Sunday, October 30, 2011

MORTA SKULD - Through The Eyes Of Death - Cd / Relapse Records


Das “Album” enthält die ersten 2 Demos und 2 Songs mit etwas weniger Abrieb, aber eigentlich spielt das überhaupt keine Rolle. Denn mit dieser Cd verhält es sich wie mit einem Paar alter Schuhe. Eben jenen die du dir vom ersten selbst verdienten/geklauten/geschnorrten Geld gekauft hast. Du hattest sie längst vergessen, angenommen dass sie in Osteuropa zu Autoreifen recycelt wurden und plötzlich fallen sie vom Schrank, als du den Dachboden aufräumst. Alles kommt in diesem Moment wieder zurück, du erinnerst dich an den Arsch der Verkäuferin die dich misstrauisch beäugt hat, als du auf dem Kunstlederhocker Platz genommen hast um sie zum ersten mal anzuprobieren, und wie sie dir ein Schuhpflegemittel aufgeschwatzt hat, obwohl zu Hause 2 Dutzend angefangene Tuben Schuhcreme in der Kiste lagen. Du weiß genau zu welcher Gelegenheit du sie am liebsten angezogen hast, du hast mit ihnen getanzt, bist mit ihnen durch Staub und Schlamm gestolpert, bist damit bei Konzerten ständig anderen auf die Füße gestiegen, hast im Suff drauf gepinkelt und bist mit ihnen ins Bett gegangen, wenn du nicht mehr in der Lage warst, sie auszuziehen. Du hast sie fein säuberlich auf dem Fußabtreter deiner Schwiegereltern abgestellt und sie zu Hause in die Ecke gekickt. Zum putzen hattest du vielleicht nicht immer Lust, hast dich gefreut, dass deine Mutter eine Mutter ist, die ihrer Bestimmung ohne Murren nachkommt. Du hast mit ihnen hunderte Kilometer Straßenpflaster und Feldweg vermessen, häufig haben sie dich zuverlässig querfeldein getragen. Deine Freundin fand sie wahrscheinlich hässlich und mit der Zeit wurden sie auch unansehnlich, aber das hat alle anderen mehr gestört als dich. Sie bekamen irgendwann immer mehr Kampfspuren, die der Schuster um die Ecke mit Mühe und für wenig Geld zu kurieren versuchte. Das Oberleder wurde irgendwann brüchig, der rechte große Zehe arbeitete daran, sich an die Sonne zu kämpfen und die Sohlen wurden dünner. Das einst starke Profil war nur noch eine Ahnung seiner selbst, und du hättest blind laufen können und doch gewusst wo du bist, da deine Füße in ihnen die Fähigkeit entwickelt hatten wie Detektoren zu funktionieren. Jede Unebenheit jenseits der Größe eines Sandkorns konntest du durch sie spüren, hast so eine ziemlich genaue Vorstellung entwickeln können, wo du gerade lang läufst. Du hast sie eine Dekade lang getreten und missbraucht, geliebt und gepflegt, gehasst und als Selbstverständlichkeit betrachtet. Aber alles hat seine Zeit, wahrscheinlich hat deine Freundin behauptet, sie in den Schuhcontainer geworfen zu haben und du hast dich damit abgefunden und neue gekauft (die sie für dich ausgesucht hat). Die haben sicher nicht so lange gehalten, das besondere deines ersten Paares ist trotzdem in Vergessenheit geraten. Ja und plötzlich liegen sie wieder vor die, stumpf, blass und fleckig. Aber fass sie ruhig mal an, riech dran, wenn du dich traust. Zieh sie einfach an und du wirst sehen, sie passen immer noch und sie wollen, dass du noch mal mit ihnen läufst. Also, was hindert dich? Nutze die Zeit, solange deine (nun) Frau noch zur Arbeit, Einkaufen oder beim Frisör ist … oder was Frauen eben so machen. Stampf ordentlich auf den Boden und genieß das Gefühl!

