Saturday, May 12, 2012

ANTIGAMA - Stop The Chaos - Mcd / Selfmadegod Records


Antigama waren in musikalischer Hinsicht nie eine ganz einfache, geschweige denn unkomplizierte Band. Na ja, am Anfang vielleicht, aber ihre Entwicklung hat schnell Fahrt aufgenommen. Ihre Musik ist schweinebrutal aber auch immer wieder sperrig um die Ecke. Irgendwie waren sie und bleiben sie eine Grindcoreband, die sich im Kern immer noch auf das Wesentliche konzentrieren kann. Was sie aber ausmacht, ist das komplexe Arbeiten an ihren Veröffentlichungen, denn so einfach und billig lassen sie ihre Songs nie davon kommen. Von wirklicher Progressivität ist da sicher nicht zu reden, es scheint eher so, dass sie ihren schöpferischen Anspruch an sich selbst immer bis an den Eichstrich treiben müssen. Da kann vielleicht nicht jeder mit um, die Musik zeugt aber immer von überdurchschnittlicher Qualität auf Kosten flüchtiger Eingängigkeit. Nichts anderes erwartet euch auf der neuen Ep, mit der sie übrigens zu Selfmadegod Records zurück kehren. Schnelle und schräge Riffs, nicht immer nachvollziehbare Breaks, ein Bass der wie ein Zweitakter den Hintergrund verwüstet, aufgeregte Vocals und einen Oktopus hinter dem Drumkit. Dazu werden immer mal wieder mit skurrilen Ideen kompositorisch Löcher gestopft, die eigentlich gar nicht vorhanden sind. Dann klingt das als würde der Muezzin von einem Minarett im erzkatholischen Polen seine Verehrung für das pure Chaos in die Rushhour brüllen. Alle tonalen Gewaltakte stehen für strukturelle Kontrolle und abstrakte Präzision, nicht für Berechenbarkeit und melodisches Harmoniebedürfnis, die Devise „Drauf los und tot“, nach der unendlich viele Death und Grindcombos sehr gut funktionieren, muss ihnen ein Graus sein. Antigama spielen ihr Spiel und interessieren sich nicht für Konventionen und Erwartungshaltungen. Das trifft sicher auch für das Ende der Ep zu, wenn mit sphärischen Klängen zum Verlassen des Etablissements gebeten wird. Bei Antigama ist das sicher nicht als Spielzeitschinder gedacht, sonder fester Bestandteil ihres Konzeptes von was auch immer. Und der Ep-, und Songtitel „Stop The Chaos“ ist an irgendeiner Stelle in seiner Aussagekraft auch ernst gemeint. Selbst wenn ich das beim Hören kaum glauben kann, drehen sie sowohl mit diesem als auch allen anderen Stücken eher die Schraube chaotischen Wirrwarrs und panischer Zerstörungswut noch etwas mehr in den Grenzbereich. Die können einfach nicht anders und müssen immer bis zum Herzinfarkt zocken, ständig atemlos sein und garantierte Bürgschaften für den ultimativen Sauerstoffmangel unterzeichnen. Antigama haben seit langem das Untier im Käfig gefangen, dass andere namhafte Bands wie Coldworker oder Misery Index manchmal immer wieder aufs Neue jagen müssen. Wer seit eh und jeh seinen Stempel ins Antigama – Bonusheft gemacht hat, wird auch versuchen „Stop The Chaos“ zu verstehen und zumindest den brutalen Scheiß genießen!
8/10

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