Monday, April 30, 2012

TORMENTED - Graveyard Lust - Mcd / War Anthem Records

Wenn mich ein Sänger mit dem Organ vom giftigen Cronos in seine Hölle einlädt, dann wage ich mich nur mit unsicheren und kleinen Schritten hinab in seinen rabenschwarzen und dreckigen Folterkeller. Der Herr der Schmerzen Andreas Axelsson, dessen Präsenz über dem hausinternen Friedhof unschlagbar scheint, und der in den frühen 90ern Marduk und Edge Of Sanity angeschoben hat, steht nun seit geraumer Zeit Schulter an Schulter mit seinen potenten Spießgesellen (unter anderem Roberth Karlsson – Facebreaker … ). Und der plärrt was das Reibeisen zu hobeln vermag, bis an die Grenzen des Erträglichen. Grenzen deshalb, weil es keine Variablen in der Struktur des brüllaffenähnlichen Eierquetschens gibt. Das ist rau, extrem räudig und eigentlich anarchisch punkig. Passend irgendwie zu einer durchweg mit dem Klauenfuß am Gaspedal verklemmten, primitiven Gewaltorgie. Kalt irgendwie, typisch schwedisch, aus einer fast prähistorische Epoche musikalischer Rebellen und Individualisten. Also nicht unbedingt schön anzuhören, eher ehrlich und auf das Wesentliche konzentriert. Einfach Kopp ab und die Wunde mit schwarzem Teer versiegeln. Tormented haben kaum Zeit und offensichtlich auch kein Interesse, den eigenen Bunker mit dem Sonnenlicht genreübergreifender Bands zu beleuchten. Da unten ist es stickig, Schimmel das einzig lebende, nass und ungemütlich. Das Echo des eigenen Atems trägt weit in die noch unbekannten Tiefen. Ganz im letzten Winkel schimmern blinde Augen und dürre, wachsweiche Finger tasten über schlüpfrige Wände auf der Suche nach dem Lichtschalter. Klick … flackern, blinzeln, grinsen, Instrumente anstöpseln und mit dem ersten Anschlag versteinerte Radautrolle von der Kruste befreien. Es kommt Leben, wenn auch irgendwie morbide und nekrophil, in die heiligen Hallen des Untergrundes. Tormented sind Leidenschaft und Lust, sind nicht Kompromiss oder hitverdächtige Songwriter. Tormented sind Überzeugungstäter und Brandstifter. Ihre Musik gibt nicht mehr her als tödliche, schwarze Gewaltexzesse. Da bricht nicht das große Musizieren aus, da entstehen keine epischen Breitwandfilme. Das ist Flimmerkino für verqualmte Hinterzimmer. Eben jene in denen wir anno dunnemals mit solch windigen Akkorden infiziert wurden. Tormented sind immer noch direkt an der Wurzel. Aber wer solche Musiker im Corps hat, der muss einfach auch mit dem Bonus der Authentizität schachern, dem nimmt man das vertrauensvoll ab. Und so kann ich dieses Minialbum all jenen empfehlen, die sich selbst als Puristen verstehen und einfach nur zackig, knackig hart auf die 12 wollen, die auf jegliche Spielereien bedenkenlos verzichten. Wer braucht schon einen flexiblen Set und einen Sänger der es nicht schafft einem auf die Nerven zu gehen, wer braucht schon ständig eine neue Sorte Bier und hat nicht Freude an Buletten aus dem PVC Safe. Tormented stehen für schartigen, musikalischen Zentralismus, sollen sich doch die anderen drehen, die bleiben schön stur mittig im Kern. Kann man sich vielleicht nicht ständig geben, hat aber definitiv was Kultiges.
7/10

BLOOD MORTIZED - The Key Of A Black Heart - Cd / FDA Rekotz

Mit “Bestial” noch so halbwegs im Ohr und „The Key Of A Black Heart” als neue Dröhnung gerade frisch genossen, muss ich mit meinem Review der Ep tatsächlich wieder zurück rudern. Eben noch lax in die Retro Kiste abgelegt und mit etwas halbgarer Hoffnung auf ein besseres Album in den Winter geschickt, donnern die Schweden mit aller Macht zurück in den grünenden Lenz. Diabolical, Paganizer und peripher vielleicht auch etwas Amon Amarth, das sind so die Fixpunkte der Rille. Was gleichbedeutend mit kompromissbereiter schwedischer Härte, räudigen bis ansatzweise epischen Melodien und generell viel Kettenrasseln und Schlachtenlärm aus den Katakomben humanoider Unzucht ist. Es wird selten mal das Rohr freigeblasen, die Songs sind meist eher gesetzt und variabel, nie wirklich roh, wissen die Trademarks der Szene zu nutzen und lassen plakative Oberflächlichkeit einfach außen vor. Das Scheißding ist ganz simpel ein atmosphärischer Midtempo Böller mit Gitarrensound der neue Gräber aushebt und alte zuschüttet, der die Spinnenweben aus den Ruinen fehlgesteuerter Erwartungshaltung abkärchert und trotzdem ganz der Region und Tradition treu bleibt. Solis können klassisch flitzen, oder melodisch dem Lead des Songs den Rücken stärken. Riffs können schreddern und Stahl bersten lassen, oder melancholisch bis düster Tote zum Leben erwecken. Das Haus kann im Feuer brennen, wenn die Aktionsfront Fahrt aufnimmt, fix eins auf den Latz geben. Gleich darauf wird dann die Schwere der eigenen Ansprüche betont, wenn Panzerketten mit Wehmut druckvoll Stein in Staub verwandeln. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass eine Band, die aus so vielen Ex – Schergen anderer guter Acts besteht, funktionieren soll, wo doch so viele Egos aufeinanderprallen. Mit etwas Abstand betrachtet und der Überzeugungsarbeit die sie live und mit der Scheibe an mir Unwissendem getätigt haben, neige ich nicht zwingend ehrfurchtsvoll, wohl aber beeindruckt das Haupt. Vielleicht klingt das jetzt wieder etwas unnett, ist aber nicht so zu verstehen. „The Key…“dürfte sich als kompatibel für die Masse der langzottligen und/oder barttragenden Metsäufer und Bauchträger erweisen, ebenso wie für die Begleitdamen (Wer jetzt über meinen männlichen Chauvinismus stolpert, kriegt auf die Backen!). Einfach weil es kaum Reibungspunkte gibt, die dagegen steuern. Kein dreckiges Punkgebaren, kein stumpfes Poltern, kein primitives Beharren auf die Simplizität der Dinge. Blood Mortized ist Schwedentot in allen Belangen und dabei aber melodiöser als die meisten, mit dem gewissen Kniff sich nicht in schöngeistiger Dudelei zu verstricken und sich immer eine genügend große Schwarte Brutalität zu bewahren. Für mich persönlich stellen sich die Uhren, mit der im Mai nach Friedhofserde und Moderhauch krakelenden Beinahe – Offenbarung, wieder auf null. Wer seine Musik so ernst nimmt, dass die Arbeit spürbar und der Spaß greifbar bleiben, dem folge ich gern mit der Bonbontüte in den finsteren Forst!
9/10

Sunday, April 29, 2012

GRIPE - The Future Doesn’t Need You - Tape / Visceral Circuitry

Mit der Tür ins Haus, mhm… ja ich denke das trifft es. Gripe rüpeln mit entnervender Hektik durch ihren Set und lassen uns auf diese chaotische Art wissen, wie sie Grind/HC/Power Violence verstanden haben wollen. Da wird gekreischt und gebrüllt, dass es mich schon nach kurzer Zeit, ohne jegliche Chance auf Eingewöhnung erschrocken vom Stuhl reißt und ich willentlich bin die bösartigen Vokaleskapaden zu maßregeln: „Schrei mich nich so an du Vogel!“ Mit absolut primitiven Strukturen gelingt es den lichtscheuen Radaubrüdern maximales tonales Durcheinander zu fabrizieren. Das erweckt den Eindruck, die Vorlage für ihr Sammelsurium an Kopfschmerzen sind eine unbekannte große Zahl an Kätzchen, sich lichtgeschwindigkeitsgleich drehend in einem mit kaltem Wasser gefüllten und getunten Betonmischer. Deren kakophonisches Mauzen ums blanke, kleine Leben ist akustisch möglicherweise nicht unähnlich zu Gripes´ Musik. Also, oberste Maxime ist immer Kohlen nachlegen und nur selten mal die Schwere betonen, wie in „History Of Violence“, wo eine ziemlich billige aber sehr gut funktionierende düster ausgekotzte Melodie das Treiben der Nummer beinahe durchgängig bestimmt. Geht schon irgendwie, besser steht ihnen aber definitiv schweißtreibender Sauerstoffverbrauch und spastischer Körperklaus. Hey, hat jemand Gewichtsprobleme und hasst das Gaffen im schicken Fitnessstudio. Dann haut euch die Mucke in den Heimkomposter, sucht euch einen Teleshoppingkanal in der Glotze, dreht den Ton runter und den von Gripe hoch, lasst all euren Frust und Hass raus. Das könnte die ultimative Therapie für Körper und Geist sein, ihr kriegt den Kopf wieder frei und verbrennt Kalorien wie der Hobbygriller Steaks! Dazu lässt es sich prima abzappeln und ihr könnt das vollkommen unbeobachtet tun, so peinliche Begegnungen vermeiden. Vorsichtshalber legt aber mal das Telefon in Reichweite und programmiert 112. Die dekadente und verblödete Gesellschaft ankotzen kann nämlich auch sehr auszehrend sein. Hinzu kommt, dass die Musik der 3 Kellerrevoluzzer zu totalem Kontrollverlust über die niederen Körperfunktionen führen kann. Die höheren solltet ihr noch vor Drücken der Playtaste selbstständig offline bringen. Macht euch auch im Vorfeld ein Backup eures Hirns, nur zur Vorsicht. Nicht dass die einsetzende Desorientierung hintendran eher sporadisch weicht. Tja, und dann locker lassen. Gliedmaßen und Haupt von Null auf 100 in jetzt und hier Geschwindigkeit, brüllen, röcheln, trampeln, rudern, drehen, Gesichtsmimik in halbsekündlichen Takt variieren und Nacken knacksen lassen. Nicht aufhören, ehe ihr knöcheltief im eigen Schweiß patscht. Wem es gelingt, den Puls für 20 Minuten konstant bei 200 zu halten, ohne Berührung mit anatomisch bedingten Grenzerfahrungen zu haben, hat das Ziel erreicht. Glückwunsch, dieses Tape wird dann für kassenzugelassene Gesundheitschecks patentiert! Aber selbstverständlich ist es nicht nötig sich so zu verausgaben, der anarchische Systemspiegel lässt sich auch entspannter aufhängen. So oder so, Gripe stehen für laut und schnell, primitiv und chaotisch, irgendwie durchdacht und sympatisch. Der Rest liegt bei euch.
7/10

