergleicht selbst. Mit „Blasphemers´Maledictions“ ist unsren östlichen EU Nachbarn ein weitere überzeugendes Album gelungen, es mangelt vielleicht etwas am Innovationsglauben, aber die Umsetzung des internen infernalen Plans zur Eroberung des dekadenten Himmelreiches machen das wieder wett. So dürft ihr euch auf ein dicht gestricktes Gespinst brutaler Töne einstellen, entstanden am Familienwebstuhl des Gehörnten!
8/10

Tuesday, August 9, 2011

AUTOPSY - Macabre Eternal - Cd / Peaceville


AUTOPSY stehen nach all den Jahren der Abwesenheit immer oder auch wieder da wo es einst endete. Mit welcher Erwartungshaltung geht man also an eine solche Réunion heran, was glaubt man eigentlich für das gesparte Kleingeld zu bekommen. AUTOPSY waren einst eine Band die mit stumpfen und blutverschmierten Werkzeugen an der Wiege des Death Metal geschnitzt haben, heute steht da plötzlich ein ganzes Bettenlager, ein auf Hochglanz und Ziselierschnörkel getrimmtes Federkernimperium und die holen wieder die alten Utensilien heraus. Kann das überhaupt funktionieren? Da verhält es sich doch wie mit vergänglichen femininen Schönheitsidealen, wo heute großer, künstlich ausgebauter Glockenturm und Beine bis in den Himmel das Maß aller männlichen Dinge sind, galt früher rund und drall als Fokus erektilen Geschehens. Welcher mediengesteuerte männliche Hetero guckt denn heuer noch nach Dicken. Als die Klassiker entstanden (wir sind wieder bei der Musik, für jene die es wollen), waren die Herren noch jung, heute wird das Haar lichter, kürzer und der Hamburgeräquator umfangreicher. Zwischen einst und nun liegen nicht wenige blutrote Mondphasen, können da am Ende noch die gleichen Inspirationen in die gleiche fruchtbare Furche rieseln? Oder werden sich nur die Fans aus grauer Vorzeit erheben um den Helden der minimalistischen Hirn und Nacken – Marter zu huldigen? Ich kann mir die selbstgestellte Frage gar nicht beantworten. Eines stelle ich aber fest, was mich damals umgehauen hat, mich zum Kauf limitierten Vinyls bewegt hat, berührt mich plötzlich gar nicht mehrt. Jedenfalls nicht mittig, ich finde das Album mit seinem doomigen Todesröcheln über weite Strecken sogar langweilig. Dabei musste ich feststellen, dass die schon immer so klangen, ich aber scheinbar einen anderen Zugang hatte. Der Promibonus verführt mich jedenfalls nicht dazu, hinter “Macabre Eternal“ einen tieferen Sinn zu suchen, die Musik irgendwie feinsinnig interpretieren zu wollen, da ist nicht mal ein Song drauf, der irgendwie bemerkenswert wäre. Und auch wenn sich die Presse lobhudelnd an den Eiern spielt, in meiner stark subjektivierten Sicht zeigt sich ein Album das nicht über ein vertretbares Maß an souveräner Mittelmäßigkeit hinaus reicht. Das liegt wohl nicht nur daran, dass die Szene AUTOPSY bei aller Heldenverehrung schon lange überholt hat, sondern dass auf der Cd so wenig Ungewöhnliches passiert. Ich will aber auch zugeben, dass wenn ich von der Gegenseite durch den Spiegel schaue, alles andere noch enttäuschender gewesen wäre, denn eine Änderung des Bandkonzeptes hätte AUTOPSY viel Glaubwürdigkeit gekostet. Die konnten gar nicht anders und stecken ungewollt und wahrscheinlich auch unbemerkt in einer Sackgasse. Den alten Fans wird das Albumgefallen, weil es nichts Neues gibt. So hätten wir das mit der Erwartungshaltung wenigstens geklärt. Im Westen nichts Neues!
6/10

