Saturday, April 21, 2012

MALFEITOR - Dum Morior Orior - Cd / Hellthrasher Productions

MALFEITOR ist ein reanimierter schwedischer Kadaver, der heute zeigt, was einst hätte werden können. In ihrer ersten aktiven Phase in den frühen 90ern haben sie nichts Verwertbares auf die Beine gestellt, kommen dafür in ihrer Midlifecrisis mit aller Macht zurück. Was seinerzeit aus welchen Gründen auch immer mit frischer, schwarzer Erde zugedeckt wurde, kämpft sich heute aus Dreck und Wurzelwerk scheinbar mühelos wieder an die Oberfläche und heult mit den Wölfen schaurig um die Häuser. Nach diversem Vorgeplänkel mit Ep und Split geht es jetzt an die Pflicht. Das erste Album erhebt sich aus einem Knochenberg musikalischer Umtriebigkeit und tritt den Versuch an, verwertbare Spuren zu hinterlassen. Mit dem unstrittigen Privileg auf der Habenseite, bereits an den Baum gepinkelt zu haben, als er noch ein grüner Spross war, unterliegen sie nicht dem Makel des sich selbst kopierenden Einheitsklangs. Ja, natürlich stampft das Album in bewährter Tradition durch ein reichhaltiges Metalbiotop und hat dabei einige fixe Flitzer an Bord, ganz im liebgewonnenen klassischen Sinne. Aber MALFEITOR achten auch auf die Feinheiten, auf Arrangements, Einspieler, den gewissen Kniff beim Schreiben der richtigen Riffs und ermöglichen ihren Songs damit einen besonderen Drive, der mit Hinblick auf die eigene Erfahrung aus „Dum Morior Orior“ ein überdurchschnittliches Album macht. Da paaren sich Melodie, Stimmungen und Brutalität auf einer viel homogeneren Ebene als es Myriaden Gleichgepolter je können werden. So entfesselt man Old School und legt überzeugend dar, dass Innovation und Kreativität durchaus vereinbar mit staubigen Rhythmen und morbider Leichenfledderei sein können. Die Songs donnern mit brachialer Gewalt in breiter Front gegen zum Ausweichen Unwillige oder Unfähige und brechen sich Bahn mit mörderischen Bässen, sauerstoffresistenten, schleimigen Growls und leidensfähiger Friedhofsatmosphäre. Mit solchen blumigen Trademarks, deren Kern ihr sicher erkennt, gelingt es etwas Sonnenlicht in die mit Bandleichen zugeparkte Gruft zu streuen. Quasi ein Album auf die Theke zu werfen, das der Szene überzeugt treu bleibt, aber nicht mit blindem Gehorsam agiert. Deshalb hat die wiederauferstandene Leiche MALFEITOR auch alles Recht den verrotteten Körper auf einen Streifzug über den vollgepfropften Totenacker zu schicken und einige Grabsteine umzutreten. Wenn ihr immer noch unersättlich in punkto Schwedentod seid, und die Orientierung etwas verloren habt, dann will ich euch diese Band empfehlen. Hier bekommt ihr das volle Programm, müsst auf nichts verzichten und langweilig wird es so schnell auch nicht. Schöne Sonntagsscheibe, wenn ihr das traditionsverpflichtete Familienkaffeekränzchen schnell hinter euch bringen wollt.
8/10

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