Sunday, April 29, 2012

GRIPE - The Future Doesn’t Need You - Tape / Visceral Circuitry

Mit der Tür ins Haus, mhm… ja ich denke das trifft es. Gripe rüpeln mit entnervender Hektik durch ihren Set und lassen uns auf diese chaotische Art wissen, wie sie Grind/HC/Power Violence verstanden haben wollen. Da wird gekreischt und gebrüllt, dass es mich schon nach kurzer Zeit, ohne jegliche Chance auf Eingewöhnung erschrocken vom Stuhl reißt und ich willentlich bin die bösartigen Vokaleskapaden zu maßregeln: „Schrei mich nich so an du Vogel!“ Mit absolut primitiven Strukturen gelingt es den lichtscheuen Radaubrüdern maximales tonales Durcheinander zu fabrizieren. Das erweckt den Eindruck, die Vorlage für ihr Sammelsurium an Kopfschmerzen sind eine unbekannte große Zahl an Kätzchen, sich lichtgeschwindigkeitsgleich drehend in einem mit kaltem Wasser gefüllten und getunten Betonmischer. Deren kakophonisches Mauzen ums blanke, kleine Leben ist akustisch möglicherweise nicht unähnlich zu Gripes´ Musik. Also, oberste Maxime ist immer Kohlen nachlegen und nur selten mal die Schwere betonen, wie in „History Of Violence“, wo eine ziemlich billige aber sehr gut funktionierende düster ausgekotzte Melodie das Treiben der Nummer beinahe durchgängig bestimmt. Geht schon irgendwie, besser steht ihnen aber definitiv schweißtreibender Sauerstoffverbrauch und spastischer Körperklaus. Hey, hat jemand Gewichtsprobleme und hasst das Gaffen im schicken Fitnessstudio. Dann haut euch die Mucke in den Heimkomposter, sucht euch einen Teleshoppingkanal in der Glotze, dreht den Ton runter und den von Gripe hoch, lasst all euren Frust und Hass raus. Das könnte die ultimative Therapie für Körper und Geist sein, ihr kriegt den Kopf wieder frei und verbrennt Kalorien wie der Hobbygriller Steaks! Dazu lässt es sich prima abzappeln und ihr könnt das vollkommen unbeobachtet tun, so peinliche Begegnungen vermeiden. Vorsichtshalber legt aber mal das Telefon in Reichweite und programmiert 112. Die dekadente und verblödete Gesellschaft ankotzen kann nämlich auch sehr auszehrend sein. Hinzu kommt, dass die Musik der 3 Kellerrevoluzzer zu totalem Kontrollverlust über die niederen Körperfunktionen führen kann. Die höheren solltet ihr noch vor Drücken der Playtaste selbstständig offline bringen. Macht euch auch im Vorfeld ein Backup eures Hirns, nur zur Vorsicht. Nicht dass die einsetzende Desorientierung hintendran eher sporadisch weicht. Tja, und dann locker lassen. Gliedmaßen und Haupt von Null auf 100 in jetzt und hier Geschwindigkeit, brüllen, röcheln, trampeln, rudern, drehen, Gesichtsmimik in halbsekündlichen Takt variieren und Nacken knacksen lassen. Nicht aufhören, ehe ihr knöcheltief im eigen Schweiß patscht. Wem es gelingt, den Puls für 20 Minuten konstant bei 200 zu halten, ohne Berührung mit anatomisch bedingten Grenzerfahrungen zu haben, hat das Ziel erreicht. Glückwunsch, dieses Tape wird dann für kassenzugelassene Gesundheitschecks patentiert! Aber selbstverständlich ist es nicht nötig sich so zu verausgaben, der anarchische Systemspiegel lässt sich auch entspannter aufhängen. So oder so, Gripe stehen für laut und schnell, primitiv und chaotisch, irgendwie durchdacht und sympatisch. Der Rest liegt bei euch.
7/10

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