Thursday, May 10, 2012

FUTURE RUINS - Same - Cd / Power It Up


Was glaubt ihr was ein alter Schwede macht, wenn er sein Innerstes auf Krawall bürstet und seine anarchistischen Intentionen an den mündigen Bürger bringen will? Süßes Brot backen und immer freundlich grüßend durch die Nachbarschaft flanieren? Die einzige Geste, die einem Gruß gleichkommen würde, ist der ausgestreckt Mittelfinger in Richtung all jener, die sich für aufrechte Stützen der Gesellschaft halten. Also was macht er? Er schnappt sich abgegriffene Instrumente, stöpselt sie in verstaubte Verstärker und lässt das Holz ordentlich, selbstbewusst wie ein wahrer Kerllerrevoluzer, splittern. Crust und D – Beat, aggressiv und kantig, genau so melodisch und auf kranke Art musikalisch, wie es nur Schweden auf die Reihe kriegen. Die Songs leben von Eigenständigkeit nicht von Wiederholungen, die Reise ist eine in die Finsternis brüllender und aufrührerischer Kreativität, keine Einbahnstraße. Hass spritzt aus jeder Note und jedem Akkord wie Blut aus einem durchgeschnittenen Schlund, selten verirren sich Salyer – ansässige Leads (Kallocain), meistens haben die Melodien eher was mit rostigen Säbeln und knirschenden Zähnen zu tun. Alles immer so, dass die Songs genug Raum für individuelle Entfaltung lassen. Ohne schöngeistige Ausflüge, versteht sich, alles dreckig und speckig, anrüchig und unangepasst. Aber eben auch auf einem musikalischen Niveau, dass der Band gut zu Gesicht steht und eben nicht einfach nur billig und frontal mit der Brechstange durch die Bunkertür will. Und wenn ich das von dieser Seite beleuchte, besitzen Future Ruins mehr Potential das sie zu nutzen wissen, als viele ihrer besoffenen Crustpunkkollegen. Da muss man beinahe Angst bekommen, dass die ihr Handwerk zu ernst nehmen und die eigentliche Sache aus dem Blick verlieren, nämlich an irgendeiner Revolution teilzunehmen, irgendwas zu befreien und Schulter an Schulter mit irgendwelchen Genossen hinter der Barrikade zu stehen. Vielleicht haben sie das aber auch schon hinter sich und sich selbst befreit. Von den Fesseln kleinkarierten Denkens und stumpfer Erwartungshaltung. Vielleicht ist dieses Album ihr künstlerisches Manifest und beweist, dass sich niemand mit 3 Akkorden zufrieden geben muss, nur weil das in der Szene halt so ist. Future Ruins leben auch eine Rock Attitüde aus und beherrschen ihr Instrumentarium mit allergrößter Sicherheit, setzen Ideen um und schrauben Songs zusammen, die bei aller provokativer Haudraufmentalität sehr homogen an den Mann gelangen. Damit sprengen sie die eigentlich nicht existenten Grenzen und rocken mit tödlicher Präzision, und vorsichtig ausgedrückt, filigranem Verständnis für den richtigen Einsatz, der richtigen Ideen zur richtigen Zeit. Ich find das gut, und je öfter das Teil durch die Hütte kreist, umso intensiver frisst es an meinem Hirnstamm. Diese Erfahrung solltet ihr mit mir teilen!
8/10

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