Saturday, April 28, 2012

ANTROPOFAGUS - Architecture Of Lust - Cd / Comatose Music

Hölle und Eiter, Comatose hat sich da ja einen fetten Happen vom italienischen Stiefel gepickt. Antropofagus verfügen über einen instant funktionierenden Rhythmus und Dauerbeschallungsdoppeltacker, der jeden Song an den Boden nagelt und zum ewigen Schleifenlauf verdammt. Das nenn ich mal eine brutale Maschinerie, bestehend aus allen Ingredienzien, die Voraussetzung sind um brutales bis technisches Vernichtungswerk in einen Genuss zu verwandeln. Benannte Doppelfußerschütterungstrommel rammelt mit derartiger Heftigkeit, dass sie fähig ist, ganze Straßenzüge einzustampfen, satte und erdige Growls und brutales variables aber nicht verspieltes, eher düster melodisches 6 Saiten Geschrubbe winden sich dazu im Tanz. Die Architektur der Lust schneidet mit scharfer Selbstbewaffnung und sadistischer Freude ins Opferfleisch um die innersten Geheimnisse ans Licht zu zerren. Metaphorischer Ketten zerfetzen Haut und färben sich mit Blut, Zähne splittern unter harten Einschlägen, der Saal füllt sich mit den Schreien der Leidenden. Innereien zieren die Wände vor denen Folterknechte ihre Zöglinge an Haken unter die Decke ziehen. In etwa dieses Bild geben sich Neros Erben selbst, mithilfe eines kompromisslos durchdrehenden und völlig rücksichtslosen Albums. Lediglich der letzte Song, windet sich unter der Knute und bettelt quasi um einen anderen Blickwinkel. Daraus entwickelt sich dann eine sonore aber atmosphärisch aufgepeppte Riffnummer im Stile von Nile, wenn die zwischenzeitlich in schwerem Midtempo ihre Pharaonen Schandtaten begehen lassen. Das große Ganze besteht jedoch aus einer permanent schwingenden Geschwindigkeitsdauererektionen mit mehr als rüdem Potenzgebaren. Durchaus nachvollziehbar, dass die aufgrund der territorialen Herkunft und damit bedingter anatomischer Verhältnisse etwas kompensieren müssen, aber Musik und Texte gehören zusammen wie London und der Ripper, wie Rom und der kaiserliche Brandstifter, ja wie die das Purgatorium und die Feuerqualen. Und wenn ihr glaubt ihr könnt das durchstehen, die Gefahren eklatanter Selbstüberschätzung noch nicht erkennt, dann dürft ihr euch mit Freude blutige Köpfe holen, insofern ihr Cannibal Corpse, Gorgasm und deren Schattenarmee blind folgt. Antropofagus reißen handwerklich so verdammt versiert die Faust in den Himmel, dass sie keine Hand mehr frei haben und sich von anderen auf die Schulter klopfen lassen müssen. Mit allergrößter Selbstsicherheit haben sie uns ein Album gepackt, das ich bei allen Genregrenzen durchaus als kreativ bezeichnen will, sodass ihr euch auf keinen belanglosen Nachklapp zu amerikanischen Standartenträgern einlassen werdet. Die prügeln ihr Spiel bis in die feinste lustvolle Spalte und den gröbsten technischen Winkel, solang man Feinschliff mit Winkelschleifer und Kettensäge in Verbindung bringt. Hier ist durchaus eine Menge mediterranes Rohfleisch auf dem Räucherspieß, macht viel Appetit aber noch lange nicht satt.
9/10

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