Monday, May 7, 2012

KRAANIUM - Post Mortal Coital Fixation - Cd / Comatose Music


Bei der genüsslichen zerebralen Verklappung der neuen Kraanium Scheibe wird mir eins klar, hier entwinden sich Geräusche aus verrottenden Körperöffnungen, die zu Lebzeiten der wandelnden Leiche, keine anatomischen Anlagen zur zielgerichteten Vokalerzeugung hatten. Oder wenigstens hat seit dem homo erectus niemand mehr versucht damit verständliche und sinngebende Laute in den Äther zu meißeln. Kraanium schleppen und prügeln ihre Hausleiche gleichzeitig und strapazieren deren Belastbarkeit ins Unermessliche. Deren Musik ist wie der aufgeblähte Kadaver einer Wasserleiche, die seit einer Woche am Strand in der prallen Mittagsglut gart. Bakterien tun ihr Werk, dann Insekten, Fliegen legen ihre Eier in leicht erreichbare Stellen, Augen, Nase, Mund, Wunden. Larven fressen sich durch Gewebe und Gase blähen den einst anschaulichen Kadaver zu etwas unförmigen und abstoßenden auf. Er vollführt undefinierbare Eigenbewegungen bestimmt durch Fremdleben, das sich von den Resten menschlicher Überlegenheit ernährt. Muskelproteine werden aufgebrochen und giftiger Leichensaft tritt aus, Leichensaft, der alles in seinem Radius in tote Materie verwandelt. Fette braun/gelbe Blubberei zerreißt das Gewebe und verbreitet einen süßlich faulen Geruch, der auch dem Abgebürsteten einen Würgereiz durch den Schlund jagt. Und jedes noch so kleine Loch, jeder noch so zarte Riss in der Oberfläche spielt widerwärtig furzende Tonleitern auf der Klaviatur des Todes. Für Außenstehende muss es eine schreckliche und unbegreifliche Erfahrung sein, die das weitere Rumexistieren traumatisch prägen kann. Für Eingeweihte ist es das Normalste auf der Welt, die menschliche Dekomposition zu studieren und deren Faszination zu erliegen. Und so wird es auch jenen ergehen, die sich „Post Mortal Coital Fixation“ freiwillig oder unfreiwillig rein drehen, der eine wird sich angewidert abwenden, der andere die Repeat Taste mit Tesafilm fixieren. Nun ist es aber auch ein unumstößliches Faktotum, dass Slam Death Metal seine Kreativität eher unsichtbaren Grenzen unterwirft, und viele Rülpsmaschinen einem Klonverein beigetreten sind um die eigene Art sauber zu halten. Prinzipiell trifft das auch auf Kraanium zu, aber zumindest haben der Herr Funderud und seine Gesellen so viele Eier in der nordischen Hose, um ihrer Version brutaler Verschleppungstaktik ein gewisses Maß an Abwechslung mit auf den Weg zu geben. Und auch wenn sie den Stilmitteln der Szene treu bleiben, erhebt sich die neue Rille mit viel Selbstbewusstsein über die Schlafmützigkeit anderer Pseudobrutalosadomasochisten. Grindmaster Flesh schnorchelt seine abartigen Fantasien zum Rhythmus einer echten Flankenattacke aus fettem Gitarrenbrei, zähen Grooves, vibrierenden Bässen und manchmal etwas zu einfallslosem aber stets präzisem Schlagwerk. Also besteht auch kein Grund der 3. spaßigen Blut und Gedärmprovokation die kalte Schulter zu zeigen. Kraanium stehen zu dem was sie da verzapfen und lassen uns die eitrige Suppe mit auslöffeln. Wünsche allzeit guten Appetit.
8/10

No comments:

Post a Comment