Friday, October 28, 2011

FUNERUS - Reduced To Sludge - Cd / Ibex Moon


Was Hausmusik angeht, hat so mancher Erwachsener das Trauma seiner Kindheit bis dato nicht bewältigt. So wie es Familie Beimer aus der Blindenstraße vormachte, saßen zahllose kleine und große, mehr oder weniger totalitäre Sippenverbände im heimeligen Wohntempel und huldigten dem Gott von Friede, Freude, Eierkuchen mit Wandergitarre und Flöte. Auch der gemeine Amerikaner kennt dieses pädagogisch wertlose Phänomen. Aber es geht auch anders, zum Beispiel bei den McEntees´. Deren Version interner Clantreffen heißt FUNERUS und verspricht ganz sicher keine wohlige Beschaulichkeit bei Kerzenschein und Kräutertee. Die verbreiten ganz im Gegenteil ungefilterte Bösartigkeit alter Schule vom neuen Kontinent. Diese ist nicht nur trocken wie wochenalter Sandkuchen, der hinter der Anrichte sein Dasein zerkrümelt, sondern partiell so behäbig, dass deren Morbidität nicht zu übertreffen scheint. Ich fühle mich mit solcher Musik nur bestätigt, bedeutet sie doch, dass man aus sehr wenig ungemein viel machen kann, wenn man es schafft, seine Vorstellungskraft auch nur leicht über das geistige Niveau eines fressenden Faultiers zu erheben. FUNERUS walzt eine dermaßen undurchdringliche Metal – Kriegsmaschinerie über die feindlichen Linien, dass sie trotz des oft zähen Tempos, bei dem sich der hinterher ziehende Landser die Schuhe von einem Igel zubinden lassen kann, nicht aufzuhalten ist, so schwergewichtig und stählern bewegt sich der Koloss. Der doomige Tross ist da oft nicht mehr weit zurück. Die Gegenpartei hat da wenig Optionen, entweder legt sie den Kopf mit einem Halleluja unter die Ketten des Panzers und wartet auf das plopp, oder sie flieht in die gierigen Fänge wesentlich kommerziellerer Menschenfallen. Ich meinerseits bin für das mit dem Kopf! Sobald man sich nämlich dem Schicksal von rotgrauem Brei ergeben hat, finden sich Elemente von Bands wie OBITUARY über BOLT THROWER bis hin zu GRAVE und WINTER. Obwohl letztere sogar für FUNERUS Verhältnisse wohl zu viel Schlamm und Dreck an den Stiefeln haben. Aus dieser Kombination entwickelt sich jedenfalls etwas, dass umgangssprachlich als pandemisches Streunen bezeichnet wird. Wenn das dick verbleite Album im November auf den Markt kommt, werdet ihr verstehen was damit gemeint ist. Das Grauen kriecht unaufhaltsam wie Bauernaroma oder der Gestank von Kotze an den Fingern ins Hirn und hängt sich dort ein, verbreitet seine infektiöse Botschaft. Selbst wenn die Scheibe dann schon seit Wochen im Regal ein ungeliebtes Dasein fristen wird, wütet deren infektiöser Nachhall weiter. Wenn ihr denn für diese Art Keim, dem sogenannten „Primitvia Effektivus“ anfällig seid, dann trefft keine Vorsichtsmaßnahmen und fragt nicht euren Apothekenklaus, entspannt eure Neuronen und genießt Tod und Verwüstung in vollen Zügen! Zudem garantiert Dr. Swanö für die unbedingte Wirkung des Produkts, hat er hinter den Reglern deren Aggressivität, quasi im Laborversuch, getestet und optimiert. Den Verkauf würde ich aber nur in Behältern für biologische und chemische Gefahrenstoffe erlauben, dann kommt die Lieferung wahrscheinlich mit dem Castor zu euch nach Hause. Denn dass ihr „Reduced To Sludge“ ordern müsst, steht doch wohl außer Frage!
9/10

Monday, October 24, 2011

LOGISTIC SLAUGHTER - Demo 2011


Verdammte Ami – Sprutse, hämmern irgendwelches brutales Zeug ohne um Erlaubnis zu fragen. Oder Rücksicht nehmen, wie wär´s denn damit? So was kriegt die Jugend scheinbar nicht mehr in die Wiege gelegt. Als ich noch klein war und mit so was für ungepflegte Konversation gesorgt hätte, na mein Vater hätte mir ein paar Takte erzählt. So lange meine Füße unter seinem Tisch… . Aber heute, Respektlosigkeit aller Orten, da heißt es nicht freundlich, Guten Morgen Herr hochverehrter Nachbar, da schallt es „ Alter, mach ma hinne!“, und das ist noch die Höflichkeitsform! Das was die heute für Kultur halten und musikalisch über die Dämme der Zivilisation schwappen lassen, wäre in der guten alten Zeit als Kunst nicht mal am Vorstellungshorizont eines durchschnittlich gebildeten Mitbürgers vorbeigekommen. Das rülpst und hämmert, macht Lärm wie ein explodierendes Stahlwerk, kennt nichts als verzerrten Rhythmuswahnsinn und vergießt mehr Blut als ein ganzer ostdeutscher Schlachthof in seinem Quartalsmittel. Wo einst Gitarren liebkost wurden um ihnen verzückende Melodeyen für das Weibsvolk zu entlocken um der Angebeteten etwas von ihrer Keuschheit abzutrotzen, da wird plötzlich geschreddert wie im Sägewerk und in schmerzhafter Unkenntnis menschlicher Anatomie gerammelt wie die Karnickel. Da wird nicht subtil erobert, sondern mit dem Knüppel über dem Kopf eine schnelle Nummer hingelegt. Da wo dem wahren Gesang mächtige Stimmen ihre aufrichtig schmalzigen Anliegen der Menschheit darboten und Taschentücher noch der zarten Tränenaufnahme dienten, grölt es plötzlich furchterregender als in der Südkurve eines ausverkauften Fußballstadions und die Taschentücher liegen verkleister und zusammen geknüllt unter den Kopfkissen der Vandalen! Ich hoffe inständigst, dass die Familie wieder in den Mittelpunkt der Gesellschaft rückt, um solche unkontrollierbaren Ausbrüche verbaler und instrumentaler Gewalt in beherrschbare Bahnen zu lenken. Wir brauchen wieder eine Gesellschaft, in der wahre Werte zählen, das Familienoberhaupt als unumstößlicher Regent der Sippe gilt und nicht gleich das Jugendamt mit Pilateskursen droht, wenn der Spross seine verdiente Prügel bekommt! Die Jugend soll ja ihren Spaß haben, aber erst mal müssen sie von den Vätern lernen, wo der Spaß aufhört. Dieses grauenerregende und geschmacklose Geplärr, für das LOGISTIC SLAUGHTER nur ein Beispiel sind, kann nicht die Zukunft einer ganzen langhaarigen und umtriebigen Generation sein. Einfach willkürlich auf teure Instrumente einzudreschen, darf nicht als Unterhaltung verstanden werden, höchstens als, von höherer und vor allem legitimierter Stelle zu kontrollierendes Antiaggressionstraining. Wollen sie sich eine Zukunft für ihre Kinder vorstellen, in denen Theater und Museen nur noch virtuelle Rudimente auf den Rechnern ihrer Zöglinge sind, und die viel lieber saufend und pöbelnd zu unsäglichen Krawalleskapaden sogenannter Musiker den Verstand verlieren. Um Himmels Willen, denken sie auch an meine Rente!
Wer es nicht verstanden hat – das war der Versuch einer Satire! Das Demo tafelt schick brutalen Death/Grind auf und schraubt mit wenigen Umdrehungen den Kopf von den Schultern, solltet ihr gegen den Rat eurer Eltern laut aufdrehen! Zu beziehen als legaler Download auf meiner Downloadseite!
7/10

