Saturday, August 20, 2011

MORGUE SUPPLIER - Constant Negative - Mcd / Murder Records


MORGUE SUPPLIERs´ Ep kreiselt schon seit geraumer Zeit im Äther, aber was bei mir im Postkasten landet, um zum loben oder verreißen, muss auch dran glauben. Das Gespann aus Chicago macht es sich selbst nicht eben einfach, wenn es mit einer Mischung aus BRUTAL TRUTH, CEPHALIC CARNAGE und meinetwegen GORGUTS an den Start geht. Da ist schon aufpassen mit gewisser Anstrengung angesagt und klingt im Ergebnis etwa wie folgt. Die kakophonische Geräuschkulisse beschreibt das akustische Aufeinandertreffen zweier Ritterheere, die sich mit viel Krach und Einfallsreichtum die Eimer verbeulen, es scheppert allerorts. Ein scheinbar wildes Durcheinander hetzt die Krieger auf ihren schäumenden Rössern über dem Blutacker, alles wirkt dem Chaos anvertraut und im Zick Zack der Kontrolle entzogen. Dazu ertönen verbale Schlachtrufe, als trügen die Protagonisten Unterwäsche, stilecht aus engmaschig gewebter Ankerkette und das einst moderne Unterleibsgewölle verfängt sich darin mitsamt Gehänge und überzeugt seine Träger von kommender Zeugungsunfähigkeit. Da prallt was aufeinander, was nicht eben leicht zu schlucken ist und den eigenen Anspruch in gewissem Sinne fordert. Aber hat uns bei der Geburt etwa jemand versprochen, dass das Leben ein Spaziergang würde? Wenn wir MORGUE SUPPLIER begleiten wollen, begeben wir uns, und dessen solltet ihr euch bewusst sein, auf eine steinige Tour de Force über Berg und Tal und über so manche Klippe. Zwei Punkte fand ich dabei, zumindest am Rande ungewöhnlich. Zum einen ihre Herkunft aus Chicago, wo sie mit der dort vertrauten Szene, die eher auf bewährte, coole und primitive alte Schule setzt und so einiges Großes geworfen hat, so gar nichts gemeinsam haben. Und zum anderen, dass sie METALLICA´s „Fight Fire With Fire“ covern, da sie auf den ersten Blick nichts mit der Band zu verbinden scheint. Aber nach dem recht authentischen Akustikintro und der folgenden schrammligen Riffgitarre wird der Song auf das übelsten in den Boden gegrindet, und die sparen dabei noch ca. 1 Minute Spielzeit, verglichen mit dem Original. Der Ep – Titel kann bei solchem Mut zur musikalischen Unzucht nicht auf die Mucke selbst anspielen, bezieht sich wohl eher auf die neuzeitliche Lebensspirale des menschlichen Abbildes auf dem Weg in die Hölle. Scheinen mir keine positiven „Schacka – Brüder“, keine Bob die Baumeister und zwangsbeglückte Partymenschen zu sein. War auch nicht zu erwarten, wenn denn jemand schon so ein verqueres, nicht unbedingt auf Eingängigkeit gebügeltes Death / Grind Geballer abprotzt, dann sind Titten und Gedärm meist außen vor … was für Spaßverderber! Anzumerken bleibt, dass „Constant Negative“ nicht bis zu Gänze im Gewirr der Unüberschaubarkeit verstrickt ist, es gibt immer noch genug forschen Grind, bei dem ihr gern eure Köpfe gegen die Wand knallen dürft! Die Presse scheint das Werk zu lieben, oder zumindest seinen technischen Veitstanz zu loben oder anzuerkennen und ich schließe mich da gern an. Wies mit Otto – Normalbegatter aussieht weiß ich nicht, aber der Bandname stände bestimmt in dickeren Lettern … irgendwo, hätte sich aus der Ep mehr ergeben. Schade tatsächlich, gebt den Typen eine Chance, denn auf Eintagsfliegen im Fahrwasser großer Acts machen, das ist keine Herausforderung.
8/10

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