Sunday, May 27, 2012

IBLIS - Menthell - Cd / DTM Productions


Will gar nicht wissen, was sich die Polen unter den Quark gerührt haben, weiß nur, dass die mehr Latten ab haben, als der Zaun braucht um den Fuchs von den Hühnern fern zu halten. Ich weiß nicht was das für Musik sein soll, selbst preisen sie sich als Nuklear Rock´n Roll an. Verstrahlt sind sie ja mächtig, von Rock´n Roll weit und breit jedoch keine Spur. Andere sehen da was von Black Metal oder ominöse Avantgarde Geschichten. Ich glaube eher an extrem (und zwar sehr) progressiven Death / Thrash Metal mit Vokals die Knoten in die Innereien machen und kein Lösungsheft mitschicken. Geht alles durcheinander, schlängelt sich wie der Exorzist mit mathematischer Präzision durch das geschlossene Fenster und windet sich mit abstrakten Verrenkungen die Treppe hinab. Die Instrumentierung ist sehr klar herausgearbeitet, der Bass hat eine deutliche und prägnante Spur, Gitarre ist recht hell und auch der Drummer versteckt sich nicht. Das Auffälligste sind aber die Stimmen, die teilweise so ungewöhnlich klingen, so leidend und hintergründig schmerzverzerrt, dass sich der Eindruck wie dicke Pampe an meinen Hirnstamm kleistert, es mit besessenen Flaschengeistern zu tun zu haben. Die Musik ist in ihrer irrwitzigen Gesamtheit kaum nachvollziehbar, vom spielerischen Aspekt sehr interessant, wohl aber nur sehr schwer konsumierbar. Mit Arrangements, die an entgleiste Züge und komplizierte Schlaganfallsymptome erinnern, sich mit Absicht dem Verständnis potentieller Hörer entziehen, kann man sich kaum ein Publikum erarbeiten, dass auch noch freiwillig Geld dafür hinblättert, sich ständig mit Unverständlichem auf die Füße treten zu lassen. Harte Sache, vom Niveau mehr als anspruchsvoll, sicher lassen sich mit den Augen der Band auch hochwertige künstlerische Aspekte finden, fest steht, kaum etwas ist wie gewohnt. Das muss den Typen doch einen Heidenspaß unter den Pony jagen, geistig Lahmgelegte und psychotisch Verdrehte mit Unmusik zu therapieren, die niemand mit Verantwortung freiwillig aus der Irrenanstalt entlassen würde. Musik aus der Gummizelle, Musik die Elektroschocks wieder ans Licht der Realität zerrt und Psychopharmaka wie saure Drops feilbietet. So einfach lässt der moderne Pole also keinen mehr aus seinen Klauen, hält sich selbst für unbeschreiblich, und zertrümmert alle Erwartungshaltungen die sich in der Metalwelt irgendwann mal etabliert haben. Alles in allem kommt „Menthell“ einer Teufelsaustreibung näher, mit all dem Zinnober und den gequälten Schreien des Besessenen, als alle Facetten blasphemischer Ruhestörung, die das Gros runter schlingt. Nun, beäugt man sich das Wortspiel des Albumtitels, versteht sich sofort, in welchem Gefängnis der Nervenkrieg ausgebrochen ist. Bekloppt, eindeutig bekloppt. Eine Wertung bleibt aus Angst vor schleichendem Befall von Wahnsinn und Aberkennung der Geschäftsfähigkeit außen vor. Musikalisch haben die es nämlich schon drauf, aber eigentlich finde ich das mal so richtig beschissen. Ich fürchte, durch diesen Sumpf muss jeder selbst durch, wenn denn ein Fünkchen Interesse bei euch glimmen sollte.

Saturday, May 26, 2012

CHAOS INCEPTION - The Abrogation - Cd / Lavadome Productions


Sobald sich Chaos Inception aus der Heimanlage befreien, muss keiner von uns ein Großer Weiser im Stahldschungel sein, um sofort zu erkennen, worauf die Band aus Alabama abzielt. Das ist Morbid Angel und Nile in seiner reinsten und ursprünglichsten Form, mit allen songtechnischen Finessen und instrumentaler Überlegenheit. Sowohl in technischer Hinsicht als auch in Bezug auf ihre diabolische Aussagekraft. Blast bis zur Apokalypse, aufgezogen von stürmischen Leads und gummibandartigen, teils klassischen, teils disharmonisch unkontrollierbaren Solis. Die bilden dann allerorts den Klebstoff und die Basis für ein Album, das ohne sie in einer Hochgeschwindigkeitshölle verglühen würde. Das verleiht dem Teil einen besonderen Reiz, denn ein so punktgenauer und unaufdringlicher aber stets beeindruckender 6 Saiten Twist lässt erkennen, dass es der Band längst ernst ist. Keine Zeit für Spielchen und Partygebaren, „The Abrogation“ ist ein mehr als ernsthaftes und erwachsenes Werk. Chaos Inception haben etwas auf die Hufe gebracht, was selbst Bands wie Krisiun oder Hate Eternal mehr als Anerkennung abverlangen sollte und tatsächlich auch irgendwie beängstigend ist. Hier ist Respekt angesagt, bringen sie doch auf eine ganz besonders engagierte Weise Musik zurück, die zum Bleistift die morbiden Engel einst kreierten und deren Spirit sie längst verloren haben. Da wo die einen glauben nichts mehr sagen zu können, schlagen die anderen ein neues Buch auf und schreiben mit allem wünschenswertem Erfolg neue Kapitel. Der Sturm geht in voller Breite über die Theke und hinterlässt in musikalischer Hinsicht eine immense Schneise der Vernichtung im Supermarkt der Eintagsfliegen. 9 Stücke lang werden die Zügel mehr als straff gehalten und scharfe Peitschenschläge gehen über das Gespann aus brutalen Growls in variablen Auslegungen, unglaublichen Doublebass Ausrastern, atemlosen Riffs und pfeifenden Trommelfellspaltern nieder. Wenn sie sich vereinzelt darauf verlegen, langsamer zu werden, wobei das dem Wort im eigentlichen Sinne kaum entsprechen dürfte, setzt sofort eine düstere Note ein, wie wir sie bei den schon erwähnten Nile zu schätzen wissen. Und natürlich ist Chaos Inception kein Klon von irgendwas, die haben einfach zugehört, gelernt und spinnen den Faden weiter. Erfahrung bezieht die Band auch aus ihrer früheren semierfolgreichen Combos Fleshtized und Spinecast, die ich persönlich beide mag, die aber mit dem was sie heute lostreten, nicht konkurrieren können. Denn das was ihr nun zu hören bekommt, ist unglaublich komplex und auf Perfektion getrimmt, es gibt sicher nicht mehr viele, die mit so fixen Fingern über die Gitarrensaiten wirbeln können, ohne dass es irgendwie erzwungen klingt. Butter bei die Fische, „The Abrogation“ ist eine Hammerscheibe, bei der jeder Schlag genau sitzt und bei aller Kreativität bis zum Hals im 90er Amitot steckt, weit weit jenseits von Slam und Groove. Eine Hommage und gleichzeitig ein randvoller Pool mit neuen Ideen. Also unbedingt Silber rüber reichen und den puren Foltergenuss heischen!
9/10

Thursday, May 24, 2012

STALWART - Manifest Of Refusal - Cd / PRC Music


Mutig, populistisch, progressiv, ungewöhnlich, anpassungsfähig, brutal und frontal, das und mehr ließe sich den sauberen Russen unters´ Tschapka reden. Dass ihre Musik auf hohem Standard steht, haben sie nicht nur dem Hertz Studio zu verdanken, sondern auch dem jahrelangen Suchen nach der eigenen Identität. Das Ergebnis ist eine nicht eindeutig einzuordnendes Metalchassis , das technisches Todesblei rudimentär Rob Zombie verbindet, das ThrashMetal und Industrial als kokettierendes Paar wieder zurück auf die Bühne holt, das Dark Metal unter notwendiger Zuhilfenahme von bedingungsloser Schmerzfreiheit mit Hardcore oder öffentlichkeitsheischenden Metalcore und irgendwie auch Sepultura auf eine Bank kriegt. Die Basis sollte eigentlich immer noch Death Metal sein, mit der ganzen Palette an schwerem Vernichtungspotential, dessen Grenzen werden aber ordentlich aufgeweicht. Wie der Verstand bei einsetzender Demenz brechen gewöhnliche, durch klassische Konditionierung antrainierte Strukturen mancherorts einfach weg. Woanders werden neue installiert. Dass das Resultat aus so viel lockerem Stahlbiegen immer noch im höchsten Gang in die Fresse knallt (fast), nehme ich da dankbar hin. Und das alles wahrscheinlich mit dem Ziel, dem russischen Bären mit aller nötigen Brutalität an den fettigen Pelz zu wollen. Der roten Fahne entwachsen und in voller Generation die intellektuelle Freiheit genießend, die unter diesen Breitengraden eben möglich ist, versucht sich eine Handvoll Musiker erfolgreich zu etablieren. Wie mit dem Lineal am Reißbrett gezogen, erscheinen die Songs, perfektioniert und vollkommen durchgerechnet, bevor das Ergebnis ins Studio getragen wurde. Improvisation haben sie im Gegensatz zu ihren Vätern verlernt, wichtiger scheint völlige Kontrolle. Dabei entstehen auch Sachen, die nicht so leicht durch den Schlund ins Dunkle wollen. Die wechselnden Vocals beispielsweise muss man erst mal zu fassen kriegen. Gutturales Leiseflüstern kann einem schon auf den Keks gehen. Groove und brachiales Geknüppel, aber auch effektive Riffs lassen anfängliche Berührungsängste schnell vergessen. Das Keyboard ist ein fester Bestandteil der russischen Spielwut, das nicht immer passen will, richtig zum Einsatz gebracht aber mehr als nur begleitende Akzente setzt. Stalwart klauben aus allen möglichen Genres Brocken und Fetzen zusammen und konstruieren sich wie einst Frankenstein sein Monster, ihre eigene Kreatur zusammen. Ein Ungetüm, das immer erkennen lässt, von wem der Kopf abgeschnitten und die Beine angenäht sind. Gewöhnlich ist wenig, wäre es nur, würde man alles auseinander nehmen, der Bastard hat Laufen gelernt. Läuft sicherer als es seinem Konstrukteur lieb sein wird, denn ein solchermaßen auf das große Publikum abzielendes Album schürt auch Erwartungshaltungen für vielleicht noch kommende Anschläge. Immerhin ist das schon das 4. oder auch 5. Album, festgebissen haben sie sich schon lange. Also, könnte allen gefallen, die Death Metal nicht als Dogma verstehen und ihn dennoch lieben.
8/10

