Wednesday, October 5, 2011

HEMOPTYSIS - “Misantropic Slaughter” - Cd / Rock It Up


Herausstechendes Merkmal bei HEMOPTYSIS ist trotz aller Presseschleckerei; die unbedingte musikalische Nähe zu ARCH ENEMY. Das bezieht sich sowohl auf schmetternden Headbangerstoff als auch auf episches Breitwandkino für die Ohren. Hinzu kommen Querverweise zu teutonischen Thrash Kapellen wie DESTRUCTION, KREATOR, DELIRIUM TREMENS und der Wille eigentlich eine Heavy Metal Band sein zu wollen. Mit dem fremdgeschnürten Paket macht sich die Band aus Arizona ganz ohne Vertrag auf die Reise, und ehrlich gesagt ist das Ränzelein mit solch schwerem Gepäck mehr als beachtlich straff geschnürt. Die Musikusse werden als der unerbittliche Fluch der Sonora Wüste bezeichnet. Was bitte soll das bedeuten? Womit kann man schon eine Wüste verfluchen? Mit Wasser, Sonnenverbot, genormter Körnchengröße? Naja gut, zumindest lassen sie die brennende, lebensfeindliche Hitze ihrer heimatlichen Wüste hinter sich und bauen auf einen Sound, der wenig mit Sand und Dürre zu tun hat, vielmehr die Rasanz deutscher Autobahnen besitzt und somit völlig unamerikanisch klingt. Hat da etwa jemand sein patriotisches Sippenerbe zugunsten europäischer Gewaltenteilung verraten? Scheint ganz so. HEMOPTYSIS haben das Album, wenn ich das richtig verstanden habe, in der Heimat selbst aus Sand und Stahl gegossen und werden allerorts als eine der momentan besten diktatlosen Bands (ohne Vertrag) gefeiert. Bei uns werden sie via „Rock It Up Records“ vertrieben. Natürlich nicht im Sinne von „Haut ab“, sondern „Kommt her“. Die Medien tragen sie mit bevorstehender Heiligkeit auf Händen und das wird die gierenden Horden von Labeln nicht mehr lange abhalten, die Jungfräulichkeit von 4 ambitionierten Musikern mit Stumpf und Stiel zu verschlingen. Bis dahin erfreuen wir uns noch an „Misantropic Slaughter“, seinem Tempo, seinem musikalischem Level, seiner Blauäugigkeit und seiner Vielschichtigkeit. Wir lassen uns von echten Metal Stücken beeindrucken (Shadow Of Death, Impending Doom), uns von wahren Thrash Granaten die Extremitäten wegschreddern ( The Cycle – einer der besten Songs des Albums mit Mörderdrums) oder uns einen echten Wurm ins Ohr setzen ( M.O.D.) und uns von schartigen Riffs ins Fleisch sägen ( And The World Dies). Das Gespann Amott / Gossow hätten vielleicht nicht so viel Spaß daran, da sie viel von sich selbst wiedererkennen würden, aber uns sollte das nicht scheren. HEMOPTYSIS klingen frisch und modern, und kriegen es irgendwie hin ihre Wurzeln von Staub und Dreck zu befreien. Freut euch auf ein messerscharfes Album, das aufgrund seiner populären Ausrichtung einiges an Staub aufwirbeln könnte, wenn es denn in die richtigen/falschen Hände gelangt. Die immense Musikalität der Wüstensöhne bleibt trotz dessen unangetastet, das unbestrittene Talent das akustische Komma an die richtige Stelle zu setzen ist schon beeindruckend. Hier bauen sich Musiker auf, die wirklich was können.
9/10

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