Thursday, October 20, 2011

KRAMPUS - Kronos Heritage – Mcd / Eigenproduktion


KRAMPUS sind 8 kleine Italiener, die sich grunzend und kreischend, ja gar singend hinter den Alpen verschanzt haben und ihr Bedürfnis nach mediävalem Frohsinn laut in die Welt krakeelen. Dabei folgen sie dem breiten Pfad felltragender, metsaufender, langhaariger Metal – Barden von ELUVEITIE bis FINTROLL. Ganz in dieser Tradition feuern sie im Hintergrund flotte Gitarrensalven über den Schlachtenacker, dominiert wird die Musik aber von mannigfaltig erklingenden Vokalen und Flöten, Dudelsäcken, Geigen, all dem zu erwartenden Zinnober eben. Wenn man sich darauf einlässt, kann das sogar Spaß machen, denn an der Musikalität der Recken aus den Olivenhainen ist überhaupt nicht zu zweifeln. Andererseits muss der Chose wahrscheinlich auch eine dicke Scheibe Individualität abgesprochen werden. Denn genau genommen unterscheiden sie sich nicht von den früher dagewesenen und ergo populäreren Acts. Eine schlechtere Band macht das aus den Brüdern (und Schwester) sicher auch nicht, höchstens etwas farblos mit leichter Blässe. Was mir jedoch auf die Pille geht, ist der cleane Gesang beim ersten Stück, der hat mich eiskalt beim pinkeln erwischt, das klingt so grauenhaft weichgespült, dass mein Mittelstrahlurin die vorgegebene Flussrichtung verweigert hat. Der Rest kann sich bedenkenlos auf die Völkerwanderung begeben(nicht der Urin!), mit seinem Gepäck die Alpen überqueren und neue Siedlungsgebiete erschließen. Manchmal werden sie freundlich aufgenommen werden, manchmal aber auch die Schwerter ziehen müssen um, wenigstens metaphorisch, warmes, rotes Blut zu vergießen. Es wird nicht lange dauern, vorausgesetzt ein Teil der metallischen Welt behält sein, mir irgendwie schleierhaftes, Bedürfnis nach Harmonie, Mystik und Geschichtsverklärung bei, und die Band drängelt sich mit ihrer stattlichen Besetzung auch auf unseren Bühnen. Die kippen dann ihr komplettes Pseudo – Mittelalter vor unsere Füße, machen uns weis, dass Dudelsäcke und Pfeifen dämonisch sind und die Sucht nach melodiösem Orgasmen, eine vom Teufel geschickte Wollust ist, der man unbedingt folge zu leisten hat! Aber von mir aus, da sich dieser Ableger des Metal gut vermarkten lässt, zweifle ich nicht am kommenden Erfolg, und gönne es der Band natürlich auch. Vielleicht, wenn sie ihr erstes komplettes Album schreiben, erweitern sie ihr Spektrum auch, dass mit diesen nur 3 Songs der Ep kaum ausgereizt sein sollte. Also, Fakt ist, die sind musikalisch ganz knorke, zaubern ein gefälliges und talentiertes Songwriting aus dem Hut. Fakt ist aber auch, dass sie mit ihrem Können bis dato nicht weitergehen als die Horden, die dem Pfad aus grauer Vorzeit in die Moderne folgen, die Pest und Schlachten, Hunger und Tod in romantische Gewänder packen. Fazit: überraschungsarm und trotzdem gelungen! http://www.krampusfolk.com/
7/10

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