Friday, October 7, 2011

NILE - Worship The Animal - Cd / Goomba Music


Sensationelles hat das Licht des Tages erblickt! Gefördert von der Karl Sanders Stiftung hat der Meister im ägyptischen Tal der Könige nach seinen eigenen musikalischen Gebeinen suchen lassen. Im Grab des legendären Pharaonendoubles „Tutabergarnichts“ wurden längst verschollene und nie veröffentlichte Aufnahmen gefunden, die die Geschichte von NILE in ein ganz anderes Licht rücken. Diese stammen quasi aus der prähistorischen Epoche einer Band, die ihre eigene Version antiker Ägyptologie mit Blast und Growls überzogen hat. Das geschichtsträchtige Vermächtnis, geschaffen in Originalbesetzung (…irgendwie logisch), stammt aus dem Jahre 1994. Darauf sind nach aufwendigen Restaurationsarbeiten 5 Stücke zu hören, die schon vermuten lassen, wohin NILE eines Tages seine Feldzüge lenken werden. Das alles geschieht aber noch völlig ohne den bekannten Geschwindigkeitsrausch und vor allem fast ohne markerschütternde Growls. Dafür bauen sich Festungsmauern aus Gitarrenwänden auf, die so dick sind, dass nicht mal die Perser mit ihren größten Armeen deren Türme zum wackeln bringen würden. Dieses frühe Kulturgut profitiert von seiner beinahe zähen Unumstößlichkeit und der Schwere seiner wuchtigen Riffs. Das Schlagzeug hat aber schon alles von der kultigen Verzücktheit späterer Stücke. Die Gier nach Blutvergießen im nordafrikanischen Wüstensand, menschenfressenden Dämonen und schauriger Mythologie sind allerorts präsent, nur eben in einer ungewohnten Pace, und Gesang, der eher an eine US Thrash Band erinnert, als an die teuflischen Intonierung späterer Epochen. Stellt sich nur die Frage, warum das nicht schon erschienen ist, als es seinerzeit im Kasten war? Ist da möglicherweise was faul, glaubt jemand an den Fluch, der so manchen Sandbuddler dahingerafft hat? Welches dunkle Geheimnis verbirgt die Mumie des „Tutabergarnichts“? Darüber wird man uns wahrscheinlich immer im dunklen tappen lassen, das Licht der Moderne wird nicht bis in die schwärzesten Winkel der Vergangenheit reichen. Solange wir uns aber an den Ergebnissen der Grabung erfreuen können und der Meister selbst uns an seiner ersten Schöpfung teilhaben lässt, nehmen wir gern das Risiko hin, den finalen Ruf aus altägyptischen Nekropolen zu empfangen.
Kritischere Geister könnten sich andererseits fragen, was der Rummel soll und ob da nicht bloß wieder eine Lücke geschlossen wird, bis ein neues Album kommt und der Geduldsfaden der schmachtenden Massen reißt? Denn wie kann man etwas als „“The Lost Recordings“ deklarieren, das gerade mal 17 Jahre alt ist. So was kann doch nicht verloren gehen, so was verbummelt man, oder schmeißt es gar selbst weg, in der Hoffnung, dass es die Hunde fressen. Ich persönlich bevorzuge die positive Version der Geschichte, da ich meine eigene Realität zum Schutz vor äußeren Einwirkungen, gern in die Welt der Imagination rette.
8/10

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