Saturday, April 28, 2012

LAGO - Maranias - Mcd / Pale Horse Recordings

Hmpf, ich weiß nicht so recht. Lago ist schon gut gemachter Death Metal, irgendwie Morbid Angel, aber auch nicht unbedingt prickelnd und tanzdielenverdächtig. Technik ja, Riffs unspektakulär, nihilistisches Melodiegebaren, kurze harmonische nachvollziehbare und griffige Gitarrensolos, brutale tiefe Growls, anständiges Schlagzeug mit holprigen Tom-, und Snaresound, das ist die Quintessenz aus der sich die Band aus Phoenix aus der Asche erheben will. Dazu gesellen sich überflüssigerweise noch grottig, kreischende Backingvocals. Diese Black Metal Spinnerei hätten sie gleich wieder tilgen sollen, das ist so unpassend wie Senf zu Erdbeeren. Irgendwie ist die Mini auch schon 2010 erschienen, als legaler Fee Download beim Netlabel Torn Flesh abgreifbar. Da sehe ich nicht so recht durch. Ist aber auch egal, denn Lago werden nicht eine der Bands sein, die ich auf dem inneren Cortex abspeichere. Dafür ist es bei allen angestrebten Qualitäten doch zu belanglos und allenfalls sicherer Durchschnitt. Wer weiß wo die nun 2 Jahre später stehen, aber bei so viel lahmer Einfallslosigkeit, zumindest über weite Strecken, stehen die noch hinter dem Horizont in der Schlange nach halbwegs verwertbaren Einflüssen an. Das mag unfair klingen, aber wer so im Windschatten von Leuten steht, die diese Art Death Metal aus den Titten der Wolfsmutter gesaugt haben und dabei nichts weiter gelernt hat als in eigener Selbstüberzeugung zu verharren, der kann seine Instrumente beherrschen ohne den wirklich großen Wurf zu vollbringen. Das selbstgesteckte ironische Ziel nach dieser Mini ist die Weltherrschaft. Das Schwert der angehenden Eroberer ist aber noch viel zu stumpf, um sich auch nur ein bröckliges Stückchen vom Kuchen abzusäbeln. Ich sehe es ja durchaus nicht so eng, wenn die auf das Pedal treten und mit fixen Fingern anständige Solis zaubern bin ich voll dabei. Auch wenn das nicht die Innovation des Eierweichkochens ist, habe ich Verständnis für das subjektive Spaßempfinden. Die gedrosselten Momente die da immer hinten dran hängen oder sich dazwischen quetschen, meißeln aber umgehend das große Luftschnappen in verständnislose Schlafäuglein. Das ist einfach nur langweilig und vor allem verdammt gewöhnlich. Die angestrebte Symbiose von Death und Black Metal will nicht so recht gelingen und so bricht die Nahtstelle immer wieder entzwei. Lago sind bei aller arroganter Rücksicht eine jener Bands, bei denen ich an der Bar rumlungern würde. Talent und Leidenschaft sind doch da verdammt, die Initialzündung auf dem etwas vergeigten Erstling ist nur noch nicht übergesprungen. Um meine harsche Verachtung etwas zu revidieren, die Hoffnung ist noch nicht luftdicht vertütet, da geht mit der richtigen Einstellung und genug Fructose im Blut bestimmt noch mehr. Halten wir mal die Augen offen, ob sich denn hinterm Horizont noch was über den Durchschnitt erhebt.
5/10

ANTROPOFAGUS - Architecture Of Lust - Cd / Comatose Music

Hölle und Eiter, Comatose hat sich da ja einen fetten Happen vom italienischen Stiefel gepickt. Antropofagus verfügen über einen instant funktionierenden Rhythmus und Dauerbeschallungsdoppeltacker, der jeden Song an den Boden nagelt und zum ewigen Schleifenlauf verdammt. Das nenn ich mal eine brutale Maschinerie, bestehend aus allen Ingredienzien, die Voraussetzung sind um brutales bis technisches Vernichtungswerk in einen Genuss zu verwandeln. Benannte Doppelfußerschütterungstrommel rammelt mit derartiger Heftigkeit, dass sie fähig ist, ganze Straßenzüge einzustampfen, satte und erdige Growls und brutales variables aber nicht verspieltes, eher düster melodisches 6 Saiten Geschrubbe winden sich dazu im Tanz. Die Architektur der Lust schneidet mit scharfer Selbstbewaffnung und sadistischer Freude ins Opferfleisch um die innersten Geheimnisse ans Licht zu zerren. Metaphorischer Ketten zerfetzen Haut und färben sich mit Blut, Zähne splittern unter harten Einschlägen, der Saal füllt sich mit den Schreien der Leidenden. Innereien zieren die Wände vor denen Folterknechte ihre Zöglinge an Haken unter die Decke ziehen. In etwa dieses Bild geben sich Neros Erben selbst, mithilfe eines kompromisslos durchdrehenden und völlig rücksichtslosen Albums. Lediglich der letzte Song, windet sich unter der Knute und bettelt quasi um einen anderen Blickwinkel. Daraus entwickelt sich dann eine sonore aber atmosphärisch aufgepeppte Riffnummer im Stile von Nile, wenn die zwischenzeitlich in schwerem Midtempo ihre Pharaonen Schandtaten begehen lassen. Das große Ganze besteht jedoch aus einer permanent schwingenden Geschwindigkeitsdauererektionen mit mehr als rüdem Potenzgebaren. Durchaus nachvollziehbar, dass die aufgrund der territorialen Herkunft und damit bedingter anatomischer Verhältnisse etwas kompensieren müssen, aber Musik und Texte gehören zusammen wie London und der Ripper, wie Rom und der kaiserliche Brandstifter, ja wie die das Purgatorium und die Feuerqualen. Und wenn ihr glaubt ihr könnt das durchstehen, die Gefahren eklatanter Selbstüberschätzung noch nicht erkennt, dann dürft ihr euch mit Freude blutige Köpfe holen, insofern ihr Cannibal Corpse, Gorgasm und deren Schattenarmee blind folgt. Antropofagus reißen handwerklich so verdammt versiert die Faust in den Himmel, dass sie keine Hand mehr frei haben und sich von anderen auf die Schulter klopfen lassen müssen. Mit allergrößter Selbstsicherheit haben sie uns ein Album gepackt, das ich bei allen Genregrenzen durchaus als kreativ bezeichnen will, sodass ihr euch auf keinen belanglosen Nachklapp zu amerikanischen Standartenträgern einlassen werdet. Die prügeln ihr Spiel bis in die feinste lustvolle Spalte und den gröbsten technischen Winkel, solang man Feinschliff mit Winkelschleifer und Kettensäge in Verbindung bringt. Hier ist durchaus eine Menge mediterranes Rohfleisch auf dem Räucherspieß, macht viel Appetit aber noch lange nicht satt.
9/10

Friday, April 27, 2012

DEMON LUNG - Pareidolia - Mcd / Self Produced

1.Somnolenz bezeichnet in der Medizin eine Benommenheit mit abnormer Schläfrigkeit als leichtere Form der Bewusstseinstrübung mit Erweckbarkeit und mit meist nicht vollständiger Erinnerungslücke.
2.Apathie: Mit Apathie bezeichnet man in der Medizin die Teilnahmslosigkeit, mangelnde Erregbarkeit und Unempfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen.
3.Narkolepsie, im Volksmund auch „Schlafkrankheit“ oder „Schlummersucht“ genannt, gehört zur Gruppe der Schlafsüchte (Hypersomnie). Zentrales Merkmal sind häufige Schlafattacken während des Tages in Verbindung mit einem erheblich gestörten Nachtschlaf. Die Schlafattacken dauern zwischen wenigen Sekunden bis zu einer halben Stunde. Hierbei kommt es zu einem plötzlichem Eindringen des REM-Schlafs in den Wachzustand. Bei einigen Narkoleptikern kommt es gelegentlich und unter bestimmten Umständen zu einem plötzlichen Verlust der Muskelspannung bis hin zu vollständigem Tonusverlust bei vollem Bewusstsein (Kataplexie), was bei den betroffenen Personen zu Stürzen führen kann.
4.Trägheit: Die Trägheit ist die Eigenschaft von Körpern, in ihrem Bewegungszustand zu verharren, solange keine äußere Kraft auf sie einwirkt. Die träge Masse gibt die Größe der Trägheit an. Je größer die träge Masse eines Körpers ist, umso weniger beeinflusst eine auf ihn einwirkende Kraft seine Bewegung.
5.Koma: In der Medizin ist ein voll ausgeprägtes Koma die schwerste Form einer quantitativen Bewusstseinsstörung. In diesem Zustand kann das Individuum auch durch starke äußere Stimuli, wie wiederholte Schmerzreize, nicht geweckt werden.
6.Schlaf ist ein Zustand der äußeren Ruhe bei Lebewesen. Dabei unterscheiden sich viele Lebenszeichen von denen des Wachzustands. Puls, Atemfrequenz und Blutdruck sinken bei Primaten und höheren Lebewesen im sogenannten NREM-Schlaf ab und die Gehirnaktivität verändert sich.
7.Phlegma: Als Phlegmatiker wird ein Mensch bezeichnet, der langsam, ruhig und manchmal sogar schwerfällig ist. Dem Phlegmatiker wird häufig Trägheit oder Mangel an Lebhaftigkeit unterstellt.
8.Suizid, auch Selbsttötung, Selbstmord oder Freitod, ist das willentliche Beenden des eigenen Lebens, sei es durch beabsichtigtes Handeln oder absichtliches Unterlassen von lebenserhaltenden Maßnahmen, z. B. lebenswichtige Medikamente, Nahrungsmittel oder Flüssigkeit zu sich zu nehmen.

