Tuesday, October 18, 2011

BLACK SUN AEON - Blacklight Deliverance - Cd / Cyclone Empire


BLACK SUN AEON ist das Ergebnis eines zu langen finnischen Winters und eines zur Neige gehenden Alkoholvorrates. Wer unter solchen Bedingungen allein in der Einöde festsitzt, tendiert zwangsweise zwischen Melancholie und pathologischer Depression. Nur so ist es möglich, das ein tränenüberflutetes, an Selbstmitleid krankendes Album entstanden ist, das mit schläfrigen Riffs und einem überreizten Harmonieverständnis die Klinge vertikal über den Unterarm treibt. Gebadet in Keyboards, heulenden Chören und schrecklich banalem weiblichen Gastgesängen ist das beinahe schon eine offene Bettelei zur kommerziellen Vermarktung … wenigstens partiell. Sicher gibt es für derlei mehr Fans als sie selbst zuzugeben bereit wären, zumal das Album gut strukturiert ist und auf epischer Ebene bei den Pseudoharten punkten wird. Das ist auch nicht zwingend negativ zu verstehen, aber mir und meiner subjektiven Laune geht das nun mal weit an der rektalen Sitzgelegenheit vorbei. Bei so schmerzhaft ernsthaft gemeintem Dark Metal würde ich eher einen Psychotherapeuten hinzuziehen als den Musiker mit seinen Sorgen allein zu lassen, das Album ist doch ein eindeutiger Verzweiflungsschrei nach Hilfe. Einen ganzen beschissenen Winter einsam in der Kälte zu hocken und sich von den eigenen Dämonen auffressen zu lassen ist das geistig Ungesundeste was man sich antun kann … neben Porngrindphilosophie und dem Black Metal – Schminkkasten aus dem 1 Euro Laden. Wenn der Herr Saukkonen vom Weg abgekommen sein sollte, könnte er es mal mit einer freudschen Tiefenanalyse versuchen. Vielleicht wird er dann den einen oder anderen Brocken los und kann sich darauf konzentrieren, das zu Glattgebügelte, viel zu Gefällige etwas zu beschmutzen und zu verknittern. Ich erwarte ja nicht viel, es sollte nur eben nicht gar so belanglos durch den Orbit wabern, wie es „Blacklight Deliverance“ nun mal tut. Der schartige Death Metal mit seinen simplen und effizienten Riffs, der hier früher mal auftauchte ist eine Marginalie der Musikgeschichte geworden, der Fokus liegt auf warmen, kuschligen Melodien für kalte Abende am offenen Kamin. Soll mir bloß keiner was von Wechselspiel zwischen schmusigen und harten Parts erzählen! Höchstens am individuellen Ereignishorizont schleicht noch eine düstere Gestalt vor der Tür durch den Frost, in Ermahnung dessen, was hätte sein können. Aber allein der letzte Song „Nightfall“ suggeriert was gänzlich anderes. Hast du dann keinen Sexualpartner als Verfügbarkeitsvariable und zur eigenen Handanlegung gibt die Musik keine stimulierenden Vorlagen her, kann es ganz schnell ganz bitter werden. Dann verliert sich das Opfer in Melodiebögen, schwarzen Umtrieben und weibischem Gezeter. Das kann dann schon so aufs Gemüt drücken, dass die Labilen unter uns auch mal gedankenlos auf den Abzug drücken. Wer´s riskieren will, bitte schön, an geeigneten vernebelten Melodien mangelt es nicht. Wenn mir im Winter kalt und einsam wäre, würde ich in die Sonne fliegen!
5/10

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