Friday, October 28, 2011

FUNERUS - Reduced To Sludge - Cd / Ibex Moon


Was Hausmusik angeht, hat so mancher Erwachsener das Trauma seiner Kindheit bis dato nicht bewältigt. So wie es Familie Beimer aus der Blindenstraße vormachte, saßen zahllose kleine und große, mehr oder weniger totalitäre Sippenverbände im heimeligen Wohntempel und huldigten dem Gott von Friede, Freude, Eierkuchen mit Wandergitarre und Flöte. Auch der gemeine Amerikaner kennt dieses pädagogisch wertlose Phänomen. Aber es geht auch anders, zum Beispiel bei den McEntees´. Deren Version interner Clantreffen heißt FUNERUS und verspricht ganz sicher keine wohlige Beschaulichkeit bei Kerzenschein und Kräutertee. Die verbreiten ganz im Gegenteil ungefilterte Bösartigkeit alter Schule vom neuen Kontinent. Diese ist nicht nur trocken wie wochenalter Sandkuchen, der hinter der Anrichte sein Dasein zerkrümelt, sondern partiell so behäbig, dass deren Morbidität nicht zu übertreffen scheint. Ich fühle mich mit solcher Musik nur bestätigt, bedeutet sie doch, dass man aus sehr wenig ungemein viel machen kann, wenn man es schafft, seine Vorstellungskraft auch nur leicht über das geistige Niveau eines fressenden Faultiers zu erheben. FUNERUS walzt eine dermaßen undurchdringliche Metal – Kriegsmaschinerie über die feindlichen Linien, dass sie trotz des oft zähen Tempos, bei dem sich der hinterher ziehende Landser die Schuhe von einem Igel zubinden lassen kann, nicht aufzuhalten ist, so schwergewichtig und stählern bewegt sich der Koloss. Der doomige Tross ist da oft nicht mehr weit zurück. Die Gegenpartei hat da wenig Optionen, entweder legt sie den Kopf mit einem Halleluja unter die Ketten des Panzers und wartet auf das plopp, oder sie flieht in die gierigen Fänge wesentlich kommerziellerer Menschenfallen. Ich meinerseits bin für das mit dem Kopf! Sobald man sich nämlich dem Schicksal von rotgrauem Brei ergeben hat, finden sich Elemente von Bands wie OBITUARY über BOLT THROWER bis hin zu GRAVE und WINTER. Obwohl letztere sogar für FUNERUS Verhältnisse wohl zu viel Schlamm und Dreck an den Stiefeln haben. Aus dieser Kombination entwickelt sich jedenfalls etwas, dass umgangssprachlich als pandemisches Streunen bezeichnet wird. Wenn das dick verbleite Album im November auf den Markt kommt, werdet ihr verstehen was damit gemeint ist. Das Grauen kriecht unaufhaltsam wie Bauernaroma oder der Gestank von Kotze an den Fingern ins Hirn und hängt sich dort ein, verbreitet seine infektiöse Botschaft. Selbst wenn die Scheibe dann schon seit Wochen im Regal ein ungeliebtes Dasein fristen wird, wütet deren infektiöser Nachhall weiter. Wenn ihr denn für diese Art Keim, dem sogenannten „Primitvia Effektivus“ anfällig seid, dann trefft keine Vorsichtsmaßnahmen und fragt nicht euren Apothekenklaus, entspannt eure Neuronen und genießt Tod und Verwüstung in vollen Zügen! Zudem garantiert Dr. Swanö für die unbedingte Wirkung des Produkts, hat er hinter den Reglern deren Aggressivität, quasi im Laborversuch, getestet und optimiert. Den Verkauf würde ich aber nur in Behältern für biologische und chemische Gefahrenstoffe erlauben, dann kommt die Lieferung wahrscheinlich mit dem Castor zu euch nach Hause. Denn dass ihr „Reduced To Sludge“ ordern müsst, steht doch wohl außer Frage!
9/10

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