Wednesday, May 23, 2012

DEHUMAN - Black Throne Of All Creation - Cd / Kaotoxin Records


Anno 2006 in den Untergrunddienst eingetreten, bezieht das belgische Quartett erstmals Stellung mit „Black Throne Of All Creation“. Bezugnehmend auf die alte Schule schwarzer bis ketzerischer Hymnen, orientiert sich die Band an God Dethroned und Morbid Angel, reitet auf den Schwingen gefallener Engel und versucht sich an der Kreation brutaler und epischer Songs, die den alten Bands zu Ehre gereichen sollen. Dass sie dabei nur einen Teilerfolg erzielen, liegt vielleicht an der etwas verwaschenen Produktion, hauptsächlich aber daran, dass das Werk in seiner Gesamtheit mit all dem Blast und Radau zu eintönig sein könnte. Denn was sie bei allen Songs, selbst wenn sie einige markante Riffs vorschicken, verpasst haben, ist dem Trott der Neunziger zu entschlüpfen. Sicher, das wollen sie bestimmt gar nicht, ist es doch der Dreh und Angelpunkt des Bandkonzepts. Aber auch in so einem Rahmen muss Kreativität eine Rolle spielen. Das Album zündet bei aller Präsenz nicht wirklich, wird seinem teuflischen Auftrag nicht gerecht, schafft qualitativ nicht den Schulterschluss mit den angestrebten Heroen. Es ist kaum was dabei, was wir nicht in irgendeiner Form schon mal besser gehört hätten. Nun macht es wenig Sinn, und wäre auch unfair, der Band ans Bein zu pissen. Die wissen schon woher sie ihre Energie beziehen, können sie vielleicht noch nicht genau kanalisieren, sind aber mehr als nur halbherzig dabei, etwas Authentisches in ihre Musik zu packen. In technischer Hinsicht gelingt ein lockerer Spielfluss auf dem zahlreiche fixe Soli disharmonisch auf der Bugwelle der Vernichtung reiten. Dass die Riffs abgegriffen sind, versuchen sie ständig mit progressiven Einschlägen wett zu machen. Die Richtung stimmt, der Steuermann muss nur noch die Karte unterm Sitz vorkramen. Um absolute Eingängigkeit geht es dabei scheinbar nicht, eher um den Versuch etwas Komplexes zu schaffen, das Anspruch mit primitiver Old School Kloppe vereint. Das qualitativ hochwertige Songwriting, das ihnen ihr Label werbeträchtig unterschmuggelt, ist wahrscheinlich gar nicht so weit weg von den Statuten einer verstaubten Realität, da steckt viel Arbeit drin. Diese hört man raus, verschafft akustisch aber den Eindruck sich ordentlich verkrampft in die Abenddämmerung geschleppt zu haben. Billig ist was anderes, wer sich aber gleich beim ersten Ritt vornimmt, dem Fuchs im vollen Lauf am Schwanz zu packen, braucht mehr unter den von Hämorrhoiden geplagten 4 Buchstaben als einen schnellen Gaul. Zu viel Gleichschritt und zu wenig Identität machen ein in aller Hinsicht bemühtes Album zu einem Fall für die Ablage in irgendeiner morschen Schublade. Mit dem was die 4 Musiker eigentlich drauf zu haben scheinen, hätte ein wesentlich stärkeres Debüt drin sein sollen. Hätte, sollte … am Arsch, sie erreichen einen belanglosen Platz im überfüllten Mittelfeld, das sie bald zerquetschen wird, wenn sie nicht endlich die Ellenbogen ausfahren.
5/10

Tuesday, May 22, 2012

HERETIQUE - Ore Veritatis - Cd / Wydawnictwo Muzyczne Psycho



Vom Geist der unbefleckten Empfängnis, der heiligen Dreieinfältigkeit und Oblaten mit Kakaofüllung beseelt, erreicht mich kürzlich dieses Album aus Polen, das die Antilehre des erzkatholischen Zölibats, als man dort noch Papst war, über den Straßenstrich brüllt, kreischt und auch noch singt. Black/Death Metal mit melodischen Aussichten von heiter bis wolkig werden von einer Kumpanei aus Lang-, und Kurzsocken teils auf Englisch, aber auch in folkloristischer Landesvertonung oder gar Latein? dem Choral geopfert. Das angelsächsisch klingt dialektbedingt holprig, alles andere nuschelig nach zu viel Nudelsuppe zwischen den Zähnen. Die haben aber auch verboten viele Zischlaute im Backpack! Es erweist sich, dass das was wir Death Metal nennen, als jener Teil hervortritt, der eher schwerfällig mit der Wahrheit über den Berg kommt, wohingegen der schwarze Anteil blasphemischer Verunglimpfungen der einzig wahren Lehre zerläuft wie ein Honigbrot unter der Glut der Sommersonne. Wohl aber gibt es auch und vor allem zahlreiche Überschneidungen, die weniger von spiritueller Orientierungslosigkeit zeugen, denn mannigfaltiger inspiratorischer Quellen. Nicht immer homogen mag es sein, dafür vom klassischen Spirit des Metal gelenkt und mit genug Fingerspitzengefühl zusammengepuzzelt, dass das Gesamtbild einer etwas anrüchigen und morbiden aber verehrenswerten Ikone ähnelt, die mit verzerrten Lächeln vom Altar grüßt. Die kurzzeitig einfallenden cleanen Vokale hätten sie sich sparen können, das glaubt sowieso keiner, eher dann das Wechselspiel aus rohen Kreischkrämpfen und tiefen Growls. Auch nicht unbedingt mit Kreativität geweihte Aneinanderreihung von ösophagialen und kehligen Schmerzzeichen, ist klar, aber immer noch das Passendste, wenn man den Ketzer spielen will und Verachtung gegenüber der Lehre des 2000 (und ein bisschen) Jahre alten Erzhippies zum Ausdruck bringen will. Also, Heretique sind musikalisch keine Dummen, schalten ihre teils sehr guten Ideen, gekonnt in Reihe, gute Riffs, sichere Solis und etwas holpriges Gespür für nicht immer schlüssige Arrangements. Einer Hörspielouvertüre gleich, die nicht viel Fantasie abverlangt, empfängt schon das Intro mit der gruseligen Imagination leerer Kirchenhäuser, hallendem Klang gerissener Glocken aus windschiefen Türmen und der stetigen Präsenz des unheiligen Inquisitors. Die Musik versucht sich szeneübergreifend und verlässt mancherorts den Pfad klar strukturierten Death oder Black Metals´, zieht den blanken Stinkefuß aber immer rechtzeitig aus dem Morast und verliert nie das Ziel aus den Augen. Find ich gut, dass sie nicht das eingestanzte Bild von trockenem Black/Death bedienen. Irgendwie sind die wohl open - minded Kreuzeumdreher mit einer Mission, deren Ausgang sie und wir noch nicht abschätzen können. Ganz sicher ist aber, dass deren Weihwasser Babyblut und deren Hostien Fetzen von Menschenfleisch sind. Anständiges Debüt eigentlich, mit meist positiv verwertbaren Bestandteilen und einigen überflüssigen oder vielleicht eher nervigen Anhanggebilden, die es nächstes Mal zu bekämpfen gilt.
6/10

Monday, May 21, 2012

SEXCREMENT - Sloppy Seconds - Cd / Comatose Music


Mit chauvinistischer Brille auf der zu großen Nase, bin ich in Bezug auf die Gleichberechtigung der Geschlechter, auf einen unvereinbaren Widerspruch gestoßen. Da wo der Mann in die Tittenbar geht, mindestens 2 überteuerte Getränke mit aufgeregter Gleichgültigkeit der oralen Verklappung überantwortet, das im Schweiße seiner Knechterei erbettelte Geld osteuropäischen Putzfrauen in das Strumpfband stopft, und im Sumpfe alkoholischer Inkompetenz fehlgesteuerten Träumen nachhängt, gilt er als sexistisches, von niederen Kompetenzen getriebenes altes Schwein. Wenn seine Frau mit ihren nervigen Freundinnen im Bus in die nächste Dorfschenke gekarrt wird um im kollegialen Kreischen, mit der Hysterie eines brennenden Hühnerhofes, beim Männerstrip Serienfotos als Andenken für das Familienalbum zu schießen, und gern auch mal ordentlich nach eingeölten Testosterongöttern grapscht, dann ist das aus feministischer Sicht Kultur, und wird noch Jahre lang weiter gereicht. Dass das alte Schwein aus der Tittenbar das auch noch bezahlt hat, wird nicht angezweifelt, hat aber keinerlei Bedeutung. Also wäre es nicht angebracht, jedem seine Portion Sexismus zuzugestehen und ihm somit den Hahn abzudrehen? Und wenn der bierbauchschwangere Alte seine aus der Form geratene Angegraute mit in den Tittenschuppen nimmt, und sie einen Blick auf die sich an Stangen räkelnden Fremdsprachenstudentinnen wirft, wird ihr schnell klar werden, dass der Alte weiter schön zu Hause seine Suppe löffeln wird, da ein 21 jähriger Walnussknackerbusen weit außerhalb seines Machtbereiches liegt. Geht er dann mit in den Dorfsaal (irgendwo im Schatten der hinteren Reihen), mag er neidisch auf gestählte Leiber sein, weiß aber auch, dass seine Hausfrau mit keinen von denen durchbrennen wird, wenn sie erkennt, dass die Muskelaufblähchemie anderes hat schrumpfen lassen, und Sex ohnehin überbewertet wird, wenn die Rückenwirbel ohne Bandscheibe schaben, die Knie wie bei siechen Elchen knirschen, und das Herz nach der abendlichen halben Kiste Fußballbier auf Schonung angewiesen ist.