Friday, October 21, 2011

TRUTH CORRODED - Worship The Bled - Cd / Ultimhate Records


Als trügen die Musiker Rasierklingen in ihrer schafswollenen Unterwäsche, so dermaßen scharf zieht das neue Album der Australier durch. Und genau so will ich Thrash Metal kurz vor Ende der Erdenzeit hören. Und zwar an der Schnittstelle von SEPULTURA, modernen Trieben metalcorigen Wildwuchses und dem musikalischen Weltbild einer Band wie DYING FETUS. Mit denen verbindet TRUTH CORRODED vor allem das vergleichbare Artwork, aber auch die thematische Bindung hinsichtlich weniger belangloser Texte. Außerdem sind Parallelen beim Gesang nicht zu leugnen, so wie der angelegt ist und sich kurzzeitig überlagert, als bräuchte der Sänger keine Luft um seinen Hasstiraden unter das Publikum zu brüllen. Quasi beginnt der eine neue Strophe immer an einem Punkt, kurz bevor er die voran gegangene beendet. Lediglich der typische Groove fehlt, dafür gibt es Riffwände fett und hart wie Blauwalschwänze! Dominant ist zudem das Schlagzeug von Sessiondrummer Kevin Talley. Vielleicht liegt es auch an ihm, dass dieses Album ein so gewaltiger Brecher geworden ist, für den der Begriff Thrash Metal eigentlich wie die Zwangsjacke von Charly Manson sein muss, viel zu eng um der eigenen Kreativität ausrechend Platz zu verschaffen. Aber wahrscheinlicher ist, dass die Bandbesetzung während der Aufnahmen wie ein gut geschmiertes Räderwerk funktionierte. So erwarten euch ein ganzer Eimer voller derber Innereien aus Aggression, Wut und gerissenen Muskelfasern. Es gelingt aber auch zurückhaltendere Stücke mit eher ungewöhnlichem Beiwerk zu schreiben, wie „ Dragged Beneath“ oder das hinter vorgehaltender Hand schelmisch als episch zu bezeichnende „ Summon Abyss“. Der Song nimmt scheinbar kein Ende und hängt sicher auch nicht nur zufällig hinten dran wie die tote Katze an der Hängerkupplung. Hierbei haben die sich auf besondere Weise ausgetobt und ein 8 Minuten langes Ohrenkino geschaffen, dessen Bestandteile so nicht im Album hätten untergeschmuggelt werden können. Aber dann endet es auch wie es begonnen hat, mit gutturalem Kehlkopfgebrumme rituell verstimmter Eingeborener. TRUTH CORRODED hatten einiges an prominenter Unterstützung, auch hinsichtlich der Produktion und das tut dem Album hörbar gut, eine so gewaltige Kanonade ist mir selten unter gekommen. Mit Blei und Stahl beladene Metal Langstreckenflugkörper machen sich auf die Reise, der Welt eine neue Ordnung einzubomben und zwar indem sie, zumindest lyrisch, der alten verrotteten, gierigen, rücksichtslosen und durch und durch korrupten den Spiegel vorhalten. Wer in diesem Spiegel nur noch das verzerrte Abbild seiner Selbst wiederfindet, der weiß was die Stunde geschlagen hat. TRUTH CORRODED sind angetreten, mit eigener musikalischer Rücksichtslosigkeit, abgelaufene Uhren zu zertrümmern. Also, zieht euch warm an, wenn das Gewissen plagt. Allen anderen wünsche ich einfach nur Spaß mit 10 unglaublichen Abrissbirnen und dem apokalyptischen Charme eines großartigen Albums!
9/10

Thursday, October 20, 2011

KRAMPUS - Kronos Heritage – Mcd / Eigenproduktion


KRAMPUS sind 8 kleine Italiener, die sich grunzend und kreischend, ja gar singend hinter den Alpen verschanzt haben und ihr Bedürfnis nach mediävalem Frohsinn laut in die Welt krakeelen. Dabei folgen sie dem breiten Pfad felltragender, metsaufender, langhaariger Metal – Barden von ELUVEITIE bis FINTROLL. Ganz in dieser Tradition feuern sie im Hintergrund flotte Gitarrensalven über den Schlachtenacker, dominiert wird die Musik aber von mannigfaltig erklingenden Vokalen und Flöten, Dudelsäcken, Geigen, all dem zu erwartenden Zinnober eben. Wenn man sich darauf einlässt, kann das sogar Spaß machen, denn an der Musikalität der Recken aus den Olivenhainen ist überhaupt nicht zu zweifeln. Andererseits muss der Chose wahrscheinlich auch eine dicke Scheibe Individualität abgesprochen werden. Denn genau genommen unterscheiden sie sich nicht von den früher dagewesenen und ergo populäreren Acts. Eine schlechtere Band macht das aus den Brüdern (und Schwester) sicher auch nicht, höchstens etwas farblos mit leichter Blässe. Was mir jedoch auf die Pille geht, ist der cleane Gesang beim ersten Stück, der hat mich eiskalt beim pinkeln erwischt, das klingt so grauenhaft weichgespült, dass mein Mittelstrahlurin die vorgegebene Flussrichtung verweigert hat. Der Rest kann sich bedenkenlos auf die Völkerwanderung begeben(nicht der Urin!), mit seinem Gepäck die Alpen überqueren und neue Siedlungsgebiete erschließen. Manchmal werden sie freundlich aufgenommen werden, manchmal aber auch die Schwerter ziehen müssen um, wenigstens metaphorisch, warmes, rotes Blut zu vergießen. Es wird nicht lange dauern, vorausgesetzt ein Teil der metallischen Welt behält sein, mir irgendwie schleierhaftes, Bedürfnis nach Harmonie, Mystik und Geschichtsverklärung bei, und die Band drängelt sich mit ihrer stattlichen Besetzung auch auf unseren Bühnen. Die kippen dann ihr komplettes Pseudo – Mittelalter vor unsere Füße, machen uns weis, dass Dudelsäcke und Pfeifen dämonisch sind und die Sucht nach melodiösem Orgasmen, eine vom Teufel geschickte Wollust ist, der man unbedingt folge zu leisten hat! Aber von mir aus, da sich dieser Ableger des Metal gut vermarkten lässt, zweifle ich nicht am kommenden Erfolg, und gönne es der Band natürlich auch. Vielleicht, wenn sie ihr erstes komplettes Album schreiben, erweitern sie ihr Spektrum auch, dass mit diesen nur 3 Songs der Ep kaum ausgereizt sein sollte. Also, Fakt ist, die sind musikalisch ganz knorke, zaubern ein gefälliges und talentiertes Songwriting aus dem Hut. Fakt ist aber auch, dass sie mit ihrem Können bis dato nicht weitergehen als die Horden, die dem Pfad aus grauer Vorzeit in die Moderne folgen, die Pest und Schlachten, Hunger und Tod in romantische Gewänder packen. Fazit: überraschungsarm und trotzdem gelungen! http://www.krampusfolk.com/
7/10