HELLCRAWLER - Wastelands - Cd / Hollow Earth


HELLCRAWLER fressen als fette Geier verkleidet an einem Berg schon erbleichter Schädel vor einer viel zu düsteren Industrieruine herum, und machen uns Angst mit einer zukünftigen Realität, die jene verzapfen die statt Gänsedaunen Bargeld in ihre Kissen stopfen. Aber da das hier auch und hauptsächlich Unterhaltung sein soll, machen wir davor mal schnell die Augen zu und freuen uns, dass die Band, ganz im Kontrast zu ihrer allzu pessimistischen Thematik auch bierschwanger abrotzen kann. Das erreichen sie mit einer Mischung aus den trockenen und rockigen Tribes von MASTER, den grindigen Beats von MUCUPURULENT und der (nun doch) neblig, düsteren Atmosphäre von … irgendwem anders. Einem Leichenschänderkonzil, der Innung für umweltverträgliche Giftmüllverklappung oder dem satanischen Verband für Streicheltierpatenschaften. Jedenfalls steckt hinter der Rockattitüde auch Ernsthaftigkeit auf Augenhöhe mit einem beträchtlichen Spaßfaktor. Das Rausschmeißer - Instrumental kickt sogar mit einer unleugbaren Tarantino Hommage. So lässt sich doch schnell vergessen, wie bedrohlich der humanoiden Rasse aufgrund von blinder Furcht und eingeschlafenen Ärschen und Hirnen, das Brackwasser monopolistischer Raubzüge bis Unterkante Oberlippe schwappt. HELLCRAWLER sind aber wohl keine Mahner und Erinnerer sondern irgendwie die Nutznießer der Situation, würden sie das doch gar nicht musikalisch fokussieren können, wäre alles harmonisch mit Blümchen und Ringelreihe und so Sachen aus naiven Kinderstuben. Der Verfall eines kompletten Planeten beschert uns eine Band die auf den kommenden Hinterlassenschaften einen rohen und brutalen Tempel errichtet, und dort drinnen tobt bis auch das letzte Sauerstoffatom gespalten, der letzte Tropfen Wasser verdampft und die letzte Hirnzelle verrottet ist … in umgekehrter Reihenfolge versteht sich! HELLCRAWLER ist vornehmlich Old School Death Metal mit gutem musikalischem Verständnis und dem Bestreben über den Tellerrand zu linsen. So paaren sich dann auch paganvertraute Solos mit knochentrockenen und bassbeschwerten Gitarrenriffs, nihilistische Schwarzmalerei mit besäufnistauglichen Grölereien. Das Ende der Zivilisation scheint nah, aber wenn es dann wirklich so weit ist, würde ich mich mit den Jungs von HELLCRAWLER zusammen hocken und ordentlich einen heben, da die es verstehen die Apokalypse trotz aller Endgültigkeit in eine Vorabendparty zu verwandeln. Scheiße auch, mit der Musik kann man sogar rein feiern. Aber natürlich ist nicht jeder Song so schwungvoll unbedarft, da wird auch schon mal durch den dichten Forst geschimpft und der mahnende Zeigefinger missbraucht. „Wastelands“ ist kein klassisches Album geworden, jedoch eines das sich ausschließlich solcher Elemente bedient, was zu sagen hat und ziemlich cool daher kommt.
7/10

