Tuesday, August 9, 2011

HELLCRAWLER - Wastelands - Cd / Hollow Earth


HELLCRAWLER fressen als fette Geier verkleidet an einem Berg schon erbleichter Schädel vor einer viel zu düsteren Industrieruine herum, und machen uns Angst mit einer zukünftigen Realität, die jene verzapfen die statt Gänsedaunen Bargeld in ihre Kissen stopfen. Aber da das hier auch und hauptsächlich Unterhaltung sein soll, machen wir davor mal schnell die Augen zu und freuen uns, dass die Band, ganz im Kontrast zu ihrer allzu pessimistischen Thematik auch bierschwanger abrotzen kann. Das erreichen sie mit einer Mischung aus den trockenen und rockigen Tribes von MASTER, den grindigen Beats von MUCUPURULENT und der (nun doch) neblig, düsteren Atmosphäre von … irgendwem anders. Einem Leichenschänderkonzil, der Innung für umweltverträgliche Giftmüllverklappung oder dem satanischen Verband für Streicheltierpatenschaften. Jedenfalls steckt hinter der Rockattitüde auch Ernsthaftigkeit auf Augenhöhe mit einem beträchtlichen Spaßfaktor. Das Rausschmeißer - Instrumental kickt sogar mit einer unleugbaren Tarantino Hommage. So lässt sich doch schnell vergessen, wie bedrohlich der humanoiden Rasse aufgrund von blinder Furcht und eingeschlafenen Ärschen und Hirnen, das Brackwasser monopolistischer Raubzüge bis Unterkante Oberlippe schwappt. HELLCRAWLER sind aber wohl keine Mahner und Erinnerer sondern irgendwie die Nutznießer der Situation, würden sie das doch gar nicht musikalisch fokussieren können, wäre alles harmonisch mit Blümchen und Ringelreihe und so Sachen aus naiven Kinderstuben. Der Verfall eines kompletten Planeten beschert uns eine Band die auf den kommenden Hinterlassenschaften einen rohen und brutalen Tempel errichtet, und dort drinnen tobt bis auch das letzte Sauerstoffatom gespalten, der letzte Tropfen Wasser verdampft und die letzte Hirnzelle verrottet ist … in umgekehrter Reihenfolge versteht sich! HELLCRAWLER ist vornehmlich Old School Death Metal mit gutem musikalischem Verständnis und dem Bestreben über den Tellerrand zu linsen. So paaren sich dann auch paganvertraute Solos mit knochentrockenen und bassbeschwerten Gitarrenriffs, nihilistische Schwarzmalerei mit besäufnistauglichen Grölereien. Das Ende der Zivilisation scheint nah, aber wenn es dann wirklich so weit ist, würde ich mich mit den Jungs von HELLCRAWLER zusammen hocken und ordentlich einen heben, da die es verstehen die Apokalypse trotz aller Endgültigkeit in eine Vorabendparty zu verwandeln. Scheiße auch, mit der Musik kann man sogar rein feiern. Aber natürlich ist nicht jeder Song so schwungvoll unbedarft, da wird auch schon mal durch den dichten Forst geschimpft und der mahnende Zeigefinger missbraucht. „Wastelands“ ist kein klassisches Album geworden, jedoch eines das sich ausschließlich solcher Elemente bedient, was zu sagen hat und ziemlich cool daher kommt.
7/10

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