Tuesday, October 18, 2011

BLACK SUN AEON - Blacklight Deliverance - Cd / Cyclone Empire


BLACK SUN AEON ist das Ergebnis eines zu langen finnischen Winters und eines zur Neige gehenden Alkoholvorrates. Wer unter solchen Bedingungen allein in der Einöde festsitzt, tendiert zwangsweise zwischen Melancholie und pathologischer Depression. Nur so ist es möglich, das ein tränenüberflutetes, an Selbstmitleid krankendes Album entstanden ist, das mit schläfrigen Riffs und einem überreizten Harmonieverständnis die Klinge vertikal über den Unterarm treibt. Gebadet in Keyboards, heulenden Chören und schrecklich banalem weiblichen Gastgesängen ist das beinahe schon eine offene Bettelei zur kommerziellen Vermarktung … wenigstens partiell. Sicher gibt es für derlei mehr Fans als sie selbst zuzugeben bereit wären, zumal das Album gut strukturiert ist und auf epischer Ebene bei den Pseudoharten punkten wird. Das ist auch nicht zwingend negativ zu verstehen, aber mir und meiner subjektiven Laune geht das nun mal weit an der rektalen Sitzgelegenheit vorbei. Bei so schmerzhaft ernsthaft gemeintem Dark Metal würde ich eher einen Psychotherapeuten hinzuziehen als den Musiker mit seinen Sorgen allein zu lassen, das Album ist doch ein eindeutiger Verzweiflungsschrei nach Hilfe. Einen ganzen beschissenen Winter einsam in der Kälte zu hocken und sich von den eigenen Dämonen auffressen zu lassen ist das geistig Ungesundeste was man sich antun kann … neben Porngrindphilosophie und dem Black Metal – Schminkkasten aus dem 1 Euro Laden. Wenn der Herr Saukkonen vom Weg abgekommen sein sollte, könnte er es mal mit einer freudschen Tiefenanalyse versuchen. Vielleicht wird er dann den einen oder anderen Brocken los und kann sich darauf konzentrieren, das zu Glattgebügelte, viel zu Gefällige etwas zu beschmutzen und zu verknittern. Ich erwarte ja nicht viel, es sollte nur eben nicht gar so belanglos durch den Orbit wabern, wie es „Blacklight Deliverance“ nun mal tut. Der schartige Death Metal mit seinen simplen und effizienten Riffs, der hier früher mal auftauchte ist eine Marginalie der Musikgeschichte geworden, der Fokus liegt auf warmen, kuschligen Melodien für kalte Abende am offenen Kamin. Soll mir bloß keiner was von Wechselspiel zwischen schmusigen und harten Parts erzählen! Höchstens am individuellen Ereignishorizont schleicht noch eine düstere Gestalt vor der Tür durch den Frost, in Ermahnung dessen, was hätte sein können. Aber allein der letzte Song „Nightfall“ suggeriert was gänzlich anderes. Hast du dann keinen Sexualpartner als Verfügbarkeitsvariable und zur eigenen Handanlegung gibt die Musik keine stimulierenden Vorlagen her, kann es ganz schnell ganz bitter werden. Dann verliert sich das Opfer in Melodiebögen, schwarzen Umtrieben und weibischem Gezeter. Das kann dann schon so aufs Gemüt drücken, dass die Labilen unter uns auch mal gedankenlos auf den Abzug drücken. Wer´s riskieren will, bitte schön, an geeigneten vernebelten Melodien mangelt es nicht. Wenn mir im Winter kalt und einsam wäre, würde ich in die Sonne fliegen!
5/10