Das fetzt, Wikipedia kennt alle Säulen des Doom Metal und Demon Lung erfüllen die Kriterien in vollem Umfang, dafür gibt es 7 Sandkörner in bettschwere Augen.
7/10

NEVER TO ARISE - Hacked To Perfection - Cd / BadGod Music

Florida hat uns in den alten Tagen Death Metal Bands geschickt, die heute noch Bestand haben und für viele wegweisend waren. Bei Never To Arise würde ich jetzt nicht so weit gehen wollen, sie als Propheten zu verkaufen. Aber ein Recht auf Beständigkeit haben sie sich mit ihrem Debüt „Hacked To Perfection“ wohl erarbeitet. Oder werden es, kommt ja erst im Mai. Das Duo traut sich was und kann was, jongliert mit zeitlosen technischen Kloppereien, die Cannibal Corpse Jünger ebenso interessieren werden wie Morbid Angel Fans. Gutes Timing, progressives Standbein und durchdachtes Songwriting, wer das gut beherrscht und weiß wie rum er die Axt halten muss, um die Selbstverletzungsgefahr auf ein erträgliches Maß zu mindern, der hat auch die Fähigkeit, mehr als nur ein paar gute Songs in die Vorratsdose zu packen. Sollten irgendwann mal wieder spacke Zeiten für den Death Metal kommen (ich befürchte ja nicht), und es wird gesiebt, dann haben die beiden amerikanischen Bleigießer bereits alles dafür getan, im Raster hängen zu bleiben und nicht in der Grube der Verdammnis dem Vergessen überlassen zu werden. Ein so verspieltes Pärchen, dass seine Instrumente filigran bis rigoros brutal liebkost und nicht immer berechenbare Musik schreibt, hat sich zumindest einen Strauß Blumen im Knopfloch verdient. Der komplette Zinnober lebt von nachvollziehbaren bis abgefuckten Riffs, echten Nackenbrechern, Breaks und Tempowechsel an Stellen wo sie hingehören und an solchen, die für einen Überraschungsmoment gut sind. Darunter verirren sich auch Thrash Metal Elemente und vielgestaltige Gitarrensolis sowie einiges an verqueeren Melodien. Die strapazieren ihre 6 Saiten manchmal fast bis zur Orientierungslosigkeit, wissen aber auch immer vor dem Kollaps zu stoppen und untermauern das Flitzefingergefiepe mit der Leadgitarre um den Druck immer schön hübsch aufrecht zu erhalten. Vor allem zählen aber massive Einflüsse amerikanischer Klassiker, da wird dann geblastet bis der Sphinkter leckt oder Midtempo schwer aufgelegt. Fakt ist, dass sich eine spärliche Bandbesetzung umso breitbeiniger vor die Sonne schiebt, unbedingt ihren Senf in den Topf kleckern will und kaum etwas verschüttet, so zielsicher entleeren sie ihren brutal, kranken Kreativtrieb. Dass sie dabei so einiges nutzen, das vorher schon mal auf dem kalten Buffet lag, sollte da nicht stören, ich denke die Kombination gibt den Ausschlag ob jemand mit Eiern und Verstand an seiner Musik arbeitet, oder einfach nur seine Lieblingsalben wirken lässt. Never To Arise liefern dahingehend Überzeugungsarbeit, beweisen dass Vielschichtigkeit nicht gleichbedeutend mit überladenem Chaos ist, wenn man auch nur die Spur einer Ahnung hat, wann an welchen Fäden zu ziehen ist um das Gewebe eigener Kreationen kugelsicher zu verdichten. Bietet sich als gute Alternative an, wenn ihr es nicht ständig stumpf und primitiv auf die Rübe haben wollt und trotzdem an der alten Schule hängt.
8/10

Thursday, April 26, 2012

ASILENT - Recalibrated Chaos - Mcd / Self Released

Um eine lobenswerte grobmotorische Leidenschaft bezüglich stählerner Prügelei mit betonter Knüppel auf den Sack Mentalität in ein zielsicheres Sturmgeschütz zu transferieren, bedarf es einer Besatzung mit stoischem Willen und breiter Geschmackspalette. Eben diese Eigenschaften zur Justierung der nicht unbedingt selbst erdachten aber gut gebauten Todeslafette besitzen Asilent aus Singapur. Die füllen ihr Rohr mit klar gestrickten Cannibal Corpse Schrapnells, den dicken Eiern und der Abgebrühtheit von Skinless und den grindigen Überrollbügeln von Leng Tche´. So bezirzt die Leadgitarre mit beinahe krankhaft melodiöser Periskopsicht, getarnt durch mörderische Riffs, und rollt auch mit unterschwelligen Grooveketten über den Leichenacker. An der Peripherie wird mit rudimentärer progressivem Schliff etwas Feinarbeit geleistet und schon kann das Ziel aufs Korn genommen werden. Der Fronter gurgelt unverständliche und schwerlich als menschlich einstufbare Befehle in den Kampflärm und bereits die ersten Einschläge verursachen maximale Verluste hinter den feindlichen Linien. Vollgas ist die Maxime, um dem Gegner keine Zeit zur Verteidigung zu lassen und mit lautem Getöse so viel Staub wie möglich aufzuwirbeln. Das verschleiert auch bei mir etwas die Perspektive…vermutlich. Aber so funktioniert brutaler Death Metal nun mal. Asilent haben nach einem Demo und diversen Samplerbeiträgen den Arsch aus dem Bottich gehoben und eine 20 minütige Mini über den Tisch gereicht, die sich vor etwaiger Konkurrenz nicht fürchten muss. Technisch sauber wie gleichermaßen rigoros in die Fresse und mit überzeugender Soundqualität bemüht sich der Vierersturm mit einigem Erfolg Punkte auf dem eigenen Konto zu sammeln. Ob sie nun zur lyrischen Erquickung Charly „White Album“ Manson, Horden von Untote ins Rennen um den Thron aus Blut und Perversion schicken, oder das Chaos als solches glorifizieren, bleibt da beinahe nebensächlich. Blutiges Geballer zieht blutige Klischees nach sich, was soll´s! Wichtig ist nur, dass die immer genug Auftrieb haben um die Flughöhe bei diesem Wahnsinnstempo zu halten, denn da bleibt kaum noch Zeit zum navigieren. Aber vor möglichen kreativen Einbrüchen vermittelt das Quartett keine spürbare Panik, denn Asilent agiert wie ein potentes Überfallkommando, das noch deutlich länger durchhalten kann, als eine schlappe 1/3 Stunde. Abzüglich der offensichtlich unabdingbaren Intros, in denen der gestörte Bush palavert oder uns Bleihagel um die Ohren fliegt, bleibt unterm Strich sogar noch weniger. Will ich aber nicht dran rumningeln, denn das was Netto an Musik auf dem Bolzen landet, ist jede Sekunde wert. Müsst ihr euch selbst mal auferlegen, die Ep gibt es diesseits der Weltkugel bei Morbid Generation,
8/10

Wednesday, April 25, 2012

NEXHYMN - Black Horizon - Mcd / Self Released

Brutal ja, facettenreich, nö, dafür mit einer Mutter hinter dem Sabberfilter, dass es jedem anständigen Hetero nicht im Entferntesten in den Sinn kommt, an Titten zu denken. Schon das Bandfoto lässt jeden Anflug von Sexappeal flüchtiger werden als Methan in einer Turnhalle ohne Dach. Dafür hat die ihre Mucke mit Herz und Seele gefressen, wofür ich einen ganzen Kasten Zoll spendiere. Die growlt dermaßen unschön männlich und unbearbeitet, dass bei der maskulinen Welt die Testikel unbedingt schlaff bleiben müssen. Dafür hat die selbst Eier in ihrer Stimme, die jeden Gartenschlauch platzen lassen. Damit untermalt sie im Picasso - Stil ein feist, schnelles Gemetzel, das den schnöden Death Metal Fan straff am Kragen packt und durchgängig auf die Lampe drischt. Abwechslung geht dabei hörbar verloren, lediglich Tempovariationen lassen verschwommenes Licht durch beschlagene Sonnengläser schimmern. Wir werden mit klischeehaftem aber gern konsumiertem Kriegslärm empfangen und dann steigt das Gerödel kaum noch vom Pedal. Ist handwerklich stabil aber eher Baumarktware als edles Gespinst aus dem Designerstudio. Irgendwie erdig, mit oftmals zu schrill und peripher Black Metal - lastigen Riffs. Insbesondere in den wenigen Momenten, da die Geschwindigkeit kurzzeitig abschwillt wird klar, dass die insgeheim eine schwarze Seele verbergen. Trockener und tiefer hätte meinen subjektiven Horizont mehr berührt, aber das schmeichelt sich bekanntlich ins Ohr des Betrachters wie Kühlschrankbutter auf frisches Bäckerbrot. Aufgepeppt wird dieses marginale Manko durch nett getimte Blastbeats und genereller Atemlosigkeit über 6 nicht unfeine Songs. NEXHYMN ist eine Band, die es ganz gut hinbekommt pure Aggression mit schnittigem Songwriting zu vereinen. Dass ihnen damit aber irgendwann die Luft ausgehen könnte, ist nicht ganz von der verschwitzten Hand zu weisen, denn die Mcd bietet wie erwähnt nicht mehr als bekannte, wenn auch wohlgefällige Schubladenkost, und befasst sich nun nicht unbedingt mit der Absicht einen Pokal auf außergewöhnliche Innovation zu ergattern. Die stehen eher darauf, uns durch den Set zu hetzen, etwas von unserer Zeit zu komprimieren und eben mit schwanzloser Unterstützung uns an unserer eigenen Zeugungsfähigkeit zweifeln zu lassen. Pure Raserei scheint es zu sein, was diesen neuen „Denver – Clan“ abtreibt, da bleibt kein Sekündchen für Intrigen und Machenschaften, das ist reines Blutvergießen, das sowohl unterhält wie strapaziert. Da ich glaube, dass viele von uns (mich eingeschlossen) schon lange nicht mehr nach einem Novum in der Szene suchen, und es auch gar nicht benötigen, bin ich einigermaßen überzeugt, dass Nexhymn sich ihren Weg mittelfristig ebnen werden. Wenn in dieser Spezies Death Metal Raserei und Sauerstoffmangel als Eckpfeiler für pflegeleichte Keilerei gelten, dann werden die Amis mit und hinter ihrer Frontwalküre noch einige Zeit fruchtbares Weideland zu Staub zertreten. Hört selbst!
6/10

