Friday, May 11, 2012

PASSIV DÖDSHJÄLP - Fasader - Cd / Power It Up


PASSIV DÖDSHJÄLP – passive Todeshilfe. Ha!, ich lach mich kaputt, wenn die Brüder auf irgendeine Art passiv sind, dann bin ich Deutschlands nächster Papst und Kandisbunzler in persona! Passive Todeshilfe bedeutet, dem Abtrittwilligen die Kanone möglichst ungeladen in die Hand zu drücken und ihm alles weitere zu überlassen. Das was die Schweden jedoch abziehen, ist der Trigger höchstpersönlich. Die feuern die Kugeln aus dem Lauf in der festen Absicht Blut zu vergießen. Dafür muss ein jeder die Birne natürlich freiwillig hinhalten. Und womit propagiert der Schwede seine Abneigung gegen generell alles am überzeugendsten? Mit Crustcore, vornehmlich der Marke Skitsytem natürlich. Mit dem Anspruch, so ranzig und hektisch wie nur vertretbar in die Saiten zu hauen, jeden Tag ein Schlagzeug zu recyceln und gewebsfeindlich zu kreischen und zu plärren. Der Sänger bedient sich eines typischen schrillen Organs mit dem Klang eines freigelegten Schweinedünndarms, der mit gleichbleibender Geschwindigkeit durch das Loch einer leeren Bierdose gezogen wird. Anstrengende Scheiße, ich vermute Dauerbelastung könnte ungesunde Folgen haben. Aber die Mucke ist trotzdem fettig und was wäre sie ohne solche Kehlkopfkrebskandidaten. Bisschen kurz vielleicht, aber durchaus recht variabel was Tempo und Arrangements betrifft. Kann sein, dass es sogar etwas von über den Tellerrand schielen hat, wenn sie immer wieder eher etwas düstere und ruhigere Bremswirkung auf die Songs ausüben. Da spielt sich eben nicht alles in 3 Akkorden ab. Die tun zwar mit Recht immer noch und hauptsächlich einen Scheißdreck um die Crust und D – Beat Spur überzeugend zu verlassen, aber auf dem serpentinenreichen Anarchopfad haben sie ein durchaus brauchbares Kurvengefühl. Da kann so ein Freizeitrevoluzzer schnell zum Überzeugungstäter werden, wenn er mit kantigen Riffs und verstimmten Leads beworfen wird, wen er ständig angebrüllt wird wie ein Kleinkind, dass den widerlichen Babybrei aus der Tube wieder an den flohverseuchten Köter verfüttert und lieber nach dem Flaschenbier des Alten japst. Wenn sich Bässe so rar machen wie der Ruf nach gesellschaftlicher Verantwortung, dass es auch den noch so gemäßigten Stubenkater in die Eckkneipe zur verrauchten Stammtischpolitik treibt. PASSIV DÖDSHJÄLP klingen alles in allem etwas schräg, ziemlich überzeugend und damit irgendwie ehrlich. „Fasader“ ist ein kompromissbereites Stück Neopunk mit allen Ecken und Kanten in all seiner faszinierenden Räudigkeit und über Gebühr ansprechendem musikalischen Präzisionsvermögen. So was muss rau, roh und laut! Lediglich den Makel allzu knapper Bespaßung müssen sie mit sich tragen, denn bissel über 20 Minuten ist nicht wirklich ein echtes Album. Diese spießige Einstellung ist mir heilig!
7/10

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