Monday, April 30, 2012

TORMENTED - Graveyard Lust - Mcd / War Anthem Records

Wenn mich ein Sänger mit dem Organ vom giftigen Cronos in seine Hölle einlädt, dann wage ich mich nur mit unsicheren und kleinen Schritten hinab in seinen rabenschwarzen und dreckigen Folterkeller. Der Herr der Schmerzen Andreas Axelsson, dessen Präsenz über dem hausinternen Friedhof unschlagbar scheint, und der in den frühen 90ern Marduk und Edge Of Sanity angeschoben hat, steht nun seit geraumer Zeit Schulter an Schulter mit seinen potenten Spießgesellen (unter anderem Roberth Karlsson – Facebreaker … ). Und der plärrt was das Reibeisen zu hobeln vermag, bis an die Grenzen des Erträglichen. Grenzen deshalb, weil es keine Variablen in der Struktur des brüllaffenähnlichen Eierquetschens gibt. Das ist rau, extrem räudig und eigentlich anarchisch punkig. Passend irgendwie zu einer durchweg mit dem Klauenfuß am Gaspedal verklemmten, primitiven Gewaltorgie. Kalt irgendwie, typisch schwedisch, aus einer fast prähistorische Epoche musikalischer Rebellen und Individualisten. Also nicht unbedingt schön anzuhören, eher ehrlich und auf das Wesentliche konzentriert. Einfach Kopp ab und die Wunde mit schwarzem Teer versiegeln. Tormented haben kaum Zeit und offensichtlich auch kein Interesse, den eigenen Bunker mit dem Sonnenlicht genreübergreifender Bands zu beleuchten. Da unten ist es stickig, Schimmel das einzig lebende, nass und ungemütlich. Das Echo des eigenen Atems trägt weit in die noch unbekannten Tiefen. Ganz im letzten Winkel schimmern blinde Augen und dürre, wachsweiche Finger tasten über schlüpfrige Wände auf der Suche nach dem Lichtschalter. Klick … flackern, blinzeln, grinsen, Instrumente anstöpseln und mit dem ersten Anschlag versteinerte Radautrolle von der Kruste befreien. Es kommt Leben, wenn auch irgendwie morbide und nekrophil, in die heiligen Hallen des Untergrundes. Tormented sind Leidenschaft und Lust, sind nicht Kompromiss oder hitverdächtige Songwriter. Tormented sind Überzeugungstäter und Brandstifter. Ihre Musik gibt nicht mehr her als tödliche, schwarze Gewaltexzesse. Da bricht nicht das große Musizieren aus, da entstehen keine epischen Breitwandfilme. Das ist Flimmerkino für verqualmte Hinterzimmer. Eben jene in denen wir anno dunnemals mit solch windigen Akkorden infiziert wurden. Tormented sind immer noch direkt an der Wurzel. Aber wer solche Musiker im Corps hat, der muss einfach auch mit dem Bonus der Authentizität schachern, dem nimmt man das vertrauensvoll ab. Und so kann ich dieses Minialbum all jenen empfehlen, die sich selbst als Puristen verstehen und einfach nur zackig, knackig hart auf die 12 wollen, die auf jegliche Spielereien bedenkenlos verzichten. Wer braucht schon einen flexiblen Set und einen Sänger der es nicht schafft einem auf die Nerven zu gehen, wer braucht schon ständig eine neue Sorte Bier und hat nicht Freude an Buletten aus dem PVC Safe. Tormented stehen für schartigen, musikalischen Zentralismus, sollen sich doch die anderen drehen, die bleiben schön stur mittig im Kern. Kann man sich vielleicht nicht ständig geben, hat aber definitiv was Kultiges.
7/10

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