Monday, March 5, 2012

GRAVEYARD - The Altar Of Skulpted Skulls - Ep / Pulverised Records


Unter dem Namen Graveyard pöbeln und rumoren Bands weltweit und ohne einen Blick in die Vita ist da schnell das größte Chaos angerichtet. Hier tritt nun der spanische Senker aus der Deckung und vor die Flinte. Gewachsen in importierter Friedhofserde aus dem guten alten Schweden, reißt er das Maul auf und reckt seine Glieder. Die Erde aus seiner Wiege wurde dort bereits zu Beginn der 90er einem wurmverseuchten und mit Leichengift getränkten Totenacker entnommen und später unter die südliche Sonne gekarrt. Ebendort ausgebracht, bei Vollmond von 2 einbeinigen, zahnlos murmelnden Totengräbern, entfaltete die Krume ihre volle Macht und presste einen Schössling in die stockfinstere Nacht, auf dass er seinem nördlichen Stammbaum viel Ehre machen wird. Das was dort auf dem katalonischen Begräbnishügel lautstark in die Welt explodiert, ist roh, zügellos, immens morbide und in diesem Sinne melodisch. Der Sänger klingt, als hätte ihm der bröcklige Aushub seiner Geburtsstätte die Stimmbänder zerkratzt, oder er müsste noch Rester auskotzen. Tonnenschwere, primitive Leads, klassische Solis, eine Produktion so authentisch wie ein 68er Camaro, präzise Gänsehautmelodien , all das ist zu einem großen Déjà-vu Effekt verschnürt. Kurzum, die absolute Midtempo – Hölle! Jedenfalls ist das alles sehr eingängig und aufgrund seiner unzweifelhaften Absichten und Herkunft verwerflich düster. 6 Stücke lang rumpelt der Leichenzug laut polternd über die ausgespülte Zufahrt zur letzten Ruhestätte und zeigt sich auch bei Bands wie Asphyx, Bolt Thrower und Autopsy dankbar für periphere Geburtshilfe. Sicher ist, dass das spanische Quartett den Gong nicht gehört hat, das Wort zeitgemäß wissentlich negiert und so mancher ihnen für diese Einstellung dankbar sein wird. Passend zur Welle neuer, alter Sounds spielen Graveyard in einer Liga, die ihnen in der alten Zeit größere Chancen eingeräumt hätte irgendwann mal als Kult abgefeiert zu werden. Im Schein der modernen LED Leuchten, die das flackernde Kerzenlicht aus Friedhofslaternen vertrieben haben, genügt die Ep mindestens dem Anspruch eines Achtungserfolges und wird zweifelsohne ihre Anhänger finden. Jene die gute Musik, verbunden mit einer glaubhaften Attitüde erkennen, werden der Band auch 2-mal auf die Schulter klopfen. Wenn man es denn zu akzeptieren weiß, das Technik und allzu großer Individualismus nicht auf der bandeigenen Landkarte stehen, und dass hier nicht noch ein Abendstern aufgeht, dem die Leute ergeben hinter her stolpern müssen. Wer diese Art von akustischen Gewaltexzessen als Reminiszenz an (hier eintragen wem gewidmet) versteht, kommt definitiv auf seine Kosten! Ein echter Pluspunkt ist die Spielzeit mit knapp 25 Minuten, etwas woraus viele andere ein volles Album machen. Erschienen ist der Hörinfarkt meines Wissens letztes Jahr schon mal und bekommt nun durch Pulverised Records einen neuen Anschub, was sicher legitim ist.
7/10

No comments:

Post a Comment