Wednesday, August 3, 2011

DEPHOSPHORUS - Axiom - Ep / 7 Degrees Records


20 Minuten lang muss der Hörer eine feiste Batterie an immens robusten und eher ungewöhnlichen Grindattacken durchstehen, bevor er den Mann am Repeatknopf erschießen darf oder ihm ein Bier ausgeben wird. Astrogrind nennt die Band ihr durchgeknalltes Anliegen, und dafür haben sie sich ein Shuttle gebaut, das mit Warpgeschwindigkeit sein Heil in den Sternen sucht. Auf ihrer Reise durchqueren sie unbekannte Cluster aus Melancholie und Disharmonie und fegen alle Probleme mit dauerfeuergeigneten Protonenkanonen aus der Umlaufbahn des jeweiligen Songs. Magere 7 gibt es davon, aber ein komplettes Album liegt bereits im Raumhafen vor Anker. Der Kapitän leidet bei der Hektik an Bord bald an Stimmbandkrebs, quält sich Schreie aus der Kehle, die schon jetzt nicht mehr gesund klingen und begleitet damit beinahe spacige Arrangements mit stellaren Hintergrundgeräuschen, oder gibt sich einem schmerzmittelgeeigneten Geschwindigkeitsdauerrausch hin. Gut nur, dass er vom Maschinisten und Taktschläger ab und an abgelöst wird. Das Tempo ist keine Dauerkarte, die Songs verfallen immer wieder in gedrosselte und beinahe suizidale Pace – Depressionen, was die Stimmung schnell kippen lässt. Das ist auf Dauer nicht so unkompliziert wie es sich anfänglich vielleicht darstellt. Ich denke beinahe, nachdem ich die Ep so ein Dutzend mal durchlebt habe, dass die aus Griechenland stammende Band irgendwas befreiendes geschluckt hat als sie das hier aufgenommen hat, denn es klingt bei aller Liebe auch irgendwie nach einem ganz persönlichen und weit entfernten Zauberwald. Also, konformer Grindcore stellt sich anders auf, das ist sicher nicht der Anspruch der 3 mediterranen Raumpiloten aus Pleitistan. Vielmehr vermischen sie den eigenen Fantasieflieger mit umnebelter Heulerei, grooviger, grindiger bis progressiver Gitarre (wenigstens dem Versuch nach) und 3 Akkorden oder Zick Zack Schritt durch den subjektiven Hirnnebel. Alles in allem kann das Trio schon gefallen, wenn sie es denn wollen, fest steht aber, dass die schön einem am Schlitten haben und es nicht immer leicht ist, mit ihren Vorstellung von musikalischer Kleinkunst Schritt zu halten. Der einfachere Weg wäre der des totalen Sturms gewesen, weniger die Gitarre am Heulen halten, sondern viel mehr Brände zu legen. Aber dahin wollen die ja gar nicht, sonst hätten sie es getan. Und somit dürfte ihr Trip durch Raum und Zeit mit geschmacksresistenter Wurmlochpassage nicht unbedingt viele Passagiere zum Erwerb einer Bordkarte animieren. Dabei ist die Qualität der Musik außen vor, den Lichtbogen schweißen die blind, nur glaube ich immer noch nicht, dass sich viele Leute von gängigen, gut konsumierbaren Konventionen lösen wollen. Sicher, verdient hätte die Band das schon, allein der Versuch ist es wert. Trotzdem, mehr aus sich rausgehen, dem Arsch mehr Tritte verpassen (welcher Arsch sollten eine individuelle Entscheidung bleiben) und die durchgebrannten Parts lassen sich besser verkaufen. Davon bin ich überzeugt. Die Aufnahmen sind scheinbar in einem Ritt live entstanden, was aber kein Anlass zur Kritik ist, macht den Ausflug in die außerirdische Nacht nur noch authentischer. Was aber wirklich fehlt, ist Bass, der würde die Maschinen richtig schmieren und den Raumfrachter einiges an positiven Vorschub verpassen. Fazit; ziemlich kaputt und gewöhnungsbedürftig, jedoch talentiert genug und voller quirliger Ideen um noch einiges nachzuschieben. Wen es interessiert, die Vinylversion gibt es bei 7 Degrees Records .
6/10

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