Monday, August 8, 2011

CRYPT INFECTION - Haruspication - Ep


Brutales, technisches Sperrfeuer, das ist der flüssige Kern von CRYPT INFECTION, einer der genug Hitze abstrahlt um erkalteten Wüstensand zu Glas zu schmelzen. Na ja, das ist bestimmt etwas zu dick, fest steht aber, dass die Amis vor der eigenen Tür einen strammen Besen führen und eine Bereicherung für die lokale Szene sind. Markige Growls, satte Riffs, saubere Kopfschmerzsolis, flotte Marschgeschwindigkeit und passende Arrangements, hier kommt alles zusammen was das Herz des gehobenen Meuchelmörders benötigt, um gebrochen zu werden. Während der zum Teil melodischen kurzen Solos wird das Tempo etwas gedrosselt, ansonsten schlägt der Fahrtwind ungebremst ins Gesicht. Was besonders auffällt ist das nahezu perfekt getimte Zusammenspiel der Musiker, wenn sich eine Wand aus Saiteninstrumenten aufbaut, dann wird die von hinten durch massives Druming verstärkt und oben drüber artikuliert sich ein Sänger mit einer kernigen Stimme, die wie ein rostiges Schwert durch eine schwelende Wunde fährt. CRYPT INFECTION bewegen sich ganz in der Tradition von Bands wie BLASPHEMER und PATHOLOGY, mit der gewissen Note an nötigem Groove und das Hamsterrad am Laufen zu halten Damit setzen sie ich erfreulich weit von Slam und Co´s Eintönigkeit ab, nehmen lediglich das mit was sie denken gebrauchen zu können, filetieren lieber den heimischen Markt und picken sich für das eigene Kochstudio nur die Filetspitzen heraus. Das ergibt dann Riff die eine Tonne in die Höher wiegen und technische Bausteine die das Konstrukt aus Breaks, Schlangenlinien und traditionellem US Death Metal stützen. Das verhindert auch, dass sich auf der Ep Totalausfälle breit machen oder irgendetwas in Belanglosigkeit abdriftet. Vielleicht ist es hier und da etwas zu überfrachtet, wie zum Beispiel bei „Imprisonment“ wo sich plötzlich ein mainstreamverdächtiges übermelodisches Solo einschleicht das in seiner Kürze keine Angst macht, aber auch einer True Metal Band stehen würde. Nur dass die das dann aufgepumpt hätten wie der Geburtstagsclown seine beschissenen Luftballons. Bei genauerem Hinhören findet der aufmerksame Feldforscher sogar klassische Elemente vom alten Kontinent. CRYPT INFECTION stehen also nicht auf geradlinige Musik, vermeiden Langeweile und vernachlässigen doch die Eingängigkeit nicht, so dass der Konsument sich schauerlich wohl fühlen darf. Ich kann mir zwar kaum vorstellen, dass der Band etwas wirklich nachhaltiges gelungen ist, allein schon weil die Szene generell nicht mehr zu überschauen ist und man zumindest einen Pornostar auf der Bühne nackt vierteilen muss um im Gespräch zu bleiben, aber verdient hätten die 5 Jungs aus Kalifornien es ohne Zweifel. Wer mit so tödlicher und zielgerichteter Präzision der mitternächtlichen Folterkammer entsteigt wie Cenobiten auf der Such nach dem Vergnügen im Schmerz fehlgeleiteter Sünder, der sollte auch länger an der Streckbank verweilen dürfen. http://www.reverbnation.com/cryptinfection
8/10