Oder aber er tobt sich in der Midlifecrisis aus, holt noch mal die alten Alben aus dem Koffer, hustet Schichten von dickem Staub weg, und findet ein antiquiertes Gerät namens Cd Player auf dem Speicher. Da schälen sich sicher noch so einige Rillen aus der Erinnerung, die sein altes von Möpsen und Ärschen geprägtes Weltbild wiederzubeleben wissen und einige angenehme Geschichten an die Innenwand des mürbe werdenden Schädels werfen. Und eines davon wird mit einiger Gewissheit „Sloppy Seconds“ von Sexcrement sein, die sich einst mit Groove und Biss für die Richtigstellung der Geschlechterrolle eingesetzt haben. Der Hintern hat im Rampenlicht zu wackeln und der Alphaleader gibt den Takt an. Großartiges Album, damals in der alten Zeit, das hat die Oberweite richtig in Schwung gebracht und Doppel D zu Waffen deklariert. Es kann so schön sein, ein Schwein zu sein!
(aus dem Tagebuch eines Weltverbesserers Mai 2042)
7/10

Sunday, May 20, 2012

BODYFARM - Malevolence - Cd / Cyclone Empire


Bodyfarm, was für ein Name, warum ist da früher noch keiner drauf gekommen? Na ja, wird wohl, aber die Holländer schlachten den richtig aus, ziehen wie der Farmer über den Leichengarten um die in der Sonne brutzelnden Kadaver mit der Forke zu wenden. Welch ein makaberes Spiel mit exaktem Bezug zur Realität (Anthropological Research Facility – müsst ihr selber rausfinden, bin doch kein unterbezahlter Aushilfspädagoge) und was würde besser zu einer Death Metal Band passen? So wie der Verfallsprozess des Körpers bestimmten Gesetzen und äußeren Umständen unterliegt, aber immer das gleiche Ergebnis zur Folge hat, so steuern auch Bodyfarm dem Unausweichlichen entgegen und dringen mit ihrer Musik zum Kern der Szene durch. Das ist nämlich das, was wir uns einst unter Death Metal vorstellten, als der Planet noch jung und grün und wir unerfahren und naiv waren. Da gab es noch Riffs, die ohne viel Zinnober etwas auslösten, was sich heute gern hinter zu viel Technik und Überproduktion versteckt. Da waren Solis noch klassisch, weil es nichts anderes gab, und schwebten über einem dreckigen 6 Saiten Teppich. Da war „morbide“ noch wahrhaftiger Bestandteil der Bleiweste und nicht Retro. Auf durchgelatschtes Pedal und verbeultes Bodenblech legen die Totenbauern keinen allzu großen Wert, eher auf komplette Transparenz , die finster spaßige Nachvollziehbarkeit eines klar strukturierten Songwritings. Die verlangen nicht mehr von ihren Hörern, als lediglich die gleiche Leidenschaft zu teilen. Ich denke die haben was Unleashed und stehen generell auf den Sound der frühen 90er. Mit dem gewissen Quäntchen an Selbstüberzeugung und den dazugehörigen haarigen Eiern kotzt das Quartett (fast) immer direkt aus, was seit langem verdaut ist. Dafür werden dicke Wände aus schartigen Gitarren genutzt, genauso wie ein überraschend klarer Bass und unauffälliges aber stets präsentes Schlagzeug. Wichtig ist scheinbar auch primitives Zutrauen in einfache Strukturen, gepaart mit der Überzeugung, mehr als nur eine gammlige Leiche in der Karre zu transportieren. Also ihr bekommt das direkte Nagelbrett vor den Schädel, müsst trotzdem nicht auf einen gewissen Anspruch und genügend Abwechslung verzichten. „I´m The War“ zum Beispiel ist ein Stück, dass ich nach all dem Instantnummern so nicht erwartet hätte. Das ist nämlich ein düsteres Atmosphäregespinst mit doomigen Anteilen und melodiöser Überraschung. Zudem länger als alles voran gegangene, und mit unverkennbar schwarzer Färbung. Ihrer wahren Bestimmung folgend, covern sie als „Wiedergutmachung“ schlussendlich noch Massacres´ “Cryptic Realms“ mit Kam Lee am Mikro, wo der sonst ja nichts zu tun hat. Ist ein unglaublich druckvolles Honorat geworden. Und außerdem kommt das dem, was Bodyfarm mit ihrer Musik beabsichtigen verdammt nah. Da die Holländer ihr Gras nun nicht mehr an bekiffte Germanen verkaufen wollen, suchen die einen anderen Weg in unsere Köpfe, und Death Metal vom Tulpenacker des Todes scheint da bei einem Teil der Zielpersonen ein mehr als probates Mittel. Also seht euch vor, wenn die erst mal die Säge in euren Nacken angesetzt haben …
8/10

Saturday, May 19, 2012

PUTERAEON - Cult Cthulhu - Cd / Cyclone Empire


Der schwedische Cthulhu – Wettstreit geht in die nächste Runde. Nachdem The Grotesquery kürzlich ihre Fortsetzung der Geschichten um Wahnsinn und Verderben unter uns Hungrigen verbreitet haben, setzen auch Puteraeon zum 2. Mal erfolgversprechend mehr als nur einen Fuß in die Tür des Universums eines H.P. Lovecraft. Schreckliche Geheimnisse werden enthüllt, und uns unter dem Gewand von im nordischen Basswahnsinn erstickten Melodien in die geheimsten Kammern unserer kleinen Seelen geschmuggelt. Puteraeon stellen das wieder ganz geschickt an, denn das was sie uns an Melodien verkaufen, ist zwar ganz offensichtlich der Fokus der Band, hat aber dermaßen viel morbiden Reiz und kranken Irrsinn im Schlepptau, dass es beinahe gar nicht auffällt, wie verspielt das eigentlich ist. Beinahe schon schnuckelig schön. Aber da sei der typische Schwedensound davor, sodass bisher keine Gefahr besteht, das Monster würde seine Klauen verlieren. Der Irrsinn bleibt angenehm vertraut in einer Nebelbank aus nicht zu sauberem Sound und fast schon zu nihilistischem Songwriting kleben, weswegen die fast noch Obacht geben müssen, nicht das Tageslicht zu verpassen. Die Leads die die Band hier flächendeckend nutzt, sind eher untote Friedhofsgeburten als Lichtgänger. Sie spritzen immer wieder mit fixen Riffs vor, um sie dann in beinahe schon tieftraurige und deprimierende Rufe nach einem Loch im nasser Erde zu verwandeln. Ähnlich wie Entrails, halten sie an der These fest, dass schwedischer Todeslärm genau so auf prägende Melodien basiert, wie auch auf knochentrockenem Sound und schartigen Riffs, dass auf keinen Fall zu viel Hektik oder gar Tempoausbrüche jenseits verträglicher Schrittgeschwindigkeit in Reichweite auftauchen dürfen. Der Scheiß muss nach Moder stinken, dem Hörer die Depression durchs´ Bierglas jagen und mit zähere Beharrlichkeit stumpfe Gewalt ausüben. Deshalb stehen sie auch mit allen Beinen, die der Gesamtmasse der Musiker entwächst, fest auf dem Boden, auf dem schon viele Leichen verrottet sind, und halten starr am Konzept der renommierten schwedischen Old School Universität fest. Im Zweifelsfalle werden die Instrumente lieber noch eine Tonlage nach unten geschraubt. Um es mit Luther so karikieren; „Hier stehe ich, ich kann nicht anders…“ Cthulhu helfe mir! Also wenn ihr, ich hoffe doch ein weiteres Mal, den Riemen auf die Orgel von Puteraeon schmeißt, dann solltet ihr wissen, dass es hier um authentisches Gemetzel geht, dass sie mit aller Macht am klassischen Vorgehen festhalten und trotzdem nichts mit Retro zu tun hat, weil es einfach echt und überzeugend ist. Das ist ein Faktum, der die Band stark macht, Überzeugungskraft! Überzeugungskraft, den auch dieses Album wieder mit jedem Tropfen Schweiß und Blut, der den Boden zu seinen Füßen tränkt, vermittelt. Überzeugungskraft ist der Schlüssel, der Puteraeon auf der Bühne zu einem echten Vergnügen macht. Melodien zum Pulsaderdurchbeißen, Riffs zum betont verzögerten Kopf abknicken, donnernde Bässe und scheppernde Drums, moderates Tempo und herzlich unterirdische Growls. Im Gesamtergebnis nicht enden wollende Gänsehaut, so klingt echter Horror!
9/10

Thursday, May 17, 2012

ENTHRALLMENT - People From The Lands Of Vit - Cd / United Guttural


Aller Jahre wieder … irgendwie, da tauchen die Bulgaren aus der osteuropäischen Vergesslichkeit auf, angeln sich mithilfe der Negierung eigener Vergänglichkeit und passendem Gespür für die ausschlaggebenden Noten sowie der Unterstützung niemals zweitklassiger oder gar kurzatmiger Label, für einige Monate etwas mediale Aufmerksamkeit. Dann zeigen sie, dass sie prinzipiell fähig sind, den Hammer auch außerhalb der Heimat kreisen zu lassen, dann wenden sie sich auch mal zu Konzerten vom vertrauten Balkan ab und auf feindliches Territorium. Dann glühen temporäre Eroberungspläne zu einem brennenden Fanal aus, bevor die ganze Batterie für die nächsten Jahre wieder kleinere, lokale Süppchen kocht. Diesmal hat es ganze 4 Jahre gedauert, bis der Nachfolger zu dem international doch sehr beachteten „ Immerse Into Bloody Bliss“ auf dem Tisch liegt. Was mir sofort auffällt, ist, dass der Versuch unternommen wurde die Drums bis zur Perfektion zu trimmen, und sie dabei alles Erdige eingebüßt haben. Der finale Sound ist verdammt synthetisch, so wie ich es eigentlich nur von japanischer Chipkonkurrenz gewöhnt bin. Das gibt dem sonst so brutalen Massaker eine seltsam unglaubwürdige Note. Auch gehen den Songschreibern immer mal wieder die Riffs aus, weshalb mancher Song verlandet, wie ein Wadi in der Wüste. Generell aber ist das technische Niveau doch recht ansprechend und der Band gelingen wie gewohnt einige amtliche Knochenbrecher. Nur der wirkliche Ausschlag in Richtung kompromisslosen Eigenbestrebens, das wirkliche Händchen für den gewissen Kniff, der ein ganzes Album brennen lässt, den haben sie immer noch nicht getätigt. Dafür orientieren sie sich lieber an Blastgöttern wie Krisiun oder Metzellegenden a la Cannibal Corpse. So wie sie es schon immer für das einzige und bandintern richtige Dogma gehalten haben. Diese Einstellung bremst die Band immer wieder aus, hemmt die eigenen Talente und verschleiert den inneren Blick für Größeres, das zu erreichen sie durchaus in der Lage wären. Da würde bei weiten mehr gehen, als uns lediglich Riffs aus Second Hand Regalen um die Ohren zu wickeln, oder mit passablen Solis schwindelerregende Kopfschmerzreize zu setzen. Da würde ein Schlagzeuger keine überbewertete Hochglanzpolitur über sein Kit legen müssen und Growls nicht einfach nur rülpsen, weil es so erwartet wird. Mit dazugehörigem Weitblick und dem Mut das eigen Geschick straff an den Zügeln zu packen, könnte genauso gut ein gewaltiger Feldzug losgetreten werden und ein Album vor uns stehen, dessen Front und Flanken bis ins Mark einschüchternd sein könnten, dessen Konfrontation ein jeder mit Ehrfurcht in den weichen Knien meiden wollte. Leider kommt es auch auf dem neusten Sägewerk von Enthrallment nicht so weit, wieder schrammen sie nur an dem, was eigentlich hätte möglich sein sollen. Warten wir mal ab, was sie mit Rückendeckung ihres aktuellen Labels möglicherweise noch auf die Beine stellen, ich befürchte ja dass sie zu viel selbst stemmen müssen. Gutes Album, leider aber auch nicht gänzlich überzeugend.
6/10

