Sunday, May 6, 2012

BLACK MAD LICE - It´s Going Deeper - Cd / Wydawnictwo Muzyczne Psycho


Frisch und unbehaftet soll sie sein, die Jugend, geprägt von ihrer Umwelt, das ist sie wirklich. So was nennt sich Sozialisation und kann nicht vermieden werden. Den größten und selbstbekennenden Einfluss auf das Debütalbum der polnischen Band Black Mad Lice haben wohl At The Gates. In deren Geiste, nur mit moderneren Mitteln, klarerem Sound, corigen Grooves und thrashigen Riffs schütteln sie 8 flotte Stücke aus dem frisch gebürsteten und ausgebeulten Hut. Melodien, die immens wichtig für das Zentralorgan Gitarre sind, bekommen eine aggressive Komponente an den Schwanz geklebt, so dass beinahe niemals Zeit für Melancholie bleibt. Lieber überanstrengt der Gitarrist Finger und Gehirn mit immer neuen Ideen, sich selbst im positiven Sinne quälend. In „Strong Enough“ meinethalben, da bekommt der Anhänger melodiöser Weisheiten schwer eins übergebraten, es mag sogar mal betont gediegen und harmonisch zugehen, bevor sich jedoch irgendjemand daran gewöhnen mag, kommt der Umschwung mit Macht und Härte. Das trifft aber genau genommen für das ganze Album zu. Die Solis sind echte Ohrenbanditen und ein Quell an inspirativer Kraft. Was etwas außen vor bleibt, ist echter Tiefgang und musikalische Schwere, dafür säbelt das Werk viel zu fröhlich durch die Torte. Quasi kein Spielraum für grimmige Mienen, trotz ernster und kritischer lyrischer Absichten. Ein progressiver Steuermann hat sich hinter das Ruder geklemmt und steuert die polnische Kogge mit scheinbarer Leichtigkeit über die kabbelige See. Mit ausreichend frischem Wind in den Segeln, Einflüssen aus Metalcore und naivem Jungspundmetalverständnis, sowie Kenntnis des alten Pfades, gelingt ein Einstieg, der Freunden schwedischen Death Metals jenseits stumpfer Gewalteinwirkung und morbider Friedhofsstimmung zum Gefallen gereichen dürfte. At The Gates, Arch Enemy und vergleichbarer, vielleicht eher populistischer aber mit Herz und Verstand umgesetzter Metal sind Klippen, in deren Windschatten sie Schutz und Inspiration suchen, von denen sie lernen, warum zuhören besser ist als bloßes kopieren. Mit dem Jonglieren und Zusammenfügen verschiedenster Komponenten, mit dem Verarbeiten eigener Vorlieben und genügend technischem Verständnis zur Umsetzung zahlreicher Ideen, entstand ein kurzweiliges Album, das so unbeschwert aufschlägt wie Möwenscheiße auf frisch geschrubbten Planken. Leicht dreckig, leicht anrüchig, immer in dem Wissen, dass es scheiße ist, trotzdem hell strahlend und in tiefstehendem Dämmerlicht feucht glänzend. Etwas mehr Tiefgang und vor allem Bässe hätten der Produktion generell zwar noch einige Faden an Kielfreiheit geben können, aber ich denke „It´s Going Deeper“ hat auch so genug zu bieten um nicht oberflächlich zu langweilen.
7/10

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