Saturday, August 6, 2011

MORBUS CHRON - Sleepers In The Rift - Cd / Pulverised Records


MORBUS CHRON, ja gottverdammt, wer so einen Namen hört und mit der Musik vorher nicht firm war, der glaubt sie doch im Land der Titten und Blutbäder, der Pitshifter und Polkarhythmen. Worauf sonst soll es den schließen lassen, wenn jemand seine Inspiration bei spritzputzartig verteilten Verdauungsendprodukten agitiert. So, und dann schmeißt du den Riemen auf die Orgel und holst eine gänzlich andere Erfahrung ein. Mit technischer Schützenhilfe von Nicke Andersson hört sich MORBUS CHRON an wie ein lebendes Fossil vom legendären Schweden – Sampler „ Projects Of A Stained Mind“. In der Zeit vergessen, den Wecker mit Bedacht der Batterien beraubt und die nächsten Jahre verpennt. Böse Zungen könnten behaupten, das wäre nur ein weiteres Produkt der Retrowelle und würde schamlose Leichenfledderei begehen und das stimmt wohl auch. Wer sich jedoch an solchen Kleinigkeiten nicht aufhält, wird viel Spaß mit Elchtod aus der Zeitmaschine haben. Das aus Stockholm stammende Quartett liegt mit Sound und Musik voll im Trend der neuen Alten. Das Album beginnt wie eine angestaubte Metal Vertonung eines Fulci Films und darauf folgen ausnahmslos fiese Friedhofsnummern mit aufgedrehten Bässen, einem Schlagzeug wie auf einer Jahrmarktsbühne und einem Sänger der deutlich leidet und um Erlösung bettelt. Soll heißen, die Scheibe enthält durchweg authentische Angstmacher im Stile von NIHILIST und vergleichbaren Jugendsündern. Und soll man da einer Band zum Vorwurf machen, dass sie ihren Helden der Vorzeit Tribut zollen, die Gitarre mit Wehmut eine Hohelied wimmert? Auch dieses Produkt rutscht nahtlos in eine Reihe neuer Bands/Veröffentlichungen wie MAIM, REPUKED, UNDEAD CREEP, MIASMAL, ZOMBIEFICATION , ist eine weitere Gruft, die auf einem immer größer werdenden Leichenacker seinen Platz findet. Eine aus der staubig und angegammelt aussehende aber erstaunlich frische Untote entsteigen, und das lokale Umfeld problemlos in Beschlag nehmen, mit etwas Durchhaltevermögen auch nach mehr lechzen können. Nacht, Nebel, stöhnende Leiber in frisch gegrabener Erde, das ist es was MORBUS CHRON mit ihrer Musik assoziieren, sich da aber auch rigoros an ihre Vorbilder halten und wie ich denke, so sehr gut in der Spur bleiben. Die Quintessenz besteht aus einer bekannten und erfreulich modrigen Mischung aus Death und Doom, immer wenn es Etappen temporechen Fluchtverhaltens gibt, folgen im Anschluss langsame, durch Samples unterstützt, auf Atmosphäre getrimmte Parts, die das Gesamtbild der Beerdigungszeremonie wieder ins rechte Bild rücken. Totmetallisches Doppelpassspiel mit Torgarantie! Wem die Bands aus der Namedroping – Leiste zusagen, macht auch mit diesem Album nichts falsch.
8/10

Thursday, August 4, 2011

IRON LAMB - The Original Sin - Cd / Pulverised Records


IRON LAMB sind bekennende RAMONES und MOTÖRHEAD Kaperfahrer und segeln mit kräftigen Rückenwind aus gut verträglichem Pogo und Mitgrölpunk über eine nicht allzu kabbelige See entlang des 3 Akkorde Meridians. Viel mehr gibt es da gar nicht zu sagen, auch der Promibonus (schwedisches Namedroping) kann nicht verschleiern, dass hier kein innovatives neues Pseudo – Meisterwerk, sondern einfach nur eine Bierstiege voll Asselmusik auf dem Niveau erfahrener Musiker entstanden ist. Das Ganze als recht harmonisches Hörerlebnis zu verstehen, ist wahrscheinlich beleidigend, aber es eckt nun mal nicht wirklich an, rutscht durch wie ein gebutterter Mittelfinger im Antlitz des Establishments. Allein schon der melodischen Gitarrensolis wegen. Aber IRON LAMB sind weniger anarchische Revolution als gute Partyunterhaltung mit Hasstexten und all dem was der Punk als musikalisches Stilmittel hergibt. Viel ist es ja weiß Gott nicht, reicht aber auch heute noch aus um sich Sicherheitsnadeln durch die Pfeife zu ziehen und auf den Bahnsteig zu rotzen. IRON LAMB sind geradlinig und aggressiv ohne Selbstüberschätzung und verinnerlichen das gesunden Bewusstsein, dass auch sie nur Fans sind. Also rockt das Album von Anfang bis Ende, hat einen hohen Unterhaltungswert und lässt die zerlatschten Springer über Hüfthöhe treten, Ellbogen wirbeln und Münder schief auf dem Zifferblatt zucken. Das geht im Suff besser als nüchtern, könnte einigen von euch jedoch das Kleingeld wert sein. Den Punk an den Eiern gepackt und mal fest zugepresst, mehr ist es nicht. Aber darauf steht er ja, der Stadtparkbewohner und unkontrollierte Hundezüchter, der von meiner heimischen Vorwendepresse als „Mittel im Arsenal bürgerlicher Ideologien, mit denen die Volksmassen manipuliert werden“ verstanden wurde und falscher nicht liegen konnte. Unangepasst wollte er sein, provozieren wollte er. Heute provozieren andere und er selbst ist von einem Teil der populären Modewelt zu einem vertretbaren Stilmittel zur Umsetzung kommerzieller Ideen geworden. Das dreckige Image lebt wahrscheinlich nur noch durch die Boulevardpresse. Der Punk von heute bezieht seine Straßenweisheiten aus ebenjener Yellowpress, hat sein rüdes, respektloses Antlitz purer Volksverblödung geopfert und zieht damit am selben Strang wie der Rest unserer flachgeistigen Nation. Der Punk ist Teil davon und merkt gar nicht, dass er nicht mehr außerhalb steht. Aber wenigstens erscheint die Musik noch unverfälscht und aufgrund dessen macht der Punk mit IRON LAMB alles richtig, holt sich seinen Soundtrack in die Wagenburg, die Sozialwohnung oder das heimische Kinderzimmer.
7/10