TOMBTHROAT - Eden Apocalypse - Cd / Blast Head Records


Der Körper ist der Kerker der Seele! Mit dieser bahnbrechenden Erkenntnis starten Tombthroat ihr 4. Album. Suchen sie Verständnis für ihre eigene bluttriefende Existenz bei versteinerten Philosophen? Sind sie irgendeiner Wahrheit auf der Spur, oder passt dieser düstere Nihilismus lediglich in das irgendwie auch neue Repertoire der Band? Neu deswegen, weil mir die komplette Cd wesentlich massiver, durchdachter, kreativer erscheint, als es all die Musik war, die mir bisher zugegebenermaßen nur rudimentär das Ohr streifte. Deshalb mag ich auch der Täuschung unterliegen, die Vocals growlen sich ihren Weg durch eigenkomponierten Todschlag jedoch mit viel mehr Schmackes als in den zurückliegenden Jahren. Bisher waren die Ludwigshafener in meinem Universum lediglich ein Rad von vielen, das die deutsche Szene am Laufen hielt. Nun aber sind sie mehr Motor als lediglich Bestandteil eines großen, oftmals bröckelnden Ganzen. Schnurstraks setzen sie die Aussage des Intros in erschreckenden Realismus um. Mit immens technischen und brutalen Keulen entleiben sie alle Zweifler, und schmettern splitternde, tödliche Schläge in entblößte Nacken. Da muss ein gewaltiger Ruck durch das Gefüge der Band gegangen sein, wenn der Zug plötzlich an Bremskraft verliert und seine Tonnage unaufhaltsam in eine Kollision führt. Das komplette Album drückt mit Macht die Füllung aus den Kissen, auf denen wir uns bis dato ausgeruht haben, bevor wir unerwartet und dermaßen rigoros aus dem Schlaf gerissen wurden. Dichter, kompakter Sound schiebt sich durch den Raum, eine Wand aus geschmolzenem Blei und stählernerer Bewährung, aus Hitze und Schmerz. Da scheint etwas als echte homogene Masse mit intellektuellem Zentralkern zu funktionieren, wie sonst lässt sich das durchweg hohe Niveau dieser „Kopp ab“ Platte erklären, mit Riffs aus der Eisenschmelze, Bässen auf labbrigen Pferdeenddärmen gespielt, Grooves und Technik, Nachvollziehbarkeit und Anspruch. In erster Linie jedoch mit dem vollem Programm frontal an die Platte! So tickt Tombhroat Anno 2012, dem Jahr der Apokalypse (mal wieder). Das wir alle aus unserem sauberen Eden längst rausgeflogen sind, hätten wir wohl fast verdrängt, würde uns ein Album wie dieses nicht immer wieder die Augen öffnen, indem sie die Lider abreißen, das Gehör schärfen, indem sie Trommelfelle auf ihre einzigartige Weise verdichten, unseren Verstand schärfen, indem sie uns ohne Unterlass mit sägenden Saiten, pfeifenden Obertönen und progressiven Twists auf die blöde Birne kloppen. Ich glaube, die Band hat einen recht hohen Aufwand betrieben, um das Album in dieser Form weiter zu reichen, oder aber die hatten einfach nur ein paar gute Tage. Ich bleibe aber bei meiner Überzeugung, dass da viel Arbeit wie auch viel Spaß drin stecken, etwas das ihr honorieren solltet, wenn ihr auf brutalen Hacktot steht, aber mehr sucht als geklonten Amirülps vom Großhändler!
8/10

Saturday, May 12, 2012

CARDIAC ARREST - Vortex Of Violence - Cd / Ibex Moon


Da sind sie wieder, Chicagos unverwüstliche und außerhalb ihrer Heimat häufig immer noch ungehörte Death Metal Kavallerie Cardiac Arrest. Rumpelnd und krachend, mit bassgetränkten Rifftonagen, räudigen Vocals, pfeifenden, disharmonischen Quietscheriffs und allen wünschenswerten Zutaten, die wir von rostfreien und authentischen alten amerikanischen Eisen so erhoffen. Cardiac Arrest verfügen über ein äußerst düsteres und morbides Melodieverständnis, abseits jeglicher filigranen Neigung. Die gehen einfach auf alles los, was im Bereich der Kette liegt und sie mit festem, geifernden Fängen schnappen können. Nicht unbedingt primitiv, aber dicht gepackt und erfreulich überschaubar gestrickt rammelt beinahe jeder Song mit in der Regel mehr als flottem Tempo und donnerndem Sound, dick wie Bunkerwände kettenreaktionsartig von der Rampe. Bei so massiver Böllerei durch zwerchfellkontrahierende, tiefer gelegte Instrumentenfront, bleibt schon nach dem ersten kompletten Durchlauf für ca. 1 Stunde ein sonores Brummen im Kopf stehen, stur wie ein hungriger Esel auf der überfüllten Bundesstraße. Ich konnte beobachten, wie die Fensterscheiben vibrierten und zwei Fliegen von der Druckwelle aus der Flugbahn katapultiert wurden. Das alles ist nur möglich, weil sich die Band ein ausgeprägtes Old School Verständnis bewahrt hat, und sich nicht in die Suppe pinkelnd lässt. Da ist es egal, dass der Sound nicht wirklich bis ins Detail gebügelt ist, natürlich klingt das dann nach leicht verwaschenem und untersteuertem Tobsuchtsanfällen, natürlich ist nicht alles messerscharf produziert, aber brutal ist der Dreck, dass die Späne auch ohne Hobel in alle Richtungen fliegen. Schartige und ranzige Gitarren kleben sich zäh und fett in die Muschel, tragen den Spirit eines städtischen Todesackers mit sich und verwüsten ganze Plantagen mit jungen Notenbepflanzungen. Cardiac Arrest sind nicht die erste Generation bleiverliebter Todessüchtler, aber ganz in deren Sinne bewohnen sie ein marodes Gebäude das sie mit nicht einzigartigem sondern wahrem Death Metal am einstürzen hindern. Da ist es erlaubt, dass sich eine Sologitarre mit allerhöchster Leidensfähigkeit in einen Song quetscht, die Leads nicht den Versuch wagen angegammelte Ware als frische Produkte feilzubieten, sondern ihre Wurzeln vehement verteidigen. Es ist doch nur ehrlich, wenn der Hammer stumpfe Schläge verteilt und mehr als Kopfschmerzen verursacht. Cardiac Arrest haben mit ihrer 4. Rille wahrscheinlich nichts künstlerisch Wertvolles aus dem löchrigen Hut gehext, aber sie werden ihrer Rolle als Streiter für die alte Schule mehr als gerecht. Unangepasst und im Zeitstrahl gefangen gehalten, das trifft es wohl am ehesten. Revolutionär wie der Elefant im Porzellanladen, lasst scheppern Jungs!
7/10

ANTIGAMA - Stop The Chaos - Mcd / Selfmadegod Records


Antigama waren in musikalischer Hinsicht nie eine ganz einfache, geschweige denn unkomplizierte Band. Na ja, am Anfang vielleicht, aber ihre Entwicklung hat schnell Fahrt aufgenommen. Ihre Musik ist schweinebrutal aber auch immer wieder sperrig um die Ecke. Irgendwie waren sie und bleiben sie eine Grindcoreband, die sich im Kern immer noch auf das Wesentliche konzentrieren kann. Was sie aber ausmacht, ist das komplexe Arbeiten an ihren Veröffentlichungen, denn so einfach und billig lassen sie ihre Songs nie davon kommen. Von wirklicher Progressivität ist da sicher nicht zu reden, es scheint eher so, dass sie ihren schöpferischen Anspruch an sich selbst immer bis an den Eichstrich treiben müssen. Da kann vielleicht nicht jeder mit um, die Musik zeugt aber immer von überdurchschnittlicher Qualität auf Kosten flüchtiger Eingängigkeit. Nichts anderes erwartet euch auf der neuen Ep, mit der sie übrigens zu Selfmadegod Records zurück kehren. Schnelle und schräge Riffs, nicht immer nachvollziehbare Breaks, ein Bass der wie ein Zweitakter den Hintergrund verwüstet, aufgeregte Vocals und einen Oktopus hinter dem Drumkit. Dazu werden immer mal wieder mit skurrilen Ideen kompositorisch Löcher gestopft, die eigentlich gar nicht vorhanden sind. Dann klingt das als würde der Muezzin von einem Minarett im erzkatholischen Polen seine Verehrung für das pure Chaos in die Rushhour brüllen. Alle tonalen Gewaltakte stehen für strukturelle Kontrolle und abstrakte Präzision, nicht für Berechenbarkeit und melodisches Harmoniebedürfnis, die Devise „Drauf los und tot“, nach der unendlich viele Death und Grindcombos sehr gut funktionieren, muss ihnen ein Graus sein. Antigama spielen ihr Spiel und interessieren sich nicht für Konventionen und Erwartungshaltungen. Das trifft sicher auch für das Ende der Ep zu, wenn mit sphärischen Klängen zum Verlassen des Etablissements gebeten wird. Bei Antigama ist das sicher nicht als Spielzeitschinder gedacht, sonder fester Bestandteil ihres Konzeptes von was auch immer. Und der Ep-, und Songtitel „Stop The Chaos“ ist an irgendeiner Stelle in seiner Aussagekraft auch ernst gemeint. Selbst wenn ich das beim Hören kaum glauben kann, drehen sie sowohl mit diesem als auch allen anderen Stücken eher die Schraube chaotischen Wirrwarrs und panischer Zerstörungswut noch etwas mehr in den Grenzbereich. Die können einfach nicht anders und müssen immer bis zum Herzinfarkt zocken, ständig atemlos sein und garantierte Bürgschaften für den ultimativen Sauerstoffmangel unterzeichnen. Antigama haben seit langem das Untier im Käfig gefangen, dass andere namhafte Bands wie Coldworker oder Misery Index manchmal immer wieder aufs Neue jagen müssen. Wer seit eh und jeh seinen Stempel ins Antigama – Bonusheft gemacht hat, wird auch versuchen „Stop The Chaos“ zu verstehen und zumindest den brutalen Scheiß genießen!
8/10

