Saturday, February 11, 2012

WAKE - Leeches - Lp / 7 Degrees Records


Wake sind Kanadier, die auf ihrem Debüt Grindcore und Hardcore vermischen, dabei vielleicht nicht unbedingt an irgendwelche Meilensteine der Musikgeschichte pinkeln, aber trotzdem ein musikalisch recht provokantes Eisen im Feuer haben. Soll heißen, die 14 Stücke bieten mehr als nur einfaches drauf los brettern. Interessant gestaffeltes Songwriting, zumeist rasendes Tempo und technisch gesehen auch mehr als nur 3 Akkorde Punk. Der Sänger scheint mit seinem rauen Gekeife der Geschwindigkeit der ihm im Nacken sitzenden Instrumente entkommen zu wollen, das erscheint zwar hoffnungslos, passt aber ins Gesamtbild. Diese Tatsache lenkt unsere Aufmerksamkeit auf Bleifüße und strapazierte Gasbautenzüge. Die große Ausnahme stellt dann wohl der Titeltrack dar, der die meiste Zeit wuchtig, schwer und doch relativ gemäßigt anzuhören ist, gut das läuft im Wechsel mit chaotischen Ausbrüchen, aber immerhin. Die A – Seite endet vermutlich nur deshalb so, weil die wollten, dass auf der anderen Erwartungshaltung und Gewöhnungseffekt durchgerüttelt werden wie löchrige Socken im Wäschetrockner. Vielleicht geht es ihnen doch nur darum, fremden Leuten das Fell zu gerben. Bei so einem präzisen Bandnamen hätte das offensichtlich sein müssen. Die treiben sogar ihren einheimischen Bärenpopulationen den Winterschlaf aus, so dass die haarigen Fressmaschinen grimmig und unzufrieden auf der Suche nach den Musikern sind, um blutige Rache zu nehmen. Kann ich ihnen nicht übel nehmen, ich möchte von solch durchgedrehtem Aggrokrempel auch nicht von den warmen Kissen geschleudert werden, das weckt in ungünstigen Momenten Aversionen gegen die künstlerische Freiheit im Allgemeinen. Nun gibt es aber auch genug verzweifelte Kameraden, die sich in Begleitung eines anständigen Grindfiaskos noch vor Sonnenaufgang mit Kaffee und Kippe auf die keramische Abteilung zurück ziehen, und alles zusammen dringend benötigen, um den Tag unbelastet in sein Antlitz starren zu können. Für die ist „Leeches“ gemacht … glaube ich. Alle anderen, vernünftigen Zweibeiner so wie ich … vermutlich, warten damit bis nach dem Frühstück! Dann bleibt immer noch genug Zeit für ein Tänzchen mit dem Kopf an die Wand. Was mir an Wake am meisten gefällt, ist, dass sie Geradlinigkeit und Transparenz kaum zu schätzen wissen, zwar mit den Gegebenheiten des Genres jonglieren müssen, aber häufig mehr Bälle in der Luft halten als die Konkurrenz. Wake sind weit entfernt von kindischen Attitüden, vermitteln mit ihrem Album einen erschreckend erwachsenen Eindruck und lassen Leichtigkeit und Unbeschwertheit trotzdem nicht vermissen. Ist wahrscheinlich eine Sache der Einstellung. Die scheint bei den Kanadiern zu stimmen, überträgt sie sich doch auf die Musik. Empfehlenswertes Stück Verstärkerterror!
8/10

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