Wednesday, April 25, 2012

ANHEDONIST - Netherwards - Cd / Dark Descent Records

Death und Doom zu verquicken hat immer was von exzellenter Schwere und dem Versuch Behäbigkeit nicht mit Langeweile zu vermählen. Anhedonist gelingt das ausgezeichnet. Der Gitarrensound ist immens fett, tief und zäh und vermittelt eine Morbidität, die musikalisch einen reizvollen Todestrieb auslöst. Zudem passiert hier vielleicht doch etwas mehr als es gewöhnlich von Doom besessenen Musikern erwartet wird. Allein die Vokals lassen Katakomben erzittern, präsentieren sich als LSD verzögerte Growls aus verschütteten Gräbern. Manchmal erweckt das tatsächlich den Eindruck, die reitenden Leichen aus spanischem Kultschund würden ihren eigenen Ritt akustisch reanimieren. Wenn die Band zwischendurch auf die Tube tritt, hat das was vom Horrorfeeling einer Band wie Mortician (ohne musikalische Referenz), primitiv und ungleich brutal. Leben tut das Spiel aber natürlich von den endlosen langsamen Parts, akustischen Teilen und der soundtrackartigen Atmosphäre, die jedem Horrorfilm, der sich auch nur ansatzweise mit Verderben und Leid auseinandersetzt, gerecht würde. Das ist so zeitlos wie absolut unpopulistisch. Einfach nur Gänsehaut. Da ist es schon ein Phänomen, dass das große Gähnen bei diesen überdehnten Songs nicht irgendwann einsetzt. Die 4 Stücke erstrecken sich immerhin über eine Spielzeit von 40 Minuten. Das erinnert dann etwas an sehr behäbige Dead Congregation, Gesang wie Instrumentierung und Sound, nur eben um einiges schwerfälliger, verdammt Old School! Macht euch auf schmetternde Riffs und eiskalte Melodien gefasst. Wie der Albumtitel ankündigt, schlurft das musikalische Erbe graustichiger Doomväter vereint mit Death Metal aus der Mottenkiste nahezu unterirdisch an ein noch unbestimmtes Ziel. Dabei erscheint die Gitarre, ertränkt in metaphorischer Melasse genau so unaufhaltsam wie der Hang Bässe wie Bombeneinschläge fallen zu lassen. Der Mittelpunkt des Albums ist die Erkenntnis, dass es nicht schlecht sein muss, sich über Gebühr Zeit zu lassen. Dabei entsteht so was wie ein untoter Schlagabtausch zwischen brutaler Zähflüssigkeit und atmosphärisch forcierter Akustik. Als würde ein steinzeitliches Mammut seinen eigenen Todeskampf in der Teergrube stoisch in den Äther posaunen. Den 4 Amis ist da wirklich ein kleines Meisterwerk gelungen, man muss dem verschnarchten Trab nur eine massige Portion an Blei und Stahl überhelfen und einen Sound bestimmen, der das Gesamtwerk richtig zur Geltung bringt. Wenn sich dann noch die Nackenhaare im positiven Sinne aufstellen, ist wohl alles an seinem Platz. Klar, sehr viel passiert über die gesamte Spielzeit bestimmt nicht, erwartet also keine Höhenflüge, eher erdiges Stampfen, genüssliche Qual und das komplette Fernbleiben filigranen Musikschaffens. Auf die Nuancen kommt es an. „Netherwards“ ist schlichtweg nicht mehr und nicht weniger als kraftvolle Melancholie!
9/10

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