Wednesday, August 3, 2011

BONES - Bones - Cd / Planet Metal


Knochentrockene Knochenbrecher, das ist es wofür BONES aus Chicago auf ihrem Debüt sprichwörtlich verantwortlich zeichnen. Das was das Trio hier vom Zaun bricht, entspricht dem was die lokale Szene seither zu Wege brachte und dockt nicht nur durch Zufall bei einer Band wie MASTER an. Da entsteht dann der typisch knarzige Sound mit seinen spröden Riffs, klassischen etwas stotternden Gitarrensolos und bollernden Drums. Eben wie Chicago Death Metal mit viel Begeisterung für MOTÖRHEAD und dreckigen Rock´n Roll. Gerade letzteres, gepaart mit punkigen Attributen sorgt für eine nicht zu verachtende crustige Note bei den 9 durchweg arschtretenden Nummern. So bleibt es auch nicht aus, auf MALIGNANT TUMOUR zu verweisen, die sich hier partiell wiederfinden. Bei BONES gibt es kein langes Fackeln, keine bescheuerte Katze die um den heißen Brei herumschleicht, kein Zögern und kein auf teuflische Atmosphäre getrimmtes Songwriting. BONES kommt ohne Umschweife auf den Punkt und rockt die Dielung morsch. Von einem Debüt erwartet man eigentlich nicht, dass es so abgebrüht klingt, den unvorbereiteten Zuhörer so kompromisslos verdrischt, aber das Trio hat auch schon anderenorts und nicht erst seit gestern Musik gemacht und zusammen gespielt. Die daraus entstandene Erfahrung ist auf diesem Album nun überdeutlich zu hören. Auch wenn es kaum überproduziert ist, einen großen Teil seines Reizes durch seinen stumpfen Sound bezieht, ist zu keiner Sekunde zu bezweifeln, dass hinter alle dem nicht Zufall oder Willkür sondern klar durchdachte Präzision stecken. An den Stellen, an denen es arg zu rumpeln scheint, da soll es das offensichtlich auch, dort wo ein Solo zu tief und etwas neben der Spur im Ohr bohrt, da ist das auch so beabsichtigt. Und wenn der Bass schlimmer knattert als ein Rasenmähermotor kurz vor Kolbenfresser, dann ist das einfach nur geil. So entstehen vielleicht keine neuen Klassiker, aber simpel gestrickte Ohrwürmer mit Kalkül. Das kann nur gefallen, ein Album das allerorts drückt und schiebt, die rohe Essenz des Metal aus geöffneten Venen verspritzt, schwere Bleigeschosse in großem Radius verschießt, das alltägliche Besäufnis zu einem Highlight macht, kann doch gar nicht daneben liegen. Also, BONES knallen uns einen blutigen Batzen Old School Todesverachtung in den Staub vor unsere Füßen und überlassen es uns, ob wir uns darin suhlen wollen, uns mit verdammtem Drecksrock abfüllen wollen, als wäre es purer, kalter Alkohol. Wer mit MASTER und Stadtgefolgschaft noch nie konnte, und eine liebliche Melodey tonnenschwerem Stahlgewitter vorzieht, der braucht das hier so dringend wie Hämorrhoiden in der Unterhose, ansonsten muss ich ein solches Album uneingeschränkt empfehlen, denn es enthält viel zu viele Mörderiffs, an denen ich nicht vorbeigehen kann ohne schlimme Gedanken zu kriegen!
9/10

