Friday, May 11, 2012

ZOMBIE RITUAL - Dawn Of The Zombie Slaughter - Cd / Power It Up


Ich habe immer angenommen, so ein blöder, nach Fleisch und Hirn gierender Untoter, dem selbiges im Laufe seiner Existenz immer verlustiger wird, fällt einfach irgendwann auseinander und transformiert zu Humus. Bei den skurrilen Zombies aus Tokio scheint ein strahlungssicheres Immunverhalten die Kadavertruppe länger als erwartet am Unleben zu halten. Obwohl es langsam Verschleißerscheinungen am inneren Korpus gibt. Im Gegensatz zu den mir bekannten Alben und Splits (kenne lange nicht alles), fehlt dem neuen Output der schlitzäugigen Karnivoren so etwas der Biss. Die ersten Zähne sind wohl im Zuge mentalen Skorbuts im festen Haut, Knorpel und Knochengespinst ihrer Opfer stecken geblieben. Die erste Hälfte des Albums ist vollkommen überzeugend mit vokalem Gewürge unterschiedlichster Couleur, matschigen Goreriffs und mittig gepackten klassischen Metal Solis. Alles schön fies und angenehm konsumierbar. Die zweite Hälfte leidet dann tendenziell unter Atemnot, gehen ihnen doch die guten Songideen etwas aus und der Sänger beginnt mit umgekehrtem Stimmbruch leicht zu strapazieren. Dafür versuchen sie mit Coolness zu punkten und so ein kurz angesetztes Stakato – Riff wie in „Zombie Angels Fallen“ hat sogar was von der rotzigen Abgebrühtheit einer Band wie Prong. Das aber nur am Rande, das Stück ist nicht unbedingt das Zentrum der Scheibe. Will nur sagen, dass immer noch was geht, selbst wenn die Luft vergiftet von Ideen klaubenden Pestschwaden zu sein scheint. Für einige heftige Schrammelhiebe in die Testikel und Eingeweide langt der an Luftnot leidende Teil aber auch so noch. Zombie Ritual wissen seit jeh her, in wessen Luftzug ihre Fahne flattert. Da gibt es den ganzen alten Razorback Terror von Ghoul über Frightmare und Engorged. Es wird mit den Klassikern der Splatterunmusik kokettiert, namentlich Impetigo, die Könige des primitiven Schlachthaussounds. Und hinter all dem schwebt natürlich der Geist von Carcass. Die klauen und erfinden ihre Existenz gleichermaßen. Es geht billig zu wie in einem schmuddeligen Rotlichtkino, es wird auf kranke Art melodiös und schleimiger Galopp ist Pflicht. So feist und roh wie das sich ans Leben klammernde Vierergespann über die Piste hoppelt, so schnell schlurft ein Zombie seinen Opfern in der Regel nicht hinterher. Deshalb legen sie auch immer Mal Pausen ein, wegen der Authentizität und dem Spaß an der Sache. Trab und Midtempo, morbide Leads und abgegriffene Riffs, düstere, verklebte Melodien und ein Höllengeschrei. Das alles könnt ihr entweder genießen oder als zu poplig betrachten für ein echtes Zombiegelage. In Tokio tobt auf jeden Fall noch die Hölle in dunklen Nebenstraßen und schlecht bis albern bemaltes Lumpengesindel nervt das Establishment mit Grindcore und ihren Visionen vom Leben nach dem Schnitter. Das macht Laune und verliert seinen perversen Charme noch lange nicht. „Dawn Of The Zombie Slaughter“ ist nun nicht der kompositorische Nabel des Friedhofs, was sicher auch nicht zu erwarten war, macht aber Laune und für jeden biersaufenden, im stehen pissenden wandelnden Toten fast unabdingbar!
7/10

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