Friday, November 4, 2011

HARPOON - Deception Among Birds Cd / Seventh Rule Recordings


HARPOON beurteilen zu wollen, ist kein einfaches Unterfangen. Da treffen sich Elemente aus Metalcore und Grind, wollen es uns schnell machen, wie eine 20 Euro Nutte. Dabei findet sich wenig aus der alten Schule wieder, eher schmerzt es modern und progressiv in den Ohren. HARPOON stellen sich den Herausforderungen ihrer Freier nicht in einer miefigen Seitengassen, da geht es eher ins lila gepolsterte Penthouse. So manches kompositorische Vorhaben ist doch sehr gewagt und nicht ohne weiteres begehbar, respektive betritt man diesen Weg nicht ohne Reue. Besonders schwerwiegend auf der Verlustseite sind die melodischen, ja irgendwie epischen Teile, bei der der Gesang gefährlich clean vorgetragen wird, der Sänger verständlich moralische Gewissensbisse ins Mikro heult. Für alte Grindsäcke, die roh und hart gepfählt werden wollen, und das ohne intellektuelle Komplikationen, ist das nix. Damit meine ich nicht nur das Mikrofonstrapazio, sonder das ganze Album. Die Band legt kaum Wert auf Spielfluss, mutet ihren Hörern lieber ein arg experimentelles Monstrum an musikalischer Philosophie und endlos verworrener Struktur zu. Wenn denn Songs partiell auf Krawall und Tempo gebürstet sind, kommt so was wie epileptische Vorfreude auf eine angemessene Packung instrumentaler Gewalt auf, aber das hält meist nicht lang an. Melancholie und führerlose Aggression schlagen dann ihre Schädel zusammen, dass es nur so funkt und Kopfschmerzen bleiben wohl noch die geringfügigste Komplikation eines unkontrollierbaren Crashs´. Durch die Vordertür kommst du da nicht, und die Hintertür klemmt. Das ist was für Kiddies, die etwas anspruchsvollere Schlösser knacken wollen. Bezugnehmend auf den Bandnamen, wird nicht die klassische Harpune mit Armkraft vom Beiboot geschleudert um Mittelsmann zwischen Mensch und Bestie zu sein. Dieses Geschoss gehört auf einen japanischen Trawler, das mit Maschinenkraft abgefeuert wird und mit seiner Spitze Haut und Fett der Giganten durchdringt und sich unwiderruflich im Skelett verkeilt. HARPOON ist viel zu mechanisch und macht es dem klassischen Seemann im hölzernen Ruderboot viel zu schwer auf moderneren, schwimmenden Schlachthöfen anzuheuern. Mit viel Fantasie finden sich Parallelen zu TOTAL FUCKING DESTRUCTION, viel mehr aber zu KLOAK und ähnlichen Vorreitern einer Szene, die nur noch rudimentär mit dem verwurzelt ist, was da in den 80ern in Britannien geboren, oder eher ausgekotzt wurde. Dieser Post - Hardcore/Grindquatsch, mag er musikalisch auch noch so gekonnt in Plastik verdammt sein, beleidigt so ziemlich jeden, der das grindige Bäumchen einst gehegt und gepflegt hat, denn das was nun kommt ist eher die Kettensäge, die an der Borke kratzt, als dass es tatsächlich der eigen Spross sein soll. Schwieriges Teil und subjektiv betrachtet ganz gewiss nichts was der Barmann ins Glas kippen sollte!
5/10

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