DEPHOSPHORUS - Axiom - Ep / 7 Degrees Records


20 Minuten lang muss der Hörer eine feiste Batterie an immens robusten und eher ungewöhnlichen Grindattacken durchstehen, bevor er den Mann am Repeatknopf erschießen darf oder ihm ein Bier ausgeben wird. Astrogrind nennt die Band ihr durchgeknalltes Anliegen, und dafür haben sie sich ein Shuttle gebaut, das mit Warpgeschwindigkeit sein Heil in den Sternen sucht. Auf ihrer Reise durchqueren sie unbekannte Cluster aus Melancholie und Disharmonie und fegen alle Probleme mit dauerfeuergeigneten Protonenkanonen aus der Umlaufbahn des jeweiligen Songs. Magere 7 gibt es davon, aber ein komplettes Album liegt bereits im Raumhafen vor Anker. Der Kapitän leidet bei der Hektik an Bord bald an Stimmbandkrebs, quält sich Schreie aus der Kehle, die schon jetzt nicht mehr gesund klingen und begleitet damit beinahe spacige Arrangements mit stellaren Hintergrundgeräuschen, oder gibt sich einem schmerzmittelgeeigneten Geschwindigkeitsdauerrausch hin. Gut nur, dass er vom Maschinisten und Taktschläger ab und an abgelöst wird. Das Tempo ist keine Dauerkarte, die Songs verfallen immer wieder in gedrosselte und beinahe suizidale Pace – Depressionen, was die Stimmung schnell kippen lässt. Das ist auf Dauer nicht so unkompliziert wie es sich anfänglich vielleicht darstellt. Ich denke beinahe, nachdem ich die Ep so ein Dutzend mal durchlebt habe, dass die aus Griechenland stammende Band irgendwas befreiendes geschluckt hat als sie das hier aufgenommen hat, denn es klingt bei aller Liebe auch irgendwie nach einem ganz persönlichen und weit entfernten Zauberwald. Also, konformer Grindcore stellt sich anders auf, das ist sicher nicht der Anspruch der 3 mediterranen Raumpiloten aus Pleitistan. Vielmehr vermischen sie den eigenen Fantasieflieger mit umnebelter Heulerei, grooviger, grindiger bis progressiver Gitarre (wenigstens dem Versuch nach) und 3 Akkorden oder Zick Zack Schritt durch den subjektiven Hirnnebel. Alles in allem kann das Trio schon gefallen, wenn sie es denn wollen, fest steht aber, dass die schön einem am Schlitten haben und es nicht immer leicht ist, mit ihren Vorstellung von musikalischer Kleinkunst Schritt zu halten. Der einfachere Weg wäre der des totalen Sturms gewesen, weniger die Gitarre am Heulen halten, sondern viel mehr Brände zu legen. Aber dahin wollen die ja gar nicht, sonst hätten sie es getan. Und somit dürfte ihr Trip durch Raum und Zeit mit geschmacksresistenter Wurmlochpassage nicht unbedingt viele Passagiere zum Erwerb einer Bordkarte animieren. Dabei ist die Qualität der Musik außen vor, den Lichtbogen schweißen die blind, nur glaube ich immer noch nicht, dass sich viele Leute von gängigen, gut konsumierbaren Konventionen lösen wollen. Sicher, verdient hätte die Band das schon, allein der Versuch ist es wert. Trotzdem, mehr aus sich rausgehen, dem Arsch mehr Tritte verpassen (welcher Arsch sollten eine individuelle Entscheidung bleiben) und die durchgebrannten Parts lassen sich besser verkaufen. Davon bin ich überzeugt. Die Aufnahmen sind scheinbar in einem Ritt live entstanden, was aber kein Anlass zur Kritik ist, macht den Ausflug in die außerirdische Nacht nur noch authentischer. Was aber wirklich fehlt, ist Bass, der würde die Maschinen richtig schmieren und den Raumfrachter einiges an positiven Vorschub verpassen. Fazit; ziemlich kaputt und gewöhnungsbedürftig, jedoch talentiert genug und voller quirliger Ideen um noch einiges nachzuschieben. Wen es interessiert, die Vinylversion gibt es bei 7 Degrees Records .
6/10