ANHEDONIST - Netherwards - Cd / Dark Descent Records

Death und Doom zu verquicken hat immer was von exzellenter Schwere und dem Versuch Behäbigkeit nicht mit Langeweile zu vermählen. Anhedonist gelingt das ausgezeichnet. Der Gitarrensound ist immens fett, tief und zäh und vermittelt eine Morbidität, die musikalisch einen reizvollen Todestrieb auslöst. Zudem passiert hier vielleicht doch etwas mehr als es gewöhnlich von Doom besessenen Musikern erwartet wird. Allein die Vokals lassen Katakomben erzittern, präsentieren sich als LSD verzögerte Growls aus verschütteten Gräbern. Manchmal erweckt das tatsächlich den Eindruck, die reitenden Leichen aus spanischem Kultschund würden ihren eigenen Ritt akustisch reanimieren. Wenn die Band zwischendurch auf die Tube tritt, hat das was vom Horrorfeeling einer Band wie Mortician (ohne musikalische Referenz), primitiv und ungleich brutal. Leben tut das Spiel aber natürlich von den endlosen langsamen Parts, akustischen Teilen und der soundtrackartigen Atmosphäre, die jedem Horrorfilm, der sich auch nur ansatzweise mit Verderben und Leid auseinandersetzt, gerecht würde. Das ist so zeitlos wie absolut unpopulistisch. Einfach nur Gänsehaut. Da ist es schon ein Phänomen, dass das große Gähnen bei diesen überdehnten Songs nicht irgendwann einsetzt. Die 4 Stücke erstrecken sich immerhin über eine Spielzeit von 40 Minuten. Das erinnert dann etwas an sehr behäbige Dead Congregation, Gesang wie Instrumentierung und Sound, nur eben um einiges schwerfälliger, verdammt Old School! Macht euch auf schmetternde Riffs und eiskalte Melodien gefasst. Wie der Albumtitel ankündigt, schlurft das musikalische Erbe graustichiger Doomväter vereint mit Death Metal aus der Mottenkiste nahezu unterirdisch an ein noch unbestimmtes Ziel. Dabei erscheint die Gitarre, ertränkt in metaphorischer Melasse genau so unaufhaltsam wie der Hang Bässe wie Bombeneinschläge fallen zu lassen. Der Mittelpunkt des Albums ist die Erkenntnis, dass es nicht schlecht sein muss, sich über Gebühr Zeit zu lassen. Dabei entsteht so was wie ein untoter Schlagabtausch zwischen brutaler Zähflüssigkeit und atmosphärisch forcierter Akustik. Als würde ein steinzeitliches Mammut seinen eigenen Todeskampf in der Teergrube stoisch in den Äther posaunen. Den 4 Amis ist da wirklich ein kleines Meisterwerk gelungen, man muss dem verschnarchten Trab nur eine massige Portion an Blei und Stahl überhelfen und einen Sound bestimmen, der das Gesamtwerk richtig zur Geltung bringt. Wenn sich dann noch die Nackenhaare im positiven Sinne aufstellen, ist wohl alles an seinem Platz. Klar, sehr viel passiert über die gesamte Spielzeit bestimmt nicht, erwartet also keine Höhenflüge, eher erdiges Stampfen, genüssliche Qual und das komplette Fernbleiben filigranen Musikschaffens. Auf die Nuancen kommt es an. „Netherwards“ ist schlichtweg nicht mehr und nicht weniger als kraftvolle Melancholie!
9/10

Tuesday, April 24, 2012

EMPTINESS - Error - Cd / Dark Descent Records

So leer wie s die Band hinter ihrem Krawallpseudonym tut, sind sich sicher nicht. Ob der Albumtitel der aktuellen Rille der Belgier (unter anderem mit Enthroned Leuten) jedoch maßgebend für die Zukunft sein wird, lässt sich sicher bald rausfinden. Fest steht, dass ihr als Konsumenten schon Nerven wie Stahlseile, Durchhaltevermögen oder eine in Todesstarre gefangene Depression braucht, um durchweg an diesem Geschwür an schwarzem, teils doomigen, teils rüpelhaft ratterndem Todmetall Gefallen zu finden. Ich würde der Band ja psychedelische Ausschweifungen nachsagen, aber vielleicht liegt es auch an dem Kraut, dass man in diesem Beinahe – Zwergenstaat frisst, inhaliert oder säuft. Das was nach dem Verdauungsprozess hinten raus fällt ist zum einen anspruchsvoll und definitiv keine Massenware. Aber somit natürlich auch kein zu erwartender Hit in punkto erfolgreichen Brieftaschenausstopfens. Zum anderen ist es aber auch absolut anstrengend, sich gegen endlos fortsetzende, tieftraurige und eher zähe und heulende Gitarren zu stemmen und dabei den Grundtenor einer Black Metal Band nicht aus dem Augenwinkel zu verlieren. Denn jener ist ein monoton und relativ vertraut klingender Stampfrhythmus mit etwas schriller Instrumentierung. Das was darum wabert und ihn immer wieder unterbricht, das ist vielleicht als innovativ zu bezeichnen, vielleicht auch als nervigen Scheiß. Pink Floyd hätten so etwas einst vielleicht auch hinbekommen, in ihren antiken Ruinen und mit anderem Equipment, und wären damit jämmerlich auf die Schnauze gefallen. Aber ich muss Emptiness auch zugestehen, dass sie keine Berührungsängste haben, das Genre zu verlassen und dem Hörer Dinge abzuverlangen, die eben nicht jeden Tag auf dem Tisch zum verschlingen serviert werden. Dinge die völlig unharmonische in scheinbarer Kakophonie verdampfen, oder wie ein experimenteller Bausatz ohne Konstruktionsanleitung freihändig zusammen gesetzt werden. Da bekommt ihr es mit Arrangements zu tun, bei denen das Tempo immer wieder in unerwartete Richtungen davon eilt und progressive Elemente eher aus der klassischen Musik, viel Verständnis erfordern. Oder aber auch mit unverständlichen Lines, bei denen der rote Faden im Nirgendwo verschwindet. Wer denn genug Mutes ist, sich dem Album auszusetzen, dem wird unter Umständen das Hirn unter metallischer Hypnose zu den Ohren raus kleckern. Eine Band wie diesen belgischen Vierer kann man nicht mal so zwischendurch hören, dafür bedrückt er mit zu viel inhaltlicher Schwere und einem stilübergreifenden Prinzip. Wahrscheinlich gibt es viele Bands, die Death, Black, Doom und Thrash irgendwie zusammen friemeln. Aber mit Garantie nur eine stark limitierte Stückzahl an Irren, die daraus einen so schwer zu schluckenden Bastard machen, der Anspruch und Metal miteinander vereint. Irgendwas muss da in der Seelenwelt der Musiker ziemlich randwärts driften um so was zu komponieren. Einigen wenigen wird es auf Anhieb gefallen, dem Gros wird der Scheiß einfach nur auf die Eier gehen, denn dafür benötigt man viel Verständnis, oder ordentlich was zu püffeln!
5/10

