Friday, September 9, 2011

TORTURE THRONE - Thy Serpent´s Cult - Mcd / Obscure Domain


Der Eröffnungstrack suggeriert Friedhöfe, Bodennebel und mit rostigen Schlössern versperrte Gruften. In einer davon schiebt sich die verknöcherte Hand einer viel zu alten Leiche in den Spalt zwischen Steinsarg und Deckel. Mit spielender Leichtigkeit schiebt sie ihre ungewollte Bettdecke zur Seite und lässt sie in den Staub fallen. Im Tempo des Songs bringt sie ihren ausgedörrten Oberkörper in sitzende Position und fixiert uns mit einem starren Blick aus leeren Augenhöhlen. Ihre Bewegungen sind so lahmarschig, dass es uns kaum Angst machen dürfte, aber es verursacht trotzdem eine immense Gänsehaut. Was für ein Einstand! Der Song heißt Golgotha und zwingt, aufgrund seines unglaublich stoischen Nihilismus, sogar Doompäpsten Respekt ab. Aber wenn man es bedenkt, hat derjenige der sich auf den Schädelberg begibt, in der Regel ordentlich schwer zu schleppen, da rennt man nicht mal eben rauf, und so ist die Pace des Songs durchaus angemessen. Einmal oben angekommen, geht es auf der anderen Seite schnurstracks wieder runter, Schussfahrt ins Tal sozusagen. Die Abfahrt ist aber um ein wesentliches länger als der Anstieg, und zwar 4 weitere Songs im Ganzen. Dabei ist der Weg abwärts offensichtlich für ein flottes Tempo geeignet, allerdings mit variierendem Neigungswinkel. Es wird aber keinesfalls mehr so mühselig und schweißtreibend wie zu Beginn über Stock und Stein gekraxelt. Dafür setzt erfreulicher Minimalismus ein, TORTURE THRONE kommen mit wenig musikalischem Aufwand schnell ans Ziel. Da wo andere Slalom fahren und gefährlich über Pisten springen, hockt sich die Band auf einen alten, schon mächtig wurmstichigen schwedischen Schlitten und nehmen den direkten Weg ins Stadion. Gut nur, dass sie der alten Pritsche noch mal die Kufen geschliffen haben. Eine Fahrt auf der angegrauten Todesmaschine macht auch heute noch Laune und es spielt keine Rolle, dass seit einigen Jahren zahllose andere ihre Schlitten ebenfalls aus den Schuppen und Garagen holen, sie entstauben und polieren. Solange sie fahrtüchtig sind und dem Besitzer den erwarteten Spaß bringen, ist das legitim. TORTURE THRONE hätten ruhig noch ein paar Songs drauf packen können, auf ein komplettes Album bin ich wirklich gespannt. Diese Ep richtet sich an alle, die sich immer noch an den alten Sachen von Entombed, Dismember und Co erfreuen und es einer Band nicht übel nehmen, wenn sie wie Kloneschaaf Dolly ihrem Original verdammt intensiv das Rektum schlecken. Sound und Songwriting sind da sehr aussagekräftig, allein die Gitarrensaiten hängen authentisch locker über dem Holz, der Gesang kling schön fies, als versteckt sich der Sänger in einem antiken Bierfass, legt die Hände als Schalltrichter an den Mund und röchelt fröhlich drauf los. „Thy Serpent´s Cult“ ist eine sehr stimmige Mini mit schnoddrigen Riffs, überschaubaren Solis und passenden melodiösen Aufhängern, solltet ihr euch antun!
8/10

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