Thursday, February 16, 2012

SPHERE - Homo Hereticus - Cd / Masterful Records


SPHERE sind eine der vielen Bands jenseits der Oder Neiße Friedensgrenze, die im Schatten der polnischen Großen stehen. Auch mit ihrem 2. Album nach 10 Jahren zielstrebigen Herumexistierens werden sie nicht an VADER, BEHEMOTH und DECAPITATED vorbei kommen. Sollte dies von vornherein nicht die Intention des Warschauer Fünfers gewesen sein, entblättert sich uns jedoch ein nicht gänzlich belangloses Album. SPHERE bestücken ihre Variante des Death Metal mit einigen groovigen Hooks und eher thrashigen Gitarrenriffs, jonglieren ganz geschickt mit Tempovariablen und schrauben so manchen Schädel rigoros von unaufmerksamen Schultern. Sie setzen in den langsameren Parts auf Atmosphäre, vermeiden jedoch allzu düstere Morbidität. Das alles ist kaum als ungewöhnlich liebzuhaben, versteht sich aber ganz sicher als Todesblei mit Rückgrat. Die Stimme von Sänger „Analripper“ (Kommentar überflüssig) erinnert mich häufig an Martin Schirnec, was nicht so ganz passen will, da die Musik weder dreckig noch rockig genug ist, um diesen speziellen Groove darüber zu legen. Ab und an ertönt auch vokales Schweinetreiben, was noch weniger stimmig ist, und mit dieser Art durchdachten, eher transparenten und nicht durchweg brutalen Death Metal kaum was zu tun hat. Was dann wieder den Nerv ziemlich zentral erwischt, sind die Samples, die wohl eigens für das Album entstanden sind und getimt platziert wurden. „Homo Hereticus“ präsentiert sich als gewachsenes und stabiles Album mit so einigen Kanten und noch mehr sympathischen Ecken. Der Wiedererkennungswert einzelner Stücke oder Passagen dürfte recht hoch sein, auch wenn man wahrscheinlich nicht gleich wissen wird, welche Band das wo geklaut, geschmettert, gespielt oder komponiert hat. Dafür fehlt dann doch die persönliche Note. Das mach die Cd aber nun nicht schlechter, mit „Homo…“ kann der geneigte Konsument durchaus Spaß haben, sich von Death und Thrash vermöbeln lassen und ein paar technische Finessen in einer generell durchschaubaren Struktur auf sich wirken lassen. Ein typisches Trademark dürften die primitiven Stakkatoriffs sein, die von prägnanten Thrashleads durchpflügt werden wie die die Titanic das kalte Wasser des Nordatlantiks. Die Blastparts stehen der Band etwas besser, da hier allen musikalischen Aggressionen freien Lauf gelassen wird und die Band für dieses Geprügel eindeutig geschaffen ist. Der viel zu kurze Rausschmeißer „War“ zum Beispiel rüttelt mächtig an den Grundfesten metallischer Existenz, wenn er so haltlos auf die Tube drückt. Aber die Polen wollen sich halt nicht limitieren lassen und sehen wahrscheinlich das große Ganze, was ich gern positiv anrechne. So solltet ihr euch auf 12 eingängige und interessante, wenn auch nicht unbedingt herausragende Songs einstellen, und den dreisten Versuch der Polen unterstützen, gestandenen Größen respektvoll ans Bein zu pissen!
7/10

No comments:

Post a Comment