Saturday, April 21, 2012

MALFEITOR - Dum Morior Orior - Cd / Hellthrasher Productions

MALFEITOR ist ein reanimierter schwedischer Kadaver, der heute zeigt, was einst hätte werden können. In ihrer ersten aktiven Phase in den frühen 90ern haben sie nichts Verwertbares auf die Beine gestellt, kommen dafür in ihrer Midlifecrisis mit aller Macht zurück. Was seinerzeit aus welchen Gründen auch immer mit frischer, schwarzer Erde zugedeckt wurde, kämpft sich heute aus Dreck und Wurzelwerk scheinbar mühelos wieder an die Oberfläche und heult mit den Wölfen schaurig um die Häuser. Nach diversem Vorgeplänkel mit Ep und Split geht es jetzt an die Pflicht. Das erste Album erhebt sich aus einem Knochenberg musikalischer Umtriebigkeit und tritt den Versuch an, verwertbare Spuren zu hinterlassen. Mit dem unstrittigen Privileg auf der Habenseite, bereits an den Baum gepinkelt zu haben, als er noch ein grüner Spross war, unterliegen sie nicht dem Makel des sich selbst kopierenden Einheitsklangs. Ja, natürlich stampft das Album in bewährter Tradition durch ein reichhaltiges Metalbiotop und hat dabei einige fixe Flitzer an Bord, ganz im liebgewonnenen klassischen Sinne. Aber MALFEITOR achten auch auf die Feinheiten, auf Arrangements, Einspieler, den gewissen Kniff beim Schreiben der richtigen Riffs und ermöglichen ihren Songs damit einen besonderen Drive, der mit Hinblick auf die eigene Erfahrung aus „Dum Morior Orior“ ein überdurchschnittliches Album macht. Da paaren sich Melodie, Stimmungen und Brutalität auf einer viel homogeneren Ebene als es Myriaden Gleichgepolter je können werden. So entfesselt man Old School und legt überzeugend dar, dass Innovation und Kreativität durchaus vereinbar mit staubigen Rhythmen und morbider Leichenfledderei sein können. Die Songs donnern mit brachialer Gewalt in breiter Front gegen zum Ausweichen Unwillige oder Unfähige und brechen sich Bahn mit mörderischen Bässen, sauerstoffresistenten, schleimigen Growls und leidensfähiger Friedhofsatmosphäre. Mit solchen blumigen Trademarks, deren Kern ihr sicher erkennt, gelingt es etwas Sonnenlicht in die mit Bandleichen zugeparkte Gruft zu streuen. Quasi ein Album auf die Theke zu werfen, das der Szene überzeugt treu bleibt, aber nicht mit blindem Gehorsam agiert. Deshalb hat die wiederauferstandene Leiche MALFEITOR auch alles Recht den verrotteten Körper auf einen Streifzug über den vollgepfropften Totenacker zu schicken und einige Grabsteine umzutreten. Wenn ihr immer noch unersättlich in punkto Schwedentod seid, und die Orientierung etwas verloren habt, dann will ich euch diese Band empfehlen. Hier bekommt ihr das volle Programm, müsst auf nichts verzichten und langweilig wird es so schnell auch nicht. Schöne Sonntagsscheibe, wenn ihr das traditionsverpflichtete Familienkaffeekränzchen schnell hinter euch bringen wollt.
8/10

MASS BURIAL - Of Carrion And Pestilence - Cd / Wydawnictwo Muzyczne Psycho

Die spanischen MASS BURIAL sind ein weiterer Plagiatsanwärter schwedischer Elchschlachterei, wie mittlerweile so unüberschaubar viele. Die agieren mit genau dem herzlich morbiden Charme wie ihre Kollegen von überall her, und erzittern aber bestehen unter Odins Hammer. Na klar klingen die wie Entombed, tun sie doch alle. Gitarrensound aus dem 2. Untergeschoss brandgefährdeter Kirchen, Mid - Tempo Stampfer unaufgeregt und authentisch im Wechselspiel mit flotten Abrissbirnen, klagende Solis einer verirrten Gitarre, eine totes Vokalecho aus der Gruft, abgeranztes Outfit (das Bandfoto ist echt gruselig) und ein Cover ganz im Stil schwarz/weißer Leichenfresser. Die 4 Caballeros machen aber auch nicht den kleinen Finger krumm besonders innovativ zu sein oder auch nur einen Faden von der Old School Fährte abzuweichen. Die quetschen ihre Ärsche frech auf die Bank der längst überfüllten Zeitmaschine und weisen musikalisch etwaigen Kritikern ihren ausgestreckten Mittelfinger zu. Also es gibt nichts Neues von der Front zu berichten, außer dass ein weiterer Soldat in die Kompanie vergattert wurde. Die erste Riff auf durchhängenden Seiten gibt die Richtung an und ihr wisst sofort welch betörendes Brachland vor euch liegt. Und trotzdem kann ich ein positives Feedback zurück geben. Mag es an der mittlerweile vielleicht erfolgten subjektiven Gleichschaltung nicht mehr ganz so präzise fließender Hirnströme liegen, oder einfach an der Tatsache, dass die staubige Alte Herren Szene einfach Spaß macht, MASS BURIAL passen einfach in die Abenddämmerung nicht ganz frischer Geschmacksbetroffenheiten. Und so geschieht es, dass sich die Luft auf der iberischen Halbinsel merklich abkühlt und skandinavische Drachenboote gefüllt mit zum Export verdammten Leichen an Land gehen. Der verdammte Virus, den einst nihilistische Grünschnäbel unbewusst streuten, grassiert immer noch und heftiger als je zuvor. „Of Carrion And Pestilence“, deutlicher könnte ein Albumtitel kaum sein, frisst sich die Band doch an fauligem Aas die Bäuche fett. Metaphorisch natürlich, aber unüberhörbar. Das bollert und dröhnt wie Säcke blinder Schädel auf dem Weg in die Gruft, wenn sie jede einzelne Treppenstufe mit stumpfer Härte liebkosen. Da gruselt es aufgrund eisiger Friedhofsmelodien und der Magen komprimiert sich bei jedem Anschlag, da er sich in den Tiefen der Innereien vor den Bässen verstecken will. Das ist die pure Essenz schwedischer Todessehnsucht, nicht mehr und nicht weniger und ich glaube gern, dass so einige inzwischen den Kanal voll haben von all den Trümmerhorden. Nur ist für die so ein Album kaum bestimmt. Das ist für mich und all jene die die alten Scheiben zum abstauben aus dem Regal ziehen und eine gemeinsame Leidenschaft teilen. Und wenn spanische Bastarde ihren Senf dazugeben müssen, dann begrüße ich das gern, auch wenn der Reiz des Besonderen heute flüchtiger ist als ein feuchter Furz!
7/10

Friday, April 20, 2012

DREAMING DEAD - Midnightmares - Cd / Eigenproduktion

Gefühlsduselei und Knüppel ins Genick, das sind die beiden Kontrapunkte, zwischen denen sich die Musik des Melo – Death Trios mit Frontfrau wie eine Flipperkugel mit Abrieb und Dellen hin und her spielen lässt. Was ganz gut greift, ist die im Promotext nicht von ungefähr erwähnte Affinität zu Großmeister Schuldiner, denn von Death haben Dreaming Dead mehr als nur progressive Absichten. Da geht es sowohl um songtechnische Arrangements wie auch um die Offenlegung der eigenen Wurzeln. Was aber darüber hinaus ragt und irgendwie auch die Schuldinersche Ausbildung ergänzt, ist der unbedingte Wille mit fein strukturierten Melodien Millionen zu begeistern. Na ja, im hochgestapelten Sinne. Was mit fehlt, ist ein bisschen kompromisslose Härte, der Grad der Brutalität hätte gern etwas mehr gen Höllenpein tendieren können. Dreaming Dead klingen beinahe zu kalt und steril, ja fast stur. Der melodische Part ist stellenweise beängstigend übertrieben schöngeistig, oder wie immer man es nennen mag. Phasenweise hat das etwas von einer Entspannungs – Cd für Schwangere. Und das finde ich dann schon befremdlich, wenn sich eine Band im eigenen Komponier – Wahn befindet und scheinbar den Kontakt zur Außenwelt verliert. Bezeichnend dafür steht wohl das Instrumental „In Memorian“, das vor Selbstverliebtheit an Herzschwäche stirbt und uns mit nicht enden wollenden Melodien übergießt wie der Bäcker seine Hochzeitstorte mit süßer Glasur. Beim folgenden Song „Lapse“ bettelt der Hörer beinahe um einen Brecher der Lethargie verdampfen lässt und eingeschlafen Füße wachkitzelt oder schmusenden Paareumtrieb von der Matratze scheucht. Aber das Prinzip aus Virtuosität, etwas schartigen thrashigen Riffs und progressiven Eckdaten ist vor der eigenen Courage erstarrt. Der letzte Song ist dann die kreative Krönung, wenn du als überraschter Konsument das Gefühl vermittelt bekommst auf einer Blümchenwiese zu sitzen, anstatt mit richtigem Radau in die Höllenglut verabschiedet zu werden. Houston, wir haben ein Problem. Zudem finde ich den Gesang der Frontfrau jetzt nicht so prickelnd, was sich halt so von femininen Stimmbändern loseisen kann, ohne zu verfälschen. Rau, relativ hell im Versuch mächtig tief zu klingen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Band immer genau weiß was sie da tut oder einfach keinen Wert auf einfach zu konsumierende Eingängigkeit legt. Diesen Tunnelblick muss ich ihnen sogar hoch anrechnen, denn einfach hätte wohl jeder gekonnt. Trotzdem schießen sie über das Ziel hinaus und verlieren potentielle Fans durch zu viel Melancholie und der schieren Abwesenheit ungezügelter Gassenhauermentalität. Das hört sich alles schon viel zu schön und harmonisch an um die räudige Präsenz echten Metals´ durchweg zu präsentieren. Lobenswert hingegen ist die technische Umsetzung, die durch fetteren Sound mehr Präsenz verdient hätte. Melodicmetal Fans wird es gefallen. 6/10