Monday, October 17, 2011

PAGANIZER - Into the Catacombs - Cd / Cyclone Empire


In einem Paralleluniversum ist Rogga Johansson ein musizierender Oktopus, der sich mittels Mitose fortpflanzt und Bikini Bottom als Solokünstler in 10 Bars gleichzeitig rockt. In unserer Welt muss er sich mit dem Status eines normalen Schweden abgeben, der zu viel Zeit in einem zu kurzen Leben hat. Aber das ist auch ein typisches Syndrom bei den Nordlichtern, wenn du auf Metal stehst, dann gehörst du auch in mindestens 2 Bands und deshalb ist jeder Metalfan Musiker und der einzige Grund dort Shows zu besuchen, ist der, die ungeliebte Konkurrenz misstrauisch zu beäugen. Der gute Rogga wird da keine Ausnahme sein, wenn er denn überhaupt dazu kommt, das miefige Studio zu verlassen. Bei der Veröffentlichungshast des Meisters sollte es niemanden wundern. Gut, hier liegt also die neue PAGANIZER und wen überrascht es schon, dass es wenig überraschend klingt. Das ist Roggas´ GRAVE Seite und da spielt er alle Karten aus, ohne das Blatt zu überreizen. Starke Songs, dicke Produktion und ein lyrischer Albtraum. In diesem werden scheinbar Thors´ Hammer und Lovecrafts´ düstere schleimige Kreaturen zusammengemischt bis der absolute Unwahrscheinlichkeitskoeffizient in seinem Quadrat an der Wurzel des Übels zieht. Ich hoffe fest, dass die nordischen Götter diesen Mythenclash mit Contenance nehmen, denn wenn deren Zorn erst mal entfesselt ist, regnet es brennende Dynamitstangen auf Gamleby. Dann helfen weder Gebete, Jungfrauen noch nacktes nächtliches Getanze um Birken auf hügligen Lichtungen. Das mag verwirrend sein, die Musik ist es weniger, denn die bleibt berechenbar. Du kriegst was du verdienst und das ist ein trockenes schwedisches Stampfballett mit tiefen Gitarren, nicht eben revolutionären Riffs, souveränem Getrommel und einem Rogga der growlt als hätte er den Mund voller heißer Kürbissuppe. Wer die vorangegangenen PAGANIZER Scheiben kennt, der weiß das das Prinzip der bleibeschwerten Kettensägenattacken unumstößlich ist, weil schwere Midtempospasmen durch Muskelfleisch zucken und der Nacken in gleichmäßigen Bewegungsrhythmen den meist oben auf sitzenden Schädel ohne größere Komplikationen bis ans Ende des Albums kreisen lässt. Eben diesen Fakt sollte der PAGANIZER Konsument zu schätzen wissen. Auch wenn die Songs dem einen oder anderen vielleicht nicht mehr das ganz große Spektakel versprechen, wenn man sich etwas vorbeugt und mal genau hinhört, dann ist das Surren der musikalischen Vorväter immer noch allgegenwärtig, die Musik immer noch punktgenau und von BOLT THROWER bis CARNAGE alles im Topf. Wer nicht den großen Wurf vorausgesetzt hat, bekommt ein weiteres, durchaus mit Überzeugungskraft, aber vor allem gewichtigem Totmetall beladenes Schlachtschiff, das auch hohem Wellengang trotzt und seinen Zielhafen in Schutt und Asche legt. „Into The Catacombs“ gehört ans Tageslicht gezerrt!
7/10

Saturday, October 15, 2011

PERVERSITY - Ablaze - Cd / Lavadome Productions


Wer ist er denn schon, der Slowake. Erst war er drauf und dran unseren schönen Traum vom Großreich Europa zu kippen, weil er seine patriotische Pflicht nicht erfüllen wollte und sich verweigerte ein paar lächerliche Milliarden zur Stabilisierung von Demokratie und Freiheit zu opfern. Nur gut, dass deren Regierung wie überall funktioniert, dass Volk für unmündig erklärt und im internen Machtkampf das Ruder Richtung Stromschnellen herum gerissen hat. Jetzt steht dem gemeinsamen Badespaß nichts mehr im Wege. Gleichzeitig aber lässt der seine Langhaarigen über die grüne Grenze und deren Absichten sind viel abartiger und geschmackloser, aber vor allem gar nicht so leicht zu ergründen. PERVERSITY zum Beispiel, die kämen quasi Undercover in die Kernzone von Recht und Anstand, wären sie so schlau gewesen, den Namen etwas zu verifizieren. Label, Design und Besetzung tauschen sie ja wie die östlichen EU Nachbarn frisch umgelagerte Autoteile. Mit „Ablaze“ startet ein neuer Versuch, dem unvorbereiteten Heavy Metal Fan teuflisches Textwerk rückwärtig unterzuschieben und somit die Stabilität unserer Jugend zu gefährden. Mit diesem fiesen Gift in den Adern wollen die morgens nicht mehr zur Arbeit und abends nicht mehr für die Oma einkaufen. Dann gammeln die den ganzen Tag nur herum, trinken Alkohol, rauchen und haben ungeschützten Sex mit Tieren. Das käme einem Werteverfall gleich, der unser System in seinen Grundfesten erschüttern würde. Auf diesem Wege hätte der Slowake dann doch noch der alten Tante Europa, quasi von hinten einen verbraten. Gut, das ist rein spekulativ, es ist durchaus auch möglich, dass PERVERSITY einfach nur Musik machen wollen, ganz ohne perfide Absichten, lediglich um der Sache willen. So betrachtet ließe ich mich auch überzeugen, das Album zu empfehlen, immer vorausgesetzt mich nicht zum Handlanger dubioser Subjekte mit unlauterem Animus zu machen. PERVERSITY stehen weiter für amerikanischen Ostküstentod, was den Zugang für unsere Jugend zu ihrer Musik einfach macht. SUFFOCATION, IMMOLATION und ähnliches sind die Säulen des perversen Schaffens, meistens schreddert uns gesund technischer Gaspedalmetal an die Backe, es geht aber auch genauso gut zäh und morbide. Manchmal mag es etwas schartig und ungeschliffen wirken, aber bei einer Band die auf solche Weise die alte Schule bedient, ist das Absicht. Anerkennenswert auch, dass sie ihre Songs nicht einfach hintereinander wegtrümmern, sonder das eine oder andere Interlude zulassen, ob es nun sägendes Gitarrenwerk ist oder das Piano aus der Friedhofskapelle, spielt eine untergeordnete Rolle, wichtig ist Kreativität. Schon der Beginn des Albums mit seiner breiten Bassspur, hat einen extra Coolness – Punkt verdient. PERVERSITY ist mit ihrer Nummer 4 ein wuchtiges Stück Blei in den Ausguss gefallen, das es lohnt durch dunkle, feuchte Kanäle in den Rest der Welt gespült zu werden. Und ehrlich gesagt, Scheiß auf Destabilisierung!
8/10

