Tuesday, May 22, 2012

HERETIQUE - Ore Veritatis - Cd / Wydawnictwo Muzyczne Psycho



Vom Geist der unbefleckten Empfängnis, der heiligen Dreieinfältigkeit und Oblaten mit Kakaofüllung beseelt, erreicht mich kürzlich dieses Album aus Polen, das die Antilehre des erzkatholischen Zölibats, als man dort noch Papst war, über den Straßenstrich brüllt, kreischt und auch noch singt. Black/Death Metal mit melodischen Aussichten von heiter bis wolkig werden von einer Kumpanei aus Lang-, und Kurzsocken teils auf Englisch, aber auch in folkloristischer Landesvertonung oder gar Latein? dem Choral geopfert. Das angelsächsisch klingt dialektbedingt holprig, alles andere nuschelig nach zu viel Nudelsuppe zwischen den Zähnen. Die haben aber auch verboten viele Zischlaute im Backpack! Es erweist sich, dass das was wir Death Metal nennen, als jener Teil hervortritt, der eher schwerfällig mit der Wahrheit über den Berg kommt, wohingegen der schwarze Anteil blasphemischer Verunglimpfungen der einzig wahren Lehre zerläuft wie ein Honigbrot unter der Glut der Sommersonne. Wohl aber gibt es auch und vor allem zahlreiche Überschneidungen, die weniger von spiritueller Orientierungslosigkeit zeugen, denn mannigfaltiger inspiratorischer Quellen. Nicht immer homogen mag es sein, dafür vom klassischen Spirit des Metal gelenkt und mit genug Fingerspitzengefühl zusammengepuzzelt, dass das Gesamtbild einer etwas anrüchigen und morbiden aber verehrenswerten Ikone ähnelt, die mit verzerrten Lächeln vom Altar grüßt. Die kurzzeitig einfallenden cleanen Vokale hätten sie sich sparen können, das glaubt sowieso keiner, eher dann das Wechselspiel aus rohen Kreischkrämpfen und tiefen Growls. Auch nicht unbedingt mit Kreativität geweihte Aneinanderreihung von ösophagialen und kehligen Schmerzzeichen, ist klar, aber immer noch das Passendste, wenn man den Ketzer spielen will und Verachtung gegenüber der Lehre des 2000 (und ein bisschen) Jahre alten Erzhippies zum Ausdruck bringen will. Also, Heretique sind musikalisch keine Dummen, schalten ihre teils sehr guten Ideen, gekonnt in Reihe, gute Riffs, sichere Solis und etwas holpriges Gespür für nicht immer schlüssige Arrangements. Einer Hörspielouvertüre gleich, die nicht viel Fantasie abverlangt, empfängt schon das Intro mit der gruseligen Imagination leerer Kirchenhäuser, hallendem Klang gerissener Glocken aus windschiefen Türmen und der stetigen Präsenz des unheiligen Inquisitors. Die Musik versucht sich szeneübergreifend und verlässt mancherorts den Pfad klar strukturierten Death oder Black Metals´, zieht den blanken Stinkefuß aber immer rechtzeitig aus dem Morast und verliert nie das Ziel aus den Augen. Find ich gut, dass sie nicht das eingestanzte Bild von trockenem Black/Death bedienen. Irgendwie sind die wohl open - minded Kreuzeumdreher mit einer Mission, deren Ausgang sie und wir noch nicht abschätzen können. Ganz sicher ist aber, dass deren Weihwasser Babyblut und deren Hostien Fetzen von Menschenfleisch sind. Anständiges Debüt eigentlich, mit meist positiv verwertbaren Bestandteilen und einigen überflüssigen oder vielleicht eher nervigen Anhanggebilden, die es nächstes Mal zu bekämpfen gilt.
6/10

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