Thursday, April 19, 2012

JEHACKTET - Ehec (tet) - Mcd / Morbid Generation

Jehacktet ist Bulettenhumor, ein virulenter Ausflug ins Umland des „Nicht alles auf die Goldwaage legen“, Hauptsache Axt und Alkohol im Rucksack. Was gibt es erstrebenswerteres als brutale Musik zu verbreiten, dabei den Humor nicht zu verlieren und trotzdem den eigenen Ansprüchen zu genügen. Unter dieser Maxime erwarten euch einige Death/Grind/Gore Songs die gegenseitig im geradlinigen „Um die Ecke denken“ konkurrieren. So dürft ihr bei Slam und Uffta Gore Nummern die Hose auf Halbmast hängen lassen und aufgepeppten Polkarhythmus als höchstes Gut menschlicher Unterhaltungskunst anhimmeln, aber irgendwie müsst ihr auch mit Breaks und Twisttänzen der Leadgitarre klar kommen. Auf oraler Ebene ist ebenfalls einiges drin, außer gängigen rektalen Hilfeschreien nach Frischluft entringen sich den Ösophagiden auch Töne die an den Muppets Chefkoch erinnern, wenn er unter der ablaufenden Dusche mit Hilfe der Achselhöhlen rückwärts nach schwedischem Butterbrot bettelt… oder es gerade wieder auskotzt. Dafür bedarf es viel Fantasie, schon klar, aber die braucht ihr ohnehin, wenn ihr euch mit Jehacktet anlegen wollt. Da geht es eben nicht immer nur einfach gerade aus, wie es der erste Durchlauf vielleicht noch semierfolgreich vermitteln will. Das Songwriting mit seiner lockeren Präsenz ist um einiges vielschichtiger als es gemeinhin von einem Rülps und Knüppel Kommando zu erwarten wäre. Und außerdem ist es eben spaßig, wenn mit Hilfe von Utta Utta Grind die Philosophie der Axt erklärt, und Haggis gekocht wird. Wenn Viren blöde und einiges mehr machen, die grauen Zellen sich mittels Grooves und Progs im eigenen Gedankensallat verlieren. Schön zu wissen, wenn Anspruch auf Nonsense trifft und die Musik das Gleichgewicht halten kann. Es ist nun noch nicht hinlänglich geklärt, was diese zerebralen Krämpfe und unkontrollierbaren Fieberschübe ausgelöst hat, vom Irrsinn befallenen Gurken aus der iberischer Fremdarbeitersklaverei oder Sprossen mit nordafrikanischem Revolutionsabsichten. Fest steht, dass davon in der Hauptstadt zu viel über den Tresen gegangen ist, und dass es für uns gut ist, dass die ins Schweinemett gelangt sind. Das Ergebnis wahrscheinlich unbeabsichtigter Feldversuche sind 20 Minuten Groove und Krach, Blut und Clownschminke, Gaspedal und Zick Zack Kurs, Unterhaltung und Kopfschmerzen. Ich hab die vor Jahren mal in Berlin in der Amnesie vor Rompeprop gesehen und ärgere mich jetzt, mich nur darauf konzentriert zu haben, schnellstmöglich den Boden des Glases zu erblicken. Sollte euch nicht passieren, wenn ihr die Mcd abgreift. Also biddäää, (mit ausgestreckten Armen im Kreis tanzen), das ist eine reine Weltidee! Macht hinne! 8/10

Friday, April 13, 2012

SOUTHERN DRINKSTRUCTION - Drunk Till Death - Cd / Despise The Sun


Ich erlebe selten ein Album, das so in selbstüberzeugter Coolness badet, wie „Drunk Till Death“ von SOUTHERN DRINKSTRUCTION. Allein der Name ist ein deutliches Statement und weist unzweifelhaft die Richtung. Hier treffen sich alte Thrash Metal Sprenganschläge mit ungemein viel maskulinem Humor. Saufen, Titten, Selbstironie. Dazu gesellt sich wohlige Grind & Roll Attitüde, die mit jedem 2. Song an die großartigen Aussi – Assi – Prolls von Blood Duster andockt. Da finden sich relaxtes Tempo, markige Growls und die sattesten Grooves die ich seit langem gehört habe zusammen und säbeln eine wahnwitzige Nummer nach der anderen von der Auslage des Alkohol und Pussy Tresen. 4 kleine Italiener wissen echte Männerträume adäquat ins Ohr zu transportieren. Sex, Drugs & Rock´n Roll endlich bringt es mal wieder einer auf den Punkt. Und das ist dann der echte Inbegriff von musizierendem Relaxen. Wer jetzt aber glaubt, auf eine Schablone aus Groove, Thrash und Klischees verzichten zu können, der ist verdammt voreilig, denn musikalisch haben die testosteronschwangeren Söhne des Paten wenig zu verlieren und einiges zu verteidigen. Nach eigener Vorstellung sehen sie sich als moralisches und instrumentales Erbe ergrauter Südstaatenrocker und auch dieses ist mit dafür nötiger Fantasie glaubhaft umgesetzt. Freilich nicht nur mit Insignien rebellenhaften Freiheitsdenkens, sondern auch mit partiell erkennbarem Songwriting, natürlich im Mantel schwermetallischer Auslegung. Vielleicht ist das auch der Grund, warum die schnellen Nummern eher Thrash Metal orientiert sind (im Bleimantel) und mit typischen Riffs punkten, hingegen die langsamen (und zahlreicheren) so tonnenschwer und viel cooler klingen. Zweitere nehmen viel deutlicher Bezug zu langen Bärten, Stirnbändern und Schlaghosen. Der Grat der Härte ist natürlich ein ungleich höherer und wird alle begeistern können, die es nicht täglich so ernst angehen müssen. Einer der herausstechensten Songs ist „Dirty Sanches“, der das südeuropäische Genital rockt (zumindest mental) und auch nordische Kälte um einige Grad ins positive drückt. Dabei war mir gar nicht bewusst, dass Stiefelbewohner wirklich auf so Schweinkram stehen. Ist jedenfalls eine frisch angeschliffene Aurikularfräse! Im Gegensatz dazu ist „Motor 666“ ein bekennender Rock´n Roll Song und „Drink Whiskey, Make Justice“ mit einem knochenspaltendem Monsterriff und ohne Skrupel auf der Überholspur unterwegs. Und der Rest des Albums liegt irgendwo dazwischen. SOUTHERN DRINKSTRUCTION empfehlen sich als unbedingtes Muss für Fans von Blood Duster, Mucubelching Beats und Neuropathia, reformiertem Blues, versoffenem Thrash und großkotzigem Rock. Voraussetzung ist, ihr könnt auch über billige Scherze und die eigene Schwanzlänge lachen, dann versteht ihr die Band als Reformer und Unterhalter, Aufschneider und Künstler, Komiker und Rocker, echte Kerle eben! Volle Punktzahl für volle Gläser!
10/10

Wednesday, April 11, 2012

PIGHEAD - Rotten Body Reanimation - Cd / Morbid Genaration


Was so ein echter ostgermanischer Schweinekopp alles auskotzt, bringt die grauen Innereien der Hoffnung ans schummrige Tageslicht. Es wird immer besser in Sachen Präzisionsvermögen teutonischer Todeskeulen. Pigheads´ offensichtlich plakatives und übermächtig brutales Auftreten verbirgt einige Feinheiten, die der Band Charakter geben. Zum einen verlanget das Quartett dem vorrangig gemeuchelten Slam – Tod mehr ab, als das Genre üblicherweise bereit ist, anzubieten. Die Leadgitarre hat nämlich wesentlich mehr zu tun, als lediglich mit stumpfer Gewalt und Gummibändern an den Füßen durch Leichenberge zu schlurfen. Da gelingt die Symbiose aus entwurzelter Raserei, vertrauten und liebgewonnenen Schleppkähnen und der Umsetzung eigener, nicht zu hoch gestapelter Ansprüche. Das Konglomerat als interessant zu bezeichnen, wäre beinahe beleidigend. Tatsache ist, wenn die Lawine einmal vom Hang bricht, ist die Rübe schnell im Ausguss. Und der Drummer kloppt noch so lange hinterher, bis der letzte Knochensplitter durch den Siphon gequetscht ist. Auch lyrisch könnte mehr unter der schimmligen Oberfläche schlummern, als nur lose aneinandergereihte Schädelspalterserienfoltermordsgeschichtengutenachtküsse. Zumindest dient das atomare Chaos der Japaner, das von Schlagzeilen über niedliche Tierparkbabys verständlicherweise verdrängt wurde, als Vorlage für einen netten Nackenknacker. Ob es wirklich um mehr geht als einen Aufhänger für einen mörderischen Song, bleibt rein hypothetisch. Schön gegurgelt, gequiekt und gegrunzt wird jedenfalls, und solch vokalen Verrenkungen fällt sowieso jeder Text zum Opfer und verblasst in den hinteren Reihen. In musikalischer Hinsicht ist es der Band aber mit absoluter Sicherheit gelungen, den Kopf weit über der Waser zu halten und dem Sumpf aus megabrutalen, Tanzbärkapellen weit mehr Frischluft abzuringen, als es vielen Musikern allgemeinhin gelingt. Resultat ist ein tolles Album, das von einigen Kompromissen lebt und so innerhalb der Szene bestens funktionieren sollte. Also ein Hoch auf intelligent musizierende Schweineköppe, die sich nicht den Gesetzen der einschläfernden Coolness ergeben haben und immer kreativ am werkeln geblieben sind. Mit Leidenschaft und der Erkenntnis, nicht ganz klar in der Birne zu sein. Ansonsten wäre dieses Album bei weitem nicht so gut geworden, wie es nun tatsächlich über den Tresen gereicht wird. Ein Hoch auf Slam – Death mit der Fähigkeit um die Ecke und hinter den Horizont zu gucken. Ein Hoch auf die Lust den Metal immer noch ein bisschen mehr auf die Spitze zu treiben und uns den Spaß zu vermitteln, den diese Musik bei alle der finsteren Härte hinter grimmigen Blicken versteckt. „Rotten Body Reanimation“ ist vielleicht keine Offenbarung, wer braucht die schon, aber offenbar ein erfreulich geschmackloser Bastard aus Death / Grind und purer Unterhaltungslust!
9/10

Monday, April 9, 2012

THE GROTESQUERY - The Facts And Terrifying Testament Of Mason Hamilton Tsathoggua Tales - Cd / Cyclone Empire


