Thursday, May 17, 2012

TOMBTHROAT - Eden Apocalypse - Cd / Blast Head Records


Der Körper ist der Kerker der Seele! Mit dieser bahnbrechenden Erkenntnis starten Tombthroat ihr 4. Album. Suchen sie Verständnis für ihre eigene bluttriefende Existenz bei versteinerten Philosophen? Sind sie irgendeiner Wahrheit auf der Spur, oder passt dieser düstere Nihilismus lediglich in das irgendwie auch neue Repertoire der Band? Neu deswegen, weil mir die komplette Cd wesentlich massiver, durchdachter, kreativer erscheint, als es all die Musik war, die mir bisher zugegebenermaßen nur rudimentär das Ohr streifte. Deshalb mag ich auch der Täuschung unterliegen, die Vocals growlen sich ihren Weg durch eigenkomponierten Todschlag jedoch mit viel mehr Schmackes als in den zurückliegenden Jahren. Bisher waren die Ludwigshafener in meinem Universum lediglich ein Rad von vielen, das die deutsche Szene am Laufen hielt. Nun aber sind sie mehr Motor als lediglich Bestandteil eines großen, oftmals bröckelnden Ganzen. Schnurstraks setzen sie die Aussage des Intros in erschreckenden Realismus um. Mit immens technischen und brutalen Keulen entleiben sie alle Zweifler, und schmettern splitternde, tödliche Schläge in entblößte Nacken. Da muss ein gewaltiger Ruck durch das Gefüge der Band gegangen sein, wenn der Zug plötzlich an Bremskraft verliert und seine Tonnage unaufhaltsam in eine Kollision führt. Das komplette Album drückt mit Macht die Füllung aus den Kissen, auf denen wir uns bis dato ausgeruht haben, bevor wir unerwartet und dermaßen rigoros aus dem Schlaf gerissen wurden. Dichter, kompakter Sound schiebt sich durch den Raum, eine Wand aus geschmolzenem Blei und stählernerer Bewährung, aus Hitze und Schmerz. Da scheint etwas als echte homogene Masse mit intellektuellem Zentralkern zu funktionieren, wie sonst lässt sich das durchweg hohe Niveau dieser „Kopp ab“ Platte erklären, mit Riffs aus der Eisenschmelze, Bässen auf labbrigen Pferdeenddärmen gespielt, Grooves und Technik, Nachvollziehbarkeit und Anspruch. In erster Linie jedoch mit dem vollem Programm frontal an die Platte! So tickt Tombhroat Anno 2012, dem Jahr der Apokalypse (mal wieder). Das wir alle aus unserem sauberen Eden längst rausgeflogen sind, hätten wir wohl fast verdrängt, würde uns ein Album wie dieses nicht immer wieder die Augen öffnen, indem sie die Lider abreißen, das Gehör schärfen, indem sie Trommelfelle auf ihre einzigartige Weise verdichten, unseren Verstand schärfen, indem sie uns ohne Unterlass mit sägenden Saiten, pfeifenden Obertönen und progressiven Twists auf die blöde Birne kloppen. Ich glaube, die Band hat einen recht hohen Aufwand betrieben, um das Album in dieser Form weiter zu reichen, oder aber die hatten einfach nur ein paar gute Tage. Ich bleibe aber bei meiner Überzeugung, dass da viel Arbeit wie auch viel Spaß drin stecken, etwas das ihr honorieren solltet, wenn ihr auf brutalen Hacktot steht, aber mehr sucht als geklonten Amirülps vom Großhändler!
8/10

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