Friday, May 11, 2012

ZOMBIE RITUAL - Dawn Of The Zombie Slaughter - Cd / Power It Up


Ich habe immer angenommen, so ein blöder, nach Fleisch und Hirn gierender Untoter, dem selbiges im Laufe seiner Existenz immer verlustiger wird, fällt einfach irgendwann auseinander und transformiert zu Humus. Bei den skurrilen Zombies aus Tokio scheint ein strahlungssicheres Immunverhalten die Kadavertruppe länger als erwartet am Unleben zu halten. Obwohl es langsam Verschleißerscheinungen am inneren Korpus gibt. Im Gegensatz zu den mir bekannten Alben und Splits (kenne lange nicht alles), fehlt dem neuen Output der schlitzäugigen Karnivoren so etwas der Biss. Die ersten Zähne sind wohl im Zuge mentalen Skorbuts im festen Haut, Knorpel und Knochengespinst ihrer Opfer stecken geblieben. Die erste Hälfte des Albums ist vollkommen überzeugend mit vokalem Gewürge unterschiedlichster Couleur, matschigen Goreriffs und mittig gepackten klassischen Metal Solis. Alles schön fies und angenehm konsumierbar. Die zweite Hälfte leidet dann tendenziell unter Atemnot, gehen ihnen doch die guten Songideen etwas aus und der Sänger beginnt mit umgekehrtem Stimmbruch leicht zu strapazieren. Dafür versuchen sie mit Coolness zu punkten und so ein kurz angesetztes Stakato – Riff wie in „Zombie Angels Fallen“ hat sogar was von der rotzigen Abgebrühtheit einer Band wie Prong. Das aber nur am Rande, das Stück ist nicht unbedingt das Zentrum der Scheibe. Will nur sagen, dass immer noch was geht, selbst wenn die Luft vergiftet von Ideen klaubenden Pestschwaden zu sein scheint. Für einige heftige Schrammelhiebe in die Testikel und Eingeweide langt der an Luftnot leidende Teil aber auch so noch. Zombie Ritual wissen seit jeh her, in wessen Luftzug ihre Fahne flattert. Da gibt es den ganzen alten Razorback Terror von Ghoul über Frightmare und Engorged. Es wird mit den Klassikern der Splatterunmusik kokettiert, namentlich Impetigo, die Könige des primitiven Schlachthaussounds. Und hinter all dem schwebt natürlich der Geist von Carcass. Die klauen und erfinden ihre Existenz gleichermaßen. Es geht billig zu wie in einem schmuddeligen Rotlichtkino, es wird auf kranke Art melodiös und schleimiger Galopp ist Pflicht. So feist und roh wie das sich ans Leben klammernde Vierergespann über die Piste hoppelt, so schnell schlurft ein Zombie seinen Opfern in der Regel nicht hinterher. Deshalb legen sie auch immer Mal Pausen ein, wegen der Authentizität und dem Spaß an der Sache. Trab und Midtempo, morbide Leads und abgegriffene Riffs, düstere, verklebte Melodien und ein Höllengeschrei. Das alles könnt ihr entweder genießen oder als zu poplig betrachten für ein echtes Zombiegelage. In Tokio tobt auf jeden Fall noch die Hölle in dunklen Nebenstraßen und schlecht bis albern bemaltes Lumpengesindel nervt das Establishment mit Grindcore und ihren Visionen vom Leben nach dem Schnitter. Das macht Laune und verliert seinen perversen Charme noch lange nicht. „Dawn Of The Zombie Slaughter“ ist nun nicht der kompositorische Nabel des Friedhofs, was sicher auch nicht zu erwarten war, macht aber Laune und für jeden biersaufenden, im stehen pissenden wandelnden Toten fast unabdingbar!
7/10

PASSIV DÖDSHJÄLP - Fasader - Cd / Power It Up


PASSIV DÖDSHJÄLP – passive Todeshilfe. Ha!, ich lach mich kaputt, wenn die Brüder auf irgendeine Art passiv sind, dann bin ich Deutschlands nächster Papst und Kandisbunzler in persona! Passive Todeshilfe bedeutet, dem Abtrittwilligen die Kanone möglichst ungeladen in die Hand zu drücken und ihm alles weitere zu überlassen. Das was die Schweden jedoch abziehen, ist der Trigger höchstpersönlich. Die feuern die Kugeln aus dem Lauf in der festen Absicht Blut zu vergießen. Dafür muss ein jeder die Birne natürlich freiwillig hinhalten. Und womit propagiert der Schwede seine Abneigung gegen generell alles am überzeugendsten? Mit Crustcore, vornehmlich der Marke Skitsytem natürlich. Mit dem Anspruch, so ranzig und hektisch wie nur vertretbar in die Saiten zu hauen, jeden Tag ein Schlagzeug zu recyceln und gewebsfeindlich zu kreischen und zu plärren. Der Sänger bedient sich eines typischen schrillen Organs mit dem Klang eines freigelegten Schweinedünndarms, der mit gleichbleibender Geschwindigkeit durch das Loch einer leeren Bierdose gezogen wird. Anstrengende Scheiße, ich vermute Dauerbelastung könnte ungesunde Folgen haben. Aber die Mucke ist trotzdem fettig und was wäre sie ohne solche Kehlkopfkrebskandidaten. Bisschen kurz vielleicht, aber durchaus recht variabel was Tempo und Arrangements betrifft. Kann sein, dass es sogar etwas von über den Tellerrand schielen hat, wenn sie immer wieder eher etwas düstere und ruhigere Bremswirkung auf die Songs ausüben. Da spielt sich eben nicht alles in 3 Akkorden ab. Die tun zwar mit Recht immer noch und hauptsächlich einen Scheißdreck um die Crust und D – Beat Spur überzeugend zu verlassen, aber auf dem serpentinenreichen Anarchopfad haben sie ein durchaus brauchbares Kurvengefühl. Da kann so ein Freizeitrevoluzzer schnell zum Überzeugungstäter werden, wenn er mit kantigen Riffs und verstimmten Leads beworfen wird, wen er ständig angebrüllt wird wie ein Kleinkind, dass den widerlichen Babybrei aus der Tube wieder an den flohverseuchten Köter verfüttert und lieber nach dem Flaschenbier des Alten japst. Wenn sich Bässe so rar machen wie der Ruf nach gesellschaftlicher Verantwortung, dass es auch den noch so gemäßigten Stubenkater in die Eckkneipe zur verrauchten Stammtischpolitik treibt. PASSIV DÖDSHJÄLP klingen alles in allem etwas schräg, ziemlich überzeugend und damit irgendwie ehrlich. „Fasader“ ist ein kompromissbereites Stück Neopunk mit allen Ecken und Kanten in all seiner faszinierenden Räudigkeit und über Gebühr ansprechendem musikalischen Präzisionsvermögen. So was muss rau, roh und laut! Lediglich den Makel allzu knapper Bespaßung müssen sie mit sich tragen, denn bissel über 20 Minuten ist nicht wirklich ein echtes Album. Diese spießige Einstellung ist mir heilig!
7/10

NAILED DOWN - Resurrection - 3 x 7 / Power It Up


Um 2003 rum muss der Stapel Platten mit schredderndem Kängurucore schon mal erschienen sein. Allerdings nicht in Vinylform, sonder als wesentlich kompaktere Version. In gewisser Weise hat die Neuauflage auf Vinyl ja was Kultiges und bestimmt ist es das Medium, wo solche anarchistisches Gewaltgetöse auf 3 Akkorde auch hingehört. Und dann gleich 3 7er daraus zu machen, ist wohl genau so ungewöhnlich wie ein Wombat im Himalaja. Nur zum hören, der, ich denke doch eigentlichen Bestimmung jeglicher Form von Musik, ist das gewählte Format mehr als ungeeignet. Da ist der Doppelbesatz von Silber und Schwarz ratsamer. Insofern ihr Platten genau so dringend braucht wie halbwegs sauberes Wasser oder einen funktionierenden Kühlschrank. Auf diese Weise lassen sich die drei niedrigzölligen Kunststoffrundlinge zu ihren Freunden ins Regal stellen und der Hardcore und Punklärm darf von der Cd gesaugt werden. Ich versuche das mal zu erklären. Habt ihr schon mal eine dieser überflüssigen und an Zahl stetig steigenden Kochshows gesehen? Die wo alle mit perverser Hektik durch falsche Küchen hetzen, jeder Kommentar mit dem Applausschild bestraft wird, wo die bekloppten Protagonisten ständig Pfannen am rühren, schleudern und wenden haben? Dort wo Amateurtopfrührer wie die Blöden in ihre Auflaufformen schwitzen und am Ende nichts von ihren überschätzten Eierkuchen haben, außer die angebrannten Rester vom Herd zu kratzen. So ungefähr fühle ich mich, wenn ich mir „Resurrection“ anhöre. Zumindest halt in der Vinylvariante. Denn der Scheiß läuft insgesamt nur so was um eine viertel Stunde. Nach Adam Riese und einem verschwommenen Blick über den Daumen, könnt ihr euch ungefähr vorstellen, wie viel da auf jeder Seite drauf ist. Ich komme mir vor wie ein Pfannenwender auf Testosteron und verbringe gefühlt mehr Zeit damit, die Dinger umzudrehen, denn mit dem Hören des Krawalls. Also das ist lästig. So kam ich zu der Vermutung, dass dieses Dreierpack nicht zum konventionellen Gebrauch bestimmt sein kann. Vielleicht lässt es sich als kleines, quadratisches Platzdeckchen mit gewissem Eigengewicht zum 95en Geburtstag an den Großvater bringen, wenn ich mit der Heißklebepistole noch ein paar Antirutschnoppen auf die Unterseite klebe. Das Cover wäre für alte Herren tendenziell erbbeschleunigend. Oder ihr kauft so ein Dutzend davon und baut für die kleine Tochter eurer Schwester ein lustiges Windspiel für das rosa Himmelbett. Beschert sicher gute, der Realität einer nicht zu fernen Zukunft angepasste, Träume. Und was kann man den Plagen besseres in die Wiege legen als ranzigen und primitiven 80er Jahre Hardcore, dann schlagen sie sich beizeiten die Flausen von Individualismus und Chancengleichheit aus dem Kopf. Hat was mit verantwortungsvoller Erziehung zu tun. Aber natürlich könnt ihr „Resurrection“ auch wegen der Musik erwerben, bleibt doch jedem selbst überlassen, wie viel Arbeit er sich damit machen will. Für die ganz Abgebrühten gibt es eine limitierte Auflage auf weißem Vinyl inklusive Patch an dem sich die Käufer dann wegen des Jahrestreffens fleißiger Akkordarbeiter erkennen können.
6/10