Das unkaputtbare Kreativduo Johansson / Lee spuckt mit THE GROTESQUERY ein weiteres mal erfolgreich in den brodelnden Sud der Todesbleisuppe. Basierend auf dem Lovecraftschen Mythos erschaffen sie eine musikalische wie lyrische Welt aus Wahnsinn, Paranoia, Mystizismus Blut und Zwangsjacken. Im Schatten der „Großen Alten“ erheben sie sich wenig zaghaft, schwingen die Äxte in eine morbide Atmosphäre, punkten mit beträchtlich gewichtigen Riffs, Leads aus der Gänsehautkiste, Arrangements aus der Mid –Tempo - Hölle und einem richtigen Seelenfänger. „Gaze Of Ghatanathoa“, mit einem so kleistrigen und simplen Riff, dass es unbedingt den Verstand einbetoniert. Und dabei hat der Song aufgrund seiner relativen Vielschichtigkeit noch einiges mehr zu bieten, aber dieses Riff, das nur am Anfang und irgendwann in der Mitte einen kurzen Auftritt hat, ist wie das dahingeschiedene Tittenfoto in der Bildzeitung, zum drauf starren und bis zum nächsten nicht vergessen. Die fiktive Story hinter den Songs wird als realistisch verkauft, ebenfalls in der Tradition von Lovecraft und bietet ein mehr als nur interessantes Konzept, das hat Potential für eine echte Story. Nach der Maxime „Weil nicht sein kann, was nicht sein darf“, werden die alten Götter unter der Irrenanstalt erweckt und die Insassen einem musikalischen Gemetzel aus Terror und Verzweiflung preis gegeben. Dabei spinnt sich ein Endlosfaden aus klebrigen Melodien, allzeit verfolgbaren Rhythmen, beinahe kultischen Chorusintonationen und einem durchweg unaufgeregtem Tempo um seine Opfer. Albträume und Psychosen werden fest an die sich verzweifelt windenden Kadaver gezurrt. So macht Death Metal natürlich richtig Spaß, wenn Musiker was auf der Pfanne haben und sich nicht mit überflüssigen Plänkeleien und kompositorischen Halbwahrheiten aufhalten. Im Duett gelingt ihnen ein weiterer Schlag, dessen Echo die beiden selbst gern hören wollen, und so intensiv in der Tradition des 90er Jahre Death Metal schreiben und leben. Der Sound hat schon ein skandinavisches Know How, aber das wäre wahrscheinlich nicht mal zwingend gewesen und wirkt weder aufgesetzt noch übertrieben. Das ist einfach Handwerk mit Seele. So darf eine Gitarre gern schartig klingen, die Bässe ruhig etwas tiefer einfahren und trotzdem haben wir es weder mit Paganizer noch Ribspreader zu tun. Auch Lees Vergangenheit spielt eine Rolle und wahrscheinlich ist es das Zusammenspiel der territorial und in der Entwicklung des Death Metal so weit auseinander liegenden „Koryphäen“ die nach BONE GNAWER auch die 2. THE GROTESQUERY Scheibe zu einem uneingeschränkten Genuss für Fans anspruchsvoller und vor allem unverfälschter Mördersonaten macht. Denn der sonst so begrüßte stumpfe Einschlag des Old School Hauses erhält hier nicht die Aufmerksamkeit, die woanders gern geboten wird. Das wahnwitzige Treiben des Mason Hamilton (Protagonist der Geschichte) ist offensichtlich zu genial um uns in der musikalischen Umsetzung lediglich mit primitiver Gewalt zu drangsalieren. Sehr gutes Album!
9/10

Friday, April 6, 2012

EBOLA - Hell's Death Metal - Cd / Old Temple


Die ersten Anschläge und Rhythmen ließen mich fürchten auf eine Amon Amarth Kopie zu stoßen, denn der Auftakt von „Death Approaching“ ist eine Variable von „The Pursuit Of Vikings“. Das jedoch relativiert sich schnell, mit epischen Melodien und verklärten Heldengeschichten hat das polnische Trio nichts an der Mütze. Die stehen eher auf stumpfen und primitiven Death Metal mit schnoddrig, räudigen Gitarren und rauen bellenden Gesangsversuchen, das sie dann alles dem Teufel unter den Huf schieben können, wenn es schief gehen sollte. Ebola sind also eher was für Leute, die den unaufgeregten und effizienten Master Stil bevorzugen. Keine Zeit lange zu fackeln, lieber das Ruder mit Gewalt arretiert und das Ziel ohne Umwege aufs Korn genommen. Nach dieser Devise funktioniert der Versuch sich lautstark das Gehör eines überladenen Publikums zu sichern relativ gut. Da von einer derartigen Direktsteuerung kaum Variablen zu erwarten sind, ist es durchaus auch möglich, dass es manch einem irgendwann zu langweilig wird, vielleicht auch deshalb, weil einige Songs deutliche Parallelen zu bereits bekannten Genossen aufweisen könnte. Und trotzdem, oder gerade weil alle namhaften polnischen Trümmerbands einen erfolgreich auf technischen Perfektionismus machen, ist so ein eher primitiver Ableger mit seinem kantig, dreckigen Charme irgendwie angenehm. Also bitte, sollen sie mit dem was sie haben, ihre blasphemischen Tiraden unters Volk bringen. Und zwar mit einfach gestrickten und prima funktionierenden Rhythmen, mit diversen Tempowechsel, mehr als nur unterstützenden Drums und der festen Überzeugung an den Grundfesten der Hölle zu rütteln. Im Strom der zahllosen Metallerseelen die unter dem Antlitz des Gehörnten schwitzen, ist das vielleicht nur ein warmes Lüftchen, wenn man aber jemandem die Ideale raubt und die Überzeugung nimmt, geht die Flamme ganz fix aus. Ebola steht für Death Metal der die morbiden Freuden des Lebens auslotet, auf allzu große Innovationen verzichtet, vielleicht gar nicht auf die Idee kommt, nach ebenjenen zu suchen, und lieber funktional als anspruchsvoll sein will. Das zumindest könnte der Grundgedanke sein, um den sich „Hell´s Death Metal“ wickelt wie die Spaghetti um die Gabel. Einen echten Ohrenspanner zu schreiben ist ihnen dabei genau so wenig in den Sinn gekommen wie der Gedanke überhaupt einen gebrauchen zu können. So dürfte das einzige Problem das sich nicht weg reden lässt, die zu monotone Gleichförmigkeit des Albums sein, wenn du 2 oder 3 Nummern im Nacken hast, weißt du bereits, was dich für den Rest erwartet. Da ich aber der vollsten Überzeugung bin, dass es immer noch genügend Bekloppte gibt, die sich leidenschaftlich gern mit stumpfer Gewalt die Schädel einschlagen lassen, haben Ebola absolut ihre Berechtigung auf dem Fleischmarkt.
6/10

Thursday, April 5, 2012

THE GATES OF SLUMBER - Suffer No Guilt / Re – release - Cd / Deepsend Records


Wenn man die Situation aus dem verschleierten Blick reinen Doom – Fanatismus betrachtet, haben THE GATES OF SLUMBER seit ihrer Gründung erschreckend viel veröffentlicht. Dazu gehört auch „Suffer No Guilt“ aus dem Jahre des Herren 2006. Reinste, depressive Dopeverwirrung mit deutlichen Parallelen zu den 70ern, mit ausgestreckten Fäusten zu aufmüpfigen Punks und scheidenden Hippies. Iommi & Co stehen dabei mehr als nur Pate, man könnte bösartig behaupten, die Band aus Indiana versuche sich etwas übermotiviert (in dem Zusammenhang klingt das Wort echt doof) an einer bloßen Kopie der Meister. Ist sicher auch gar nicht so schlimm, zähe Instrumentierung, verheulte Songs auf Leichenackerniveau, einen fast 1 zu 1 übernommenen Sound wegen der Authentizität wahrscheinlich, auf dieser Basis sind schon ganz andere groß und erfolgreich geworden. Ich erinnere nur an die grandiosen Saint Vitus oder meine persönlichen Favoriten Count Raven, die Ozzys Stimme gleich mit geklaut haben und saugeile Alben schreiben. Die Freunde der Morgendämmerung hier nehmen ihre Bandnamen viel zu ernst und verschnarchen zumindest auf dieser Scheibe den Unterschied zwischen Doom und Doom. Da kann man nämlich einfach so 3 Akkorde in einer Minute spielen, oder das gleiche mit Innovation machen und tonnenschwere und prägnante Kunststücke aus dem Hut zaubern. Auch der Sänger klingt als würde er beim vokalen Wimmern Zwiebeln schälen. Die Intonierung ist schon irgendwie passend zum Gesamtkonzept von Leid und Elend, aber auch nicht gerade ein echter Gewinn, denn da fehlt Charisma. Generell dreht sich vieles, was auf dem Album abgelegt wurde im Kreis. Vor purer Verzweiflung oder gar aus trotziger Langeweile läuft man schnell Gefahr sich am eigenen Enddarm an der Dachrinne aufhängen zu wollen. Ich hab so das Gefühl, die haben ihrer favorisierten Musikepoche nicht genau in die Köpfe geschaut und es so nur geschafft bedingt interessante Songs zu komponieren, nicht aber wirklich Große. Einzige Ausnahme macht „Slan The Weak“, das mit stumpfer Härte richtig an den Latz ballert. Das stimmungsvolle (aus Percussions und Orgel bestehende) „The Woe Of Kings“, bei dem man die Sorgen eines imaginären Imperators beinahe spürbar aufs Brot geschmiert kriegt, reißt das Ruder auch nicht mehr rum. Insgesamt zu wenig, wenn auch treu und hingebungsvoll dem Doom gewidmet, resistent gegenüber allen Geistesterritorien in denen Licht brennt. Die hier und da aufblitzenden psychedelischen Ausbrüche, heben den Schleier der Monotonie immer mal etwas, machen aber gleichzeitig auch Angst, dass es noch schlimmer kommen könnte. Letztendlich sind THE GATES OF SLUMBER nicht mehr al seine handwerklich sattelfeste aber uninspirierte Kopie besserer Zeiten. Gerade noch vertretbar, denke ich.
5/10

