Tuesday, February 28, 2012

NOCTURNAL TORMENT - They Come At Night - Cd / Deathgasm Records


Herr hilf … hilf mir zu verstehen! Dieses Quartett soll sich tatsächlich zu einer Zeit gegründet haben, als ich anfing meine Lehrstelle zu hassen und mich als halbrevolutionärer, langhaariger Ungestümer hinter einem antifaschistischen Schutzwall vor den Gefahren kapitalistischer Dekadenz in Sicherheit wähnte. Und dann kommen die heute mit ihrem Debüt – Album aus dem Tee? Das zieht doch den Geruch extremer Verwesung hinter sich her. Ich bin mit schon im Klaren darüber, dass Amerikaner nicht zu den Blitzmerkern auf unserem wunderschönen Planeten gehören, aber dieses Tempo ist in gewisser Weise umgekehrt beeindruckend. Gut, es steckt wahrscheinlich noch eine andere unbekannte Größe dahinter, die sich mir erfolgreich entzieht, aber der Eindruck eines akuten Falles von kollektiver Midlifecrisis ist doch wohl nicht von der Hand zu weisen. Auf der anderen Seite sind ihre Ambitionen in Sachen amerikanischer Old School Tod wohl aber als über die Maßen authentischer Gitarrensägeevent glaubhaft. Schließlich haben sie in ebenjener Ursuppe gerührt, als eine junge Szene gerade im Aufbruch begriffen war. Dumm nur, dass sie auf ihrem Bahnhof, irgendwo in Indiana sitzen geblieben sind, als der Zug mit all den kommenden Größen donnernd davon gerast ist. Ihr hättet einsteigen sollen, heute ist die Infrastruktur metallischer Schienenstränge dermaßen expandiert, dass es beinahe egal ist, ob irgendjemand irgendwo, sogar mit außergewöhnlichen Fähigkeiten und viel Lob im Rücken, noch zusteigt. Verpasst ist verpasst. Einst hättet ihr mit eurer Leidenschaft vielleicht noch ein bisschen Kleingeld abgeschöpft, heute ist die Musik häufig nur ein Datenpaket im Internet, für jeden zum Klauen frei. Und wenn ich meine geschätzten Hörwerke dichter an das Album lege, bin ich der festen Überzeugung, in den alten Zeiten wäre wirklich was drin gewesen. Die alten Arthroserecken haben es zwischen rumpelnden Rhythmen, matschigen Riffs, produktiven Sputumgrowls und klassischen disharmonischen Solis irgendwie drauf. Sie halten bei allen Stücken die Zügel recht straff und spielen ein konsequent hohes Tempo, die Gitarren landen ein paar Hooks und ein Gefühl wohliger Vertrautheit fließt den alternden Kadaver hinauf. Das natürlich im positiven Sinne, denn den Vorwurf des Plagiats kann man hier nur schwerlich anbringen. Ich will zugeben, dass ein musikalischer Leckerbissen anders aussieht und klingt, jedoch habe ich beschlossen, den Vorstoß in eine verlorene Jugend gut zu heißen und jedem eine 2. Chance zuzugestehen. Bezugnehmend auf den Albumtitel haben sie es eigentlich nicht nötig, sich im Dunkeln zu verstecken, wo sie doch so souverän mit beiden Beinen in einem Sumpf aus Blut und staubigen Knochen stehen, der alles beinhaltet, was eine Death Metal Band ausmachte, inklusive diverser Verweise in Richtung Thrash Attitüde. Bin mal gespannt, wie lange die Luft reicht, Skepsis sei erlaubt … trotz vorhandener Qualitäten.
6/10

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