Tuesday, January 24, 2012

ANGUISH - Through The Archdemons Head - Cd / Dark Descent Records


Als “Through The Archdemons Head” entstanden ist, muss es in Schweden, der Heimat des 5ers, wesentlich kälter gewesen sein, als das in deren Wintern ohnehin der Fall ist. Wie sonst hätte ein so eisiges und monotones Album den Weg in den Sonnenaufgang geschafft? Die müssen sich auf irgendeinem vorchristlichen Friedhof zusammen gerottet haben, um sich gegenseitig an Bösartigkeit zu übertreffen. Bösartigkeit in Form eines räudigen Dorfköters, der den Fremdling auf dem Hof mit angelegten Ohren und gesenktem Haupt ohne Unterlass umkreist, die Lefzen hochgezogen, knurrend und geifernd. Lediglich die Kette um seinen Hals hält ihn davon ab, den nächsten logischen Schritt zu machen. Mit diesem leicht beängstigen Grundgedanken zündeln die Musiker einen nicht unbedingt selbst gebauten, aber bislang stabilen Scheiterhaufen aus den knochentrockenen Resten von Black Sabbath und Celtic Frost. Das dann die Post abgeht, wäre glatt gelogen, vorher landet der Briefträger auf der Streckbank und wird mit Tempo und Zielstrebigkeit einer 100 jährigen Riesenschildkröte in seiner Nord – Südachse gedehnt, bis die Sehnen und Muskeln im Wind ein sonores Klagewerk ertönen lassen. ANGUISH verbreiten wirklich eine beängstigend intensive und einlullende Scheiße, dass selbst mutige Gänsehaut vor Ehrfurcht den Rücken abwärts flüchtet. Der Sänger variiert seine Stimme nur minimal, aber äußerst effizient, so dass gern gehörte Doom –typische Nuancen der überaus schweren Instrumentalwand Paroli bieten können. Dabei klingt er so, als hätte er ein Pfund rostige Rasierklingen im Hals stecken und kann sich nicht entscheiden, ob er sie hinter schlucken oder auskotzen soll. Die Gitarrenriffs sind mächtige Salven am Rande des gerade ertragbaren Minimalismus und mit beinahe als schön zu bezeichnende Solis gesprenkelt, wie Schnee mit gelben Spuren menschlicher Existenz. Über das generelle Tempo des Albums muss ich sicher nicht viel sagen, das ist der bekannte Albtraum, bei dem die arme Sau um ihr Leben rennt und ums Verrecken nicht voran kommt, weil sich die Füße durch Marmelade, Tapetenkleister oder mückenversuchte Schlammtümpel quälen müssen. In Laufe des Albums, nehmen die Stücke immer fiesere Züge an, leben von gedrosselten Iommi Gitarren und schaffen ohne Skrupel Verknüpfungen zu den Klassikern der Szenegroßväter. Nur Ozzy ist halt nicht zu hören, denn hier glaubt man Tom Warrior beim Sterben lauschen zu müssen. Diabolischer kann eine Stimme kaum sein und passt wie der Deckel auf den Topf in dem der Leibhaftige seine Seelen gart. ANGUISH haben Hände und Ohren dafür entwickelt, wie primitive Musik ins Schwarze trifft, und dass es nicht nötig ist mit all den Schneller, Höher, Weiter - Bekloppten auf die Strecke zu gehen. Wenn denen alle die Puste ausgegangen ist, werden 5 Schweden hinter ihnen stehen und mit der Keule die juvenilen Hetzer verdreschen. Eile mit Weile! „Through The Archdemons Head“ – Doom ohne Kompromisse!
8/10

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