Tuesday, December 13, 2011

DECEMBER FLOWER - When All Life Ends… - Cd / Cyclone Empire


Was mir als erstes die Retina blendet, noch bevor die Musik überaus empfindsamen Ohrenschmalz implodieren lässt, ist das Coverartwork. Das liegt verboten nah an dem was in den 90ern Dissection Alben geziert hat, stilistisch und farblich, sozusagen der Sensenmann in individueller Variation auf nächtlich, pflaumenfarbenen Grund … oder von mir auch etwas mehr zu schwarz tendierend. Ob da auch musikalische Verknüpfungen im Spiel sind, ist nicht ganz so offensichtlich. Die hölzerne Leichenkarre des Schnitters rollt eher in Richtung Dark Tranquility oder Unanimated, genau wie der freundliche Namedropingverweis des Labels verspricht, wer hätte das gedacht. Der Albumtitel lässt übrigens auch Raum für Spekulationen, ein investigativer Tintenkleckser würde Parallelen zu At The Gates finden wollen, aber das bleibt vorerst in den Nebeln Walhallas verborgen. Und so steht fest, dass ein kleines tektonisches Wunder seinen Lauf genommen hat und Göteborg nach Niedersachsen gedriftet ist, still und heimlich, ohne Verwerfungen. Und nur um jetzt richtig auszubrechen, die platte Scholle anständig durchzurütteln. Da haben die jetzt eben ihre eigene Gotenburg! Feines Bauwerk, von wegen Fertigteile, das ist noch schön traditionell Stein auf Stein. Gut, den Stein haben die Nordmänner aus Diepholz nicht selbst gebrannt, das Wissen darum gilt als verschollen, aber vermauert haben sie alles in hoher handwerklicher Kunst. Nun muss es nur noch bis nächsten Dezember den Unbilden menschlicher Ungeduld und Schnelllebigkeit harren, quasi bis zu Apokalypse, dann kratzen wir noch mal die Eisblumen vom Fenster, rekapitulieren ein weiteres verlorenes Jahr und sind froh, dass uns December Flower den Soundtrack zum Ende aller Welten gespielt haben. Soll heißen, für jene die Metaphern für eine Suppenzutat halten, dass in „When All Life Ends…“ viel aufwendige und versierte Kleinarbeit steckt, die es aufrichtig zu würdigen gilt, Musik mit Herz und Hirn … irgendwie. Das Tempo ist beinahe durchweg hoch, Melodien, die fundamentale Grundfeste, sprießen wie Lianen in Tarzans´ Refugium, das Songwriting ist mehr als stimmig, und betont zurückhaltende Parts runden das Ergebnis positiv ab. Bleibt anzumerken, das erwartungsgemäß viel aggressives Potential unterm Bleimantel steckt und der Drummer dafür sorgt, dass es nie zu gemütlich wird. Selbst wenn zum Beispiel der mittlere Teil von „As Darkness Reigns“ oder vor allem das Instrumental „Dying Sun“ schon mal einen anderen Eindruck vermitteln. Fakt ist, Gevatter Ewigkeit klopft bereits mit dem Sensenschaft auf den Fußboden vor der Tür und December Flower haben ihm den roten Teppich vor die knochigen Staksen geworfen. Ob er tanzen wird? ... man weiß es nicht, aber ihr solltet es tun, solange euch noch Zeit bleibt!
8/10

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