Tuesday, March 20, 2012

CHAPEL OF DISEASE - Death Evoked - Tape / FDA Rekotz



Chapel Of Disease versprühen alten Van Drunen Spirit und klingen ziemlich authentisch in Bezug auf die Kindertage des Death Metal. Musikalisch finde ich sie jetzt noch nicht so umwerfend, klingt für verwöhnte Lauschapparate noch unfertig und immens schrammlig. Aber auch das erscheint mir irgendwie passend, genau wie die Tatsache, dass das 4 Song Demo auf nostalgischer Kassette vertickert wird. Schrecklicher Sound, hakelige Musik mit unglaublich morbider Ausstrahlung, vollkommen entwicklungsresistent und stur, primitiv und stumpf. All das passt zu einem Medium, das in der guten alten Zeit neben dem Vinyl das einzig Vorstellbare war. Und dass ein Demo auch mal Scheiße klingen darf ohne tatsächlich schlecht zu sein, wissen wir wohl alle. Das Kölner Gespann rumpelt mit ihrer morschen Karre ziemlich ungestüm und flott, aber gern auch mal ansatzweise doomig über eine einst vielbefahrene Buckelpiste. Sanierte Fahrbahnen und Schnellstraßen wissen sie geflissentlich zu umgehen. Dass das zur heute auch viele andere tun, sollte nicht unbedingt ein Problem darstellen, es sein denn die Band lechzt lediglich einem Trend hinterher. Aber da sich damit nicht wirklich was anfangen lässt, außer mit einem Ständer rumzulaufen, den ohne weiteres keiner mehr runterholt, nehme ich den Jungs ihre ernstgemeinte Leidenschaft gerne ab. Aus dieser sprießen 4 Stücke, die auch in den ausgehenden 80ern in irgendeinem Keller unter Zuhilfenahme jugendlichen Eifers und massiver Blauäugigkeit entstanden sein können. Musik mit verzeihbar billigem Anfängercharme und dem unbedingten Willen ein Wörtchen im Kreis der Alten mitreden zu wollen. Viele Riffs sind noch mit typischen Hooks aus dem Sarg diverser Thrash bis Heavy Äonen behaftet. Das verdammte Cover mit seinem hässlichen lila Farbton reicht vielleicht noch weiter zurück. Mit seiner psychedelischen Friedhofsatmosphäre hätte das wohl sogar zu Iommi und Gefolge gepasst. Na ja und genau genommen, haben Chapel Of Disease auch einiges aus der Black Sabbath Ära übernommen, musikalisch ( „The Loved Dead“) wie vielleicht auch ideologisch. So gesehen ist das Quartett ein Schmelztiegel in dem alles zu flüssigem Blei wird. Und wenn der eigene Musikgeschmack von Iron Man bis zu den Pits Of Utumno reicht, kann das wohl auch nicht das Schlechteste sein. Da braucht es keine Technik und überzogene Instrumentenanbetung. Da heißt es nur zuhören, kreativ sein und umsetzen. Und dass da sicher noch einiges mehr geht, werden sie noch beweisen können, wenn das erste Album kommt. Chapel Of Disease haben zweifelsfrei alles, was mich jemals zu einem Death Metal Fan gemacht hat, und Perfektion gehört nicht dazu! Holpriger und kantiger Anfang, das lässt auf einiges hoffen!
6/10

No comments:

Post a Comment