Thursday, May 24, 2012

STALWART - Manifest Of Refusal - Cd / PRC Music


Mutig, populistisch, progressiv, ungewöhnlich, anpassungsfähig, brutal und frontal, das und mehr ließe sich den sauberen Russen unters´ Tschapka reden. Dass ihre Musik auf hohem Standard steht, haben sie nicht nur dem Hertz Studio zu verdanken, sondern auch dem jahrelangen Suchen nach der eigenen Identität. Das Ergebnis ist eine nicht eindeutig einzuordnendes Metalchassis , das technisches Todesblei rudimentär Rob Zombie verbindet, das ThrashMetal und Industrial als kokettierendes Paar wieder zurück auf die Bühne holt, das Dark Metal unter notwendiger Zuhilfenahme von bedingungsloser Schmerzfreiheit mit Hardcore oder öffentlichkeitsheischenden Metalcore und irgendwie auch Sepultura auf eine Bank kriegt. Die Basis sollte eigentlich immer noch Death Metal sein, mit der ganzen Palette an schwerem Vernichtungspotential, dessen Grenzen werden aber ordentlich aufgeweicht. Wie der Verstand bei einsetzender Demenz brechen gewöhnliche, durch klassische Konditionierung antrainierte Strukturen mancherorts einfach weg. Woanders werden neue installiert. Dass das Resultat aus so viel lockerem Stahlbiegen immer noch im höchsten Gang in die Fresse knallt (fast), nehme ich da dankbar hin. Und das alles wahrscheinlich mit dem Ziel, dem russischen Bären mit aller nötigen Brutalität an den fettigen Pelz zu wollen. Der roten Fahne entwachsen und in voller Generation die intellektuelle Freiheit genießend, die unter diesen Breitengraden eben möglich ist, versucht sich eine Handvoll Musiker erfolgreich zu etablieren. Wie mit dem Lineal am Reißbrett gezogen, erscheinen die Songs, perfektioniert und vollkommen durchgerechnet, bevor das Ergebnis ins Studio getragen wurde. Improvisation haben sie im Gegensatz zu ihren Vätern verlernt, wichtiger scheint völlige Kontrolle. Dabei entstehen auch Sachen, die nicht so leicht durch den Schlund ins Dunkle wollen. Die wechselnden Vocals beispielsweise muss man erst mal zu fassen kriegen. Gutturales Leiseflüstern kann einem schon auf den Keks gehen. Groove und brachiales Geknüppel, aber auch effektive Riffs lassen anfängliche Berührungsängste schnell vergessen. Das Keyboard ist ein fester Bestandteil der russischen Spielwut, das nicht immer passen will, richtig zum Einsatz gebracht aber mehr als nur begleitende Akzente setzt. Stalwart klauben aus allen möglichen Genres Brocken und Fetzen zusammen und konstruieren sich wie einst Frankenstein sein Monster, ihre eigene Kreatur zusammen. Ein Ungetüm, das immer erkennen lässt, von wem der Kopf abgeschnitten und die Beine angenäht sind. Gewöhnlich ist wenig, wäre es nur, würde man alles auseinander nehmen, der Bastard hat Laufen gelernt. Läuft sicherer als es seinem Konstrukteur lieb sein wird, denn ein solchermaßen auf das große Publikum abzielendes Album schürt auch Erwartungshaltungen für vielleicht noch kommende Anschläge. Immerhin ist das schon das 4. oder auch 5. Album, festgebissen haben sie sich schon lange. Also, könnte allen gefallen, die Death Metal nicht als Dogma verstehen und ihn dennoch lieben.
8/10

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