Sunday, August 28, 2011

CRYPTBORN - In the Grasp of the Starving Dead - Ep / Dark Descent Records


CRYPTBORN drehen die Uhren ganz weit zurück pressen sich die Bässe tiefer in den Unterleib als ein alter Sack baumeln kann. Das Ergebnis ist dann so was wie eine Mid – Tempo Reanimation einer skandinavischen Musikleiche. Klingt alt, klingt primitiv, klingt authentisch, klingt nach schwedischem Moder und Leichenaroma. Blöd nur, dass sich heute so viele aufmachen um an dem alten Kadaver zu schnuppern. Wenn ihr aber nach einer weiteren Wiederholung aus der Reihe Monster, Mumien, Mutationen lechzt, dann hat das finnische Gespann mit seinem Früh - Neunziger Geschredder und seinem Hang zu effektivem Minimalismus nichts falsch gemacht. Lasst euch von dem Fünfer in den Sitz der H.G. Wells Zeitmaschine pressen und Originalschauplätze besuchen. Ihr werdet die Wurzeln von DISMEMBERs „Like An Everflowing Stream“finden, den GRAVEschen Leichenacker bewandern und in NIHILISTische Schwelgereien verfallen, einen Blick auf allzu locker gespannte Katzendärme werfen, den Sound von alten Tapes wiederentdecken, stilechte Schwarz - Weiß Fotosessions auf Friedhöfen miterleben und bei Coverentwürfen dabei sein, die schon beinahe museumsreif sind. CRYPTBORN fangen musikalisch wie optisch den Geist einer Aufbruchsstimmung ein, über deren Tragweite sich seinerzeit niemand im Klaren sein konnte. Dass es CRYPTBORN durchaus ernst meinen beweist schon die Tatsache, dass sie ihre Ep, bevor sie silbern und rund wurde, als klapperndes Tape veröffentlicht haben. So was gibt es doch nur noch außerhalb westlicher Dekadenz aus Mangel an bezahlbaren Alternativen. „In The Grasp…“ mutet so richtig nostalgisch an und gibt der Floskel vom „Rückwärtsgewandten“ etwas Positives. Da die Band sich mit allen Mitteln wehrt musikalisch der Sonne zugewandt sein zu wollen, lieber den Staub alter Gräber umverteilt, sollten wir die Ewiggestrigen ruhig protegieren. Und zwar, weil denen voll und ganz abzunehmen ist, was sie da treiben. Wenn jemand verflossenen Tagen nachhängt und ein Mittel gefunden hat, den Riss im Vorhang der Zeit etwas zu erweitern, dann muss er das auch mit aller Konsequenz tun. Und eben daran ist bei CRYPTBORN nicht zu zweifeln. Die Ep enthält nun nicht unbedingt überschwere Eisbrecher, behauptet sich aber mit strikter Vorwärtsbewegung und erfreulicher Eingängigkeit. Deren Schiff ist von simpler Bauweise, aufgrund seiner Einfachheit allzeit in der Lage so manche hohe Welle zu nehmen und gefährliche Klippen zu umschiffen. Lasst euch darauf ein, für alte Zöpfe und jene die Zeit für bedeutungslos halten, haben CRYPTBORN genau die richtige Musik im Seesack. Schön auch, dass es fast eine halbe Stunde zum Preis einer Ep gibt, der Veteranengeist hat überlebt!
7/10

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