Friday, April 20, 2012

DREAMING DEAD - Midnightmares - Cd / Eigenproduktion

Gefühlsduselei und Knüppel ins Genick, das sind die beiden Kontrapunkte, zwischen denen sich die Musik des Melo – Death Trios mit Frontfrau wie eine Flipperkugel mit Abrieb und Dellen hin und her spielen lässt. Was ganz gut greift, ist die im Promotext nicht von ungefähr erwähnte Affinität zu Großmeister Schuldiner, denn von Death haben Dreaming Dead mehr als nur progressive Absichten. Da geht es sowohl um songtechnische Arrangements wie auch um die Offenlegung der eigenen Wurzeln. Was aber darüber hinaus ragt und irgendwie auch die Schuldinersche Ausbildung ergänzt, ist der unbedingte Wille mit fein strukturierten Melodien Millionen zu begeistern. Na ja, im hochgestapelten Sinne. Was mit fehlt, ist ein bisschen kompromisslose Härte, der Grad der Brutalität hätte gern etwas mehr gen Höllenpein tendieren können. Dreaming Dead klingen beinahe zu kalt und steril, ja fast stur. Der melodische Part ist stellenweise beängstigend übertrieben schöngeistig, oder wie immer man es nennen mag. Phasenweise hat das etwas von einer Entspannungs – Cd für Schwangere. Und das finde ich dann schon befremdlich, wenn sich eine Band im eigenen Komponier – Wahn befindet und scheinbar den Kontakt zur Außenwelt verliert. Bezeichnend dafür steht wohl das Instrumental „In Memorian“, das vor Selbstverliebtheit an Herzschwäche stirbt und uns mit nicht enden wollenden Melodien übergießt wie der Bäcker seine Hochzeitstorte mit süßer Glasur. Beim folgenden Song „Lapse“ bettelt der Hörer beinahe um einen Brecher der Lethargie verdampfen lässt und eingeschlafen Füße wachkitzelt oder schmusenden Paareumtrieb von der Matratze scheucht. Aber das Prinzip aus Virtuosität, etwas schartigen thrashigen Riffs und progressiven Eckdaten ist vor der eigenen Courage erstarrt. Der letzte Song ist dann die kreative Krönung, wenn du als überraschter Konsument das Gefühl vermittelt bekommst auf einer Blümchenwiese zu sitzen, anstatt mit richtigem Radau in die Höllenglut verabschiedet zu werden. Houston, wir haben ein Problem. Zudem finde ich den Gesang der Frontfrau jetzt nicht so prickelnd, was sich halt so von femininen Stimmbändern loseisen kann, ohne zu verfälschen. Rau, relativ hell im Versuch mächtig tief zu klingen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Band immer genau weiß was sie da tut oder einfach keinen Wert auf einfach zu konsumierende Eingängigkeit legt. Diesen Tunnelblick muss ich ihnen sogar hoch anrechnen, denn einfach hätte wohl jeder gekonnt. Trotzdem schießen sie über das Ziel hinaus und verlieren potentielle Fans durch zu viel Melancholie und der schieren Abwesenheit ungezügelter Gassenhauermentalität. Das hört sich alles schon viel zu schön und harmonisch an um die räudige Präsenz echten Metals´ durchweg zu präsentieren. Lobenswert hingegen ist die technische Umsetzung, die durch fetteren Sound mehr Präsenz verdient hätte. Melodicmetal Fans wird es gefallen. 6/10

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