Thursday, May 10, 2012

FUTURE RUINS - Same - Cd / Power It Up


Was glaubt ihr was ein alter Schwede macht, wenn er sein Innerstes auf Krawall bürstet und seine anarchistischen Intentionen an den mündigen Bürger bringen will? Süßes Brot backen und immer freundlich grüßend durch die Nachbarschaft flanieren? Die einzige Geste, die einem Gruß gleichkommen würde, ist der ausgestreckt Mittelfinger in Richtung all jener, die sich für aufrechte Stützen der Gesellschaft halten. Also was macht er? Er schnappt sich abgegriffene Instrumente, stöpselt sie in verstaubte Verstärker und lässt das Holz ordentlich, selbstbewusst wie ein wahrer Kerllerrevoluzer, splittern. Crust und D – Beat, aggressiv und kantig, genau so melodisch und auf kranke Art musikalisch, wie es nur Schweden auf die Reihe kriegen. Die Songs leben von Eigenständigkeit nicht von Wiederholungen, die Reise ist eine in die Finsternis brüllender und aufrührerischer Kreativität, keine Einbahnstraße. Hass spritzt aus jeder Note und jedem Akkord wie Blut aus einem durchgeschnittenen Schlund, selten verirren sich Salyer – ansässige Leads (Kallocain), meistens haben die Melodien eher was mit rostigen Säbeln und knirschenden Zähnen zu tun. Alles immer so, dass die Songs genug Raum für individuelle Entfaltung lassen. Ohne schöngeistige Ausflüge, versteht sich, alles dreckig und speckig, anrüchig und unangepasst. Aber eben auch auf einem musikalischen Niveau, dass der Band gut zu Gesicht steht und eben nicht einfach nur billig und frontal mit der Brechstange durch die Bunkertür will. Und wenn ich das von dieser Seite beleuchte, besitzen Future Ruins mehr Potential das sie zu nutzen wissen, als viele ihrer besoffenen Crustpunkkollegen. Da muss man beinahe Angst bekommen, dass die ihr Handwerk zu ernst nehmen und die eigentliche Sache aus dem Blick verlieren, nämlich an irgendeiner Revolution teilzunehmen, irgendwas zu befreien und Schulter an Schulter mit irgendwelchen Genossen hinter der Barrikade zu stehen. Vielleicht haben sie das aber auch schon hinter sich und sich selbst befreit. Von den Fesseln kleinkarierten Denkens und stumpfer Erwartungshaltung. Vielleicht ist dieses Album ihr künstlerisches Manifest und beweist, dass sich niemand mit 3 Akkorden zufrieden geben muss, nur weil das in der Szene halt so ist. Future Ruins leben auch eine Rock Attitüde aus und beherrschen ihr Instrumentarium mit allergrößter Sicherheit, setzen Ideen um und schrauben Songs zusammen, die bei aller provokativer Haudraufmentalität sehr homogen an den Mann gelangen. Damit sprengen sie die eigentlich nicht existenten Grenzen und rocken mit tödlicher Präzision, und vorsichtig ausgedrückt, filigranem Verständnis für den richtigen Einsatz, der richtigen Ideen zur richtigen Zeit. Ich find das gut, und je öfter das Teil durch die Hütte kreist, umso intensiver frisst es an meinem Hirnstamm. Diese Erfahrung solltet ihr mit mir teilen!
8/10

D.E.R. - Quando A Esperança Desaba - Mcd / Every Day Hate


16 Songs unter einer ¼ Stunde, da weißt du Bescheid, was den Jungs hier scheinbar ausgeht und am wichtigsten sein muss, Zeit. Erschienen ist das Gebolze für den heimischen, brasilianischen Markt bereits 2008 … glaube ich. Nun hat sich E.D.H. der Geschichte angenommen und lässt das mir bis dato unbekannte Infernalo Nervosi auf Europa los. Und Zeit ist dabei wahrlich nur ein marginales Lächeln vom Randstein der Geschichte. Orientieren sie sich doch auf die Wurzel allen Grindcores. Napalm Death in all seiner frühen, abgeranzeten, kindererschreckenden Räudigkeit sind Pate, Urvater und Idol in einem, da lassen die Typen, über die ich irgendwie überhaupt keine Infos habe, nicht mit sich diskutieren. Zusätzlich wissen sie, dass auch Grindcore in seinem ursprünglichen Sinne irgendwo her kam, deshalb ist der ganze britische 80er Hardcorescheiß auch noch raus zuhören. Ganz im Sinne antiker Unmusikrevolution wird geblastet bis das Fundament reißt, das Dach vom Giebel rutscht und das elterliche Schlafgemach mit Mama und Papa drin, im Freien steht. Der Schlagzeuger führt seinen Privatkrieg auf beängstigend offensive Art und Weise, überschlägt sich permanent und schmeißt die Bude hörbar und vielfach die Proberaumtreppe runter. Dazu dann noch raues und tiefes Köterbellen, als stände der Zwinger von einem Dutzend Pitbulls inmitten einer Katzenkastrierfarm, und der Veterinäronkel überlässt lieber die Arbeit seinen vierbeinigen Kumpels. D.E.R. beziehen sich auch auf Acts wie Phobia oder Insect Warfare, einige Riffs klingen nach Haemorrhage, auch wenn sie deren lyrische Poesie kaum teilen werden, aber eigentlich spielt das alles keine Rolle, saufen und pinkeln die doch alle aus und in denselben Topf. Hauptsache es wird immer grenzwertig am gerade noch Ertragbaren gehämmert und gebrüllt, politisch immer zielsicher auf das Establishment gespuckt und die verdammt kurzen Nummern sollten trotz aller primitiver Gewaltexzesse mit einem gewissen Anteil an Hirneinsatz geschrieben sein. All das trifft zu, so kommen D.E.R. (was auch immer das heißt…?) mit ihrer südamerikanischen Britengrindvariante mehr als löblich vom Acker, nur die Spielzeit hat Herzinfarktcharakter. Ein Gehetze und Geschiebe, Kreislauf auf Anschlag, Herzfrequenz beim Kasper, angeschwollene Halsschlagader und geplatztes Aneurysma, Hirnbluten und sensibler Totalausfall. So ein brüllender und schreiender Gewaltakt kennt keine Freunde, überfährt lieber unbeteiligte Passanten und kleine Kinder, Bremsen wurden konstruktionsbedingt vergessen und die Fahrt geht immer steil hangabwärts. Laut, pöbelnd und um sich schlagend stoppt erst ein Frontalaufprall auf die Stopptaste das wüste Toben. Das hätte alles standesgemäß auf eine 7er gepasst, verirrt sich dann aber doch lieber auf ebenfalls an Popularität verlierendes Plastik. Mir soll es egal sein und ihr sollt’s kaufen.
7/10

Wednesday, May 9, 2012

NOISEBAZOOKA - Humped World - Cd / Every Day Hate


Hatte schon mal ein Noisebazooka Album hier auf Halde, muss schon einige Jahre her sein. Weiß auch nicht unter welchen Haufen ich es kompostiert habe. Dass ich das tat ist vielleicht Beweis meiner subjektiven Intoleranz. Oder es liegt nur daran, dass es Scheiße war. Nun kullert der nächste Anwärter auf plastische Unverwertbarkeit ins Haus. Ich habe zu der anderen Cd keinerlei akustische Verbindung mehr, aber schlimmer kann es beinahe nicht gewesen sein. Das Ösiduo, das hinter dem vielsagenden Bandnamen hockt, bezieht sich selbst gern auf Agoraphobic Nosebleed, aber deren kultiger Radau wahrt wenigstens den Anschein von Struktur. Noisebazooka ist unkontrollierbares Chaos, gespickt mit Disharmonien und dem völligen Fehlen musikalischer Reizsetzung. Gut Schmerzreize, wahrscheinlich die Eigenen, resultierend aus Vernunftentzug und übersteigertem Selbsthass. Die kompensieren sie dann wohl ungesteuert, indem sie mit ihren Flohmarktinstrumenten das Inventar ihrer Studentenbude zerlegen. Das ist doch wirklich Mist, da habe ich ja mehr Freude dran, nackt einen Köpper von der Kellertreppe zu machen und mit genüsslicher Angst im Regal mit dem Eingeweckten zu landen. Jede waschechte Noiseband hat mehr Punk im Arsch als dieses vollständige Durcheinander, da lässt es sich zu Rushhour – Verkehrslärm besser feiern, beim Zahnarzt besser lachen und im Porzelangeschäft einfacher Golf spielen. Vielleicht versuchen sie uns auch im Stile besoffener und bekiffter Free Jazzer irgendeine geheimnisvolle Mitteilung in den Jackenaufschlag zu mogeln. Vielleicht hat das was mit der psychedelischen Suche nach dem Sinn von überhaupt allem zu suchen. Vielleicht sind die in ein Chemielabor eingebrochen, und haben unbedacht irgendwas eingeatmet, oder es sind selbst Chemiker, erblindet und taub geworden von den eigenen Rezepturen, aber immer noch am Experimentieren, und auf der verzweifelten Suche nach der ultimativen Formel, die wenigstens 2 Noten zusammen halten kann. Vielleicht verarschen die uns auch einfach nur, ich werde es nie erfahren, da ich mich mit der Abwesenheit von Substanz nicht befasse. Lieber Flying Circus eine Woche am Stück, als das hier noch einen weiteren Umlauf. Unsinnstiftendes Geplärre und beabsichtigte Unmusikalität sind ein Fall für den Kadi. Und solltet ihr euch ernsthaft mit dem aktuellen Erguss beschäftigen wollen, seid darauf gefasst, dass ihr was schlucken müsst, das andere nicht mal wegwischen würden. Und wenn ihr dann behauptet, mir fehle lediglich die Fähigkeit, den Grund eines unermesslichen Kreativpools zu entdecken, die Aussagekraft dieses Werkes hinter der Bleiwand nicht zu verstehen, dann neige ich mein Haupt schamvoll und geh mir ne Kiste Punkerbier kaufen. Das macht für mich mehr Sinn. 2 Punkte für die Eier, mit so was ans Licht zu wollen!
2/10