Wednesday, April 4, 2012

SYNAPSES - Expiation - Cd / Deepsend Records


Verdammte italienische Spaghettibowle, da muss an der Rezeptur getrickst worden sein. Aber Synapses sind auch nicht die ersten Stiefelbewohner, die Death Metal gern etwas spannender und vor allem und trotz aller vorhandenen Brutalität, auch gern mal tricky um die Ecke spielen. Dergestalt platziert sich ein progressiv heftiges, mal mehr mal weniger vorausschaubares Album vor der surrealen Zwölf. Zumindest ist es alles andere als nur gewöhnlich und auf keinen Fall direkt. Beeindruckend ist der Drummer, der phasenweise irre Rhythmen in die Felle nadelt, auch wenn sein Arbeitsgerät ruhig mehr Bass hätte vertragen können. SYNAPSES steht wohl für moderne Todbringermusik, die die eigentliche Basis des wilden Treibens nicht aus den Augen verloren hat. Soll bedeuten, auch wenn die es gern kompliziert mögen und zeigen, dass ihre Finger leicht verdrehten Einfallsreichtum umzusetzen wissen, machen sie es uns trotzdem nicht allzu schwer Zugang zu ihrer leicht gewöhnungsbedürftig schmeckenden Küche zu finden. So manche Kreation bietet unerwartete Zusammenstellungen bereits bekannter Ingredienzien, Berührungsängste sind auf Seiten der Schöpfer nicht auszumachen. Die alles andere als virtuellen Konkurrenten zur Mario & Luigi Leichtfertigkeit klempnert ein tatsächlich anspruchsvolles Gerüst zusammen, dessen einzelne Themen sich innerhalb der Stücke nicht allzu oft wiederholen. Das lässt das Album möglicherweise überladen wirken, aber bei progressiven Absichten und der selbst sehr hoch aufgelegten Messlatte, dürfte dieser Effekt kaum ausbleiben. Aber wir werden auch pausenlos mit brutalen Riffs und tiefen, rauen Growls überschüttet, sodass wirklich niemand panisch seinem Fluchtreflex folgen muss. Synapses klingen bei weitem nicht so abgedreht, wie es der erste Anschein vermuten ließe. Die Songstrukturen sind recht flüssig und tauglich noch jede Kopf/Schulter Arretierung zu lösen. Außerdem profitieren die Stücke von diversen Tempowechseln, ohne mit anstrengenden Breaks das große Stolpern zu kriegen. Auf diese Weise hält sich die Balance zwischen Anspruch und Wirklichkeit in angenehmer Horizontalposition. Ihr werdet Songs finden, die euch von Anfang bis Ende fordern, die vorzugsweise durchblasen und andere, die sich etwas zäh um sich selbst drehen und eher auf der Stelle treten als richtig zu meucheln. Vielleicht ist jedoch die variable Herangehensweise an die unterschiedlichsten Stücke erst recht die Sahne in der Suppe, die die Musik wirklich interessant zu machen weiß. Das sollte jeder für sich heraus finden. Synapses bieten Stoff für Fans von Cryptopsy und Kataklysm, die es nicht krumm nehmen, der Alter –Sack – Musik ein vertretbares Peeling in die hässliche Fresse zu kneten.
7/10

Monday, April 2, 2012

CIANIDE - Hell's Rebirth / Re – release - Cd / Deepsend Records


Kürzlich in der geschlossenen Psychiatrie, an dem Tag als der Pillenlaster von der Brücke fiel. Alle Türen standen offen und die Stationen waren frei von Verstand. In den Nasszellen wurden Seifenstücken ausgelegt, nach denen sich alle Insassen, die nicht wasserscheu waren und Handtücher mit einfachen Knoten um ihre bleichen Kadaver gürten konnten, gleichzeitig zu bücken versuchten. Der ursprüngliche Sinn des Spiels wurde im Rausch der unerwarteten Körperreinigungswut komplett verdrängt und pervertiert. Im Licht flackernder Leuchtstoffröhren zucken geistlose, mit weiten Augen stierende Patienten durch die Flure auf der Suche nach dem gestrigen Tag, dem eigenen Ich oder der Cafeteria. In ihren blaugepunkteten Kasacks wirken sie wie unausgeschlafene Drogentote, denen der rote Faden abgeschnitten wurde. Aus den Lautsprechern dröhnen stumpfe, trockene und primitive verzerrte Laute und bellendes Hinterhofchaos. Death Metal, der die Geister noch mehr verwirrt, manchen ein unerklärliches Déjà-vu in die aufgeweichte Semmel stanzt, den Rest aber verängstigt und schreckensstarr in wilder Kakophonie kreischen lässt. Schon nach dem ersten Akkord schmettern unbehelmte Köpfe gegen weiß getünchte Wände und färben sie mit verschiedentlich interpretierbaren roten Mustern. Irgendjemand knipst sie deshalb sogar mit einer Polaroid um die Bilder als neue Vorlagen für den Rohrschachtest an den Klinikleiter zu verkaufen. Aufgrund seiner vibrierenden und brutalen Monotonie, erzeugen die Laute tödliche Wirkung unter den Schwächsten. Ein Patient erhängt sich in der Anstaltsküche mit einer Tüte al dente gegarter und dann aneinander geknoteter Linguini unter der Decke auf. Zwei kachektische Leiber stecken synchron kopfüber im Ablauf der Behindertentoilette, der eine beim Versuch sich zu ersäufen, der andere auf der Suche nach der geerbten Taschenuhr, die schon sein Großvater auf aparte Weise durch die Gefangenschaft geschmuggelt hat. Ein weiterer fräst mit seinen Zähnen die Fliesen vom Boden, gefangen in der Wahnvorstellung den süßen Brei aufhalten zu müssen, der seinen Geist seit Jahren verkleistert. Das Personal sieht dem Treiben gelassen zu, der Stationsleiter lächelt hinter Panzerglas und dreht die Regler noch etwas weiter auf … die Bässe sogar noch ein Stückchen tiefer. Aggressionstherapie mit Death Metal. Dafür hat er sich eine CIANIDE Scheibe ausgeguckt und bei dem Ergebnis, das sich ihm bietet, war das wahrscheinlich nicht die schlechteste Wahl. Die Band hat schließlich bald 25 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet steuerbarer Gewaltschübe und das unumstrittenen Know-how, einst friedliche Mitmenschen ekstatisch krampfen zu lassen, ihnen Grimassen zu entlocken, die kein Maskenbildner nachstellen kann. Dass das Album aus dem Jahr 2005 stammt, ist nebensächlich, der Radau bringt das Gebäude zum beben und kreischen, der Wahnsinn selektiert sich autonom. Und für die Überlebenden gibt es morgen wieder die reguläre Medikation. Lust auf Selbsterfahrung mithilfe echter Veteranen?... dann nehmt hiervon ein paar Schläge, „Hell´s Rebirth“, das 2005er Re – release mit 5 (überflüssigen) Demosongs.
9/10

Sunday, April 1, 2012

AVENGER - Bohemian Dark Metal - Cd / Dark Descent Records


Da können von mir aus tschechische Szeneväter mit grauen Bärten auf der Bühne stehen, und schon hundert Jahre spielen, da mag das Rektum geküsst werden und durch den Staub gedienert, das was Bohemian Dark Metal ausmacht, ist ganz gewöhnlicher Black Metal mit einzelnen Versatzstücken aus anderen Genres. Also überhaupt nichts Besonderes. Sicherlich, handwerklich gibt es kaum was dran zu verbiegen und die Death Metal Parts mögen positiv heraus stechen, aber ein wirklich großartiges Album hat mehr zu bieten. Der Gesang ist nervig, weil viel zu gewöhnlich am Keifen und Knurren, und das Gros der Riffs ist nicht nur produktionsbedingt den ranzigen Ärschen toter Teufel entwichen. Interessante Percussions manchmal, aber das war´s dann schon beinahe. AVENGER bietet nicht mehr als schmale Durchschnittskost, wie sie von Legionen Gleichgearteter ausgeblasen wird. Nicht dass die Musiker nicht wüssten, wie rum der Stecker in die Dose kommt. Der Drummer hat schon was drauf und technisch geht auch einiges. Aber leck mich doch, bei der Fülle an schwarz vernebelten Pseudogehörnten, muss eine Band die so gelobt wird, und schon 1000 Jahre mit dem kalten Ostwind jault, deutlich mehr anbieten. Einfach weil das Niveau der Szene oder des Metal generell in den letzten 10 Jahren immens gestiegen ist. AVENGER sind da nicht schlechter oder besser als andere, werfen dunkle Teppiche auf den böhmischen Nadelwaldboden, würgen nicht ausschließlich aber vornehmlich dicke Mid -Tempo Brocken aus, experimentieren etwas szeneübergreifend mit stilistisch nicht zwingend gängigen Elementen und fallen doch immer wieder mit dem Gesicht in die schwarze Pampe. Wären alle Stücke auf dem Level von „Vstric Dalkam“, hätte das Album etwas reißen können, sind sie aber nicht und so bleibt lediglich solides Kreuze umdrehen und grimmig in den dunklen Forst starren. Die im Infoblatt beschworene Brutalität des Death Metal fehlt gänzlich aber nicht unerwartet. Und die wütenden alten Geister des Black Metal haben auch anderenorts so viel zu blasphemieren und zelebrieren, dass sie bei AVENGER nicht mehr als die übliche Aufwartung gemacht haben. Die Gastauftritte von Root, oder Masters Hammer Ikonen, sind als Marginalien nett, jedoch kaum bestimmend hinsichtlich dessen was auf der Scheibe passiert. 20 Jahre Bandgeschichte und der lichtscheue Spuk hält sich zäh und beharrlich wie ein Mittelklassewagen seine Rostbeulen. Bohemian Dark Metal kann man haben, muss man aber nicht, der künstliche, wahrscheinlich sogar ungewollte Kultstatus und die vertretbare künstlerische Leistung der Band, sind noch keine Kaufverpflichtung. Fies und kurzweilig, mehr nicht.
5/10