Thursday, October 13, 2011

SLASH DEMENTIA - Race Against The Machine - Cd


Den Bandnamen hat das finnische Chaosquartett offensichtlich bei CARCASS und ihrer legendären Schlachtplatte „Symphonies Of Sickness“ entliehen. Der Albumtitel selbst weist auf eine Band ganz anderer Kleidergröße hin. Musikalisch tendiert der Vierer eher zu ersteren, wenn auch rudimentär. Denn das erwähnte Chaos findet statt, ohne plakativ mit menschlicher Anatomie und deren korrekter altgriechischer Terminologie zu protzen. SLASH DEMENTIA ist stubenreiner Grindcore und Punk mit nötiger „Celeritas“. Lediglich das Intro lenkt die Erwartungshaltung in eine gänzlich falsche Richtung. Alles andere ist ein wirkliches „Cupidos“ Geschoß, zielsicher platziert. Wohl aber eher nicht um Herzen zu brechen sondern Nacken und Schädelkarlotte. Marginal auftauchende, groovige Akkorde Riffs werden im Handumdrehen an die Wand genagelt und zerplatzen im kakophonischen Duell von Gesang und Schlagzeug. Gitarre und Bass sind schön weit unten und sollten auch da bleiben um den Druck aufrecht zu erhalten und den Kessel nicht abkühlen zu lassen! SLASH DEMENTIA wäre der optimale Soundtrack für den nächsten CRANK Streifen, diesmal würde sogar Jason Statham endgültig die Puste ausgehen. Da kann der sich von mir aus einen Atommeiler in seinen Arsch schieben und ein ganzes nymphomanisches Cheerleaderballett in aller Öffentlichkeit begatten, auf den Schwingen einer Boeing reiten, tausend Feinde mit seinem irren Blick paralysieren und experimentelle Drogen schlucken, wie andere Kartoffelchips, seine Begleitmusik würde ihm trotzdem den Gar ausmachen! So viel rohes Gebretter mit Bleifuß über ungepflasterte Straßen setzt viel zu viel Adrenalin frei, als dass irgendein Drehbuchspinner seinen Protagonisten da heil wieder raus schreiben könnte. Die 4 Musiker sägen ohne Unterlass am Erbe lebender und toter Grindinstitutionen, NASUM, ROTTEN SOUND… sowie Crustpunx der ersten Generation… DISRUPT, SKITSYSTEM, DROPDEAD. Primitive und effiziente Krawallunterhaltung gehobenen Geschmacksspektrums, so was kann man nicht links liegen lassen. Schön zu hören auch, dass der gute Opa Rock´n Roll immer noch die zentrale Feste auch dieser Band ist, rockt doch „Rabies Babies“ mit markanten Hooks, ansatzweise wie MALIGNANT TUMOUR, nur ohne komödiantisches Talent. Für den Song und auch die meisten anderen reichen 3 Akkorde völlig aus, um zumindest Punktsieger beim Radaukontest im Domus Insanus zu werden. Bei so viel Aggression hält die beste Zwangsjacke nicht und jegliche Psychopharmaka verstärken die wutsteigernde Raserei nur noch. Solltet ihr euch also ab und an unwohl fühlen und der „gelbe Laufzettel – Verteiler“ deckt euch mit verschreibungspflichtigen Smarties ein, dann verzichtet zu eurem eigenen Wohl auf den Konsum dieser Scheibe. Solltet ihr jedoch gern gutgemeinte Warnungen in den Wind schlagen, könnt ihr das Album legal von meiner Downloadseite ziehen … oder irgendwo anders, ist von der Band so gewollt. http://www.myspace.com/slashdementiagrind
7/10

Monday, October 10, 2011

ACHREN - The Forgotten King - Cd / Ceol Dorchas Productions


Die Musik von ACHREN ist nicht wirklich spektakulär, sondern wohl eher ein bodenständiges Konglomerat aus Death/Thrash und Black Metal mit mittlerer Pace und düster melodischen Arrangements. Dass die Band nach was weiß ich wie vielen Jahren und diversen, Demos, Singles und Ep´s jetzt erst mit einem vollen Album winkt, spricht auch nicht zwingend für eine Truppe, die von der Muse geküsst wurde. Trotzdem ist das Ergebnis, auch wenn es etwas bieder und doch recht gewöhnlich klingt, nicht das schlechteste. Dafür muss man es aber lieben, eine stumpfe Axt durch Fleisch und Knochen zu treiben. Und das auf eine völlig unprätentiöse, schnörkellose Art, direkt ins Mark. ACHREN setzten sehr auf den Old School Gedanken, der Gesang ist eine Mixtur aus Screams und Growls, Schlagzeug etwas monoton und die Gitarre sägt etwas altbackene aber funktionelle Riffs. Alles in allem ist das Songwriting stimmig, lässt aber auch den nötigen Ausbruch aus dem zu geraden Gleisbett vermissen. Die besonderen Stärken von „The Forgotten King“ liegen in den melodiösen Abschnitten, die die schartige Monotonie sehr gut auflockern. Da weiß dann ein Song wie „Manuel´s Mile“ durchaus zu überzeugen. Jener bewegt sich in seiner Grundidee im Schatten schwarzmertallischer Versuchungen, glänzt aber mit immer wechselnder Leadgitarre durch eben jene melodischen Farbtupfer im sonstigen Höllensud. Das Wechselgebell der Mikrofonköter ist dabei auch etwas mehr als nur passendes Beiwerk. „Darkest Day“ hingegen finde ich über seine Gesamtspielzeit wieder recht langweilig, denn hier dreht sich die melodiöse Grundidee zu oft um sich selbst. Generell nimmt das Album in seinem Verlauf etwas an Fahrt zu, verdrängt die Death Metal Anteile zwar, macht den Rest aber zu einem fies schwärenden Nieten und Feuer Spektakulum. ACHREN gelingt es nach verhaltenem Start die Hunde, nun nicht gleich von der Kette zu lassen, aber den stählernen Leinengurt der Bestien um einiges zu verlängern. Der Radius der schottischen Zerberusse vergrößert sich und lässt ihre Fänge effektiver und weiter gefächert zuschnappen. Auch wenn ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Fan dieser musikalischen Blasphemie werde, zolle ich den Umtrieben der gälischen Bastarde doch meinen Respekt. Respekt für Standhaftigkeit und den ungetrübten Glauben, dass Metal immer noch für Individualismus steht. „The Forgotten King“ ist kein wirklich überraschendes, aber sehr souveränes und ehrliches Werk, eines, das den Schwingen des Krieges mit ihrer kreischenden E – Gitarre folgt, von den Kadavern der Gefallenen lebt, aber nicht zwingend in erster Reihe am Blutvergießen beteiligt sein muss. Ihr steht auf straffes aber unaufdringliches Riffgeschmetter, klassische Solis, nackenfreundliches Tempo und eine gehörige Portion echter Metal Essenz, dann passen ACHREN in die Lücke eures Cd Regals. Wenn ihr aber modernen Frischluftmetal sucht, dann lasst es.
6/10

