Sunday, October 9, 2011

MYTHOLOGICAL COLD TOWERS - Immemorial - Cd / Cyclone Empire


Wer hätte geglaubt, dass es in Brasilien kalt, nass und windig ist, dass der Himmel voller Geigen hängt und Rasiermesser zur Schlafzimmerausstattung gehören. MYTHOLOGICAL COLD TOWERS stellen meine Erwartungshaltung in punkto südamerikanischen Metal völlig auf den Kopf und ich weiß nicht, ob ich das verzeihen kann. Das musikalische Konzept der Band beschränkt sich auf valiumgetränkte Songs, die hauptsächlich vom Keyboard im Wechselspiel mit der Leadgitarre getragen werden. Dieses geschieht zugegeben geschickt und absolut harmonisch … wenn’s denn im Metal Harmonien braucht. Der Rest ist scheinbar nur nötiges Beiwerk und herzlich ereignislos bis langweilig, selbst wenn die Musiker mit großer Sicherheit genau wissen, was sie da machen. Umso schlimmer eigentlich. Der Schlagzeuger steht bei dem stets gedrosselten Tempo kaum vor einer ernstzunehmenden Herausforderung. Rhythmusgitarre gibt es auch, schrammelnd im Hintergrund auf schwarze Ungereimtheiten fest getackert. Na und der Sänger wäre problemlos gegen eine Dicke mit Sopran auszutauschen. Der Unterschied würde die Musik nicht beeinflussen, ob da nun ein Bärtiger? mitleiderregend growlt oder eine füllige Diva Arien schmettert, was macht das schon. Das Songwriting bliebe in diesem Falle völlig unbeeindruckt. Selbiges soll übrigens gruselig und episch sein, kickt aber allerhöchstens den Kopf zum Schlafen in den Nacken. Lediglich bei „Like An Ode Forged In Immemorial Eras“ blitzt mal ein tiefgelegtes Riff durch, dass in der Lage ist, über längere Zeit dominant zu erscheinen. Die morbid melodische Note, auf der der Fokus des Albums liegt, hat bestimmt ihre Reize, aber das allein bringt den Vulkan nicht zum spucken, da schwingt zu viel Tristes mit. Den Keyboarder würde ich bei Vangelis in die Lehre schicken, der hat Potential, der Metal der Band hingegen nur bedingt. MYTHOLOGICAL COLD TOWERS und ihre Version von Doom und Verzweiflung mag eingefleischten Experten im Knüpfen von Henkersknoten, Schärfen von Klingen und Mixen dubioser Cocktails gut zu passe kommen, wenn die Ausführung mal wieder in die Hose gegangen ist. Dem lebensfrohen Bier und Frauen/Männer/Sauerstoff Konsument ist das jedoch mit Sicherheit zu speziell. Genau genommen passiert nämlich nicht viel, was von einer Doom Band auch zu erwarten ist, da dreht sich eben alles um Depression und gefühltes europäisches Novemberwetter. Wenn ich die Dreckswitterung, die uns sicher noch bevor steht, beschreiben sollte, dann passt die Band gut ins Raster der Möglichkeiten, aber ich will gar nicht an Kälte, Sturm und grippalen Infekt denken, und mir die Laune verhageln lassen. Wer bei MY DYING BRIDE und ähnlichem immer noch nicht gestorben ist, der wird mit dem wohl 4. Album der Brasilianer ganz gut fahren … im Bummelzug durch stockfinstere Nacht auf direktem Weg behäbig in die Hölle! Für die Totgeweihten unter euch verschenke ich selbstlos 5 Punkte.
5/10

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