HAEMORRHAGE - Loathesongs Re - Issue - Cd / Every Day Hate


Der Creep zappelt wieder durch den Keller des Bestattungsinstituts, flitzt durch die Kühlkammmer, und zerrt eine 12 Jahre alte Leiche von der stählernen Bahre. „Loathsongs“ erlebt seine Auferstehung. Aufgepeppt mit noch mehr neuen, alten Songs covern Haemorrhage sich durch alles, was sie beeinflusst hat, was sie mögen oder wahrscheinlich auch einfach nur mal zerhacken wollten. Dazu gekommen sind Impetigo‘s “Staph Terrorist”, das schon mal auf dem Razorback Sampler „Wizards Of Gore“ Friedhofsluft schnupperte, „Police Bastard“ von Doom und „Unlock The Morgue“ von Grinder aus dem schönen Hessenland. Zudem noch 2 zusätzliche Haemorrhage Tracks. Und es ist natürlich wieder schön zu erleben, welche persönliche Vorstellung die Spanier von, na zum Beispiel Suicidal Tendencies oder gar Ufo haben, wie sie deren Stücke liebevoll pervertieren und in Eiter, Blut und Leichensaft baden. Dass Carcass, Impetigo oder Regurgitate auf der Liste stehen, verwundert dann weniger, müssen sie sich nicht so viel Mühe geben, die Auswahl begründen zu müssen. Bei Entombeds´ Left Hand Path Klassiker „ Premature Autopsy“ hingegen muss man schon genau aufpassen. Natürlich bleibt er zu erkennen, die Leads sind dafür einfach zu prägnant, aber hier wird die Nummer glatt um 3 Minuten gekürzt und somit aufs wesentliche komprimiert. Bei Doom bleiben sie da schon näher am Original, die Vocals sind natürlich anders, der Versuch crustiges Hardcoregebell zu imitieren bleibt wohlweislich aus. Der Song selbst verströmt jedoch die gleiche anarchistische Rotzigkeit. Um Cryptic Slaughters´ „M.A.D.“ gleich zu erkennen, braucht es dann wieder viel Fantasie, denn die Geschichte wird herrlich danieder gegrindet und mit dem Gorehammer zu Brei geschlagen, so dass von dem eher dünnbrüstigen Original nur noch ein blutiger Fleck auf dem Tanzboden übrig bleibt. Besonders unschön wird es aber erst, wenn Ufo und „Doctor, Doctor“ verballhornt oder verehrt werden. Ich bin mir da nicht sicher, denn von der eigentlichen Idee des Songs ist kaum was über. Mit allergrößter Sicherheit würde der Herr Schenker vom Glauben abfallen, sollte er jemals mitkriegen, wie sein harmoniesüchtiges Trauerstück zerfetzt und willkürlich wieder zusammen gesetzt wird. Ist ne absolute Lecke und die reinste Form von Blasphemie! Ich weiß nicht, ob jede Interpretation der ausgewählten Rülps bis Rocknummern immer gelungen ist, der Spaßfaktor, sollte ich den als zentralen Antrieb betrachten, legitimiert jedoch alles. Im Nachklapp betrachtet und an der Auswahl der verwursteten Bands, haben Haemorrhage mindestens genau so viel Einfluss von Entombed gesaugt, wie von Carcass, was ja nun keine Überraschung ist. Eher doch der Part des rohen, klassischen Schwedenmörtels, Haemorrhage intoniert das anders, aber so weit weg sind sie gar nicht. Die morbide Aussage und das grimmige Umherschlurfen auf geplünderten Friedhöfen haben beide definitiv gemeinsam. Mit der Handvoll an Erweiterungen lohnt es sich durchaus, die Scheibe zu kaufen, neues Cover bekommt ihr auch noch. So will ich den Creep für seine erbrachte Fleißarbeit mal loben, hat er uns doch so was Schönes ans Licht gezottelt.
8/10

Tuesday, May 8, 2012

HEXEN - Being And Nothingness - Cd / Pulverised Records


Hexen haben ein virtuoses Stück frischen Metals kreiert, das die gängigen Grenzen des Death Metal weit überschreitet und aus Bay Area ein progressives Schaubild macht, deren ursprünglich ungehobelte Aggressivität sogar beinahe pervertiert. Hexen überlassen rein gar nichts dem Zufall, dass wirkt alles so perfektioniert, dass ich beinahe Angst um die Spontanität im Metal kriege, je länger dieser Opus leiert. Musikalisch schlagen die sich mit jedem Song selber, wer will da schon gegen anstinken. Das ist alles so ausgeprägt melodisch, ellenlang und dekoriert mit oftmals endlosen Soloschleifen, für die ein normaler Gitarrist 2 Leben braucht um etwas in der Art mit dieser offensichtlichen Leichtigkeit zu greifen. Weniger spektakulär sind die Riffs der Leadgitarre, die dann das ganze Unternehmen auf den Boden des Thrash Metal zurück holt. Lange jedoch lässt sich das Gesamtkonstrukt nicht in seinem irdenen Gefängnis fest tackern, denn die Solis reißen immer wieder aus und verpassen dem Album einen charmant unsteten Charakter. Die Dominanz über das Geschäft übernimmt unzweideutig der progressive Terminus des Albums, was nicht immer positiv rüber kommt. So wird echter Headbangerstoff fast immer schon im Keim erstickt und den Versuch mal eine brutale Keule zu schlagen, unternimmt der Vierer erst gar nicht. Und mit der unendlichen Geschichte des Rausschmeißers krönen sie ihren Ehrgeiz dann noch, etwas Besonders erschaffen zu haben. Das Ding hört einfach nicht auf, nimmt ständig Wendungen, knüppelt wie eine Erntemaschine über den Kartoffelacker und streichelt den Feen im hohen Gras die dünnen Flügel. Mit Pianokraft wird Schnellfahrt bestätigt und Solis dudeln immer wieder in die Flanke eines Monsterstücks. Verheulte Akustik sorgt für mediävale Melancholie und kantige Leads für abbe Köppe! Hexen haben ein Album geschrieben, das wie ein Wirbelwind jedes Körnchen vom Wüstenboden saugt und sie geordnet zu hohen und exakt ausgerichteten Pyramiden stapelt. Was bleibt sind Kompositionen zum staunen, Kompositionen mit Tempo und Melodie, heiseren Shouts und gebrochenen Fingern. Aber auch mit ruhigen Momenten, viel Kreativität und thrashigen Riffs. Alles in allem wohl künstlerisch wertvoll, vielleicht nicht kompromisslos genug, und Härte im Allgemeinen fehlt auch, dafür sind technische Leistung und das Album als Gesamtkonzept beeindruckend. So einen verschachtelten aber immer überschaubaren Turm muss sich erst mal einer hin bauen. Dass das Album im gleichen Studio entstanden ist, in dem Lividity Schweinkramorgien aufgenommen haben, will ich da irgendwie nicht glauben. Dafür entspricht das Cover dem Anliegen der Musik, ganz im Stile von King Diamond bis hin zu Dissection hat Kristian Wahlin eines seiner stimmigen blauen Düsterwerke geschaffen, das gut andeutet, wo die Musik von Hexen hin will. Unterhaltsame Verwirrung auf allen Ebenen. Wer eine progressive Wundertüte sucht, hat sie mit „Being And Nothingness“ gefunden.
8/10

Monday, May 7, 2012

DEPHOSPHORUS / WAKE - Spilt Ep - 7 Degrees Records


Meinem subjektiven Empfinden nach ist es noch gar nicht so lange her, dass beide Bands frische Rinden im Toaster hatten, jetzt legen sie ihre neusten Blutergüsse als versteuertes Zollprodukt in den heimischen Medizinschrank. Die Griechen Dephosphorus überraschen mich dabei doch wirklich, lassen sie scheinbar ihren spacigen Experimentierwahn in der Besenkammer ihres Raumfrachters und prügeln einfach nur darauf los. So erlebe ich harschen Grindcore mit Fleischwolfvocals und teilweisem Sprechgesang, Geschepper im Sinne immer noch etwas getragener Musik aber rigoroser Brutalität. Wake hingegen tun was sie können um ganz im Interesse ihrer letztjährigen Scheibe das Krumme aus den Gehörgängen zu blasen. Dicht gestampft und hektisch getreten wie ein unkontrollierbares Fußballspiel in der Verbandsliga. Da wo es nicht so auf Regeln ankommt und die Fans das Regime innehaben. Das ist eigentlich schon das Wesentliche, was ihr über diese Ep wissen müsst, wenn ihr Grindcore ohne Aussetzer mögt, und mit dem Bewusstsein aus einer unerschöpflichen Quelle brutalen 3 Akkorde Wahnsinns bis zur Besinnungslosigkeit zu saufen, aufgewachsen seid. Ja gut, beide Bands haben auch mehr drauf und verrennen sich nicht einfach in wilder Raserei und dem Bedürfnis einfach nur am Stammbaum zu rütteln. Die gehen auch vom Tempo und kreieren einen etwas verfilzten Teppich aus psychedelischer Pseudorealität. Der Fokus ist aber Riffgewitter, in unharmonischer, chaotischer Liaison mit hektischen Simmgewitter und polternden Schlagwerkuntaten. Musikalisch liegen beide Acts ziemlich dicht beisammen, würde der Sound nicht deine gewisse Differenz erzeugen, hätte ich den Unterschied zwischen Griechenland und Kanada nur an der Landeswährung erkannt. Späterhin und nach einigen schädelspaltenden Durchläufen kristallisieren sich einige Feinheiten heraus, die aber grober ausfallen als Sternenstaub. Dieses mal bin ich sogar bereit Dephosphorus den Vortritt zu lassen und sie nach meinem eigenen Empfinden zum „Leader Of The Pack“ zu küren. Nicht nur dass ihr Sound dichter und erdrückender ist, auch ihre Musik hat was Fesselndes. Wo Wake ihrem Stil die Stange halten und niemandem an den Masten pissen, zeigen sich Dephosphorus irgendwie spielfreudiger, mit den besseren Stücken auf der Habenseite. Das sah ich letztes Jahr noch anders herum. Das soll keinesfalls den Wert des kanadischer Holzfällerumtriebigkeit schmälern, und zwar ganz einfach deshalb weil die nichts mehr beweisen müssen. Beide haben die gleichen Wurzeln und passen besser zusammen als Maria zu Josef. Schade eigentlich, dass der Krawall von so verflixt kurzer Dauer ist. Die Kippe im Aschenbecher ist noch nicht mal runter gequalmt, da fängt der Terror schon wieder von vorn an. Kein Grund zum Heulen, eine derartig heftige Miniausgabe zweier wackerer Grindcorebands kann man gern ein paar Umrundungen länger dulden. Mir gefällt´s!
7/10