Sunday, October 9, 2011

MYTHOLOGICAL COLD TOWERS - Immemorial - Cd / Cyclone Empire


Wer hätte geglaubt, dass es in Brasilien kalt, nass und windig ist, dass der Himmel voller Geigen hängt und Rasiermesser zur Schlafzimmerausstattung gehören. MYTHOLOGICAL COLD TOWERS stellen meine Erwartungshaltung in punkto südamerikanischen Metal völlig auf den Kopf und ich weiß nicht, ob ich das verzeihen kann. Das musikalische Konzept der Band beschränkt sich auf valiumgetränkte Songs, die hauptsächlich vom Keyboard im Wechselspiel mit der Leadgitarre getragen werden. Dieses geschieht zugegeben geschickt und absolut harmonisch … wenn’s denn im Metal Harmonien braucht. Der Rest ist scheinbar nur nötiges Beiwerk und herzlich ereignislos bis langweilig, selbst wenn die Musiker mit großer Sicherheit genau wissen, was sie da machen. Umso schlimmer eigentlich. Der Schlagzeuger steht bei dem stets gedrosselten Tempo kaum vor einer ernstzunehmenden Herausforderung. Rhythmusgitarre gibt es auch, schrammelnd im Hintergrund auf schwarze Ungereimtheiten fest getackert. Na und der Sänger wäre problemlos gegen eine Dicke mit Sopran auszutauschen. Der Unterschied würde die Musik nicht beeinflussen, ob da nun ein Bärtiger? mitleiderregend growlt oder eine füllige Diva Arien schmettert, was macht das schon. Das Songwriting bliebe in diesem Falle völlig unbeeindruckt. Selbiges soll übrigens gruselig und episch sein, kickt aber allerhöchstens den Kopf zum Schlafen in den Nacken. Lediglich bei „Like An Ode Forged In Immemorial Eras“ blitzt mal ein tiefgelegtes Riff durch, dass in der Lage ist, über längere Zeit dominant zu erscheinen. Die morbid melodische Note, auf der der Fokus des Albums liegt, hat bestimmt ihre Reize, aber das allein bringt den Vulkan nicht zum spucken, da schwingt zu viel Tristes mit. Den Keyboarder würde ich bei Vangelis in die Lehre schicken, der hat Potential, der Metal der Band hingegen nur bedingt. MYTHOLOGICAL COLD TOWERS und ihre Version von Doom und Verzweiflung mag eingefleischten Experten im Knüpfen von Henkersknoten, Schärfen von Klingen und Mixen dubioser Cocktails gut zu passe kommen, wenn die Ausführung mal wieder in die Hose gegangen ist. Dem lebensfrohen Bier und Frauen/Männer/Sauerstoff Konsument ist das jedoch mit Sicherheit zu speziell. Genau genommen passiert nämlich nicht viel, was von einer Doom Band auch zu erwarten ist, da dreht sich eben alles um Depression und gefühltes europäisches Novemberwetter. Wenn ich die Dreckswitterung, die uns sicher noch bevor steht, beschreiben sollte, dann passt die Band gut ins Raster der Möglichkeiten, aber ich will gar nicht an Kälte, Sturm und grippalen Infekt denken, und mir die Laune verhageln lassen. Wer bei MY DYING BRIDE und ähnlichem immer noch nicht gestorben ist, der wird mit dem wohl 4. Album der Brasilianer ganz gut fahren … im Bummelzug durch stockfinstere Nacht auf direktem Weg behäbig in die Hölle! Für die Totgeweihten unter euch verschenke ich selbstlos 5 Punkte.
5/10

