Thursday, May 10, 2012

D.E.R. - Quando A Esperança Desaba - Mcd / Every Day Hate


16 Songs unter einer ¼ Stunde, da weißt du Bescheid, was den Jungs hier scheinbar ausgeht und am wichtigsten sein muss, Zeit. Erschienen ist das Gebolze für den heimischen, brasilianischen Markt bereits 2008 … glaube ich. Nun hat sich E.D.H. der Geschichte angenommen und lässt das mir bis dato unbekannte Infernalo Nervosi auf Europa los. Und Zeit ist dabei wahrlich nur ein marginales Lächeln vom Randstein der Geschichte. Orientieren sie sich doch auf die Wurzel allen Grindcores. Napalm Death in all seiner frühen, abgeranzeten, kindererschreckenden Räudigkeit sind Pate, Urvater und Idol in einem, da lassen die Typen, über die ich irgendwie überhaupt keine Infos habe, nicht mit sich diskutieren. Zusätzlich wissen sie, dass auch Grindcore in seinem ursprünglichen Sinne irgendwo her kam, deshalb ist der ganze britische 80er Hardcorescheiß auch noch raus zuhören. Ganz im Sinne antiker Unmusikrevolution wird geblastet bis das Fundament reißt, das Dach vom Giebel rutscht und das elterliche Schlafgemach mit Mama und Papa drin, im Freien steht. Der Schlagzeuger führt seinen Privatkrieg auf beängstigend offensive Art und Weise, überschlägt sich permanent und schmeißt die Bude hörbar und vielfach die Proberaumtreppe runter. Dazu dann noch raues und tiefes Köterbellen, als stände der Zwinger von einem Dutzend Pitbulls inmitten einer Katzenkastrierfarm, und der Veterinäronkel überlässt lieber die Arbeit seinen vierbeinigen Kumpels. D.E.R. beziehen sich auch auf Acts wie Phobia oder Insect Warfare, einige Riffs klingen nach Haemorrhage, auch wenn sie deren lyrische Poesie kaum teilen werden, aber eigentlich spielt das alles keine Rolle, saufen und pinkeln die doch alle aus und in denselben Topf. Hauptsache es wird immer grenzwertig am gerade noch Ertragbaren gehämmert und gebrüllt, politisch immer zielsicher auf das Establishment gespuckt und die verdammt kurzen Nummern sollten trotz aller primitiver Gewaltexzesse mit einem gewissen Anteil an Hirneinsatz geschrieben sein. All das trifft zu, so kommen D.E.R. (was auch immer das heißt…?) mit ihrer südamerikanischen Britengrindvariante mehr als löblich vom Acker, nur die Spielzeit hat Herzinfarktcharakter. Ein Gehetze und Geschiebe, Kreislauf auf Anschlag, Herzfrequenz beim Kasper, angeschwollene Halsschlagader und geplatztes Aneurysma, Hirnbluten und sensibler Totalausfall. So ein brüllender und schreiender Gewaltakt kennt keine Freunde, überfährt lieber unbeteiligte Passanten und kleine Kinder, Bremsen wurden konstruktionsbedingt vergessen und die Fahrt geht immer steil hangabwärts. Laut, pöbelnd und um sich schlagend stoppt erst ein Frontalaufprall auf die Stopptaste das wüste Toben. Das hätte alles standesgemäß auf eine 7er gepasst, verirrt sich dann aber doch lieber auf ebenfalls an Popularität verlierendes Plastik. Mir soll es egal sein und ihr sollt’s kaufen.
7/10

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