KRAANIUM - Post Mortal Coital Fixation - Cd / Comatose Music


Bei der genüsslichen zerebralen Verklappung der neuen Kraanium Scheibe wird mir eins klar, hier entwinden sich Geräusche aus verrottenden Körperöffnungen, die zu Lebzeiten der wandelnden Leiche, keine anatomischen Anlagen zur zielgerichteten Vokalerzeugung hatten. Oder wenigstens hat seit dem homo erectus niemand mehr versucht damit verständliche und sinngebende Laute in den Äther zu meißeln. Kraanium schleppen und prügeln ihre Hausleiche gleichzeitig und strapazieren deren Belastbarkeit ins Unermessliche. Deren Musik ist wie der aufgeblähte Kadaver einer Wasserleiche, die seit einer Woche am Strand in der prallen Mittagsglut gart. Bakterien tun ihr Werk, dann Insekten, Fliegen legen ihre Eier in leicht erreichbare Stellen, Augen, Nase, Mund, Wunden. Larven fressen sich durch Gewebe und Gase blähen den einst anschaulichen Kadaver zu etwas unförmigen und abstoßenden auf. Er vollführt undefinierbare Eigenbewegungen bestimmt durch Fremdleben, das sich von den Resten menschlicher Überlegenheit ernährt. Muskelproteine werden aufgebrochen und giftiger Leichensaft tritt aus, Leichensaft, der alles in seinem Radius in tote Materie verwandelt. Fette braun/gelbe Blubberei zerreißt das Gewebe und verbreitet einen süßlich faulen Geruch, der auch dem Abgebürsteten einen Würgereiz durch den Schlund jagt. Und jedes noch so kleine Loch, jeder noch so zarte Riss in der Oberfläche spielt widerwärtig furzende Tonleitern auf der Klaviatur des Todes. Für Außenstehende muss es eine schreckliche und unbegreifliche Erfahrung sein, die das weitere Rumexistieren traumatisch prägen kann. Für Eingeweihte ist es das Normalste auf der Welt, die menschliche Dekomposition zu studieren und deren Faszination zu erliegen. Und so wird es auch jenen ergehen, die sich „Post Mortal Coital Fixation“ freiwillig oder unfreiwillig rein drehen, der eine wird sich angewidert abwenden, der andere die Repeat Taste mit Tesafilm fixieren. Nun ist es aber auch ein unumstößliches Faktotum, dass Slam Death Metal seine Kreativität eher unsichtbaren Grenzen unterwirft, und viele Rülpsmaschinen einem Klonverein beigetreten sind um die eigene Art sauber zu halten. Prinzipiell trifft das auch auf Kraanium zu, aber zumindest haben der Herr Funderud und seine Gesellen so viele Eier in der nordischen Hose, um ihrer Version brutaler Verschleppungstaktik ein gewisses Maß an Abwechslung mit auf den Weg zu geben. Und auch wenn sie den Stilmitteln der Szene treu bleiben, erhebt sich die neue Rille mit viel Selbstbewusstsein über die Schlafmützigkeit anderer Pseudobrutalosadomasochisten. Grindmaster Flesh schnorchelt seine abartigen Fantasien zum Rhythmus einer echten Flankenattacke aus fettem Gitarrenbrei, zähen Grooves, vibrierenden Bässen und manchmal etwas zu einfallslosem aber stets präzisem Schlagwerk. Also besteht auch kein Grund der 3. spaßigen Blut und Gedärmprovokation die kalte Schulter zu zeigen. Kraanium stehen zu dem was sie da verzapfen und lassen uns die eitrige Suppe mit auslöffeln. Wünsche allzeit guten Appetit.
8/10

INSAIN - Spiritual Rebirth - Cd / Kaotoxin Records


Kaum losgelassen, drückte dieses Album jeglichen Sauerstoff aus der Kühlkammer, zieht den Pilz vom Fuß und komprimiert lästigen Ohrenschmalz zu Rohdiamanten. Es ist doch herrlich, wenn eine Death Metal Band ohne jegliche Rücksicht am Steuer sitzt und schnurstraks alles unter Panzerketten zermalmt, was seinen überraschten Kadaver nicht rechtzeitig aus der Bahn räumt. INSAIN, die ihr Debüt ursprünglich in Eigeninitiative unter der Meute verteilt haben, bringen es nun mit Rückendeckung ihres neuem Labels Kaotoxin zurück und erhöhen so den Radius ihres Vernichtungswerkes. Als selbstgewähltes Reiseziel gilt der technische Vielvölkerblaststaat in dem sich Größen wie Deicide und Vader heimisch fühlen. Aufgenommen im polnischen Hertz Studio bekommt der Sound der Band die maßgeschneiderte Richtung, die nötig scheint um die Säge an die Richtige Stelle im Nacken der Zweifler anzusetzen. Die Erfahrungen aus diversen Bands, die jedes Mitglied der liebenswerten Froschmänner hat, wirkt zusätzlich wie ein Schmelztiegel, in den jeder seine Silberlinge hinein klimpert um einen großen, schweren Klumpen ans Licht zu zerren. Und das gelingt, so ist es nicht erlaubt, 11 Songs lang Luft zu holen, oder klare Gedanken zu fassen. INSAIN schmettern eine Nummer nach der anderen ohne Unterlass und erwähnenswerten Tempoverlust auf die Tanzdiele. Getragene Parts sind wie Oasen in der Sahara, erwünschenswert, ja lebenswichtig aber äußerst knapp. Dass es sie tatsächlich gibt, rettet die splitternde Keule vor zu großen Verlusten, denn beständiges Geballer gebiert neben großem Spaßfaktor auch die schleichende Gefahr der brutalen Monotonie. Darauf haben die sich hier dank ihrer selbst nicht eingelassen. Im Ergebnis erwartet euch eine immens rücksichtslose und dicht gestrickte Ehrenandacht auf lyrisches Blutvergießen und instrumentales Knochenbrechen, eine Death Metal Flak die den Himmel mit bleiernen Leuchtspuren punktiert, ein Riffmaraton, der jeden afrikanischen Rekordläufer in den Herztod treiben würde, ein Schlagzeugsalat, der präzise rattert wie eine abgegriffene Spielkarte in den Speichen meines Kinderfahrrads. Die Band steht mit ihrer Musik geschlossen hinter dem was die frühen 90er hinter dem Teich an technischen Prügelorgien ausgespuckt haben und verinnerlicht offenbar jedes Detail. Nile, Suffocation, Deicide, Hauptsache mittig aufs Zifferblatt. Auf progressive Akte oder etwaige klassische Solos verzichten sie zugunsten komplexer und vor allem funktionaler Songstrukturen. Wie ein mitternächtlicher Orkan rast das Geschehen über erschrockene Langhaarhäupter (auch innwendig) hinweg, so dass für solche Feinheiten kein Freiraum bleibt. Da das technische Breitwandkino aber auch so überzeugend genug ist, bewegt sich die Maschinerie weit abseits von stumpfer Totschlägerei. Marginal setzen sie auch Eckpunkte in Sachen Atmosphäre aber das Hauptaugenmerk gilt der grünen Welle, der vollkommenen Hingabe an amerikanische Raserei. So muss Death Metal in seinem Kern funktionieren, und ihr geht hin und schraubt euch die Rinde in die Ohrmuschel!
9/10

Sunday, May 6, 2012

BLACK MAD LICE - It´s Going Deeper - Cd / Wydawnictwo Muzyczne Psycho


Frisch und unbehaftet soll sie sein, die Jugend, geprägt von ihrer Umwelt, das ist sie wirklich. So was nennt sich Sozialisation und kann nicht vermieden werden. Den größten und selbstbekennenden Einfluss auf das Debütalbum der polnischen Band Black Mad Lice haben wohl At The Gates. In deren Geiste, nur mit moderneren Mitteln, klarerem Sound, corigen Grooves und thrashigen Riffs schütteln sie 8 flotte Stücke aus dem frisch gebürsteten und ausgebeulten Hut. Melodien, die immens wichtig für das Zentralorgan Gitarre sind, bekommen eine aggressive Komponente an den Schwanz geklebt, so dass beinahe niemals Zeit für Melancholie bleibt. Lieber überanstrengt der Gitarrist Finger und Gehirn mit immer neuen Ideen, sich selbst im positiven Sinne quälend. In „Strong Enough“ meinethalben, da bekommt der Anhänger melodiöser Weisheiten schwer eins übergebraten, es mag sogar mal betont gediegen und harmonisch zugehen, bevor sich jedoch irgendjemand daran gewöhnen mag, kommt der Umschwung mit Macht und Härte. Das trifft aber genau genommen für das ganze Album zu. Die Solis sind echte Ohrenbanditen und ein Quell an inspirativer Kraft. Was etwas außen vor bleibt, ist echter Tiefgang und musikalische Schwere, dafür säbelt das Werk viel zu fröhlich durch die Torte. Quasi kein Spielraum für grimmige Mienen, trotz ernster und kritischer lyrischer Absichten. Ein progressiver Steuermann hat sich hinter das Ruder geklemmt und steuert die polnische Kogge mit scheinbarer Leichtigkeit über die kabbelige See. Mit ausreichend frischem Wind in den Segeln, Einflüssen aus Metalcore und naivem Jungspundmetalverständnis, sowie Kenntnis des alten Pfades, gelingt ein Einstieg, der Freunden schwedischen Death Metals jenseits stumpfer Gewalteinwirkung und morbider Friedhofsstimmung zum Gefallen gereichen dürfte. At The Gates, Arch Enemy und vergleichbarer, vielleicht eher populistischer aber mit Herz und Verstand umgesetzter Metal sind Klippen, in deren Windschatten sie Schutz und Inspiration suchen, von denen sie lernen, warum zuhören besser ist als bloßes kopieren. Mit dem Jonglieren und Zusammenfügen verschiedenster Komponenten, mit dem Verarbeiten eigener Vorlieben und genügend technischem Verständnis zur Umsetzung zahlreicher Ideen, entstand ein kurzweiliges Album, das so unbeschwert aufschlägt wie Möwenscheiße auf frisch geschrubbten Planken. Leicht dreckig, leicht anrüchig, immer in dem Wissen, dass es scheiße ist, trotzdem hell strahlend und in tiefstehendem Dämmerlicht feucht glänzend. Etwas mehr Tiefgang und vor allem Bässe hätten der Produktion generell zwar noch einige Faden an Kielfreiheit geben können, aber ich denke „It´s Going Deeper“ hat auch so genug zu bieten um nicht oberflächlich zu langweilen.
7/10