Friday, October 7, 2011

NILE - Worship The Animal - Cd / Goomba Music


Sensationelles hat das Licht des Tages erblickt! Gefördert von der Karl Sanders Stiftung hat der Meister im ägyptischen Tal der Könige nach seinen eigenen musikalischen Gebeinen suchen lassen. Im Grab des legendären Pharaonendoubles „Tutabergarnichts“ wurden längst verschollene und nie veröffentlichte Aufnahmen gefunden, die die Geschichte von NILE in ein ganz anderes Licht rücken. Diese stammen quasi aus der prähistorischen Epoche einer Band, die ihre eigene Version antiker Ägyptologie mit Blast und Growls überzogen hat. Das geschichtsträchtige Vermächtnis, geschaffen in Originalbesetzung (…irgendwie logisch), stammt aus dem Jahre 1994. Darauf sind nach aufwendigen Restaurationsarbeiten 5 Stücke zu hören, die schon vermuten lassen, wohin NILE eines Tages seine Feldzüge lenken werden. Das alles geschieht aber noch völlig ohne den bekannten Geschwindigkeitsrausch und vor allem fast ohne markerschütternde Growls. Dafür bauen sich Festungsmauern aus Gitarrenwänden auf, die so dick sind, dass nicht mal die Perser mit ihren größten Armeen deren Türme zum wackeln bringen würden. Dieses frühe Kulturgut profitiert von seiner beinahe zähen Unumstößlichkeit und der Schwere seiner wuchtigen Riffs. Das Schlagzeug hat aber schon alles von der kultigen Verzücktheit späterer Stücke. Die Gier nach Blutvergießen im nordafrikanischen Wüstensand, menschenfressenden Dämonen und schauriger Mythologie sind allerorts präsent, nur eben in einer ungewohnten Pace, und Gesang, der eher an eine US Thrash Band erinnert, als an die teuflischen Intonierung späterer Epochen. Stellt sich nur die Frage, warum das nicht schon erschienen ist, als es seinerzeit im Kasten war? Ist da möglicherweise was faul, glaubt jemand an den Fluch, der so manchen Sandbuddler dahingerafft hat? Welches dunkle Geheimnis verbirgt die Mumie des „Tutabergarnichts“? Darüber wird man uns wahrscheinlich immer im dunklen tappen lassen, das Licht der Moderne wird nicht bis in die schwärzesten Winkel der Vergangenheit reichen. Solange wir uns aber an den Ergebnissen der Grabung erfreuen können und der Meister selbst uns an seiner ersten Schöpfung teilhaben lässt, nehmen wir gern das Risiko hin, den finalen Ruf aus altägyptischen Nekropolen zu empfangen.
Kritischere Geister könnten sich andererseits fragen, was der Rummel soll und ob da nicht bloß wieder eine Lücke geschlossen wird, bis ein neues Album kommt und der Geduldsfaden der schmachtenden Massen reißt? Denn wie kann man etwas als „“The Lost Recordings“ deklarieren, das gerade mal 17 Jahre alt ist. So was kann doch nicht verloren gehen, so was verbummelt man, oder schmeißt es gar selbst weg, in der Hoffnung, dass es die Hunde fressen. Ich persönlich bevorzuge die positive Version der Geschichte, da ich meine eigene Realität zum Schutz vor äußeren Einwirkungen, gern in die Welt der Imagination rette.
8/10

Wednesday, October 5, 2011

HEMOPTYSIS - “Misantropic Slaughter” - Cd / Rock It Up


Herausstechendes Merkmal bei HEMOPTYSIS ist trotz aller Presseschleckerei; die unbedingte musikalische Nähe zu ARCH ENEMY. Das bezieht sich sowohl auf schmetternden Headbangerstoff als auch auf episches Breitwandkino für die Ohren. Hinzu kommen Querverweise zu teutonischen Thrash Kapellen wie DESTRUCTION, KREATOR, DELIRIUM TREMENS und der Wille eigentlich eine Heavy Metal Band sein zu wollen. Mit dem fremdgeschnürten Paket macht sich die Band aus Arizona ganz ohne Vertrag auf die Reise, und ehrlich gesagt ist das Ränzelein mit solch schwerem Gepäck mehr als beachtlich straff geschnürt. Die Musikusse werden als der unerbittliche Fluch der Sonora Wüste bezeichnet. Was bitte soll das bedeuten? Womit kann man schon eine Wüste verfluchen? Mit Wasser, Sonnenverbot, genormter Körnchengröße? Naja gut, zumindest lassen sie die brennende, lebensfeindliche Hitze ihrer heimatlichen Wüste hinter sich und bauen auf einen Sound, der wenig mit Sand und Dürre zu tun hat, vielmehr die Rasanz deutscher Autobahnen besitzt und somit völlig unamerikanisch klingt. Hat da etwa jemand sein patriotisches Sippenerbe zugunsten europäischer Gewaltenteilung verraten? Scheint ganz so. HEMOPTYSIS haben das Album, wenn ich das richtig verstanden habe, in der Heimat selbst aus Sand und Stahl gegossen und werden allerorts als eine der momentan besten diktatlosen Bands (ohne Vertrag) gefeiert. Bei uns werden sie via „Rock It Up Records“ vertrieben. Natürlich nicht im Sinne von „Haut ab“, sondern „Kommt her“. Die Medien tragen sie mit bevorstehender Heiligkeit auf Händen und das wird die gierenden Horden von Labeln nicht mehr lange abhalten, die Jungfräulichkeit von 4 ambitionierten Musikern mit Stumpf und Stiel zu verschlingen. Bis dahin erfreuen wir uns noch an „Misantropic Slaughter“, seinem Tempo, seinem musikalischem Level, seiner Blauäugigkeit und seiner Vielschichtigkeit. Wir lassen uns von echten Metal Stücken beeindrucken (Shadow Of Death, Impending Doom), uns von wahren Thrash Granaten die Extremitäten wegschreddern ( The Cycle – einer der besten Songs des Albums mit Mörderdrums) oder uns einen echten Wurm ins Ohr setzen ( M.O.D.) und uns von schartigen Riffs ins Fleisch sägen ( And The World Dies). Das Gespann Amott / Gossow hätten vielleicht nicht so viel Spaß daran, da sie viel von sich selbst wiedererkennen würden, aber uns sollte das nicht scheren. HEMOPTYSIS klingen frisch und modern, und kriegen es irgendwie hin ihre Wurzeln von Staub und Dreck zu befreien. Freut euch auf ein messerscharfes Album, das aufgrund seiner populären Ausrichtung einiges an Staub aufwirbeln könnte, wenn es denn in die richtigen/falschen Hände gelangt. Die immense Musikalität der Wüstensöhne bleibt trotz dessen unangetastet, das unbestrittene Talent das akustische Komma an die richtige Stelle zu setzen ist schon beeindruckend. Hier bauen sich Musiker auf, die wirklich was können.
9/10