Tuesday, January 17, 2012

HORRENDOUS - The Chills - Cd / Dark Descent Records


So frostig wie der Titel verspricht, ist die Musik des Albums tatsächlich beinahe, jedenfalls versucht sich das amerikanische Trio an unterkühltem Schwedentod alter Prägung (hauptsächlich). Unterm Strich erwartet uns melodiöse Verzweiflung, etwas fade, schartige Riffs, angenehme Tempowechsel und bissige Growls mit genug Hall im Hintergrund um authentisch zu sein. HORRENDOUS versuchen auf den Retrozug aufzuspringen, erwischen den Transport aber um einige Stationen zu spät, so dass die Fahrt schon längst raus ist und der Zielbahnhof in weiter Ferne entschwindet. Ob das daran liegt, dass der Fahrdienstleiter die Putzfrau vögelt, anstatt das Signal auf Fahrt zu stellen, ob auf der Strecke Schienenbruch durch Wintereinbruch ursächlich ist, oder es einen elektronischen Marderschaden im Schaltkasten gab, weiß nur der niedere Gott des Zufalls. Fakt ist, dass „The Chills“ zu wenig Fleisch auf den bleichen Rippen hat, um sich über ein gnädig gutes Mittelmaß zu erheben. Der Sound ist zu grell, hat zu wenig Dampf und die Songs an sich sind wie eine Unterstufenklasse auf der Wasserrutsche, das glitscht einfach ohne Nachhaltigkeit durch. Macht nur so lange Spaß, wie es dauert und für jene, die handfeste Musik in etwas abgespeckter Form mögen. Letztendlich pendelt sich das musikalische Gesamtbild irgendwo zwischen holprigen Riffs und zwerchfellspannender Melancholie ein, zwischen Angriffslust und Selbstmordtendenz. Sicherlich ist das künstlerisch schon ganz gut, jedoch bei dem was seit einigen Jahren an qualitativen Early 90th Rip Offs´ auf den Konsumenten losgelassen wird, schmieren HORRENDOUS hinterum doch ziemlich ab. Das ist so als würden sie sich auf dem 2. Bildungsweg um einen Führungposten bewerben, das geht nur mit Vitamin B. Ich will ihnen ihre guten Absichten und den spürbaren Ehrgeiz ja gar nicht absprechen, ihnen ist durchaus ein anständiges und reichlich bleihaltiges Hackstück gelungen. Eines, das so gar keine Beziehung zu aktuellen Auswüchsen und Schubladen hat und das auch deshalb wegen seiner Konsequenz geachtet werden muss. Und wenn ihr denkt, es reicht die eigenen Triebe ohne Rücksicht auszuloten, oder sich latent schamlos an Großvaters Zigarrenkiste zu vergehen, dann wird das Debüt der etwas übersteuerten Lausejungen auch seine Freunde finden. Grabesstimmung und eine Hand voll guter, morbider Momente lassen sich allemal ausbuddeln. Gemischt mit der stilistischen Gefrierkammer nordischer Black Metal Bands, rattert so mancher Song auf rostigen Rädern und quietschenden Bremsen in den Tunnel des Vergessens, immer in der trügerischen Hoffnung eines wagen Lichtes am anderen Ende. Wenn ihr der Band etwas Hoffnung auf den Weg geben wollt, dann knipst des Nachtens ein Lichtlein an und gedenkt dem Ungestüm der Jugend. Oder kauft das Album einfach, ist letztendlich doch ganz passabel.
6/10

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